Archiv für Mai 2008

Die digitale Identität macht alle zu Gewinnern

Montag, 26. Mai 2008

Im Internet-Zeitalter ist der Kunde der große Gewinner. Diese Weisheit, noch vor wenigen Jahren wahlweise bestaunt oder bezweifelt, kann heute als allgemeine Erkenntnis angenommen werden. Selbst dem konservativsten Anhänger der „Old Economy“ ist klar, dass dem Abnehmer einer Ware oder Dienstleistung dank Internet eine solche Machtfülle zu wächst, dass er zunehmend derjenige ist der bestimmt, wo es lang geht.

Im Zeitalter der totalen, globalen Vergleichbarkeit, von Dingen wie On¬line-Auktionen, Power Shopping, elektronischen Preisagenten und virtuellen Einkaufsnetzen ist der Kunde wirklich König. Jeder, der davon träumt, sich ein Stück vom großen Kuchen der elektronischen Märkte abzuschneiden, tut gut daran, dieses Phänomen genau zu studieren. Gerade diejenigen, die bereits über eine klassische Ausbildung in Wirtschaftswissenschaft oder über umfangreiche praktische Erfahrung als Marketing-Profi verfügen, werden am meisten dazu- oder umlernen müssen, denn teilweise werden die Gesetze der Sozialökonomie heute neu geschrieben. Viele Prozesse und Zusammenhänge, die wir gerne als gegeben hinnehmen, werden durch die neuen Möglichkeiten der weltweiten Vernetzung in Frage gestellt oder sogar ins Gegenteil verkehrt.

Um es auf einen kurzen Nenner zu bringen: Unsere angebotsorientierte Wirtschaft ist dabei, sich in eine Bedarfsorientierte zu verwandeln. In einer solchen Wirtschaft sind aber Dinge wie Glaubwürdigkeit und Informationstiefe wichtiger als große Markenbekanntheit. Satt sich dem Kunden aufzudrängen ist es heute die Aufgabe von Anbietern sein, die Wünsche und Bedürfnisse des Kunden möglichst perfekt und passgenau, vor allem aber vorauseilend zu befriedigen – bevor es ein anderer tut. Kundenloyalität lautet das Losungswort. Und die ist nicht für ein paar flotte Marketingsprüche zu haben.

Was heute zählt ist Wissen – das Wissen um den Kunden, nämlich.

Nun ist das mit dem Wissen so eine Sache: Viele verwechseln es mit Informationen. Davon haben Unternehmen in der Regel eine ganze Menge. Es steckt in Datenbanken oder auch in einer Schuhschachtel im Keller, nämlich in Form von Postkarten aus dem letzten Gewinnspiel, bei denen leider keiner bislang die Zeit gefunden hat, sie zu erfassen und damit digital nutzbar zu machen. Dies ist nicht Wissen (oder allenfalls nutzloses Wissen), sondern viel eher der Rohstoff, aus dem mit etwas Geschick Wissen generiert werden kann.

Die meisten Besitzer von Information setzen heute auf Technik, um diesen Umwandlungsprozess zu beschleunigen oder überhaupt erst in Gang zu setzen. Sie setzen zum Beispiel auf Softwarelösungen für so genanntes CRM (Customer Relationship Management). Doch bleiben in der Praxis viele Projekte reine Insellösungen. Das liegt vor allem daran, dass bei solchen Projekten meist die technische Funktionalität im Vordergrund steht und nicht der Kunde selbst.

Dabei gerät die eigentliche Zielsetzung von CRM oft in Vergessenheit, nämlich den Unternehmenswert durch verbesserte Kundenselektion und Kundengewinnung sowie durch erhöhte Prozesseffizienz, zu steigern. Der Kunde soll nicht nur „verwaltet“ werden. Die Beziehung zum Kunden selbst gehört unter die Lupe, um daraus konkrete Handlungsempfehlungen für die Business-Kollegen und für die Führungsebene ableiten zu können.

Doch eine wesentliche Voraussetzung dafür ist das Wissen um die Identität des Kunden. Konkret –denn wir leben im Digitalzeitalter – handelt es sich um die digitale Identität, was Vor- und Nachteile hat. Vorteil ist, dass sich solche Identitäten tatsächlich für die elektronische Verarbeitung eignen. Nachteil ist, dass jeder von uns meist mehrere oder sogar viele digitale Identitäten besitzt, und dass diese nicht immer der Realität entsprechen müssen. „On the Internet nobody knows you’re a dog“, lautet ein geflügeltes Wort aus den Urzeiten des Internet. Die Anonymität des Internet verleitet viele, die Unwahrheit über sich zu erzählen. Herauskriegen kann’s ja sowieso keiner. So entsteht eine Unschärfe, die sich spätestens dann unangenehm bemerkbar macht, wenn über das Internet Geschäfts gemacht und Dinge gekauft werden sollen.

