<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?>
<feed version="0.3" xmlns="http://purl.org/atom/ns#" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xml:lang="de">
<title>cole.de</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.cole.de/" />
<modified>2007-10-03T16:48:49Z</modified>
<tagline>Tim Cole 
Publizist für Wirtschaftstechnik
Text . Moderation . Training</tagline>
<id>tag:www.cole.de,2007://2</id>
<generator url="http://www.movabletype.org/" version="3.17">Movable Type</generator>
<copyright>Copyright (c) 2007, Tim Cole</copyright>
<entry>
<title>Ein Netzwerk aus Papier</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.cole.de/archives/2007/10/ein_netzwerk_au.html" />
<modified>2007-10-03T16:48:49Z</modified>
<issued>2007-10-03T10:18:10Z</issued>
<id>tag:www.cole.de,2007://2.181</id>
<created>2007-10-03T10:18:10Z</created>
<summary type="text/plain">Wie schreibt man am besten ein Buch mit 850 Seiten? Nun, man lässt andere schreiben. Und damit es nicht so auffällt, bittet man einfach ganz viele Leute zu schreiben....</summary>
<author>
<name>Tim Cole</name>

<email>tim@cole.de</email>
</author>
<dc:subject>Internet</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.cole.de/">
<![CDATA[<p>Wie schreibt man am besten ein Buch mit 850 Seiten? Nun, man lässt andere schreiben. Und damit es nicht so auffällt, bittet man einfach ganz viele Leute zu schreiben. </p>]]>
<![CDATA[<p>Wenn man die richtigen Leute bittet, kommt dabei etwas Seltsames und Schönes heraus: Eine Art Online-Community in Buchform. Das war jedenfalls mein Eindruck, als ich das erste Exemplar von "<a href="http://www.amazon.de/Leitfaden-Online-Marketing-Torsten-Schwarz/dp/3000209042/ref=pd_bbs_sr_1/028-9596112-9533336?ie=UTF8&s=books&qid=1191402774&sr=8-1">Leitfaden Online-Marketing</a>" von Torsten Schwarz in die Hände bekam. Ich blieb nämlich beim Durchblättern gleich im Inhaltsverzeichnis hängen. Nicht so sehr bei den Themen, die hier in 15 Kapiteln abgehandelt werden und die von Multichannel-Marketing über Suchmaschinenmarketing, Affiliate-Marketing, E-Mail- und Mobile Marketing, Webanalytics, bis Web 2.0 und Crossmedia Publishing reichen. Nein, es waren die Namen hinter den einzelnen Einträgen, die mich so faszinierten.</p>

<p>Torsten hat es nämlich geschafft, sozusagen jeden, der etwas zum Thema Online-Marketing etwas zu sagen hat, dazu zu überreden, seinen Beitrag abzuliefern. Das ist schon logistisch eine Meisterleistung. Ich weiß es, weil ich selbst auch gebeten worden bin, einen Abschnitt beizusteuern zu Kapitel 10 ("eCRM") unter der Überschrift "Digitale Identität macht alle zu Gewinnern". Ich erinnere mich mit Grausen an die vielen Erinnerung- und Abstimmungs-Mails, die mich Anfang des Jahres erreichten und in denen Torstens Stab von Leuten mich mit einer Politik der Nadelstiche dazu brachten, andere Dinge liegen zu lassen und endlich diesen blöden, aber fest versprochenen Text zu schreiben. Wenn alle Co-Autoren so träge waren wie ich, dann haben die Jungs und Mädels eine echte Sisyphosarbeit abgeliefert.</p>

<p>Jetzt freue ich mich aber, dabei zu sein, denn das Autorenverzeichnis wimmelt nur so von alten Freunden und Bekannten, Weggefährten auf der langen Reise von den ersten zarten Anfängen des World Wide Web zu Beginn der 90er bis heute: Ossi Urchs, der meine allerersten tapsenden Schritte ins Internet geführt hat, Martin Aschoff, den ich aus alten 1&1-Zeiten kenne, Rainer Wiedemann von den alten "Argonauten", Klaus Eck, der unermüdliche Rackerer im Dienste des Förderkreises IT- und Medienwirtschaft München (FIWM), Frank Puscher, alias "Spielfigur", der mir in der Zeit des guten alten "NetInvestor" manchen sauber recherchierten und geschriebenen Artikel geliefert hat, Thomas Bindl, der Suchmaschinen-Spezialist und langjähriger Mitkämpfer bei der SES-Konferenz in München, Susanne Fittkau, die Internet-Marktforscherin aus Hamburg, Christian Bachem, der in Berlin den Lehrstuhl für Wirtschaftskommunikation aufbaute. </p>

<p>Ob Torsten meine Kontaktliste bei XING geklaut hat?</p>

<p>Aber da sind noch ganz viele, die ich nicht kenne. Noch nicht, denn was die schreiben klingt stellenweise so interessant, dass man das nachholen sollte. Vielleicht kann Torsen ja mal ein Alumni-Treffen bei sich daheim in Waghäusl arrangieren. Es wäre eine tolle Runde und sicher auch ein rauschendes Fest. Vor allem wäre es ein soziales Netzwerk der ganz anderen Art, F2F, sozusagen. Denn bei aller Online-Kommunikation ist eines doch klar: Am interessantesten ist nicht das, was sie schreiben, sondern immer noch die Menschen selbst.<br />
</p>]]>
</content>
</entry>
<entry>
<title>Fluch der weißen Kugel</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.cole.de/archives/2007/09/fluch_der_weiss.html" />
<modified>2007-09-29T08:33:10Z</modified>
<issued>2007-09-29T08:22:44Z</issued>
<id>tag:www.cole.de,2007://2.180</id>
<created>2007-09-29T08:22:44Z</created>
<summary type="text/plain">Der Barfuss-Golfer hat wieder zugeschlagen....</summary>
<author>
<name>Tim Cole</name>

<email>tim@cole.de</email>
</author>
<dc:subject>Golf</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.cole.de/">
<![CDATA[<p>Der Barfuss-Golfer hat wieder zugeschlagen.</p>]]>
<![CDATA[<p>Zu sagen, dass Eugen Pletsch ein schräger Vogel sei, wird dieser vermutlich keineswegs als Beschimpfung, sondern als Kompliment auffassen. Einer, der sich in seiner Bio rühmt, eines der ältesten Öko-Geschäfte Deutschlands gegründet zu haben, den amerikanischen Drogen-Guru Timothy Leary zu seiner allerersten Auslandsreise ausgerechnet ins Sauerland überredet zu haben oder mit der Familie als Totalaussteiger ohne fließend Wasser und Strom die Ideen Henry David Thoreaus aus „Walden oder das Leben in den Wäldern“ umgesetzt zu haben, ist mit normaler bürgerlicher Messlatte nicht zu messen.</p>

<p>Wie so einer zum Golfspielen kommt, ist auch schon wieder eine Geschichte wert: Ehefrau Nummer zwei war Schottin, und der schottische Schwiegervater nahm ihn mit auf den Platz, wo er nach eigenen Angaben den Golfsport "sofort als seinen DO, als ‚Übung des Weges’, erkannte und seitdem praktiziert".</p>

<p>Seit 2003 betreibt Pletsch die Website "<a href="http://www.cybergolf.de">cybergolf.de</a>", die sich ein bisschen vollmundig als "eines der größten Internetportale zum Thema Golfsport in Europa bezeichnet, aber Klappern gehört nun mal zum Handwerk. Unbestritten ist, dass sein 2005 erschienenes erstes Golfbuch, "Der Weg der weißen Kugel", nicht nur eines der lesenswertesten Bücher zum Thema Golf in Deutschland, sondern auch der erfolgreichsten war. Dort outete sich Pletsch als Barfuss-Golfer und beschrieb den sinnlichen Reiz sonnenwarmer kurzgeschorener Grashalme auf nackte Fußsohlen - ein Vergnügen, dem sich der Autor dieser Zeilen seitdem bei jeder sich bietenden Gelegenheit hingibt. Leider führt das hierzulande gelegentlich zu Komplikationen, denn es gibt leider gerade in Deutschland eine Menge Golf-Spießer, die im Anblick unbedeckten Gehwerkzeugs einen Verstoß gegen die Regeln der Golfer-Etikette sehen. Eine ungeschriebene allerdings. Sonst hätte der legendäre Golfpro Shoeless Sam Snead Ende der 30er Jahre beim Masters in Augusta nicht die Runde in 2 unter spielen können, und zwar "au naturell".</p>

<p>Auch wenn sich Buchautor Pletsch gerne als Golf-Satiriker bezeichnet, werden Leser seines neusten Machwerks, "Golf Gaga" (Kosmos-Verlag Stuttgart, 256 Seiten, €16,95, ISBN 978-3-440-11260) auch hier wieder nicht nur messerscharfen Humor vorfinden, sondern auch reichlich Stoff zum Nachdenken über Gott und die Welt und vor allem über das eigene Verhältnis zum schönsten Spiel der Welt. Heitere Gelassenheit hält Pletsch für den Schlüssel zu erfolgreichem Golfspielen, und das ist ein Tipp, für den man beim Trainer oder Therapeuten ansonsten sehr viel Geld bezahlen müsste. "Ironisch, bissig, witzig - und ein bisschen romantisch", so beschreibt Plestch sein Buch, das den beziehungsreichen Untertitel trägt: "Der Fluch der weißen Kugel" und in dem er vorgibt, die "dunklen Seiten des Golfsports" ans Licht zu zerren.</p>

<p>Es geht darin um einen selbst nach Golfer-Maßstäben exzentrischen Zeitgenossen, der sich am Ende nur noch zu helfen weiß, indem er sich für eine Pilotstudie zur Therapie von Golfsucht anmeldet, wo er sich prompt in die Ärztin der golfpsychiatrischen Abteilung verliebt. Irgendwelche Ähnlichkeiten mit Pletschs eigener an gelegentlich fast surrealen Wendungen und Begegnungen reicher Vita sind wahrscheinlich unbeabsichtigt, aber vermutlich unvermeidlich.</p>

<p>Am besten nähert man sich als golfender Leser diesem Band vielleicht so wie einem Abschlag: konzentriert, aber locker und offen, erfüllt von der Vorfreude auf das, was sich gleich abspielen wird und dennoch ein bisschen bange - denn man weiß ja in Wirklichkeit nie, wohin gleich die Reise geht.<br />
</p>]]>
</content>
</entry>
<entry>
<title>Die Bombenbauer sind unter uns!</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.cole.de/archives/2007/09/die_bombenbauer.html" />
<modified>2007-09-27T11:33:27Z</modified>
<issued>2007-09-26T11:45:57Z</issued>
<id>tag:www.cole.de,2007://2.179</id>
<created>2007-09-26T11:45:57Z</created>
<summary type="text/plain">Was hat eine Anleitung zum Bombenbau mit Meinungsfreiheit oder dem Recht auf Information zu tun? Nichts, meint EU-Kommissar Franco Frattini. Ich meine: eine ganze Menge!...</summary>
<author>
<name>Tim Cole</name>

