Archiv für Juli 2008

Politik 2.0: Von Barak lernen

Sonntag, 27. Juli 2008

Zwei Zeitungsberichte haben mich heute beschäftigt, obwohl sie scheinbar nichts miteinander zu tun haben.

Unter der Headline “Volksparteien im freien Fall” untersucht die Online-Ausgabe der Welt die nicht nur für Genossen fatale Tatsache, dass die CDU erstmals die SPD in der Mitgliederzahl überholt hat.  Genau genommen haben die Schwarzen nur weniger Mitglieder verloren als die Roten, aber das Ergebnis ist dennoch äußerst symbolträchtig.

Die andere stammt von der guten, alten Papierausgabe des “Economist” und trägt die Überschrift “Unhappy America“. Es geht darin um die gegenwärtig spürbare Niedergeschlagenheit der Amerikaner, denen das Blatt eine tiefe kollektive Depression attestiert angesichts von Bankenkrise, geplatzter Immobilienblase, explodierenden Benzinpreisen und einer politischen Führung, für die das Wort “gescheitert” noch als Schönfärberei durchgehen könnte. Bushs Umfragewerte nennt der Economist “sub-Nixonian”. Das sagt eigentlich alles.

Ein Satz im Leitartikel des, für mich jedenfalls, besten Wirtschaftsjournals der Welt, schafft die Verbindung. Und lässt nachdenken über die Zukunft des politischen Systems in Deutschland. Hier das Zitat:

“Genau wie es der amerikanische Kapitalismus Firmen erlaubt, schnell zu sterben oder gegründet zu werden, so reagiert das politische System schnell. Europäische Führer steigen langsam auf durch die Parteienhierarchien; in Amerika können inspirierende Unbekannte dank des Vorwahlsystems plötzlich aus dem Nichts heraus ins Rampenlicht der Öffentlichkeit treten.”

(weiterlesen …)

Die Wahrheit über Apple

Samstag, 26. Juli 2008

Okay, für einen, dessen Verhältnis zu Apple erklärtermaßen zerrüttet ist (siehe meinen Kommentar auf den Blog von Christoph Witte vom 8. Juli (“Springer kauft Apple-Geist“, beschäftigt mich die Steve Jobs im Moment vielleicht zu sehr, aber was da gerade abgeht ist einfach zu faszinierend, als dass ich stillhalten könnte. Vorgestern habe ich (“Wie ein Arschloch Apples Börsenkurs antreibt“) über Steves langes Schweigen zum Thema Krebs und die Folgen für Apples Marktwert geschrieben.

Mein Punkt war, dass der Gesundheitszustand eines so exponierten Menschen wie Jobs keineswegs seine Privatsache ist, weil es unmittelbaren Einfluss auf den Aktienkurs des Unternehmens hat. Das glaubt auch der berühmte Wirtschaftskolumnist Joe Nocera, der das Thema heute in der “New York Times” noch mal aufgreift. “Jobs hat mehr Wert geschaffen und mehr Innovation angetrieben als irgendein anderer in der Branche”, sagt Nocera. Seiner Meinung nach wäre Apple sogar börsenrechtlich verpflichtet, den Anlegern eine Verschlechterung im Gesundheitszustand des CEOs zu melden, und zwar gleich aus drei Gründen:

Erstens sei Jobs kein CEO wie jeder andere, sondern ein unverzichtbarer Teil von Apple (“the single most indispensable chief executrive on the planet”). Zweitens hat er Krebs, verdammt noch mal! Auch wenn er gerade symptomfrei ist: Bei Krebs weiß man nie! Und drittens haben wir es hier mit Apple zu tun, und denen könne man nicht über den Weg trauen (“Apple simply can’t be trusted to tell the truth about its chief executive”).

(weiterlesen …)

Das Internet-Geheimnis der ARD

Sonntag, 20. Juli 2008

Interessante Unterhaltung heute mit einem Freund, der ein hohes Tier in der ARD ist. Das “dunkle Geheimnis” sei, dass die TV-Redakteure selber gerne die Bälle im Internet flacher halten würden. Denn siehe da: Es gibt bei der öffentlichen Sendern genau die gleiche Kluft zwischen Fernsehmachern und den Kollegen der Onlineredaktion wie zwischen Print-Redakteuren und den Jungs von der Online-Front. “Die können kein Fernsehen machen”, sei die vorherrschende Meinung – ein abfälligeres Urteil kann es unter Fernsehleuten nicht geben.

Erinnert mich alles fatal an frühere Print-Zeiten, als die “echten” Schreiber auf die Emporkömmlinge in den Online-Redaktionen herabblickten, die ihrer Meinung nach keine Ahnung von “richtigem” Journalismus hatten und ihnen nichts als zusätzlichen Arbeit und Ärger machten.

Nun hat sich, zumindest in einigen Redaktionen herumgesprochen, dass es nur eine Art von Journalismus gibt, nämlich guten, und dass ein richtiger Journalist auf beiden Hochzeiten tanzen können muss. Die logische Folge ist die Zusammenlegung von Print- und Online-Redaktion, wie sie etwa die “Welt” mit dem integrierten Newsdesk vorexerziert. Davon sind die Fernsehmacher noch meilenweit entfernt. Vielleicht ist das die große Chance der Verleger. Nur müssen sie sich beeilen: Irgendwann wird sich auch bei den Öffentlich-Rechtlichen herumsprechen, dass es den Bildern egal ist, auf welchem Bildschirm sie sich bewegen, Fernseher oder Computermonitor.