CRM im herkömmlichen, nämlich im operativen Sinn greift ohnehin viel zu kurz. Solche Systeme müssten sehr viel weiter gehen, um grundlegende Geschäfts- und Entscheidungsprozesse zu unterstützen. Als „analytisches CRM“ bezeichnet man Verfahren zur Ermittlung von Bedarf, Verhalten und Wertvorstellungen der Kunden. „Integriertes CRM“ ist hingegen die Fähigkeit, dieses gesammelte Wissen um den Kunden auch dort hinzubringen, wo es benötigt wird, es also über alle Unternehmensbereiche und vor allem an der Unternehmensspitze verfügbar zu machen.

CRM sollte vor allem drei Kernfragen beantworten können, nämlich:

•    „Wie identifizieren und adressieren wir die wertvollsten Kunden?“,
•    „Wie sollte die Interaktion mit dem Kunden idealerweise ablaufen?“ und
•    „Wie messen wir den Erfolg einer kundenorientierten Wachstumsstrategie?“

Dass die Antwort unter anderem von funktionierendem Indentity Management abhängt, liegt auf der Hand. Nur durch die eindeutige Zuordnung von Personen, Profilen, Präferenzen und Rollen ist integriertes CRM tatsächlich machbar.

Kundenorientierte IT-Projekte stehen meist im Zusammenhang mit der Entwicklung und Pflege von umfassenden Kundendatenbanken (Data Warehouse). Die Herausforderung lautet aber: Aus der Flut von Informationen über den Kunden verwertbares Wissen zu generieren und Reaktionsstrategien damit zu verknüpfen. Dabei gilt es, zwischen klassisch betriebswirtschaftlichen Aspekten auf der einen und branchen- und unternehmnesspezifischen Aspekten auf der anderen Seite zu unterscheiden.

Zu den betriebswirtschaftlichen Kenngrößen zählen zum Beispiel verhaltensorientierte Aspekte wie individuelle Präferenzen bei der Produktauswahl oder bei der Mediennutzung, aber auch psychologische Kriterien wie grundsätzlich Lebenseinstellung oder persönliche Interessen. Zu beachten sind auch die demographischen Kriterien wie Geschlecht, Alter und Familienstand, die ebenso Einfluss auf die Produktauswahl des Kunden haben können wie geografische und sozio-ökonomische Kriterien, beispielsweise Ausbildung, Beruf oder Einkommen.

Relevanten Erkenntnisse aus dem großen Informations-Bergwerk der Kundendatenbank die fürs Unternehmen gewinnen Unternehmen heute mittels Data Mining. Doch nur wer weiß, wonach er sucht, wird später auch wirklich fündig. Die Analyse muss deshalb vier Hauptbereiche erfassen, nämlich:

Kunden-Bestandsanalyse: Wer sind eigentlich unsere Kunden? Wo sind sie? Warum sind sie überhaupt unsere Kunden geworden?

Kundenzufriedenheit: Der Vertrieb mit seinem direkten Kundenkontakt muss der IT systematisch Informationen liefern können, die als spätere Akquisitionshilfe dienen können. Eine möglichst genaue Stornoanalyse sowie professionelles Beschwerdemanagement können ebenfalls wichtige Erkenntnisse liefern, die sich auf andere Kunden übertragen lassen.

Kundenbindung: Wie oft und wie intensiv besteht Kontakt mit dem Kunden? Wie viele Produkte oder Verträge besitzt er? Welche Laufzeiten haben seine Verträge?

Kundenwertanalyse: Wie viel Kapital ist bei welchem Kunden gebunden? Lohnt es sich überhaupt, weiterhin bestimmte Produkte anzubieten? Eine hierarchische Deckungsbeitragsanalyse, die nach Kundengruppen und Absatzkanälen organisiert ist, kann helfen, solche unternehmenskritischen Fragen zu beantworten und dabei mögliche Cross-Selling-Potenziale zu identifizieren. Ziel sollte es sein, den Wert des Kunden über die Laufzeit der Beziehung (Customer Lifetime Value) zu ermitteln und daraus die entsprechenden Schlüsse zu ziehen.

CRM muss demnach auch eine Methode zur Beurteilung der Kundenqualität sein. Aber leider fehlt häufig neben der klassischen Risikokalkulation auch eine betriebswirtschaftliche Steuerung, die dank modernem Identity Management sogar auf der Ebene des Einzelkunden möglich und sinnvoll ist.

