« Invasion der Googlebots | Archiv | Nicht von Budweiser ins Bockshorn jagen lassen! »
11.09.07
von Tim Cole um 15:44
Marathon der Frauenversteher
|
Mein Freund und Kollege Jupp Suttner gilt als Frauenliebling. Ehrlich gesagt, ich verstehe es nicht ganz, denn er ist von eher kurzer Gestalt und wie ich auch nicht mehr ganz der Jüngste. Aber Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters, und überhaupt: Wer versteht schon die Frauen? Jedenfalls verdanke ich ihm jetzt die Erkenntnis, dass Frauen dabei sind, eine weitere Männerbastion einzunehmen, nämlich den Marathonlauf. Jupp macht die Pressearbeit für den München-Marathon, und heute flatterte mir seine Meldung ins elektronische Postfach, wonach der Frauenanteil unter den Startern bei den großen Dauer-Läufen steigt und steigt: In Berlin und München soll sie schon um die 20 Prozent liegen, in New York 32, in Honolulu sogar über 47. Der gute alte Philippides (der nach der Legende 490 v. Ch. die frohe Kunde vom Sieg über die Perser vom Fischerdörfchen Marathon nach Athen brachte) würde sich heute vermutlich im Grabe drehen bei dem Gedanken, dass die Frauen ihm und seinen Geschlechtsgenossen langsam den Rang ablaufen. Ein bisschen abenteuerlich fand ich allerdings Jupps Ableitung: Frauen finden Marathon angeblich vor allem deshalb sexy, weil sie anders laufen als Männer. Als "Genußläuferinnen", so zitiert Jupp den ehemaligen Olympiateilnehmer und heutigen Marathon-Experte Manfred Steffny, legen sie weitaus mehr Wert auf das Rahmenprogramm sowie auf "das, was die Stadt sonst noch zu bieten hat." Und das sind für sie nicht etwa die strammen Wadeln der männlichen Marathonis, sondern vor allem die Einkaufsmöglichkeiten vor und nach dem Lauf. "Laufen & Shoppen" lautet die Devise, behauptet Jupp jedenfalls. Mich wundert das, denn die Rennen finden meist am Sonntag statt. Ich kann aber bestätigen, dass meine Frau nur deshalb gerne mit zu den Läufen fährt, weil wir in der Regel ein oder zwei Tage vorher anreisen, und da kann sie die Kreditkarte ordentlich strapazieren. Aber dafür läuft sie auch nicht selber mit, sondern steht nur am Streckenrand und feuert mich an. Aber wie kommt Jupp dazu, so etwas offen auszusprechen? Klingt doch sexistisch. Ich höre jedenfalls meine Damen - Mutter und Tochter sind sich da immer schnell einig - gleich "Stereotyp!" und "Macho!" rufen. Jupp aber darf das. Und sie finden es auch noch nett. Was hat er nur, was ich nicht habe? Ich werde mal meine Frau fragen... |