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24.05.07
von Tim Cole um 14:16
Wer gut ist, muss ein Deutscher sein!
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Vor ein paar Jahren versuchte die rot-grüne Regierung, indische Ingenieure mit „red-green cards“ zu ködern. Sie hätte ihnen deutsche Reisepässe anbieten sollen. Ich hatte vor kurzem das große Glück, eine Vorlesung am Massachusetts Institute of Technology, dem legendären MIT, zu besuchen. Im Saal saßen vielleicht 500 Studenten, und ich schätze, dass 90 Prozent von ihnen Schlitzaugen hatten oder einen Latino-Teint trugen. Anders ausgedrückt: Amerika bildet fleißig Fachleute für Drittweltstaaten aus – genau diejenigen, die in ein paar Jahren die lukrativen Hitech-Jobs erledigen werden, die Amerika zur Zeit nach Bangalore, Schanghai oder Manila exportiert. Wie mir erging es jetzt dem Globalisierungs-Guru Thomas Friedmann, Autor des Bestsellers „The World Is Flat“. Er war eingeladen zur Abschlussfeier des Renssalaer Polytechnic Institute, noch eine Technorati-Schmiede im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, und ihm war, wie er schrieb, anschließend zum Heulen zumute. Da stand ein hoffnungsvolles Jungtalent nach dem anderen auf, um einen Doktortitel in Biotechnik, Computerwissenschaften oder Physik entgegenzunehmen, aber die Namen der Studenten, die auf die Bühne gebeten wurden, lauteten „Hong Lu“, „Xu Xie“, „Tao Yuan“ oder „Fu Tang“. Fast gegen Ende war wenigstens ein gewisser Paul Shane Morrow an der Reihe, ansonsten glänzte Amerika bei der Feier durch Abwesenheit. Wer mittags am Springbrunnen vor der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität in der Sonne sitzt und dem bunten Treiben zuschaut, sieht auch ein paar Ausländer, aber längst nicht so viele wie an den amerikanischen Elite-Unis. Und dann denkt man unwillkürlich an dem Branchenverband Bitkom, der seit Jahren über den akuten Mangel an Fachkräften in der deutschen IT-Industrie klagt, und man kommt ins Grübeln. Wie schön wäre es, wenn mehr junge Inder, Chinesen oder Philippinos auch bei uns die halbleeren Hörsäle in den technischen Disziplinen auffüllen würden. Vielleicht bliebe der eine oder andere ja später hier und würde helfen, das drohende Desaster des Hitech-Standorts Deutschland abzuwenden. Das Problem ist aber nicht nur, dass die jungen Leute lieber in den USA studieren: Sie möchten nach dem Studium am liebsten wieder heim. Ich habe bei meinem Besuch in Hyderabad vor einigen Wochen mit indischen Hochschulabgängern gesprochen und sie gefragt, ob eine Lockerung der Einreisebestimmungen sie dazu verleiten könnte, nach Deutschland zu kommen. Sie haben mich etwas mitleidig belächelt und mit einer Gegenfrage geantwortet: „Wie lange ist in Deutschland eigentlich Winter?“ Das war übrigens im Februar, und in Hyderabad war es relativ kühl für die Jahreszeit, nur 25 Grad oder so… Nein, wenn wir in Deutschland nicht plötzlich anfangen, auf Teufel komm raus Kinder zu zeugen (und danach sieht es nicht aus, wenn ich mich so im Bekanntenkreis umschaue), dann werden wir das Problem des chronischen Expertendefizits kaum lösen. Da müssen wir schon schwereres Geschütz auffahren. Mein Vorschlag: Geben wir jedem ausländischen Studenten, der in Deutschland seine Ausbildung erfolgreich abschließt, automatisch einen deutschen Pass! Wir brauchen solche Leute dringender denn je, egal welche Augenform oder Hautfarbe sie haben. Sie werden uns im Gegenzug helfen, den Innovationsvorsprung zu bewahren, denn Deutschland aus eigener Kraft nicht mehr aufrecht erhalten kann. Und da solche talentierte junge Menschen mehr als andere dazu neigen, sich selbständig zu machen und Firmen zu gründen, werden sie mit der Zeit viele neue Arbeitsplätze schaffen. Wenn wir sie wegschicken, werden sie das in ihrer Heimat tun. Und daran werden wir selber schuld sein! |