Dazu zählen Aufgaben wie Identifikation und Bearbeitung profitabler Alt- oder Neukunden ebenso wie die Analyse und Steigerung der Kundenbindung. Am Institut für Versicherungswirtschaft an der Uni Köln hat Prof. Dr. Heinrich R. Schradin zahlreiche Implementierungen von CRM wissenschaftlich untersuchen lassen und dabei fünf Erfolgsfaktoren isoliert, die für die Einführung kundenorientierter Geschäftssysteme zu beachten sind:

Nicht alles auf einmal machen wollen: Das Einführungskonzept sollte überschaubare Projektschritten und eine zentrale Koordination beinhalten. Wichtig, so Schradin, sei die Unterstützung durch die Geschäftsleitung ebenso wie die frühzeitige Einbeziehung der Anwender, am besten durch Bildung eines interdisziplinären Projektteams.

Fokus auf den Kunden: Kundenbeziehungsmanagement ist eine Marketing- und Vertriebsmaßnahme, kein technischer Selbstzweck. Er sollte nach Kundensegmenten organisiert sein. Die IT-Abteilung muss als Dienstleister zwar fest in das Projekt eingebunden sein, sie sollte sich aber den Anforderungen des operativen Geschäfts unterordnen.

Standards führen zum Erfolg: Der Leistungskatalog eines Projekts muss sich am Kundenlebenszyklus orientieren und sich flexibel den verändernden Bedürfnissen im Markt anpassen. Die verwendete Software sollte deshalb am besten Industriestandards unterstützen, um den Zeit- und Kostenaufwand bei der späteren Modifikation möglichst niedrig zu halten. Dies ist auch bei der Integration der verschiedenen Vertriebskanäle wichtig, um Doppel- und Dreifachaufwand in der Entwicklung und Implementierung zu vermeiden.

Markenqualität bedeutet Sicherheit: Bei der Systemauswahl empfiehlt Schradin, auf bekannte und erfolgreiche Anbieter zu setzen. Diese seien in der Regel in der Lage, den Aufwand für die individuelle Anpassung der Systeme, das so genannte Customizing, möglichst niedrig zu halten. Damit derartige Projekte keine Insellösung bleiben, sollte von Anfang an Wert gelegt werden auf umfassende Integration mit anderen Prozessen und Systemen.

Erfolg muss messbar sein: „Wenn Sie es nicht messen können, können Sie es auch nicht managen“, zitiert Schradin. Damit kundenorientierte IT-Projekte nicht zum Fass ohne Boden ausufern, sind klare Meilensteine und Projektschritte mit konkreten Kosten und Zielen (Kostenersparnis oder Umsatzwachstum) nötig. Er empfiehlt den Einsatz von Balanced Scorecards sowie von Messsystemen, die auch „weiche“ Effekte wie Kundenzufriedenheit oder Weiterempfehlungsbereitschaft („Net Promotor Score“) erfassen.

In jüngster Zeit hat sich in Fachkreisen des so genannten Identity & Access Managements (einer Unterdisziplin von IT-Security einerseits, von eBusiness und eCommerce andererseits) eine heftige Diskussion entfaltet über etwas, das unter dem zunächst etwas verwirrenden Begriff „user-centric identity“ ausgefochten wird. Es geht dabei um komplizierte technische Systembeschreibungen wie OpenID oder Identity Federation (die zu beschreiben den Rahmen eines solchen eher nichttechnischen Werks deutlich sprengen würde), andererseits um den in der Folge von Web 2.0 und dem Mitmach-Internet“ entstandenen Trend, den Benutzer (=Kunden) in den Mittelpunkt der Bemühungen zu stellen und ihm weitestgehende Freiheit in der Wahl seiner Kommunikationsmittel und –ziele zu geben.

Im Kern geht es bei „user-centric identity“ darum, dass dem Benutzer die Kontrolle über seine Identitätsinformationen (zurück) zu geben. Heute sind die digitalen Identitäten der Benutzer meist an vielen verschiedenen Stellen gespeichert. Jedes Mal, wenn der Anwender eine neue Website oder eine neue Anwendung benützen will, ist er gezwungen, eine Kombination aus  Benutzername und Passwort einzutippen. Da die verschiedenen Systeme selten den gleichen Syntax verwenden, ist meistens auch eine andere Kombination nötig. Die Folge sind vergessene Passwörter und frustrierte Konsumenten oder – schlimmer noch – ein erhöhtes Maß an Unsicherheit. User sind auch nur Menschen. Wenn sie sich etwas nicht merken können, schreiben sie es auf. Also hängen häufig die Benutzernamen und Passwörter in Klarschrift auf irgendwelchen Klebezetteln direkt am Bildschirm oder liegen in der rechten oberen Schreibtischschublade. Statt eines einigermaßen sicheren Passworts, das aus willkürlichen Buchstaben- und Zahlenfolgen besteht, verwendet Otto Normalverbraucher den Vornamen seiner Ehefrau, die Lieblings-Automarke oder den Namen des besagten Hundes, von dem keiner im Internet weiß, dass er einer ist.