<email>tim@cole.de</email>
</author>
<dc:subject>Digitale Freiheit</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.cole.de/">
<![CDATA[<p>Was hat eine Anleitung zum Bombenbau mit Meinungsfreiheit oder dem Recht auf Information zu tun? Nichts, meint EU-Kommissar Franco Frattini. Ich meine: eine ganze Menge!</p>]]>
<![CDATA[<p>So, Sie wollen also eine Bombe bauen? Ganz einfach: fragen Sie Google. Die größte Suchmaschine der Welt ist dabei sogar außerordentlich, ja geradezu vorauseilend behilflich: Als ich gerade den Begriff „Bombe“ eingab, schlug mir Google neben einem entsprechenden Eintrag bei Wikipedia sowie einem Beitrag in "Focus" („“Kann man tatsächlich wie Fernseh-Held MacGyver aus Klebeband, Armeemesser und einem Kaugummi eine Bombe bauen?“) gleich noch vor, stattdessen nach „bombe bauen“ zu suchen. Und da wimmelt es vor nützlichen Tipps  für Terroristen und solche, die es werden wollen. Der „kleine Hobbyforscher“ erteilt Anfängerunterricht („Wir bauen eine Atombombe“), im „Chemikalien Onlineshop“ bekommt man den Rat, Zucker und Salpeter im Verhältnis 1:1 zu mischen („hihi, schöner Rauch“).</p>

<p>Wer wirklich vorhat, in die  und ein gewisser „dertester“ schreibt auf „versuchschemie.de“: „Man muss nur AN-Dünger mit irgendeinem Öl mischen, schon hat man einen Sprengstoff, der mehr als ausreichend billig ist, um sich Mengen zu machen, mit denen man Gebäude sprengen kann.“ Vielleicht sollte man den Behörden sagen, dass jeder Landwirt in Deutschland zentnerweise Rohstoff für die Sprengstoffherstellung in der Scheune hat, so ein Leserkommentar.</p>

<p>Überhaupt herrscht bei den Versuchschemikern eine Bombenstimmung. „Von dem ganzen Sprengstoffgerede werde ich noch zum Bombenbastler“, meint ein gewisser „SirJohe“, und fragt ab, ob es möglich sei, mit Hilfe eines Elektrolytkondensatoren als Initialzünder zum Beispiel TNT oder ähnliches zur Explosion zu bringen. „Für TNT sicher nicht“, meint daraufhin ein gewisser „CD-ROM-LAUFWERK“ aus Magdeburg, übrigens ein schmucker Jüngling mit kragenlangem Haar – er hat freundlicherweise gleich sein Foto mitgeschickt. Auskennen tut er sich offenbar auch ganz gut, denn er weiß, dass man natürlich mit einem einfachen Kondensator höchstens „so empfindliche Sachen wie Nitroglyzerin oder Nitroglykol“ zünden kann. SirJohe solle es doch mit einem glühenden Draht versuchen, „der tut’s auch.“</p>

<p>„Shadow“ rät seinen Mit-Versuchschemikern, es doch im Modellbauladen zu versuchen. Dort könne man „auch 5l Kanister re3ines Nitromethan kaufen, wenn man möchte.“ Auch Amoniumnitrat gilt offenbar als heißer Tipp, denn es „fällt erst unters Sprengstoffgesetz, wenn man es mit 0,2% brennbaren Stoffen mischt“. Klingt wie eine lösbare Aufgabe.</p>

<p>Auf die Gefahr hin, mich der Rasterfandung auszusetzen, muss auch ich zugeben, schon Bomben gebastelt zu haben. Ich war damals ungefähr 14, und wir haben im Chemieunterricht gerade Kaliumpermanganat durchgenommen. Zur Erinnerung: Es handelt sich dabei um ein rot-violetter, metallisch glänzender, kristalliner Feststoff, der frei erhältlich ist und beim Kontakt mit Glyzerin nach einigen Sekunden entzündet. Wir haben das Zeugs in alte Bierflaschen (die mit dem Schnappverschluss) gefüllt und diese auf dem Feld neben dem Haus eines Freundes als Handgranaten benützt. Wahrscheinlich würde man heute das mobile Einsatzkommando rufen. Damals galt so was als Lausbubenstreich. </p>

<p>Und was lehrt uns das? Nun, dass es in Deutschland entweder eine ganze Menge Amateur-Terroristen in spe gibt, oder dass es Menschen gibt, die es faszinierend finden, sich mit Dingen zu befassen, die mit einem lauten Knall in die Luft sprengen lassen. Das tun übrigens eine ganze Menge Menschen. Alle, die an Silvester einen Knallfrosch wirft oder eine Feuerwerksrakete aufsteigen lassen, gehören dazu. Und das ist ihr gutes Recht! </p>

<p>EU-Kommissar Franco Frattini möchte innerhalb der EU die Internetsuche nach Bombenbauanleitungen und den Zugang zu entsprechenden Seiten von den Internetprovidern blockieren lassen. Frattini will laut „<a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/95786">heise-online</a>“ mit den Providern zunächst klären, "wie es möglich ist, mit technischen Mitteln die Menschen daran zu hindern, gefährliche Wörter wie Bombe, Töten, Genozid oder Terrorismus zu verwenden oder nach ihnen zu suchen". Auf die Frage, ob damit nicht die Meinungsfreiheit und das Recht auf Information eingeschränkt würden, antwortete Frattini, dass eine Anleitung zum Bombenbau nichts mit Meinungsfreiheit oder dem Recht auf Information zu tun habe. Außerdem sollen nicht Meinungen, Analysen oder historische Informationen, sondern nur konkrete Anweisungen gesperrt werden.</p>

<p>Was Herrn Frattini angeht, sollte er sich lieber um die ebenfalls zu seinem Aufgaben-Portfolio gehörenden Fragen der Grundrechte kümmern. Dazu gehört die Freiheit von Ausdruck und Meinung. Zensur gehört, so weit ich weiß, nicht dazu. Jedenfalls noch nicht.</p>]]>
</content>
</entry>
<entry>
<title>Kartoffelbrei im Internet</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.cole.de/archives/2007/09/kartoffelbrei_i.html" />
<modified>2007-09-27T12:54:01Z</modified>
<issued>2007-09-24T07:48:32Z</issued>
<id>tag:www.cole.de,2007://2.178</id>
<created>2007-09-24T07:48:32Z</created>
<summary type="text/plain">Normalerweise verderben viele Köche ja den Brei. Im Internet ist das ganz anders....</summary>
<author>
<name>Tim Cole</name>

<email>tim@cole.de</email>
</author>
<dc:subject>Internet</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.cole.de/">
<![CDATA[<p>Normalerweise verderben viele Köche ja den Brei. Im Internet ist das ganz anders.</p>]]>
<![CDATA[<p>Die Kunst, einen guten Kartoffelbrei - wir Amerikaner sagen dazu "mashed potatoes" - zu kochen, ist nicht jedem gegeben. Mehlige Kartoffeln schön weich kochen, Butter drüber schmelzen lassen, etwas Salz, Milch und Muskatnuss dazu geben und dann mit dem Schneebesen cremig rühren - eigentlich ganz einfach. Trotzdem scheuen viele Hausfrauen davor zurück, greifen lieber zur Packung aus dem Supermarkt. Schmeckt dann halt wie Plastik...</p>

<p>Eine andere Art von Mansche macht offenbar vielen Leuten auch Probleme. Ich denke an so genannte "Mashups", also das was herauskommt, wenn man eine bestehende Internet-Anwendung wie beispielsweise Google Maps nimmt, selber etwas dazu gibt, alles kurz umrührt und es dann als Eigenkreation auftischt. Theoretisch wissen viele meiner Kollegen und Freunde, mit denen ich darüber geredet habe, was damit gemeint ist, oder jedenfalls wissen sie, dass es irgendwas mit dem seltsamen Phänomen des "Web 2.0" zu tun hat. Irgendwas zum Mitmachen, halt. Nur selber mitgemacht hat da noch keiner von ihnen.</p>

<p>Ich, ehrlich gesagt, auch nicht. Bis ich auf eine Website namens "<a href="http://www.mapmyrun.com">mapmyrun.com</a>" stieß. Das ist ein typischer Mashup: Einer hatte die Idee, Hobbyläufern die Möglichkeit zu geben, eine einmal zurückgelegte oder geplante Laufstrecke per Browser und Mausklick auf einem Google Map aufzuzeichnen und abzuspeichern, entweder um sie nochmal anzusehen, oder um sie mit anderen auszutauschen ("Mein Liebling-Lauf an der Isar").</p>

<p>Ich benutze das seit einigen Monaten für mein Marathon-Training, weil ich auf diese Weise bis auf den Meter genau herauskriegen kann, wie weit ich heute gerannt bin. Eigentlich ganz nett - aber unter "Mitmachen" habe ich mir eigentlich etwas (inter-)aktiveres vorgestellt. Im Grunde nutze ich ja nur etwas, was ein anderer "gemasht" hat.</p>

<p>Nun renne ich nur, ich versuche auch Golf zu spielen, mit wechselndem Erfolg, aber mit viel Begeisterung. Und ich bin Mitglied in einem kleinen Verein, der sich "Presse Golf Club" nennt. Mein Freund Egon Stengl, Chefredakteur und Herausgeber des Online-Magazinportals <a href="http://www.infocomma.de">infocomma</a>, ist PGC-Vorsitzender, und er reist ständig durch die Lande und überzeugt die Geschäftsführer von Golfclubs, dass es für seinen Club doch ganz gut wäre, wenn Journalisten ab und zu dort spielen würden. Dann kämen sie vielleicht in die Zeitung oder ins Fernsehen, und das müsste ihnen doch auch etwas wert sein. Am Ende unterzeichnen die meisten von ihnen eine Vereinbarung, wonach ordentliche Mitglieder des PGC unter der Woche zum halben Greenfee spielen dürfen. </p>

<p>Mittlerweile ist die Liste der so genannten PGC-Partnerclubs auf gut zwei Dutzend angewachsen. Ursprünglich waren sie alle in Bayern, weil Egon ein Münchner ist, aber inzwischen haben wir auch Partner im Badischen, in der Mark Brandenburg und an der Ostsee. Als PGC-Mitglied plant man seine Reisen deshalb inzwischen so, dass man möglichst an irgendeinem Partnerclub vorbeikommt, dann kann man relativ unkompliziert und preiswert eine Runde zwischendurch spielen. Nur ist es mit der Planung ein bisschen schwierig, denn die Golfclubs haben meist sehr fantasievolle, aber wenig aussagekräftige Namen wie "Jura-Golfpark" oder "Die Wutzschleife" - nur: Wo liegt denn die Wutz? Welches Jura ist gemeint - das in der Schweiz oder das in der Oberpfalz?</p>

<p>Was schön wäre, dachte ich, wäre eine Landkarte, auf der sämtliche Partnerclubs auf einen Blick zu sehen sind. Früher wäre das sehr aufwändig und teuer gewesen, weil man einen Grafiker gebraucht hätte, der über die richtigen Software-Tools verfügt und damit auch umgehen kann. Und da fiel mir plötzlich der Kartoffelbrei ein: das wäre doch ein Fall für den Mashup!</p>

