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09.03.07

von Tim Cole um 13:31
Einfach drücken

Die Firma Kodak wurde mal berühmt mit dem Werbespruch: „Sie drücken den Knopf, den Rest machen wir.“ Die Deutsche Telekom hatte weniger Glück mit dem Versuch, einen Telefondienst namens „Push-to-talk“ populär zu machen.

Mittels speziell ausgerüsteter Mobiltelefone, die über eine „Walkie-Talkie-Funktion“ verfügen, sollten vor allem Jugendliche dazu animiert werden, ihre Freunde richtiggehend „anzufunken“, wobei immer nur derjenige sprechen kann, der gerade den Knopf gedrückt hält.

Der gute, alte Fliegerfunk lässt grüßen, nach dem Motto: „Houston, wir haben ein Problem.“ Leider ist die Rechnung bislang noch nicht aufgegangen. Die Kids schicken sich lieber weiterhin kryptischer Textnachrichten per SMS („8ung, bigbedi“ – „Achtung, bin gleich bei dir“), für den Dienst haben sich bis dato nur eine Handvoll Teilnehmer angemeldet.

Push-to-talk könnte man also getrost ablegen unter den vielen historischen Fehleinschätzungen der Telekom wie das Bildtelefon Anfang der 90er oder die 16 Milliarden Mark, die Ron Sommer im Jahr 2000 für seine UMTS-Lizenz bezahlte. Aber siehe da: Einer ist da noch am Drücker: Bob, den ich kürzlich auf der 3GSM World in Barcelona traf. Er ist der Chef Plaschke der kleinen kalifornischen Firma Sonim Technologies und hat sich auf den kleinen, aber lukrativen Markt für „tough phones“ spezialisiert. Das sind Handys für richtige Kerle, die sich auf Baustellen und Bohrinseln herumtreiben und die dort gelegentlich auch mal telefonieren müssen. Das Modell XP1 ist gelb und rot, hat schwarze Gummileisten an den Kanten und breite Tasten, mit denen man notfalls wählen kann, ohne den Arbeitshandschuh auszuziehen.

Vor allem aber: Der XP1 (Slogan: „solid as a rock!“) ist sozusagen der Hummer unter den Handys, nämlich absolut unkaputtbar. Um das zu beweisen, hat Plaschke seine 80 Mitarbeiter aufgefordert, es zu versuchen. Der Sohn eines Sonim-Angestellten hat seine Zerstörungsversuche auf Video festgehalten: Wie er mit einem Baseballschläger darauf eindrischt, es mit dem Golfschläger im hohen Bogen durch die Gegend ballert und zum Schluss noch einen Freund bittet, mit dem Auto drüber zu fahren – alles umsonst.

Plaschke ist ein großer Fan von Push-to-talk, oder OMA PoC, wie der entsprechende Weltstandard in der Technikersprache heißt, denn er glaubt, dass es genau das Richtige für seine Zielgruppe ist. Die wollen eigentlich gar nicht telefonieren, sondern ganz schnell mit jemandem sprechen, der ihnen aus der Patsche helfen oder etwas wichtiges erledigen soll, wie zum Beispiel den Strom abstellen oder unterm Kran weggehen, bevor sie von einer Palettenladung erschlagen werden. Außerdem können OMA PoC-Handys auch Internet-Radio empfangen, was sicher hilft, die langen, sturmgepeitschten Nächte auf der Bohrinsel besser zu überbrücken.

Seiner Meinung nach haben die Mobilfunkfirmen diese Zielgruppe schlicht und einfach vergessen. „Es gibt mehr als 25 Millionen Arbeiter und Handwerker in Europa“, rechnet Plaschke vor. Sein Ziel ist es, jedem von ihnen eines seiner superharten Handys zu verkaufen. „Dann bin ich fast so groß wie Nokia“, freut er sich. Merke: Man muss große Ziele haben. Und ab und zu auf den richtigen Knopf drücken.



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