Gegen dieses „Identitäts-Chaos“ ziehen neuerdings verschieden Computerfirmen ins Feld, allen voran Microsoft mit einem System, das als „CardSpace“ bezeichnet wird, und dass mit dem neuen Betriebssystem „Windows Vista“ vorgestellt wurde. CardSpace gibt dem Anwender die Möglichkeit, elektronische Karten zu definieren und auf seiner Festplatte zu speichern. Diese können wie „richtige“ Kredit- oder Kundenkarten verwendet werden. Will heißen: Kommt der Benutzer auf eine Website, die persönliche Informationen von ihm verlangt, löst die Anfrage des Anbieters automatisch eine Reaktion des Kunden-PCs aus: Es wird genau die Karte „gezückt“, die die erforderlichen Informationen enthalten. Nicht mehr, nicht weniger. Der Kunde wird sogar vorher noch gefragt, ob er willens ist, diese Informationen weiterzuleiten. Wenn nicht, bricht der Browser den Vorgang ab.

Doch das ist nur der Anfang. Teil des OpenID-Konzepts, das auch von Microsoft verfolgt wird, ist das Schaffen von Authentifizierungsstellen, bei denen sich der Benutzer die Echtheit und den Wahrheitsgehalt seiner digitalen Identitätsangaben (also zum Beispiel seiner CardSpace-Karten) zertifizieren lassen kann. In diesem Fall müssen im Zweifelsfall überhaupt keine Identitätsdaten  mehr vom Benutzer zum Betreiber eines Online-Shops mehr fließen. Stattdessen wird die Anfrage an die Zertifizierungsstelle „umgeleitet“, die lediglich die Angaben des Benutzers (zum Beispiel: „Ich bin volljährig“) bestätigt.

Das Potenzial solcher virtuellen Kundenkarten geht weit über die einfachere Anmeldung auf einer Website hinaus. Dadurch, dass Informationen aus verschiedenen Identitätsspeichern aggregiert und in beliebiger Zusammenfassung bereitgestellt werden können, wird es dem Kunden immer einfacher gemacht werden, persönliche Informationen freizugeben – oder nicht. Dies wird bereits von einigen kurzsichtigen Anbietern als das „Ende von CRM“ beklagt, nach dem Motto: Jetzt haben wir diese teuren Systeme angeschafft, deren Zweck es ist, möglichst viele Informationen über die Kunden zu sammeln, und nun fangen die Kunden an, sich uns zu verweigern.“

In Wirklichkeit ist user-centric Identity eine große Chance für den Anbieter, die Beziehung zu seinen Kunden auf eine neue Vertrauensbasis zu stellen. Wenn ich weiß, was mein Anbieter über mich weiß, und wenn ich sicher bin, dass er dieses Wissen nur zu meinem Vorteil nutzen wird (etwa um, wie Amazon, mir immer bessere Buchempfehlungen zu geben, basierend auf einem immer schärfer werdenden Kundenprofil), dann werde ich viel eher bereit sein, mit diesem Anbieter ein Stammkundenverhältnis einzugehen.

In der Welt von Web 2.0 wird der Anbieter mit offenen Karten spielen müssen. Wer seinem Kunden die Kontrolle zurückgibt, schafft genau die neue Form von Transparenz, die Voraussetzung ist für erfolgreiche Online-Wirtschaft.  Der wird es durch Treue danken, vermutlich auch durch Mehrumsatz. Mit Hilfe von versiertem, aber auch von verantwortungsbewusstem Umgang mit den persönlichen Identitätsdaten von Kunden lassen sich von ihrer Natur her flüchtige Online-Beziehungen zwischen Kunde und Anbieter verfestigen. Dank Automatisierung lässt sich das auch noch zu äußerst günstigen Kosten realisieren. Am Ende gewinnen nicht nur der Kunde – sondern alle. „Win-win-Situation“ nennt man so etwas.

Suppe der Superlative

Sonntag, 25. Mai 2008

Ist Terung Lodeh womöglich die beste Suppe der Welt? Meine französischen Freunde Danielle und Michel sind echte Gourmets. Klar, mit dem Background. Michel ist sein Leben lang als Manager bei verschiedenen IT-Firmen um die Welt gereist und hat in einigen der besten Restaurants gespeist. Inzwischen ist er pensioniert und hat noch mehr Zeit, sich für gutes Essen zu interessieren. Und seine Frau ist zwar immer noch so schlank wie eine 16jährige, aber sie ist alles andere als eine Kostverächterin.