<p>Ein kurzer Blick in Google genügte, und schon fand ich mich auf der Website von  "<a href="http://www.mapbuilder.net">mapbuilder.net</a>" wieder, wo ich sofort und intuitiv verstanden habe, was zu tun ist: Adresse des Golfclubs in die Suchzeile eingeben, dann einfach auf die entsprechende Stelle in der Google-Landkarte klicken und auf "add" klicken, um einen neuen Club hinzu zu fügen. Eine Stunde später war sie fertig, die schöne bunte PGC-Landkarte, zu bewundern unter  <a href="http://www.mapbuilder.net/users/TC1066/51099">http://www.mapbuilder.net/users/TC1066/51099</a>.</p>

<p>Das Ganze ist für mich ein weiterer Beweis dafür, dass Web 2.0 überhaupt nichts Neues ist, sondern lediglich das Ergebnis eines Reifeprozesses. Mitmachen konnte man ja schon vom ersten Tag an, nur war es schwierig, für den Laien oft unmöglich, weil ihm die Werkzeuge sowie das nötige Spezialwissen fehlten. Inzwischen ist es so einfach geworden, einen Blog zu schreiben oder eine Landkarte mit Golfplätzen zu bauen, dass es jeder Depp kann - sogar ich. </p>

<p>Das ist eine echtes Stück Demokratisierung des Internet und somit auch ein ganz wichtiger Schritt in die Zukunft. Aber dass es gleich eine völlig neue Evolutionsstufe sein soll, da habe ich meine Zweifel. Wir haben den Kartoffelbrei nicht neu erfunden - es ist nur einfacher geworden, ihn zuzubereiten. Und jeder darf sein eigener Koch sein...<br />
</p>]]>
</content>
</entry>
<entry>
<title>Wir haben uns auseinandergelebt</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.cole.de/archives/2007/09/wir_haben_uns_a.html" />
<modified>2007-09-27T12:54:31Z</modified>
<issued>2007-09-19T11:27:01Z</issued>
<id>tag:www.cole.de,2007://2.177</id>
<created>2007-09-19T11:27:01Z</created>
<summary type="text/plain">Europa hat sich geistig im Sinne der Aufklärung weiterentwickelt – Amerika ist stehen geblieben. Was bleibt da noch an Gemeinsamkeit? Nicht mehr genug....</summary>
<author>
<name>Tim Cole</name>

<email>tim@cole.de</email>
</author>
<dc:subject>Der Amerikaner in mir</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.cole.de/">
<![CDATA[<p>Europa hat sich geistig im Sinne der Aufklärung weiterentwickelt – Amerika ist stehen geblieben. Was bleibt da noch an Gemeinsamkeit? Nicht mehr genug.</p>]]>
<![CDATA[<p>Der Begriff von der transatlantischen Völkerfamilie wird immer wieder beschworen. In Wirklichkeit gibt es ihn längst nicht mehr: Wir haben sich auseinander gelebt.</p>

<p>In der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung nehmen die Gründungsväter für sich in Anspruch, die Bande, die sie mit ihren bisherigen Herrschern verbunden haben, zu lösen. Heute müssen sich Deutsche und andere Europäer ernsthaft fragen, ob sie nicht zur Schere greifen müssen, um sich von einer allzu engen Verbindung zu befreien, bevor sie zur Fessel wird. Die geistigen Bande, die Europa über Jahrhunderte mit den Amerikanern verbunden haben, tragen heute nicht mehr.</p>

<p>Historisch, das ist nicht zu leugnen, sind die Vereinigten Staaten größtenteils das Ergebnis einer Landflucht, die vor rund 400 Jahren in Europa begann. Ist das genug, um Gemeinschaft abzuleiten?  Schließlich sind die europäischen Immigrationsströme von immer neuen Wellen aus ganz anderen Kulturkreisen überlagert worden, allen voran aus Lateinamerika und Asien. Aber selbst wenn man den Archetypen des WASP („white anglo-saxon protestant“) als kulturelle Dominante akzeptiert: Reicht er als Kristallisationskern einer gemeinsamen kulturellen Identität noch aus? </p>

<p>Was hat es noch zu sagen, dass sich die Urgroßväter vieler Amerikaner irgendwann einmal aus Wirtschaftsnot oder aus politischer oder religiöser Verfolgung in die Neue Welt gerettet haben? Singen sie deshalb immer noch aus dem gleichen Gesangbuch? Oder ist die Harmonie dauerhaft gestört? Taugt eine genetisch zweifelhafte transatlantische Brüderschaft in Europa noch als Leitlinie für das eigene Denken und Handeln? Oder anders gefragt: Gibt es noch eine ausreichend große kulturelle Übereinstimmung zwischen Europa und Amerika, die jene besondere Beziehung rechtfertigt, die nicht nur Tony Blair für Großbritannien, sondern auch Festlandspolitiker hierzulande gebetsmühlenhaft beschwören?</p>

<p>Die Antwort lautet: nein. Europa hat heute mit Amerika kaum mehr gemein als mit Russland oder China. Auf keinen Fall dürfen die Europäer deshalb den Fehler machen, weiterhin ihr Selbstverständnis an Amerika ausrichten.</p>

<p>Das hat nichts mit dem Kulturchauvinismus á la francaise oder mit dumpfem Antimamerikanismus zu tun. Es ist lediglich die schmerzliche Feststellung, dass Amerika jenes soziale und philosophische Grundgerüst verlassen hat, auf das die Europäer zu Recht am meisten stolz sind: das Erbe der Aufklärung. </p>

<p>In einem Aufsatz für die „New York Times“ hat der Soziologe Prof. Vladimir Shlapentokh von der Michigan State University  soeben eine nur scheinbar gewagte Parallele gezeichnet zwischen zwei gänzlich unterschiedlichen Beispielen für geistige Engstirnigkeit in den USA. Er hat den Punkt genau getroffen.</p>

<p>So rügt er die offenbar institutionalisierte Intoleranz der amerikanischen Linken, indem er auf das laufende öffentliche Verfahren gegen Lawrence Summers verweist, dem Präsidenten der weltberühmten Harvard-Universität. Der hatte (auf einer „privaten Veranstaltung“,  wie Kommentatoren unterstreichen) laut darüber nachgedacht, dass nur Diskriminierung und Erziehung womöglich nicht die einzigen Ursachen für den unbestreitbaren Mangel an Frauen mathematisch-naturwissenschaftlichen Spitzenpositionen an den Hochschulen gibt. Ist es möglich, fragte der Wissenschaftler Summers sein aus Wissenschaftlern bestehendes Publikum, dass Frauen anders denken als Männer? Immerhin ist ebenfalls unbestritten, dass Frauen im Durchschnitt weniger Gehirnmasse in Relation zur Körpergröße haben, dass die Verteilung von weißer und grauer Materie anders ist, und dass gewisse Gehirnfunktionen messbar anders ablaufen. </p>

<p>Summer hat nicht gesagt, dass Frauen dümmer sind. Er hat nicht gesagt, dass Frauen nicht großartige Naturwissenschaftlerinnen werden können. Er hat nicht gesagt, dass junge Frauen besser einen anderen Karrierepfad einschlagen sollen. Im Gegenteil: Er hat sogar ausdrücklich festgestellt, dass Frauen mit Talent und Fleiß bis an die Spitze des akademischen Olymps gelangen können.</p>

<p>Dennoch wird er zur Zeit ans Kreuz genagelt. Eine die europäische Vorstellungskraft sprengende Hexenjagd gegen ihn ist noch im Gange, Natürlich, wir sind ja in Amerika, ist sie mit Todesdrohungen verbunden, vor allem aber mit der Forderung von Summers Fakultätskollegen, ihn schnellstens aus dem Amt zu jagen. Die Wetten stehen gegen ihn.</p>

<p>Dies, bitteschön, die Reaktion einer angeblich europäisch angehauchten Ostküsten-Intelligenzia, Bewohner jener „blauen“ Staaten, die in Deutschland immer wieder als Beispiel dafür herhalten müssen, dass nicht alle Amerikaner weltfremde Ignoranten, Rechtsextreme und christliche Fundamentalisten sind.</p>

<p>Aber was unterscheidet diese Form der linksfemininstischen Meinungszensur, so fragt sich nicht nur Shlapentokh, von dem Komplott der „neocons“ in Amerika, die Darwins Evolutionslehre von den Stundenplänen der Schulen verbannen wollen? Mit Erfolg, denn selbst engagierte, „liberale“ Biologielehrer wagen es heute kaum noch, öffentlich über die Abstammung des Menschen vom Affen im Unterricht zu reden. </p>

<p>Strenggläubige Eltern müssen dazu nicht einmal zu Todesdrohungen greifen. Es genügt schon, wenn sie ihre Kinder von der betreffenden Schule nehmen. Damit üben sie in dem dezentral finanzierten Schulsystem Amerikas immensen wirtschaftlichen Druck aus. Doch das ist noch das Wenigste. Ihnen geht es darum, den Teufelsglauben selbst auszurotten. Sie bedienen sich dazu einer Art Pseudowissenschaft, „intelligent design“ (ID) genannt, den sie als seriöse Alternative zu Darwins „Theorie“ hinstellen. ID ist nichts anderes als biblischer Kreativismus im Schafspelz, ein als akademische Disziplin getarnte Glaubenslehre aufgrund der in der US-Verfassung verankerten Trennung von Kirche und Staat nichts in einer öffentlichen Schule zu suchen hat.</p>

<p>Verfassung hin, Verfassung her: ID ist heute in mehreren US-Bundesstaaten Pflichtfach. Lehrer müssen sie von Gesetzeswegen als gleichrangige neben der Evolutionslehre unterrichten. Die Entscheidung darüber, welche „Theorie“ die stichhaltigere sei, sollen vermutlich die Kids selbst fällen. Wer sich als Lehrkörper gegen solchen Unfug wehrt, fliegt raus. Die meisten gehen deshalb heute den Weg des geringsten Widerstandes und klammern das Thema Menschenheitsentstehung einfach aus.</p>

<p>Mit wem wollen die Europäer also in Zukunft über soziale Fragen diskutieren, wenn der amerikanische Lehrplan die systematische Verdummung ihrer Kinder sogar zwingend vorschreibt? Schon sind 45 Prozent der Amerikaner laut Umfragen überzeugt, die biblische Schöpfungsgeschichte sei Wort für Wort wahr. Nur ein Drittel hält es noch mit Darwin.</p>

<p>Ist das alles lediglich ein Kuriosum unter vielen in der US-Geschichte – oder sollten wir uns in Europa nicht langsam Sorgen machen. Müssen wir vielleicht sogar Angst haben? </p>

<p>Eines belegen diese Beispiele ohne Zweifel: Die Geistesentwicklung ist auf der anderen Seite des Atlantik vielfach ganz anders verlaufen als in Europa. Sie ist in Teilen auch einfach stehen geblieben. </p>

<p>Damit rechtfertig nichts mehr die krampfhaft aufrecht erhaltene Fiktion einer besonderen transatlantischen Beziehung, einer Völkerfamilie, die sich zwar gelegentlich zankt, im Ernstfall aber gegen den Rest der Welt zusammenstehen wird. Amerika steht Westeuropa heute geistig kaum näher als Osteuropa, Russland, dem Mittleren Osten oder den Ländern Asiens. Diese Erkenntnis ist bitter, sie ist unbequem, sie ist politisch inopportun. Aber leider ist sie Fakt. </p>

