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05.03.07

von Tim Cole um 16:05
Ärzte bitte ans Telefon!

Das Mobiltelefon könnte mehr Menschenleben retten als Stammzellenforshcung, CRT-Scanner, DNA-Anlyse oder andere Hitech-Ansätze in der modernen Medizin.

Howard Zuckermann, der stellvertretende Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO, war kürzlich in Mozambik, und er fand dort, wie die "New York Times zitiert", wie erwartet katastrophale Zustände vor: Ernährungmangel, Hygienedefizite, verschmutztes Trinkwasser.

Am meisten Sorgen aber machte ihm ein Problem, das auch in anderen Drittweltländern um sich greift, nämlich gefälschte Arzneimittel. Bis zu 60 Prozent der in Kambodia angeboteenen Malariamittel stammen laut einer WHO-Untersuchung aus Fälscherwerkstätten, die meisten von ihnen in der Volksrepublik China, und enthalten in der Regel harmlose Ingeridenzien wie Kalkpulver. Skrupellose Händler mischen aber auch gefährliche Cocktails mit teilweise hochgiftigen, aber billigen Substanzen in ihre Pillen und überschwemmen damit die Märkte in Afrika und Südostasien.

Das Problem ist nicht ganz neu: In den 90ern starben in Indien, Haiti, Bangladesh und Nigeria Hunderte von fieberkranken Kindern nach der Einnahme von gefälschtem Paracetamol-Syrup. In einem Aufsatz warnt die Ärztezeitschrift "The Lancet" davor, dass bis zu 70 Prozent der im Weltmarkt angebotenen Artemisinin-Präparate, die neueste Wunderdroge gegen Malaria, aus Fälscherwerkstätten stammen und entweder unwirksam oder lebensgefährlich sind.

Zuckermann hat in Mozambik aber noch etwas anders gesehen, dass ihn hoffen lässt: "Fast jeder dort hat ein Mobiltelefon", sagte er. Mir ging es ähnlich, als ich vor kurzem Indien bereist habe. Die Frage ist nur, wie man die große Verbreitung von Mobilfunk dazu verwenden kann, das Problem der Drogenfälschung in den Griff zu bekommen.

Im Grunde ist die Antwort einfach: Wir brauchen ein möglichst globales Verifizierungssystem, bei dem ein Arzt oder Patient anrufen und die Produktnummer auf dem Etikett durchgeben kann. Durch Abgleich mit einer entsprechenden Datenbank würde sich in den meisten Fällen mit einem einfachen Telefonanruf klären lassen, ob es sich um ein echtes Medikament oder eine billige Fälschung handelt. Die Abfragen lassen sich sogar mit Hilfe von SMS-Nachrichten automatisch generieren und anrufen.

In Ruanda wurde inzwischen ein System des amerikanischen Herstellers Voxia installiert, das Helfern an entlegenen Orten erlaubt, Informationen über neue AIDS-Fälle an die Gesundheitsbehörde in der HAuptstadt Kigali zu melden. Früher dauerte es oft Wochen oder Monate, bis eine Meldung per Post oder Boten übermittelt werden konnte. Der Feldversuch, an dem inzwischen 340 Kliniken und 32.000 Patienten beteiligt sind, erlaubt es den Gesundheitsbehörden, viel rascher als bisher zu reagieren und die Versorgung entlegener Krankenhäuiser mit modernen HIV-Medikamenten zu verbessern. Ähnliche Systeme arbeiten bereits in Indonesien, wo es um die Meldung über neue Fälle von Vogelgrippe geht, sowie in Indien, wo neue Medikamenten gegen die weitverbreitete Leishmaniose, eine durch Parasiten übertragene Erkrankung des Immunsytems geht.

Wenn ich mir überlege, wie schwer sich hierzulande Ärzte und Bürokratie mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen tun, kann auch ich mich, wie Zuckermann, nur wundern über das, was in der so genannten dritten Welt an Fortschritte mit zum Teil einfachster Technik erzielt werden. Das Handy als Arzthelfer - wer hätte das gedacht?



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