Als wir die beiden kürzlich wieder mal zum Essen eingeladen hatten, habe ich mir das Hirn zermartert auf der Suche nach einem kulinarischen Erlebnis, mit dem ich zwei so hartgesottene Feinschmecker noch beeindrucken könnte. Und ich entsann mich der besonderen Reize der indonesischen Cuisine mit ihren sagenhaft subtilen Gewürzmischungen und feinem Zusammenspiel von oft sehr gegensätzlichen Geschmacksattributen. Für mich ist sie zugleich die raffinierteste und einfachste aller ostasiatischen Küchen.

Ein alter Freund aus Jakarta hat mich einmal in die Geheimnisse der Kochkunst seines Landes eingeführt, und ich habe mir über die Jahre viel Mühe gemacht, die wichtigsten Zutaten und Würzen Indonesiens zuzulegen. Tamarindesaft, zum Beispiel, oder Terasi, eine Garnelenpaste, die riecht, als hätte man eine Dose Sardinen 14 Tage lang in der Sonne stehen lassen, die aber den Speisen eine unvergleichliche Note verleiht. Nicht zu vergessen Laos-Puder, das aus dem Wurzelgeflecht des kleinen Galgants (ein Vetter des Ingwers) gewonnen wird.

Eines meiner Lieblingsgerichte ist eine indonesische Suppe namens Terung Lodeh. Sie besteht aus einer fein gewürztem Hühnerbrühe mit Shrimps und kleingewürfelten Auberginen oder Zucchinis. Frische Chilis geben ihre eine rezente Schärfe, getrocknete Daun Salam-Blätter (die ähnlich schmecken wie die in Indien verbreiteten Curryblättern, nur feiner) verleihen ihr eine wunderbar exotische Note.

Die beiden waren begeistert. So begeistert, dass Danielle mir am nächsten Tag eine Mail schrieb, in der Sie sagte: “Das war die beste Suppe, die ich jemals gegessen habe.” Das ist fürwahr hohes Lob aus berufenem Munde. Weshalb ich an dieser Stelle gerne das vollständige Rezept verraten möchte. Damit auch Sie einmal diese Suppe der Superlative genießen können. Guten Appetit!

Terung Lodeh

Hühnersuppe mit Garnelen und Auberginen

Zutaten für 4 Portionen:

150 g frische Cocktailgarnelen, in mundgerechte Stücke geschnitten

2 Esslöffel Erdnussöl

1 weiße Zwiebel, in hauchdünne Scheiben geschnitten

2 Knoblauchzehen, zerdrückt oder kleingeschnitten

2 frische rote Chilies, entkernt und kleingeschnitten

1 reife Tomate, entkernt und geschält

2 Daun Salam-Blätter (ersatzweise eine Prise getrocknete Curryblätter)

2 Tassen Hühnerbrühe

1 mittelgroße Aubergine oder 1 Zucchini

1 Tasse Kokosmilch

1/2 Teelöffel braunen Rohrerzuckers

1 Teelöffel Salz

 

Öl im Wok erhitzen und darin Zwiebelscheiben, Knoblauch und Chillies anrösten, bis die Zwiebeln goldgelb, aber noch nicht braun sind. Tomate und Daun Salam-Blätter zugeben und die tomate zerdrücken. Hühnerbrühe drübergießen und simmern lassen. Aubergine oder Zuccini schälen, in kleine Würfel schneiden und zur Suppe dazu geben. 10-15 Minuten simmern lassen, bis das Gemüse weich ist. Kokosmilch dazu geben, mit Zucker und Salz abschmecken. Die Garnelen dazu geben, vom Herd nehmen, 5 Minuten ziehen lassen und servieren.

Zum Teufel mit dem Waldkautz!

Samstag, 24. Mai 2008

Wenn wir den Klimawandel stoppen wollen, müssen wir uns vorher leider von ein paar grünen Grundideen verabschieden. Es gibt nämlich nur einen Weg, die globale Erwärmung zu bremsen, nämlich weniger Treibhausgase produzieren. Alles andere ist Nebensache.

Folgt man dieser Logik, dann sind die  LOHAS der größte Feind der Umwelt. Sie wissen ja: die Anhänger einer “Lifestyle of Health and Sustainability”, also die demografische Gruppe, die gerne organisch produzierte Bio-Produkte kauft, Hybridautos fährt, in Drittweltläden einkauft, sauber ihren Müll trennet und homäopathische Pillen schluckt. Früher sagte man abschätzig “Gutmenchen”, aber das ist unfair, denn diese Leute handeln tatsächlich aus einem oftmals recht vagen, aber echten Geühl der Verantwortung heraus. Sie drehen die alten Glühbirnen raus und ersetzen sie durch Energiesparlampen, weil sie wirklich glauben, damit etwas gegen die Klimakatastrophe zu tun. Sie bilden die Kernzielgrupppe der Bioindustrie und die Stammwählerschaft der Grünen.