<p>Amerika ist heute immer noch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Nur sind es heute schreckliche Zerrbilder jener Ideale, die Amerika einst definiert haben. Toleranz? Gleichheit? Meinungs- und Glaubensfreiheit? Was wir erleben ist statt dessen religiöser und rassistischer Fanatismus, das Aushebeln der Bürgerrechte unter der Blankovollmacht der „nationalen Sicherheit“, das rücksichtslose Ausspielen der eigenen Macht unter dem Deckmantel der weltweiten Terrorismusbekämpfung. Und es ist eine von der Mehrheit praktizierte oder zumindest akzeptierte Form von sexueller Prüderie, die zumindest in Zentraleuropa nicht nur nicht mehr denkbar ist – sie wirkt auf uns sogar obszön. Amerika denkt und handelt heute aus europäischer Sicht anrüchig und unmoralisch.  </p>

<p>Und umgekehrt ist es genauso: Europa ist für den Durchschnittsamerikaner nicht nur ganz weit weg ist. Es ist für ihn eine andere, eine verkommene, ungläubige, schwache, verachtenswerte Welt. Die Kluft zwischen den USA und Europa ist heute breiter als je zuvor in der gemeinsamen Geschichte. Das hat nicht nur mit dem augenblicklichen Regime zu tun, sondern ist das Ergebnis einer langen Entwicklung – einer Entwicklung, die diesseits des Atlantik aber offiziell nicht zur Kenntnis genommen wird.</p>

<p>Im Gegenteil: Sie wird verleugnet. Noch immer tun wir in Europa so, als sei eigentlich nichts geschehen am im vergangenen Novermber. Bush habe bei der Wahl im schließlich „nur“ 51 Prozent der Stimmen erhalten. 49 Prozent sind also ganz vernünftige Leute, oder? Wer sich solchen Zahlenspielchen hingibt, verkennt die Realität. Erinnern wir uns: Bei den Reichstagswahlen im März 1933 kamen Hitlers Nazis „nur“ auf 43,9 Prozent. </p>

<p>Ein Europäer, der so tut, als sei die transatlantische Welt noch in Ordnung und die momentane Klimaverstimmung nichts als ein Familienkrach, begeht den gleichen Fehler wie jene unglückseligen Appeasement-Politiker angesichts der Machtergreifungen in Berlin, Rom und Madrid. Und er macht sich womöglich mitschuldig an einer katastrophalen Entwicklung, indem er sich gefügig jener Koalition der Gutgläubigen anschließen, die sich der scheinbaren Macht des Faktischen beugen und sich am Ende lammfromm hinter Amerika einreihen.</p>

<p>In Wirklichkeit ist im Amerika wie Anfang der 30er in Deutschland ein Wendepunkt überschritten worden. Ja, es gibt in dort immer noch Menschen, die das alles furchtbar finden und in ihren Herzen das Bild eines edlen, freiheitsliebenden und selbstlosen Amerikas hegen. Sie sind aber nicht nur in der Minderzahl – sie sind auf dem Weg in die innere Emigration. Oder nach Kanada, wo sich die Zahl der Einwanderungsanträge von US-Bürgern mittlerweile verdreifacht hat.</p>

<p>Die Erkenntnis, dass es dies- und jenseits des Atlantik keinen ausreichenden Konsens mehr in den elementaren ethischen Grundsatzfragen gibt, wirft gravierende Konsequenzen für Politik und Wirtschaft in Europa auf. Vielleicht ist sich der Intuitionsmensch Gerhard Schröder nicht wirklich über die Tiefe des Grabens im Klaren, der ihn von einem George W. Bush trennt (er ist ihm einfach unsympathisch). Schröder liegt aber gefühlsmäßig richtig: Amerika trennen heute nicht nur ein Weltmeer von Europa, sondern Welten.</p>

<p>Es liegt im ureigenen politischen Interesse Deutschlands und Europas, ein echtes Gegengewicht zu den USA zu bilden. Und dabei notfalls sogar auf Konfrontationskurs zu gehen. Das hat nichts mit Jacques Chiracs Gaulisten-Träume einer um Resteuropa erweiterten Grande Nation zu tun. Europa muss sich vielmehr selbst als die letzte verbleibende Bastion verstehen, von der aus sich der aufgeklärte, liberaldemokratische Geist frei entfalten darf. </p>

<p>Es wird deshalb für Europa immer einsamer werden in einer Welt, die nur noch aus mehr oder weniger autokratischen, mehr oder weniger offen faschistoiden Machtblöcken besteht. Sie heißen zwar nicht Eurasia und Oceania, sondern Amerika, Russland und China – aber Orwell hätte sie dennoch gleich wiedererkannt.</p>

<p>Europa muss aktiv  gegensteuern. Sich bei einem dieser Gesinnungsdiktaturen anzubiedern, heißt sich am europäischen Erbe zu versündigen. Die Illusion einer transatlantische Familie sollte schnell und leidenschaftslos ebendort versenkt werden. Europa braucht ein neues Selbstverständnis, ein neues Selbstbewusstsein. Politisch, wirtschaftlich und militärisch muss Europa die Banden lösen, die sie viel zu eng an den ehemaligen Verbündeten zweier Weltkriege und eines kalten Krieges fesseln. Es  muss die Courage aufbringen, den Gegnern der Aufklärung überall auf der Welt Widerstand zu leisten – auch und vielleicht gerade in den USA.</p>

<p>Als in Deutschland lebender Amerikaner, der den verlorenen Gründungsidealen Amerikas noch immer nachtrauert, sage ich es nur ungern, aber irgendeiner muss es sagen: Amerika und Europa trennt heute mehr, als sie vereint.<br />
</p>]]>
</content>
</entry>
<entry>
<title>Aufstand der Avatare</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.cole.de/archives/2007/09/aufstand_der_av.html" />
<modified>2007-09-27T12:54:52Z</modified>
<issued>2007-09-18T07:22:54Z</issued>
<id>tag:www.cole.de,2007://2.176</id>
<created>2007-09-18T07:22:54Z</created>
<summary type="text/plain">Damit haben sie bei IBM bestimmt nicht gerechnet, wetten? Dass nämlich die Mitarbeiter virtuell auf die Straße gehen würden....</summary>
<author>
<name>Tim Cole</name>

<email>tim@cole.de</email>
</author>
<dc:subject>Internet</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.cole.de/">
<![CDATA[<p>Damit haben sie bei IBM bestimmt nicht gerechnet, wetten? Dass nämlich die Mitarbeiter virtuell auf die Straße gehen würden.</p>]]>
<![CDATA[<p>Ich kann mich noch gut an die stolzgeschwellten Brust erinnern auf der CeBIT, als mir einer der IBM-Oberen die Strategie erklärte, mit der sich der Big Blue ganz groß in der VR-Plattform „Second Life“ etablieren wolle. Auf den feinpixelig programmierten Bürotürmen virtueller Niederlassungen sollten künftig riesige IBM-Logos prangen, glückliche Mitarbeiter sollten durch die Office Parks zu virtuellen Meetings fliegen, wo sie sich unmittelbar, Avatar zu Avatar, gegenübersitzen und gewichtige Geschäftsentscheidungen treffen sollten, ohne dazu ein Flugzeug besteigen oder auch nur nach Nebenan in den Konferenzraum gehen zu müssen. Die schöne neue Welt der Arbeit war das, was sie mir in glühenden Farben ausmalten, und ich muss gestehen, dass mir bei dem Gedanken die Gänsehaut kam.</p>

<p>Nun, Second Life hat sich ja wohl als ziemliche Eintagsfliege erwiesen. Jedenfalls berichtet die Kultzeitschrift „Wired“ von leerem Luftraum, verwaisten Avataren und tapferen, aber einsamen Unbeirrbaren, die verloren durch die virtuelle Landschaft irren auf der Suche nach den vielen Millionen Gleichgesinnten, denen das hier und jetzt angeblich viel zu fad sei und die deshalb ins Land des ewigen Sonnenscheins und der unentwegten Interaktion ausweichen.  </p>

<p>Ein bisschen Schadenfreude habe ich, ehrlich gesagt, bei der Lektüre schon empfunden, denn der Gedanke an den Nonstop-Cluburlaub im Cyberspace kam mir von Anfang an nicht besonders reizvoll vor. Meine eigenen Flugversuche mit dem Avatar endeten denn auch ziemlich bald, weil ich erstens nicht so recht den Anschluss fand und zweitens es im richtigen Leben so viel zu tun gab, dass ich wohl auch nicht den nötigen Zeitaufwand betreiben konnte. </p>

<p>Ich hatte das Thema Second Life also eigentlich innerlich abgehakt, bis ich auf einer Tagung am Tegernsee den Welf Schröter kennenlernte.  Welf ist Gewerkschaftler, Mitbegründer und Leiter des Forums Soziale Technikgstaltung des DGB Baden-Württemberg und ein außerordentlich intelligenter und witziger Typ. Gäbe es mehr von seiner Sorte in Second Life, ich ginge wahrscheinlich auch wieder öfter hin. </p>

<p>Er referierte über die kommende totale Flexibilisierung von Arbeitsplätzen, die seiner Meinung nach mit einer zunehmenden Entbetrieblichung der Arbeit einhergehen und damit womöglich zum Ende der Festanstellung führen wird, was wohl mit erheblichen sozialen Verwerfungen verbunden sein wird. Er warnt im übrigen davor, in der Diskussion um mobile Arbeit einfach das traditionelle Verständnis von Arbeits- und Arbeitsplatzverhältnissen aus dem 20sten Jahrhundert ins 21ste zu übernehmen und das Wörtchen „mobil“ davor zu setzen. Unter anderem wäre damit ein massiver Einflussverlust sowohl der Gewerkschaften als auch der Arbeitgeberverbände verbunden. Der Mitarbeiter im virtuellen Raum wäre in der Lage, sich zu emanzipieren und sozusagen selbst für Rationalisierung seiner Arbeitswelt zu sorgen, statt immer nur umgekehrt.</p>

<p>Es war aber ein Nebensatz von ihm, der mich besonders faszinierte, denn er zeigte, dass die Zukunft wieder einmal bereits begonnen hat, bevor ich es überhaupt mitbekommen habe. IBM-Mitarbeiter in Italien haben nämlich Second Life als Mittel im Arbeitskampf entdeckt und gehen dort dieser Tage auf die virtuelle Strasse, um gegen eine von der Geschäftsleitung jüngst beschlossene Kürzung ihrer Gewinnbeteiligungen zu protestieren – und alle, alle sollen mitmachen! </p>

<p>Wer will, kann sich einfach einen virtuellen Körper überstülpen und sich den kunterbunten Demo-Gruppen anschließen, die den Bossen auf Italienisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und vermutlich auch in jeder anderen gewünschten Sprache die Meinung sagen wollen und die Stimme gegen Ausbeuterei und soziale Ungerechtigkeit erheben wollen. Der internationale Gewerkschaftsbund hat sich solidarisch erklärt und bietet auf seiner Website (<a href="http://www.union-network.org">www.union-network.org</a>) sogar Anleitung und Aufmunterung für alle, die den Aufstand der Avatare unterstützen wollen.</p>

