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29.09.07

von Tim Cole um 09:22
Fluch der weißen Kugel

Der Barfuss-Golfer hat wieder zugeschlagen.

Zu sagen, dass Eugen Pletsch ein schräger Vogel sei, wird dieser vermutlich keineswegs als Beschimpfung, sondern als Kompliment auffassen. Einer, der sich in seiner Bio rühmt, eines der ältesten Öko-Geschäfte Deutschlands gegründet zu haben, den amerikanischen Drogen-Guru Timothy Leary zu seiner allerersten Auslandsreise ausgerechnet ins Sauerland überredet zu haben oder mit der Familie als Totalaussteiger ohne fließend Wasser und Strom die Ideen Henry David Thoreaus aus „Walden oder das Leben in den Wäldern“ umgesetzt zu haben, ist mit normaler bürgerlicher Messlatte nicht zu messen.

Wie so einer zum Golfspielen kommt, ist auch schon wieder eine Geschichte wert: Ehefrau Nummer zwei war Schottin, und der schottische Schwiegervater nahm ihn mit auf den Platz, wo er nach eigenen Angaben den Golfsport "sofort als seinen DO, als ‚Übung des Weges’, erkannte und seitdem praktiziert".

Seit 2003 betreibt Pletsch die Website "cybergolf.de", die sich ein bisschen vollmundig als "eines der größten Internetportale zum Thema Golfsport in Europa bezeichnet, aber Klappern gehört nun mal zum Handwerk. Unbestritten ist, dass sein 2005 erschienenes erstes Golfbuch, "Der Weg der weißen Kugel", nicht nur eines der lesenswertesten Bücher zum Thema Golf in Deutschland, sondern auch der erfolgreichsten war. Dort outete sich Pletsch als Barfuss-Golfer und beschrieb den sinnlichen Reiz sonnenwarmer kurzgeschorener Grashalme auf nackte Fußsohlen - ein Vergnügen, dem sich der Autor dieser Zeilen seitdem bei jeder sich bietenden Gelegenheit hingibt. Leider führt das hierzulande gelegentlich zu Komplikationen, denn es gibt leider gerade in Deutschland eine Menge Golf-Spießer, die im Anblick unbedeckten Gehwerkzeugs einen Verstoß gegen die Regeln der Golfer-Etikette sehen. Eine ungeschriebene allerdings. Sonst hätte der legendäre Golfpro Shoeless Sam Snead Ende der 30er Jahre beim Masters in Augusta nicht die Runde in 2 unter spielen können, und zwar "au naturell".

Auch wenn sich Buchautor Pletsch gerne als Golf-Satiriker bezeichnet, werden Leser seines neusten Machwerks, "Golf Gaga" (Kosmos-Verlag Stuttgart, 256 Seiten, €16,95, ISBN 978-3-440-11260) auch hier wieder nicht nur messerscharfen Humor vorfinden, sondern auch reichlich Stoff zum Nachdenken über Gott und die Welt und vor allem über das eigene Verhältnis zum schönsten Spiel der Welt. Heitere Gelassenheit hält Pletsch für den Schlüssel zu erfolgreichem Golfspielen, und das ist ein Tipp, für den man beim Trainer oder Therapeuten ansonsten sehr viel Geld bezahlen müsste. "Ironisch, bissig, witzig - und ein bisschen romantisch", so beschreibt Plestch sein Buch, das den beziehungsreichen Untertitel trägt: "Der Fluch der weißen Kugel" und in dem er vorgibt, die "dunklen Seiten des Golfsports" ans Licht zu zerren.

Es geht darin um einen selbst nach Golfer-Maßstäben exzentrischen Zeitgenossen, der sich am Ende nur noch zu helfen weiß, indem er sich für eine Pilotstudie zur Therapie von Golfsucht anmeldet, wo er sich prompt in die Ärztin der golfpsychiatrischen Abteilung verliebt. Irgendwelche Ähnlichkeiten mit Pletschs eigener an gelegentlich fast surrealen Wendungen und Begegnungen reicher Vita sind wahrscheinlich unbeabsichtigt, aber vermutlich unvermeidlich.

Am besten nähert man sich als golfender Leser diesem Band vielleicht so wie einem Abschlag: konzentriert, aber locker und offen, erfüllt von der Vorfreude auf das, was sich gleich abspielen wird und dennoch ein bisschen bange - denn man weiß ja in Wirklichkeit nie, wohin gleich die Reise geht.



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