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20.02.07
von Tim Cole um 18:42
Der "DNA-Fingerabdruck" kommt
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Kaum ein Thema entzweit die Menschen so wie die Frage nach dem biologischen Fingerabdruck. Schlechte Nachrichten für die Gegner: Sie haben keine Chance, die Entwicklung aufzuhalten, wie das Beispiel USA zeigt. Mit der Verabschiedung einer Novellierung zum Gesetz gegen Gewalt an Frauen ("Violence Against Women Act") hat der US-Kongreß nämlich ab sofort allen Bundesbehörden erlaubt, jedem, der mit dem Gesetz in Konflikt gerät, eine Blut- oder Speichelprobe zu entnehmen und das Ergebnis in einer riesigen DNA-Datenbank zu speichern. Betroffen sind davon nicht nur Verbrecher, sondern auch Verdächtige, Verkehrssünder und vor allem illegale Einwanderer, auch dann, wenn sie sich sonst nichts zuschulden haben kommen lassen. Bislang waren nur DNA-Tests bei verurteilten Straftätern zulässig. "Je größer die DNA-Datenbank, desto besser", zitiert die New York Times die Sprecherin einer Frauenschutzorganisation, die weiter behauptet: "Dieses Gesetz hätte schon vor Jahren implementiert werden sollen, dann hätte es viele Verbrechen verhindert. Frauenschänder sind Generalisten, sie vergewaltigen nicht nur, sie ermorden auch." Man mag dazu stehen, wie man will, aber Tatsache ist: Auch hierzulande wird die Forderung nach einer Ausweitung der DNA-Tests auf immer neue Tätergruppen immer lauter. Ich bin ziemlich sicher, dass die Politik dem Druck nicht allzu lange standhalten wird. Über kurz oder lang wird jemand kommen und sagen: Warum nicht auch der Rest der Bevölkerung? Schließlich haben wir ja Normalbürger nichts zu verbergen. Und es gibt viele Situationen, in denen eine eindeutige, DNA-geprüfte Identifizierung einen gewissen Charme besitzt, etwa in der Medizin oder in der Terroristenabwehr. Heute ein Fingerabdruck im Reisepass - morgen der DNA-Code auf dem Ausweis. Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte: Irgendwann sind wir in Deutschland auch so weit. Außerdem ist abzusehen, wann die USA einen solchen Gentest zur Voraussetzung für die Einreise machen wird. Werden die Deutschen deshalb nicht mehr nach Amerika fahren? Wetten dass nicht? Ich halte es deshalb auch für müßig, sich in lange Grundsatzdiskussionen zu verstricken. Reden wir lieber darüber, wie verhindert werden kann, dass mit der Erbgutinformation Schindluder betrieben werden kann. Reden wir darüber, wie der Bürger ermächtigt werden kann, Einblick in das zu nehmen, was Staatsorgane mit dieser Information tun. Reden wir darüber, wie wir die gegensätzlichen Interessen von Sicherheit und Selbstbestimmung vernünftig abwägen können. Vor allem aber: Fangen wir langsam aber sicher an, uns an den Gedanken zu gewöhnen, dass DNA der Fingerabdruck von morgen sein wird, ob es und passt oder nicht. |