<p>Ob ich allerdings selber mit demonstrieren werde, weiß ich noch nicht. Das ist wie früher im Heidelberg der 68er, als wir uns in unserer Stammkneipe getroffen  und überlegten haben, ob wir  zur Demo gehen sollten oder lieber doch ins Kino. Merke: Es gibt im Leben immer attraktive Alternativen, im richtigen ebenso wie im zweiten. <br />
</p>]]>
</content>
</entry>
<entry>
<title>Googlebots reloaded</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.cole.de/archives/2007/09/googlebots_relo.html" />
<modified>2007-09-27T12:55:20Z</modified>
<issued>2007-09-12T10:39:42Z</issued>
<id>tag:www.cole.de,2007://2.175</id>
<created>2007-09-12T10:39:42Z</created>
<summary type="text/plain">Neulich berichtete ich von der &quot;Invasion der Googlebots&quot; auf meiner Website. Offenbar bin ich da nicht alleine - aber eine richtig gute Erklärung dafür gibt es auch nicht....</summary>
<author>
<name>Tim Cole</name>

<email>tim@cole.de</email>
</author>
<dc:subject>Internet</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.cole.de/">
<![CDATA[<p>Neulich berichtete ich von der "Invasion der Googlebots" auf meiner Website. Offenbar bin ich da nicht alleine - aber eine richtig gute Erklärung dafür gibt es auch nicht.</p>]]>
<![CDATA[<p>Jedenfalls nicht von Google, denn die Pressestelle hüllt sich dort nach wie vor in Schweigen zu meiner diesbezüglichen Anfrage. Dafür haben sich aber mehrere Webmaster gemeldet, die über ähnliche Erfahrungen berichten.</p>

<p>Ein gewisser "victor" im Google-Forum von WebmasterWorld fühlte mit mir: "Ja, ist mir in den letzten Jahren zweimal passiert. Beide Male schickte ich eine Email n Google und habe ihnen gesagt, sie sollen sich benehmen, sonst werden sie gesperrt. Sie haben sich jedesmal gemeldet und sich entschuldigt, vor allem aber haben sie ihr anstößiges Verhalten geändert. Meine Sites genießen weiterhin ein sehr hohes Ranking bei den entsprechenden Keywords von Google."</p>

<p>Der Moderator des Forums, ein gewisser "tester", hatte ähnliche Erfahrungen aber keine Erklärung. "Warum passiert sowas? Keiner weiß es - außer Google's Crawler-Team. Aber nach meiner eigenen Erfahrung hat jedes Stück Programmierung irgendeinen Bug - und Crawl Control ist da keine Ausnahme."</p>

<p>Tester schickte mir außerdem einen hilfreichen Link zum Support-Team von Google, wo man Tipps findet, wie man sich gegen Bot-Attacken wehren kann (<a href="http://www.google.com/support/webmasters/bin/answer.py?answer=48620&ctx=related">http://www.google.com/support/webmasters/bin/answer.py?answer=48620&ctx=related</a>). Scheint also kein allzu seltener Fall zu sein.</p>

<p>Viele Mitbetroffene meldeten sich und drückten ihr Mitgefühl aus. "44 GB - das ist ja unverschämt", schrieb "raider" aus Südkorea. Er hat meine Website angeschaut und meinte, mehr als 1 GB pro Monat wäre gar nicht nötig. Allerdings schrieb er nicht dazu, welche Messlatte er dabei angelegt hat.</p>

<p>Von <a href="http://www.webmasters-europe.org">Webmasters Europe</a>, dem europäischen Berufsverband (dessen Beiratsmitglied ich bin), meldete sich der Vorsitzende, Dr. Thorsten Schneider mit einer Bestätigung: "Es ist bekannt, dass die Googlebots zuweilen Amok laufen und gigantischen Traffic verursachen. Das wäre tatsächlich mal ne Story wert!" Seiner Erfahrung nach passiert das offenbar oft bei Sites, die Fotoarchive oder Videos hosten, da Google ja für seine diversen Spezial-Suchmaschinen inzwischen alles downloaded und archiviert. Da ich aber auf meiner Homepage ja keine Fotoarchive oder Videos verlinkt habe, scheidet das als Ursache wohl aus Weitere mögliche Angriffsziele für eine Bot-Invasion seien Verzeichnisse, die solche Inhalte enthalten, in der robots.txt von der Indexierung auszuschließen. </p>

<p>Schneider riet auch mal zu überprüfen, ob der Verursacher des Traffics tatsächlich ein Googlebot ist. "Derzeit tarnen sich viele Crawler, die Inhalte für Spam zusammensuchen, als Googlebot", berichtet er, und weist auf eine Meldung  der Bonner Beratungsfirma <a href="http://www.sistrix.com">Sistrix </a>hin:</p>

<p>"Nur der echte Googlebot wird die 3 Kriterien (Useragent, IP-zu-Host und Host-zu-IP-Auflösungen) erfüllen. Ein Logfileeintrag im Webserverlog (Apache-Webserver) sieht wie folgt aus: 66.249.66.48 - - [10/Nov/2006:06:55:25 +0100] "GET /info.html HTTP/1.1" 200 10592 "-" "Mozilla/5.0 (compatible; Googlebot/2.1; +http://www.google.com/bot.html)" Wie oben beschrieben, löst die IP-Adresse des Googlebot auf *.googlebot.com auf. Der Host löst dann wiederum auf die IP-Adresse aus dem Logfile auf:<br />
s09:~# host 66.249.65.178 Name: crawl-66-249-65-178.googlebot.com<br />
s09:~# host crawl-66-249-65-178.googlebot.com crawl-66-249-65-178.googlebot.com A 66.249.65.178</p>

<p>Wenn Ihnen die Überprüfung per Hand zu umständlich und zeitaufwändig ist, so können Sie auch Tools (Echtheit eines Botzugriffs überprüfen: <a href="http://tools.sistrix.com/ve/">tools.sistrix.com/ve/</a>) benutzen, die diese Aufgaben in einem Schritt ausführen. Diese Möglichkeit besteht nicht nur für den Googlebot, sondern funktioniert auch bei Yahoo und Microsoft."</p>

<p>Ein nützlicher Tipp, den ich nur empfehlen kann. Denn mit Hilfe des Tools hatte ich in knapp zwei Minuten den Beweis: Es waren wirklich Googlebots! Das immerhin steht fest. Nur warum sie mich in letzter Zeit so heimsuchen, das kann mir nach wie vor keiner sagen.</p>

<p>Aber immerhin: Nachdem ich die Mail an die Google-Pressestelle losgeschickt hatte, hörte der unliebsame Besuch schlagartig auf. Immerhin ein Fortschritt...</p>]]>
</content>
</entry>
<entry>
<title>Nicht von Budweiser ins Bockshorn jagen lassen!</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.cole.de/archives/2007/09/nicht_von_budwe.html" />
<modified>2007-09-27T12:59:07Z</modified>
<issued>2007-09-11T23:12:02Z</issued>
<id>tag:www.cole.de,2007://2.174</id>
<created>2007-09-11T23:12:02Z</created>
<summary type="text/plain">Als ob es nicht schon genug Spams gäbe: Derzeit macht eine als privaten Viren-Alarm getarnte Mail die Runde im deutschen Internet, in vor einer angeblichen Bedrohung durch den Bildschirmschoner &quot;Budweiser Frogs&quot; gewarnt wird. Das Problem ist nur: Den Virus gibt...</summary>
<author>
<name>Tim Cole</name>

<email>tim@cole.de</email>
</author>
<dc:subject>IT Security</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.cole.de/">
<![CDATA[<p>Als ob es nicht schon genug Spams gäbe: Derzeit macht eine als privaten Viren-Alarm getarnte Mail die Runde im deutschen Internet, in vor einer angeblichen Bedrohung durch den Bildschirmschoner "Budweiser Frogs" gewarnt wird. Das Problem ist nur: Den Virus gibt es gar nicht!</p>]]>
<![CDATA[<p>Unter derm Betreff "Wichtige Informationen an alle User" heißt es in der Mail: "Jemand schickt einen schönen Bildschirmschoner von "The Budweiser Frogs" . Wer den herunter lädt, ist alles los!" Angeblich enthalte der so genannte Screen Saver einen Virus, der die Fetplatte zerstört sowie Namen und Passwörter des Besitzers an Unbeklannte übermittelt zwecks krimineller Weiterverwendung. Der Virus sei angeblich erst seit Dienstag im Umlauf, Microsopft habe die Information offiziell herausgegeben. Der Empfänger wird gebeten, diese Mail an alle Bekannte und Kollegen weiterzuleiten, "damit dem Schaden Einhalt geboten wird." Falls es irgend einer noch nicht verstanden wird, legt der anonyme Mailschreiber kräftig nach: "Microsoft nennt es den am meisten schädigenden Virus, der je bekannt wurde!!!!"</p>

<p>Wer allerdings auf die Homepage von Microsoft in Deutschland oder in den USA geht und die Suchbegriffe "Budweiser" oder "frog" eintippt, läuft ins Leere. Auch ein Anruf bei der Microsoft-Pressestelle ergibt keinen Hinweis: "Noch nie gehört!"</p>

<p>Erst die Website des Sicherheits-Experten Sophos klärt auf: Das Ganze ist ein so genannnter "Hoax", was man am besten als "schlechter Scherz" ins Deutsche übersetzen kann. "Lassen Sie sich von Hoaxes nicht hochnehmen", raten die Sophos-Fachleute. Leider sind solche Fälle gar nicht so selten. Die Verursacher hoffen wohl, dass die Empfänmger drastische Maßnahmen ergreifen, z. B. den Computer neu starten oder gleich das gesamte Netzwerk herunterfahfren. Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem bayerischen Brauch des Maibaumstehlens oder andere eher infantile Vergnügen ist nicht von der Hand zu weisen.</p>

<p>Tatsächlich aber können "Kinderscherze" schweren Schaden stiften. Auch wenn es keine offizielle Studie zu diesem Thema gibt, geht Sophos davon aus, dass Hoaxes mehr Kosten verursachen können als ein echter Virenvorfall. Es gäbe schließlich keine Antiviren-Software, die Hoaxes erkennt, da es ja keine Viren sind. Viele Unternehmen würden aber in Panik geraten , wenn sie eine solche falsche Virenwarnung erhalten - wodurch sie die Situation nur noch komplizierter machen. Einem Unternehmen entstehen vor allem Kosten durch die enorme Anzahl der von einem typischen Hoax erzeugten E-Mails. Wenn erst einmal einige Angestellte eine Warnung erhalten und diese an all ihre Bekannten und Kollegen weitergeleitet haben, kann es schnell zu einer E-Mail-Überlastung kommen.</p>

<p>Die einzige Möglichkeit, sich vor Hoaxes zu schützen, ist also: ruhig bleiben! Vor allem: Leiten Sie solche Rundmails nicht einfach ungeprüft weiter. Wenn es tatsächlich einen Massenbefall gibt, dann findet man einen Hinweis bei Google oder beim betroffenen Hersteller. Falls nicht, ist es besser, erst mal abzuwarten. </p>