Leider sind sie auf dem Holzweg.

Das gleiche gilt für die Atomgegner, die Anhänger genfreier Lebensmittel und die Naturschützer. Zum Teufel mit dem Waldkautz: Wir haben viel ernstere Probleme! Unser Planet ist dabei, sich wie ein Bratapfel aufzuheizen! Der Golfstrom droht zu kippen, und dann gute Nacht Europa! Unser Wetter spielt demnächst vielleicht so verrückt, dass wir uns nicht mehr vor die Tür trauen können! Falls wir überhaupt noch eine Tür haben, weil sie nämlich von irgendwelchen Mega-Hurricans weggepustet worden ist, und wir gleich mit dazu.

“Der Krieg gegen Treibhausgase ist viel zu wichtig, um ihn den Umweltschützern zu überlassen”, schrieb die amerikanische Kultzeitschrift “Wired” in ihrer jüngsten Ausgabe. Hauptargument der Autoren: Die Umweltbewegung kämpft an zu vielen Fronten, die meisten davon Nebenschauplätze. Wir müssen uns endlich auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich die Aufheizung der Erde durch carbonhaltige Abgase.

Der Artikel besteht aus zehn ketzerischen Thesen, die in offenem Wiederspruch stehen zu einigen der Grundpfeiler grüner Glaubensbekenntnisse. Ein Beispiel: Atomkraft. “Keine Frage, dass Atomernergie die klimafreundlichste Form der industriellen Energiegewinnung ist”, schreibt das Blatt. Und sie haben recht: Alle Einwände gegen Atomstrom – Angst vor Reaktorunfällen, das Problem nuklearerer Abfallbeseitigung, das Potenzial für die unkontrollierte Ausbreitung von Atomwaffen, die hohen Kosten für Bau und Stillegung der Meiler – haben alle nichts mit der Erderwärmung zu tun. Watt für Watt produziert ein Kohlekraftwerk natürlich hundertmal mehr CO2 als ein Atomkraftwerk. Weltweit ist die Energiegewinnung, so Wired, für rund 26 Prozent der Treibhausgase zuständig. So gesehen haben die Autoren recht wenn sie schreiben, das schlimmste am Kyoto-Protokoll sei die unter dem Druck der Grünen zustandegekommene Bestimmung, wonach Drittweltstaaten keine Kohlenstoff-Gutschriften bekommen, wenn sie Atomkraftwerke bauen, was sie zwingt, auf abgasschleundernde Kohle- oder Ölkraftwerke zu setzen.

Auch die These, wonach die Europäer endlich ihren bornierten Widerstand gegen genetisch veränderte Lebensmittel aufgeben müssen, macht Sinn, wenn man sie vor dem Hintergrund der globalen Erwärmung betrachtet. Gentechnisch optimierte Pflanzen brauchen weniger Düngemittel, und Kunstdünger ist zweifellos eines der größten Klimakiller überhaupt. Laut Greenpeace ist die Herstellung von Stickstoffdünger energieintensiv und verursacht hohe CO2-Emissionen, nämlich zwischen 300 und 600 Millionen Tonnen CO2e im Jahr – zwischen 0,6 und 1,2 Prozent der gesamten weltweiten Treibhausgase. Die US-Firma Arcadia Biosciences hat angeblich eine Reissorte entwickelt, die ohne Kunstdünger auskommt und deren Anbau umgerechnet etwa 50 Millionen Tonnen Kohlendioxid sparen würde. Auch hier haben sämtliche Argumente gegen “Frankenfood” wie Abhängigkeit der Bauern von teuren Importen von Saatgut und den assozierten Pestiziden, sinkende Biodiversität, unbeabsichtigte Freisetzung nicht zugelassener Nutzpflanzen oder mögliche Gesundheitsrisiken alle nichts mit der globalen Erwärmung zu tun – das eigentliche Thema Nummer eins.

Einihe der Thesen sind so kontraintuitiv, dass der unbedarfte Leser sie zunächst für ausgemachten Blödsinn halten muss. Zum Beispiel, dass Klimaanlagen gut sind für das Klima.

Freispruch für Raucher

Samstag, 17. Mai 2008

Die erste Verhandlung gegen Teilnehmer am “Smoke-In” vor dem Landtag in München endete mit der Einstellung des Verfahrens. Weitere werden folgen.

Amtsgericht München, Nymphenburger Straße, zweiter Stock: Um 10 Uhr an einem verregneten Mittwochmorgen findet sich ein rundes Dutzend Teilnehmer am “Smoke-In” am 3.11.07 vor dem Bayerischen Landtag ein, um zu erleben, wie über die Raucher Recht gesprochen wird. Während die beiden Angeklagten, Elke Korte und Joachim Schwoch, auf ihren Richter warten, wird im Zuschauertraum spekuliert und getuschelt wie einst im Klassenzimmer bevor der Lehrer kam.