<p>Sollte natürlich wirklich eine Mail mit einem Anhängsel "Budweiser Frog" in der Mailbox auftauchen, dann ist das etwas ganz anderes. Aber selbst da richtet man mit einer Flut von Warnungen wahrscheinlich mehr Schaden als als Nutzen. Und wer dumm genug ist, den Datenanhang einer Mail von einem unbekannten Absender einfach so zu öffnen, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen.</p>]]>
</content>
</entry>
<entry>
<title>Marathon der Frauenversteher</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.cole.de/archives/2007/09/marathon_der_fr.html" />
<modified>2007-09-27T12:57:03Z</modified>
<issued>2007-09-11T14:44:47Z</issued>
<id>tag:www.cole.de,2007://2.173</id>
<created>2007-09-11T14:44:47Z</created>
<summary type="text/plain">Mein Freund und Kollege Jupp Suttner gilt als Frauenliebling. Ehrlich gesagt, ich verstehe es nicht ganz, denn er ist von eher kurzer Gestalt und wie ich auch nicht mehr ganz der Jüngste. Aber Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters,...</summary>
<author>
<name>Tim Cole</name>

<email>tim@cole.de</email>
</author>
<dc:subject>Laufen</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.cole.de/">
<![CDATA[<p>Mein Freund und Kollege Jupp Suttner gilt als Frauenliebling. Ehrlich gesagt, ich verstehe es nicht ganz, denn er ist von eher kurzer Gestalt und wie ich auch nicht mehr ganz der Jüngste. Aber Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters, und überhaupt: Wer versteht schon die Frauen? </p>]]>
<![CDATA[<p>Jedenfalls verdanke ich ihm jetzt die Erkenntnis, dass Frauen dabei sind, eine weitere Männerbastion einzunehmen, nämlich den Marathonlauf. Jupp macht die Pressearbeit für den München-Marathon, und heute flatterte mir seine Meldung ins elektronische Postfach, wonach der Frauenanteil unter den Startern bei den großen Dauer-Läufen steigt und steigt: In Berlin und München soll sie schon um die 20 Prozent liegen, in New York 32, in Honolulu sogar über 47.</p>

<p>Der gute alte Philippides (der nach der Legende 490 v. Ch. die frohe Kunde vom Sieg über die Perser vom Fischerdörfchen Marathon nach Athen brachte) würde sich heute vermutlich im Grabe drehen bei dem Gedanken, dass die Frauen ihm und seinen Geschlechtsgenossen langsam den Rang ablaufen. </p>

<p>Ein bisschen abenteuerlich fand ich allerdings Jupps Ableitung: Frauen finden Marathon angeblich vor allem deshalb sexy, weil sie anders laufen als Männer. Als "Genußläuferinnen", so zitiert Jupp den ehemaligen Olympiateilnehmer und heutigen Marathon-Experte Manfred Steffny, legen sie weitaus mehr Wert auf das Rahmenprogramm sowie auf "das, was die Stadt sonst noch zu bieten hat."</p>

<p>Und das sind für sie nicht etwa die strammen Wadeln der männlichen Marathonis, sondern vor allem die Einkaufsmöglichkeiten vor und nach dem Lauf. "Laufen & Shoppen" lautet die Devise, behauptet Jupp jedenfalls.</p>

<p>Mich wundert das, denn die Rennen finden meist am Sonntag statt. Ich kann aber bestätigen, dass meine Frau nur deshalb gerne mit zu den Läufen fährt, weil wir in der Regel ein oder zwei Tage vorher anreisen, und da kann sie die Kreditkarte ordentlich strapazieren. Aber dafür läuft sie auch nicht selber mit, sondern steht nur am Streckenrand und feuert mich an.</p>

<p>Aber wie kommt Jupp dazu, so etwas offen auszusprechen? Klingt doch sexistisch. Ich höre jedenfalls meine Damen - Mutter und Tochter sind sich da immer schnell einig - gleich "Stereotyp!" und "Macho!" rufen. </p>

<p>Jupp aber darf das. Und sie finden es auch noch nett. Was hat er nur, was ich nicht habe? </p>

<p>Ich werde mal meine Frau fragen...<br />
</p>]]>
</content>
</entry>
<entry>
<title>Invasion der Googlebots</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.cole.de/archives/2007/09/invasion_der_go.html" />
<modified>2007-09-27T12:57:27Z</modified>
<issued>2007-09-08T06:24:29Z</issued>
<id>tag:www.cole.de,2007://2.172</id>
<created>2007-09-08T06:24:29Z</created>
<summary type="text/plain">Ich bin das Opfer einer seltsamen Invasion von Googlebots geworden - und das kann richtig teuer werden....</summary>
<author>
<name>Tim Cole</name>

<email>tim@cole.de</email>
</author>
<dc:subject>Internet</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.cole.de/">
<![CDATA[<p>Ich bin das Opfer einer seltsamen Invasion von Googlebots geworden - und das kann richtig teuer werden.</p>]]>
<![CDATA[<p>Diese Homepage wird bei Spacenet in München gehostet und hat über die Jahre einen ziemlich gleichbleibend niedrigen Traffic (ca.  6.000-10.000 Visits, so um 1 GB Volumen im Monat).</p>

<p>Ab Mai begann das Volumen der abgerufenen KBytes auf einmal, sich Monat für Monat zu verdoppeln (April 2 GB, Mai 9 GB, Juni 17 GB, Juli 44 GB).</p>

<p>Aufmerksam wurde ich, weil mir Spacenet plötzlich anfing, über meinen Flatrate-Tarif hinaus Geld für zusätzliches Traffic-Volumen abzuverlangen, im Juli mehr als 100 Euro. </p>

<p>Die Auswertung ergab, dass der Zusatz-Traffic ausschließlich von Googlebots verursacht wurden. Diese hatten zwar wechselnde Namen, aber alle die Domain "googlebot.com".</p>

<p>Als Journalist habe ich hier vor allem eine Story gewittert ("Google verursacht  unschuldigen Homepage-Besitzern Millionenschäden") und habe mich deshalb Mitte August an die Pressestelle von Google gewandt.</p>

<p>Ich habe zwar bis heute keine Antwort von denen erhalten (was typisch ist für Googles paranoide Pressepolitik), aber dafür hörte das Datensaugen schlagartig auf. Im August sank der Traffic auf 14 GB (immer noch recht hoch, aber schließlich habe ich denen erst Mitte August geschrieben), im September ist der Traffic-Level bislang sogar ungewöhnlich niedrig.</p>

<p>Meine Frage: Hat jemand eine Erklärung? Hat jemand ähnliche Erfahrungen? Wenn ja, wie hoch war der Schaden? Hat jemand von Google dazu eine Stellungnahme bekommen?</p>]]>
</content>
</entry>
<entry>
<title>Deutschland allzeit E-bereit? Von wegen!</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.cole.de/archives/2007/09/deutschland_all.html" />
<modified>2007-09-27T12:57:52Z</modified>
<issued>2007-09-06T07:17:28Z</issued>
<id>tag:www.cole.de,2007://2.171</id>
<created>2007-09-06T07:17:28Z</created>
<summary type="text/plain">Deutschland und das Internet – ein Drama in vielen Akten. So richtig warm geworden sind die beiden ja nie, und jetzt sieht es sogar so aus, als ob die Deutschen gegenüber dem Rest der Welt zurückfallen in ihrer Bereitschaft, Nutzen...</summary>
<author>
<name>Tim Cole</name>

<email>tim@cole.de</email>
</author>
<dc:subject>Internet</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.cole.de/">
<![CDATA[<p>Deutschland und das Internet – ein Drama in vielen Akten. So richtig warm geworden sind die beiden ja nie, und jetzt sieht es sogar so aus, als ob die Deutschen gegenüber dem Rest der Welt zurückfallen in ihrer Bereitschaft, Nutzen aus der modernen ITK-Technik zu ziehen. Schade um den schönen Standort…</p>]]>
<![CDATA[<p>Seit dem Millenniumsjahr 2000 untersucht die britische Wirtschaftszeitschrift „Economist“ regelmäßig den Stand der „E-Bereitschaft“ der Länder dieser Erde und stellt sie in einem Ranking dar, dem so genannten „<a href="http://www.eiu.com/site_info.asp?info_name=eiu_2007_e_readiness_rankings&rf=0">e-readiness index</a>“. Deutschland hat in dieser Tabelle noch nie besonders gut abgeschnitten, rangierte immer irgendwo um Platz 12 oder 13 – doch was 2007 herauskam, gleicht geradezu einem Absturz aus großer Höhe. Platz 19 ist für ein Land, das sich gerne als Hightech-Standort  gibt, schlicht und einfach eine Katastrophe!</p>

<p>Dass die Dänen, wie seit langem, auf Platz eins sonnen dürfen, also noch vor dem Land der Internet-Erfinder, USA, mag ja noch angehen. Und dass die frechen Österreicher nun erstmals deutlich am großen Nachbarn vorbeigezogen und auf Platz elf gelandet sind, können wenigstens diejenigen noch irgendwie zu einem deutschen Teilerfolg umdeuten, die in der Alpenrepublik ohnehin nur das 17te Bundesland oder einen abgespaltenen Teil Bayerns sehen. Aber Bermuda (Platz 15)? </p>

<p>Auch im direkten Vergleich mit den Hauptkonkurrenten um den Titel „Export-Weltmeister“ schneidet Deutschland ziemlich mies ab: einen Rang hinter Japan, die letztes Jahr noch irgendwo bei Platz 27 herumkrebsten, zwei hinter Taiwan (2006: Platz 23). Südkorea ist von Platz 18 auf Platz 16 vorgeprescht, Hongkong gar von Platz zehn auf vier enteilt. </p>

<p>Nun könnte man als Berufsoptimist ja noch Trost aus der Tatsache ziehen, dass Deutschland in Wirklichkeit die europäische Mittelklasse markiert. Die Skandinavier sind ja eh als Internet-Freaks verschrieen, was sollen die auch an den langen Winterabenden sonst machen als sich Online-Pornos anschauen? Und die Schweizer (Platz 5) hocken in ihren engen Tälern und kommen nur per Computer irgendwie mal raus. Wenigstens konnten wir Frankreich (Platz 22) schlagen, ebenso wie Malta (24), Italien (25), Spanien (26), Portugal (27) und Griechenland (32). Und von den Beitrittsländern wie Estland (28), Slowenien (29) oder Polen (40) war im Grunde noch nicht viel zu erwarten.</p>

<p>Wem die Zukunft Deutschlands aber wirklich am Herzen liegt, der muss schon schlaflose Nächte verbringen beim Betrachten der Feinauswertung 2007. Der „Economist“ fällt sein Urteil erst nach eingehender Untersuchung von  insgesamt sechs unterschiedlichen Kriterien, die von „Geschäftsklima“ bis „Rechtsumfeld“ oder „technische Infrastruktur“ reichen. Und da wird sehr schnell klar, wo hierzulande der Schuh drückt.</p>

<p>Bremsfaktor Nummer eins ist die Politik. Es gibt zwar keinen Landesvater, der nicht irgendeine E-Initiative („Bayern online“) verkündet hat. Aber was ist daraus geworden? Ein föderaler Flickerlteppich aus sinnlosen und/oder schlecht gemachten Online-Auftritten selbstverliebter Landesfürsten. </p>

<p>Ich durfte 2005 bei der hoffnungsfrohen Eröffnung von Kurt Becks „<a href="http://www.rlp.de/rlp/index.jsp">Landesportal Rheinland-Pfalz</a>“ eine Festrede halten. Neulich war ich wieder dort – und fand neben Schwaden von Selbstweihrauch („Beck: Gerechte Löhne für gute Arbeit“) vor allem einen an zentraler Stelle platzierten Link zur „Staats-Zeitung“. Wenigstens nicht auf Papier, sondern als PDF…</p>

<p>An den Noten des „Economist“ lässt sich die Misere der politischen Führungskultur in Sachen Internet ziemlich genau ablesen. Während die Differenz in den Einzelnoten zwischen Deutschland und dem jeweiligen Spitzenreiter bei „Nutzung durch Verbraucher“ mit 0,95 Punkten noch erträglich schien, betrug sie bei „Regierungspolitik & Vision“ satte zwei Zähler – ein Armutszeugnis. Zumal die Politik nicht nur in den Augen der britischen Redakteure als Dreh- und Angelpunkt für die E-Bereitschaft eines Landes gilt: „Nein anderer Wachstumsfaktor für die Wirtschaft eines Landes hat eine derartige Fähigkeit, gleichzeitig an mehreren Stellen als Katalysator für digitale Transformation zu wirken“, schreiben sie. Zum Beispiel die Fähigkeit, die Bereitschaft zu fördern, in Technologie zu investieren und damit eine zeitgemäße Infrastruktur zu schaffen. Da liegt in Deutschland nämlich auch einiges im Argen: Beim Kriterium „connectivity & technical infrastructure“ klafft zwischen der Bundesrepublik und Weltmeister Schweiz eine gähnende Lücke von 2,4 Punkten. Selbst Belgien schneidet da besser ab!</p>

<p>Die britische Studie beweist eigentlich nur, was ich als langgedienter Internet-Beobachter in Deutschland seit einiger Zeit schon instinktiv spüre: Die Internet-Begeisterung in diesem Land ist vor allem dort inzwischen deutlich abgekühlt, wo sie am dringendsten benötigt würde: In den Chefetagen von Politik und Wirtschaft. Da sitzen Leute, die keine Ahnung haben (Wolfgang „Bundestrojaner“ Schäuble) oder sich immer noch verweigern (Chefs, die keine E-Mails lesen, sondern das von der Sekretärin machen lassen). Firmen, deren Internetseite seit fünf Jahren nicht mehr aktualisiert worden sind oder die gar keine haben. Schulen, in denen sich zehn und mehr Schüler einen PC teilen müssen, und der steht auch noch die meiste Zeit im abgeschlossenen Klassenzimmer der „Computer AG“.  Und da wundert sich noch einer, wenn der ITK-Branchenverband BITKOM händeringend den Mangel an Fachkräften beklagt? Mich wundert, dass es überhaupt so viele von ihnen gibt in diesem Land!</p>

<p>Internet und ITK sind die Lebensadern der globalisierten Wirtschaft. Mit Autos und Werkzeugmaschinen lässt sich der Export bei uns noch eine Weile künstlich am Leben halten. Irgendwann ist aber Schluss. Aber bis dahin ist Deutschland im Ranking des Economist ja vielleicht im „e-readiness index“ endgültig abgerutscht auf das Niveau von Azerbajan (Platz 68) oder Iran (Platz 69).</p>

<p></p>

<p><br />
</p>]]>
</content>
</entry>
<entry>
<title>Biometrie ist kein Allheilmittel</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.cole.de/archives/2007/08/biometrie_ist_k.html" />
<modified>2007-09-27T12:58:35Z</modified>
<issued>2007-08-30T15:23:50Z</issued>
<id>tag:www.cole.de,2007://2.169</id>
<created>2007-08-30T15:23:50Z</created>
<summary type="text/plain">Von Wolfgang Schäubles Gedankenspielen abgesehen dürfte kaum ein Thema die Menschen in Deutschland so stark polarisieren wie der Einsatz biometrischer Systeme – zu unrecht....</summary>
<author>
<name>Tim Cole</name>

<email>tim@cole.de</email>
</author>
<dc:subject>IT Security</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.cole.de/">
<![CDATA[<p>Von Wolfgang Schäubles Gedankenspielen abgesehen dürfte kaum ein Thema die Menschen in Deutschland so stark polarisieren wie der Einsatz biometrischer Systeme – zu unrecht.</p>]]>
<![CDATA[<p>Wie ist es nun mit der Biometrie? Löst sie mit einem Schlag die ganzen Probleme rund um Zugangskontrolle, Rechtemanagement und informationelle Selbstbestimmung? Oder sieht die Welt am Ende aus wie im Film „Minority Report“, als Tom Cruise mit einer Plastiktüte voll glitschiger Augäpfel herumläuft, mit denen er die allgegenwärtigen Irisscanner austrickst?</p>

<p>Egal, ob uns bei dem Gedanken die Nackenhaare sträuben: Biometrie ist inzwischen ein Riesengeschäft geworden – und damit wohl kaum zu stoppen. Laut einer Prognose der International Biometrics Group wird der Umsatz der Branche von heute drei Milliarden auf 7,4 Milliarden Dollar im Jahre 2012 steigen. In den USA stattet man bereits die Ausleihkarten von Büchereien damit aus. Angeblich planen erste Autohersteller schon, den Zündschlüssel durch einen entsprechenden Sensor zu ersetzen. </p>

<p>Auch mein nagelneuer Laptop verfügt, wie viele andere heutzutage, über einen integrierten Fingerabdruck-Scanner. Leider funktioniert er nicht immer, was daran liegen könnte, dass ich langsam in die Jahre komme. Die geriffelten Spiralen an unseren Fingerkuppen, ohne die uns glatte oder schlüpfrige Gegenstände noch häufiger aus der Hand fallen würden, schwächen sich im Alter ab und können sogar ganz verschwinden. Manche Menschen haben ohnehin keine, wenn sie nämlich an der (zugegeben äußerst seltenen) Hautkrankheit „Dermatophathia pigmentosa reticularis leiden“. </p>

<p>Ohnehin ist der Wert des Fingerabdrucks als Identitätsnachweis eher fraglich. Dazu lässt er sich zu leicht fälschen. Wissenschaftler an der amerikanischen Clarckson-Universität haben. Sie haben 66 verschiedene „fake fingers“ („falsche Finger“) ausprobiert und damit mehr als 90 Prozent aller biometrischen Zugangssysteme erfolgreich überlistet. Die primitivsten waren aus „Play-Doh“, einem synthetischen Ton, das in Amerika als Kinderspielzeug sehr beliebt ist. Aber so viel Aufwand war in den meisten Fällen gar nicht nötig: Auch eine Fotografie des Fingerabdrucks der berechtigten Person genügte bei einigen Systemen, um sich Zugang zu vertraulichen Inhalten zu verschaffen. Man muss also gar nicht – der Pate lässt grüßen – dem Opfer gleich die Hand abhacken.</p>

<p>Für Sicherheitssysteme sind biometrische Verfahren also höchst umstritten. Aber warum muss es dabei immer nur um Sicherheit gehen? Haben wir womöglich aufs falsche Pferd gesetzt?</p>

<p>Neulich lernte ich Dr. Walter Eigenstetter kennen, seines Zeichens „Solution Architect“ bei T-Systems, der behauptet, Biometrie lässt sich am besten über Bedienungskomfort verkaufen. Eine kontroverse These, an der aber etwas dran sein kann. Man muss nur nach Japan schauen, wo sich heute mehr als zwei Millionen Bankkunden per Handflächen-Scanner am Geldautomaten ausweisen. Und in Amerika ist das Zahlungssystem <a href="http://www.paybytouch.com">Pay By Touch</a> sehr erfolgreich. Kunden können damit an der Kasse per Fingerabdruck und einer siebenstelligen PIN-Nummer bezahlen – die Plastikkarte hätte damit ausgedient. Nach Angaben des Herstellers machen schon mehr als drei Millionen registrierte Benutzer mit.</p>

<p>Es muss auch nicht immer nur der Fingerabdruck sein. Der niederländische Bankenkonzern ABN-AMRO hat Pläne bekannt gegeben, ein neues System für Telefon-Banking namens „Voice Vault“ des britischen Herstellers Biometrics Security auszurollen, das die Identität des Benutzers über die Analyse seiner Stimme feststellen soll. Dem Vernehmen nach soll auch die Deutsche Telekom an einer ähnlichen Lösung arbeiten. Andere wie die Firma <a href="http://www.biopassword.com">Biopassword </a>setzen auf so genannte „Keystroke Dynamics“, die den Benutzer an der Art und Weise erkennen soll, wie er einen Text über die Tastatur eintippt </p>

<p>Man kann sich streiten, ob in solchen Fällen die Sicherheit oder die Bequemlichkeit aus Kundensicht wichtiger ist. Aber da über Biometrie sowieso gestritten wird, macht das auch nichts aus. Sicher ist, dass die breite Akzeptanz biometrischer Systeme in der Bevölkerung letztlich nur dann zu erwarten ist, wenn sie einen klaren Vorteil verspricht. Erfahrungen aus der Vergangenheit lassen eher darauf schließen, dass sich Sicherheit alleine nicht verkaufen lässt. Es muss schon etwas mehr sein.  <br />
</p>]]>
</content>
</entry>
<entry>
<title>Global Warming: Ende der Debatte</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.cole.de/archives/2007/08/global_warming.html" />
<modified>2007-09-27T12:59:49Z</modified>
<issued>2007-08-21T10:18:48Z</issued>
<id>tag:www.cole.de,2007://2.168</id>
<created>2007-08-21T10:18:48Z</created>
<summary type="text/plain">Ist der Klimawandel zu stoppen? Natürlich nicht!...</summary>
<author>
<name>Tim Cole</name>

<email>tim@cole.de</email>
</author>
<dc:subject>Global Economy</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.cole.de/">
<![CDATA[<p>Ist der Klimawandel zu stoppen? Natürlich nicht!</p>]]>
<![CDATA[<p>Das Ende naht. "Klima lässt nur noch 15 Jahre Zeit für Umkehr", titelte jüngst die "Ärzte-Zeitung". Laut "Hamburger Abendblatt" ist die Zeit noch knapper: "Klima-Katastrophe: Der Mensch hat nur noch 13 Jahre zur Umkehr", schrieb das Blatt in seiner Online-Ausgabe. </p>

<p>Solche Headlines hinterlassen beim flüchtigen Leser - und das sind wir mittlerweile ja fast alle - den Eindruck, als hätte die Menschheit eine Wahl. Wenn wir nur alle brav den Thermostat zurückdrehen, auf Stromsparbirnen und Hybridautos umsteigen und auf Flugurlaub verzichten, wird das Wetter wieder so sein wie früher. </p>

<p>Aber welches "Früher" ist denn da gemeint? Etwa die eisigen Schneewinter meiner Kindheit, als 1963 der Bodensee zum letzten Mal zufror? Oder vielleicht das Jahr 1934, das neuerdings als der heißeste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichung in den USA gilt (und nicht 1988, wie die NASA bislang immer behauptet hat; leider hat man sich bei der Weltraumagentur aber ein bisschen verrechet...).</p>

<p>Die Begriffe "Klimawandel" und "globale Erwärmung" scheinen inzwischen austauschbar geworden zu sein und werden politisch bis an die Belastungsgrenze strapaziert. Das ist natürlich Unsinn: Die anthropogene, also die durch Menschen verursachte Klimaveränderung ließe sich ja womöglich irgendwie ein wenig steuern. Gegen die langfristigen Zyklen des globalen Klimawandels sind wir Menschen selbstverständlich völlig machtlos. </p>