Richter Jung trägt auch die gleiche Miene wie ein besonders strenger Oberstudienrat. Die Angeklagten, die Einspruch eingelegt haben gegen Bußgeldbescheid des Kreisverwaltungsreferats München von je 300 Euro wegen Verstoßes gegen das Versammlunsgesetz, schauen etwas verlegen. Schwochs Verteidiger, Jürgen Schneider von Preu, Bohlig & Partner, blättert in den Akten. Es herrscht gespannte Erwartung, als der Richter die Verhandlung eröffnet und zur Personalienfeststellung schreitet. Der Anklagevertreter streichelt einen wirklich eindrucksvoll langen, aber auffällig dünnen Kinnbart.

Hier endet leider die Live-Reportage, denn ich musste als geladener Zeuge den Saal verlassen und erst mal draußen Platz nehmen neben der jungen Polizistin, die als Zeuge über den Ablauf der Aktion zu berichten hatte, sowie dem inzwischen pensionierten Pförtner des Landtags an diesem Tag vor den Überwachungskameras saß. Er ist extra aus Freising angereist, meint aber: “Machen’s sich keine Sorgen wegen der Reisekosten – ich hab eine Rentnerkarte von der MVV.”

Eine Stunde später darf ich mich in den Zeugenstuhl setzen. Der Richter will wissen, warum wir uns getroffen haben (“…weil wir etwas gegen das plötzlich geplanten Total-Rauchverbot unternehmen wollten”), was die junge Polizistin zu uns gesagt hat (…gehen’s da nüber”) und ob wir auch alle den Anordnungen Folge geleistet hätten (…ja!”).

Dann beginnt Richter Jung, wie er sagt, “laut nachzudenken”: Dass es sich um eine Versammlung gehandelt habe sei zweifellos, dass sie innerhalb des Bannkreises um den Landtag stattgefunden habe ebenfalls. Dass allerdings auch die Polizei nicht sagen konnte, wo denn dieser Bannkreis sich erstrecke und die Teilnehmer, nachdem dieser Punkt per Funk geklärt wurde, sich auch widerstandslos daran machten, sich zu entfernen, bevor sie zum Zwecke der Feststellung von Namen und Adresse am Weggehen gehindert wurden, sei aber auch klar. Er neige deshalb dazu, das Verfahren einzustellen. Bedeutungsschwangerer Blick zum jungen Anklagevertreter. Der nickt. Richter Jung verkündet im Namen des Volkes das Ende des Verfahrens gegen Schwoch und Korte samt Kostenübernahme durch die Staatskasse. Der dritte Angeklagte, ein Hamburger Geschäftsmann, der trotz rechtsfähiger Vorladung nicht erschienen ist, bekommt dagegen die volle Wucht der Staatsgewalt zu spüren: Er wird in Abwesenheit für schuldig befunden und muss auch noch die Kosten seines Verfahrens tragen. Merke: Wenn Frau Justitia ruft, sollte man ihr auch folgen…

Mehrere Reporter von Abendzeitung, Merkur und dpa sind anwesend, stellen Fragen, schütteln den Kopf: “Das ist doch alles ein Scherz, oder?”, meint eine Journalistin. Nein, jedenfalls nicht für diejenigen, deren Verfahren noch aussteht. Denn der Freispruch für Schwuch und Korte bedeutet noch nicht das Ende der Verfahrenslawine.

Am Montag geht es ab 9 Uhr Schlag auf Schlag: Drei Verfahren hintereinander. Jedesmal von vorne: Personalienfeststellung, Anklageverlesung, Zeugenbefragung. Ob am Ende auch jedesmal eine Einstellung stehen wird, ist Sache des einzelnen Richters. In Deutschland gilt, im Gegensatz zu meiner amerikanischen Heimat, das strenge Präzedenzprinzip nicht. Es bleibt also noch einiges zu tun, bis diese Justizposse endlich dorthin gelegt werden kann, wo sie hingehört: zu den Akten.

Techno-Bedouins Seek A Digital Oasis

Donnerstag, 15. Mai 2008

Thanks to wireless communications and ever-shrinking digital tools, business professionals are way ahead in staying productive on the road. Unfortunately, hotels and airports are still catching up.

“Have laptop, will travel.” Like the hired gunslinger of Hollywood lore, the modern road warrior is constantly on the move, ready to spring into action wherever opportunity may arise.

Unfortunately, not everywhere is a good place to sit down and work. In fact, most airports and hotels are poorly equipped to cater to the needs of what a recent article in the Economist calls “Techno-Bedouins”.