<p>In der Vorstellung, das Erdklima ließe sich irgendwie "einfrieren", steckt etwas rührend Naives. "Der Glaube, jede Form von Klimaveränderung sei schlecht, beinhaltet die Annahme, das heutige Erdklima sei das beste, das wir je haben könnten", schrieb der NASA-Forscher Michael Griffin. </p>

<p>Dabei verdankt die Menschheit seine Existenz vermutlich einem historischen Klima-Ausrutscher. "Über den Großteil seiner Geschichte bis vor relativ kurzer Zeit war es auf der Erde üblicherweise sehr heiß", schrieb Bill Bryson in seinem Bestseller "Eine kurze Geschichte von fast allem". Die Eiszeit, in der wir gerade leben - Bryson spricht von einer "Eis-Epoche" - begann vor etwa 40 Millionen Jahren und dauert noch an. Durch das Aufhäufen des Himalaya-Gebirges und der Schließung des Isthmus von Panama seien die globalen Wettermuster in dieser Zeit gründlich durcheinander gewirbelt worden. "Das Wetter hat in dieser Zeit von mörderisch schlecht bis gar nicht so schlecht gereicht", schreibt Bryson. Heute würden wir zufällig in einem der letzteren Perioden leben. Die Zukunft sieht für ihn dagegen kalt und düster aus: "Es sind in Zukunft noch ungefähr 50 Gletscher-Episoden zu erwarten, jede von ihnen mit einer Dauer von mindestens 100.000 Jahren, bis wir endlich auf eine wirklich lange Tauwetterperiode hoffen können."</p>

<p>Von wegen globaler Erwärmung! Zumindest langfristig muss sich die Menschheit ganz schön warm anziehen.</p>

<p>Was nicht heißt, dass es nicht kurzfristig zur Katastrophe kommen könnte. Das ist sogar mehr als wahrscheinlich. Glauben die Forscher, jedenfalls. Wissen tun sie es aber auch nicht ganz genau. Das liegt daran, dass Klimavorhersage eine noch viel ungenauere Wissenaschaft ist als ihre Cousine, die Wettervorhersage. Die Analysen des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change - Zwischenstaatliche Sachverständigengruppe über Klimaänderungen der Vereinten Nationen), deren Vierter Sachstandsbericht im Februar 2007 vorgelegt wurde, hat den im Vorgängerbericht von 2001 prognostizierten Anstieg der Meeresspiegel im nächsten Jahrhundert von ungefähr einem Meter auf 43 Zentimeter mehr als halbiert. Das liegt nicht etwa daran, dass die globale Erwärmung sich verlangsamt hätte, sondern daran, dass es heute genauere Methoden und viel mehr Information als früher gibt. </p>

<p>"Klimaforscher versuchen immer noch, die Grundlagen zu verstehen", schreibt Jeff Jacoby in der "Boston Globe".  Anders ausgedrückt: Klimaforschung steckt noch in den Kinderschuhen. Es gibt also überhaupt keine zuverklässigen Prognosen. </p>

<p>Wenn Al Gore, der US-Präsidentschaftskanditat, in seinem Buch "Eine unbequeme Wahrheit: Die drohende Klimakatastrophe und was wir dagegen tun können" also behauptet, dass "es keine Debatte mehr gibt" über Ursache und WIrkung, dann ist das einfach unwahr. Die Fachelute werden noch sehr lange debattieren müssen, bevor sie wirklich wissen, was da im Einzelnen abgeht. </p>

<p>Die wirklich wichtige Frage lautet ja auch nicht, was wir dagegen, sondern was wir überhaupt tun können.</p>

<p>Dass der Klimawandel ebensowenig zu stoppen ist wie die vom Menschen verursachte Erwärmung, sollte eigentlich jedem einleuchten. Um es klar zu sagen: Hamburg ist nicht mehr zu retten. Holland wahrscheinlich auch nicht. </p>

<p>Worüber wir längst reden müssten ist die Frage, wie wir damit fertig werden sollen. Evolution heißt Anpassung an sich verändernde Lebensumstände - dazu gehören auch Klimakatastrophen, ab hausgemacht oder naturgegeben. Was wird aus den Menschen, die durch Wetterextreme oder Schwankungen des Meeresspiegels entwurzelt werden? Deutschland tut sich heute schon schwer mit Wirtschaftsflüchtlingen. Was machen wir, wenn auf einmal Millionen von Klimaflüchtlingen an der Grenze stehen und rein wollen?</p>

<p>Allzu lange wird es nicht mehr dauern. Auf den Tuvalu-Inseln östlich von Papua-Neuguinea leben rund 11.000 Menschen, deren Heimat demnächst im Pazifik versinken wird. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche - weniger sicher ist, ob diese Menschen irgendwo Aufnahme finden werden. Und das sind nur 11.000. Was ist mit den Millionen von  Bangladesi im Indusdelta, den Vietnamesen am Mekong oder den Chinesen am Gelben Fluss? Und ach ja: ciao Venezia! </p>

<p>Mit heißer Luft ist diesen Leuten leider nicht geholfen. </p>]]>
</content>
</entry>
<entry>
<title>Kampf dem Schöpfer!</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.cole.de/archives/2007/08/kampf_dem_schoe.html" />
<modified>2007-09-27T13:00:17Z</modified>
<issued>2007-08-18T10:49:35Z</issued>
<id>tag:www.cole.de,2007://2.167</id>
<created>2007-08-18T10:49:35Z</created>
<summary type="text/plain">Manche Menschen haben einfach zu viel Zeit! Zum Beispiel der amerikanische Webdesigner Alan Becker....</summary>
<author>
<name>Tim Cole</name>

<email>tim@cole.de</email>
</author>
<dc:subject>Internet</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.cole.de/">
<![CDATA[<p>Manche Menschen haben einfach zu viel Zeit! Zum Beispiel der amerikanische Webdesigner Alan Becker. </p>]]>
<![CDATA[<p>Drei Monate habe er gebraucht, um seinen Kurzfilm "<a href="http://alanbecker.deviantart.com/art/Animator-vs-Animation-34244097">Animator vs. Animation</a>" fertigzustellen. Es geht um die Abenteuer eines kleinen Strichmännchens, den Becker zunächst in irgendeinem Zeichenprogramm erschafft und der sich dann gegen ihn auflehnt. Es folgt ein ebenso heftiger wie witziger Kampf Schöpfer gegen Schöpfung, der quer durch das Tool-Menü tobt und erst damit endet, dass der unsichtbare Allmächtige (vermutlich Becker selbst) den Cursor auf "nicht abspeichern" bewegt, kurz zögert und dann mit einem einzigenb Mausklick den ungleichen prometheusschen Zwiekampf beendet. </p>

<p>Warum ich darüber blogge? Gute Frage. Vielleicht, weil ich finde, dass Menschen mit ihrer überflüssigen Zeit so viel Unsinniges, Unnützes, oft sogar Schädlichen produzieren, dass es einfach Freude macht, wenn man sieht, dass es noch Leute gibt, denen es genügt, anderen 45 Sekunden ungetrübte (wenn auch ebenfalls sinnleere) Freude zu bereiten. Oder vielleicht, weil ich mich gelegentlich auch als Strichmännchen empfinde, gefangen in einer unendlichen Computeranimation, die nach unerfindlichen Regeln abläuft, stets in der Gefahr, dass mich eine unsichtbare Hand ausknippst. </p>

<p>Warum Sie sich das ansehen, müssen Sie selbst begründen. <br />
</p>]]>
</content>
</entry>
<entry>
<title>Liebesdrama bei Skype</title>
<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.cole.de/archives/2007/08/liebesdrama_bei.html" />
<modified>2007-09-27T13:00:44Z</modified>
<issued>2007-08-17T14:29:36Z</issued>
<id>tag:www.cole.de,2007://2.166</id>
<created>2007-08-17T14:29:36Z</created>
<summary type="text/plain">Dass Skype nun ausgerechnet dann den großen Absturz erleben musste, als ich in New York war, fand ich natürlich überhaupt nicht witzig. Die Reaktion der Konkurrenz aber schon....</summary>
<author>
<name>Tim Cole</name>

<email>tim@cole.de</email>
</author>
<dc:subject>Internet</dc:subject>
<content type="text/html" mode="escaped" xml:lang="de" xml:base="http://www.cole.de/">
<![CDATA[<p>Dass Skype nun ausgerechnet dann den großen Absturz erleben musste, als ich in New York war, fand ich natürlich überhaupt nicht witzig. Die Reaktion der Konkurrenz aber schon.</p>]]>
<![CDATA[<p>Der Internet-Telefondienst lahmt. Angeblich sollen "Software-Probleme" schuld sein. Die Skype-Oberen versprechen Abhilfe "innerhalb von 12 bis 24 Stunden". Das tun sie seit Tagen. Schneller war da die Berliner Internet-Firma <a href="http://www.smeet.de">sMeet</a>, die mir jetzt eine der originellesten Pressemitteilungen seit langem schickte, die ich der EInfachheit halber hier in Auszügen nachdrucken möchte:</p>

<p>"Berlin, 17. August 2007 -  Anna R. aus Berlin und ihr in Lagos lebender Freund telefonieren seit Monaten über Skype - täglich mehrmals, "weil es so günstig und unkompliziert ist". Bis gestern Nachmittag hat auch immer alles reibungslos funktioniert. Seitdem geht gar nichts mehr. Ein ungünstiger Zeitpunkt, weil es zwischen den beiden einen heftigen Streit gegeben hat und im letzten Gespräch wichtige Fragen offen geblieben sind, die dringend geklärt werden müssten. Die Beziehung hängt sprichwörtlich am seidenen Faden. Anna ist verzweifelt - was soll sie tun? Ein Telefonat über das normale Festnetz oder mit dem Handy kommt nicht in Frage - viel zu teuer. Eine E-Mail schreiben? Auch nicht, fraglich, wann ihr Freund die liest. Anna wendet sich an ihre Freundin - und die hat die rettende Idee: sMeet."</p>

<p>In einem der virtuellen "Meeting Rooms", so die Werbetexter, fand dann die Aussöhnung zwischen den Avataren der beiden sowie zwischen ihren leiblichen Besitzern. Fazit: "Anna strahlt und ist froh, dass mit sMeet das Problem gelöst wurde." Schluchzt...</p>

<p>Natürlich sei sMeet nicht nur für Liebesdramen geeignet, beeilt sich die Firma zu betonen. Alle anderen Aspekte des "Socializing", wie es auf neudeutsch heißt, würden dort ebenfalls abgedeckt. Und wo doch nun Skype sozusagen als Totalausfall dasteht, möge der geneigte Leser doch bitteschön, und so weiter.</p>

<p>Ich finde, dieses Beispiel beweist vor allem eines: Auch im Internet-Zeitalter sind bltzschnelle Reaktion und eine pfiffige Werbeidee wichtiger denn je. Außerdem macht es klar, dass uralte Volksweisheiten immer noch gültig sind, etwa: "Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung..."<br />
</p>]]>
</content>
</entry>

</feed>