For one thing, architects don’t seem aware that electric outlets are to techno-Bedouins what water holes are to the real ones. “Where is a plug when you need one” is a frequent lament to be heard on the road. Two or more electricity-deprived businessmen squabbling over the solitary socket next to the departure gate has become a familiar sight, like drivers trysting for the only remaining downtown parking space.

But finally it seems that hotels and airports are catching on at last to the changing needs of mobile workers.

While glitches with the new baggage handling system at Heathrow’s bright new Terminal 5 may have left thousands of travellers stranded, at least they could spend their time catching up with their work, thanks to thousands of strategically located electric outlets. “Heathrow is undergoing extensive transformation to improve terminal facilities for 21st century passengers”, says airport media rep Lisa O’Brien. So besides Swarovski crystal chandeliers and furnishings by designers Osborne & Little, the new terminal features ubiquitous (though costly) WiFi coverage and laptop-friendly seats.

Where airport operators fail to provide basic services for road warriors, individual concessionaires often rise to the challenge. The branch office of SEB bank in Frankfurt’s Rhine-Main Airport for instance is often crammed with businessmen and women enjoying a latte along with free Internet access at the bank’s stylish in-house café. Elsewhere, wireless broadband is only available from the local provider, Deutsche Telekom, for a whopping fee.

Hotels are also growing aware of the new work habits of their clientele. “No one wants to crawl around behind the desk looking for the plug”, says Nathalie Debus, communications director of the new upscale Pullman brand, which is being launched by Accor Group in 23 countries mainly in Europe and Asia. She feels that “Technology and ways to help people when they are working away from the office are an important part of our basic offer.”

Rooms at Pullman hotels are routinely equipped with WiFi access, cordless phones, a webcam and an office corner complete with a docking system that offers a simple, practical way to recharge different devices such as laptops, Smartphones, and digital cameras.

However, simply providing the infrastructure is often not enough, as anyone knows who has had problems getting online late at night after checking in. “Hotels are woefully lacking when it comes to tech support”, says Georg Magg, CEO of Integralis AG, a IT security company based in London, Munich and Dubai.

Mack spends about 120 days away from home each year, and he admits that he regularly chooses his hotels based on their ability to ensure that he is always online.

“Tech support is definitely something hotels need to get better with”, Georg Plesser agrees. As director of the Hotel Villa Kennedy in Frankfurt, which is part of the super-luxury chain of hotels run by Britain’s Sir Rocco Forte and was voted “Best Business Hotel in Europe” last year by the readers of CNBC European Business magazine, he makes sure that guests can order up an adapter for every type of digital divide imaginable (each room is equipped with a docking station for the visitor’s iPod).

Like all hotels in his group, the Villa Kennedy has its own resident geek, a trained IT specialist who is on call 24 hours a day. Every member of the front desk staff is required to take a training course in basic IT problem solving.

While the road warrior is on his own most of the time, there are ways that his company or organization can help to solve some of the more vexing issues. One is roaming: Mobile professionals are constantly moving between wired offices, wireless LAN environments, and public networks. Usually, this means he has to stop all active applications, reconfigure the mobile device, establish necessary security, for instance through a VPN, and then restart the applications.
So as business professionals increasingly take to the road, efforts are under way to make the “work anywhere” experience more agreeable – and more productive.

Build them an oasis, and Techno-Bedouins will feel right at home.

Journalist – ein Auslaufmodell?

Freitag, 09. Mai 2008

BILD hat angeblich drei Millionen Reporter. Und was wird aus mir?

Neulich fragte mich mein Freund Michael Kausch, ob ich glaube, dass der Journalistenberuf noch eine Zukunft hat. Die Frage ist für ihn genauso existenziell wie für mich, denn er ist Chef der renommierten PR-Agentur Vibrio und er lebt wie ich davon, dass die Medienbranche weiterhin so funktioniert wie bisher: Der Journalist schreibt, der Leser oder Zuschauer liest oder schaut zu.

Leider ist dieses Modell längst aus den Fugen geraten. Zeitungsleser schreiben ihre Nachrichten selbst oder machen die dazugehörigen Bilder, lange bevor irgendein rasender Reporter es bis zur Unfallstelle schafft, wie kürzlich beim Transrapid-Unglück im emsländischen Lathen mit 23 Toten und zehn Verletzten. Ein Spaziergänger mit Handycam schoss das Foto, das um die Welt ging, kein Profi.

Und wenn die BILD-Zeitung damit wirbt, sie habe drei Millionen “Leser-Reporter”, dann ist da was dran. Wobei diese Amateure sogar besser bezahlt werden als die Profis, denn für ein veröffentlichtes “1414-Foto” gibt es 500 Euro – davon können die “richtigen” Pressefotografen meist nur träumen.

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