Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Tödlicher Knochen

Mittwoch, 01. Februar 2012

Das waren noch Zeiten!

Mein erstes Mobiltelefon war ein Motorola 3200, auch liebevoll der „Motorola-Kochen“ genannt. Er maß vom Fuß bis zur Spitze seiner langen Gummiantenne stolze 33 Zentimeter, ungefähr so hoch wie ein Maßkrug, und er war so stabil, dass es gerüchteweise hieß, man könne damit notfalls auch Zeltheringe einschlagen. Das war auch gut so, denn beim Versuch, ihn in meine Manteltasche zu stecken, fiel er mir mehrmals aus Hüfthöhe auf das Pflaster, funktionierte danach aber immer noch einwandfrei.

Das war so ungefähr 1992, also kurz nach der Freischaltung des “D-Netz” in D-Land, und seitdem ist das Mobiltelefon mein ständiger Begleiter. Wenn es also stimmt, was die Strahlungsgegner sagen, müsste ich inzwischen einen Tumor vom Kaliber eines Hokaidokürbis am Ohr haben, was aber nicht der Fall ist. Der Grund ist klar: Handystrahlen verursachen keinen Krebs. Das ist keine Frage des Glaubens, sondern der Physik: Zur Veränderung menschlicher DNA sind hochfrequente Gamma- oder Röntgenstrahlen nötig, und Handys funken nun mal ganz am anderen Ende des Frequenzspektrums, wo die Wellen viel zu schwach sind.

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Digitaler Überlebenskampf

Samstag, 28. Januar 2012

Der Kampf um die Steckdose wird in unserer Familie mit bitterem Ernst ausgetragen, vor allem in unserer Ferienwohnung in Sölden. Damals, als wir die Dachhälfte im Elternhaus meiner Frau ausgebaut haben, lebten wir in einer unschuldigeren Zeit, und der Innenausbauer hielt zwei Steckdosen im Wohnzimmer und je eine in Küche , Flur und Schlafzimmer für völlig normal und ausreichend. Wie hätte er denn auch das Zeitalter der Gadgets vorausahnen sollen, der uns solche Dinge wie digitalen Mundraub und Steckdosenstau beschert hat.

Zählen wir einfach mal zusammen: Meine Tochter hat ein iPhone und einen Laptop. Meine Frau bringt es als digitale Abstinezlerin nur auf ein ganz normales Mobiltelefon, das aber einen ganz anderen Adapter braucht. Ich schleppe auch in den Skiurlaub mein Nokia Lumina 700 und meinen iPad mit, natürlich auch den Laptop und neuerdings auch noch einen Kindle von Amazon, denn wann sonst als im Urlaub kommt man schon dazu, Bücher zu lesen. eBücher, versteht sich.

Die beiden Steckdosen im Wohnzimmer sind aber bereits durch Stehlampe in der einen und Stereoanlage plus Fernseher in der anderen Ecke belegt und befinden sich zudem im unzugänglichsten Winkel des Raums. Die Dose in der Küche ist von der kleinen Nespressomaschine belegt, die es damals ja auch noch nicht gab. Bleibt die Dose im Gang, wo geschickterweise auch ein Regal ist, auf dem man das jeweils ladebedürftige Gerät abstellen kann.

Heute Morgen erwischte ich unsere Valerie dabei, wie sie das Ladegerät von meinem Smartphone, den ich gerade erst eingesteckt hatte, heimlich rauszog und ihr eigenes Teil stattdessen anschloss. Es gab laute Worte und dramatische Gesten, und ich musste mächtig den Pater familias raushängen, um im digitalen Überlebenskampf die Oberhand zu behalten. Als ich meine Frau anrufen wollte, um mich bei ihr über ihre missratene Tochter zu beschweren, war ihr Handy gerade leer. Töchterchen hatte sich inzwischen schmollend ins Schlafzimmer zurückgezogen, wo sie in Ruhe ihr Laptop auflud und die neueste Folge irgendeines US-Sitcoms ansah.

Wenn ich mir nochmal eine Ferienwohnung baue, gibt es in jedem Raum ein Dutzend Steckdosen. Oder ich mache in Zukunft alleine Urlaub, und zwar in einem Land, in dem es genügend Steckdosen in jedem Zimmer gibt. Südkorea, zum Beispiel.

Wulff und das Geheimnis des Anrufbeantworters

Dienstag, 03. Januar 2012

Wer war’s?

So etwas Irres sei ihm in seiner ganzen Laufbahn nicht begegnet, meinte der ehemalige Spiegel-Chef Stefan Aust, als man ihm von Christian Wulffs Anruf beim BILD-Chefredakteur Kai Diekmann erzählte. Dass der Bundespräsident persönlich den Chefredakteur einer der einflussreichsten Zeitungen in Deutschland von einer Auslandsreise anrufe und ihm drohe, dass mache einen ja wirklich fassungslos.

Tatsächlich ist es kaum zu glauben, dass ein so erfahrener Politiker wie Wulff einen derartigen Anfängerfehler macht (Aust spricht vom „politischen Selbstmordkommando“). Die Lösung ist ganz einfach: Es war gar nicht Wulff, der da bei Diekmann aufs Band sprach, sondern ein ganz anderer.

Aber wer dann? (weiterlesen …)

Kein GPS in der Sauna, bitte!

Donnerstag, 10. November 2011

Antoine Jones ist auf Big Brother mächtig sauer…

In George Orwells Buch „1984“ steht jeder unter Dauerüberwachung durch den allmächtigen Staatsapparat, und seitdem leben wir in der ständigen Angst vor dem „Big Brother“. Doch selbst Orwell hat sich nicht vorstellen können, dass die Staats-Wächter eines Tages jederzeit exakt bestimmen könnte, an welchem Ort sich jeder einzelne Bürger befindet. Doch inzwischen sind wir schon fast soweit.

Das Problem ist das Navigationssystem GPS. Die insgesamt 32 Satelliten, die dauern die Erde mit 3,9 km pro Sekunde umkreisen, also einmal alle 12 Stunden, decken fast die gesamte Erdoberfläche ab und sind in der Lage, die Position eines Empfangsgeräte bis auf 7,8 Meter genau zu bestimmen.

Und da fast jeder von uns heute ein Smartphone besitzt und jedes ordentliche Smartphone über einen GPS-Empfänger verfügt, weiß der große GPS-Bruder stets recht genau, wo wir uns gerade befinden. Das ist recht nützlich, wenn ich zum Beispiel meinen Freunden per Foursquare oder Twitter sagen will, dass ich gerade vor den Museumslichtspielen in München stehe und mir gleich Roland Emmerichs neue Film-Katastrophe namens „Anonymous“ anschauen will. Es macht mir aber Gänsehaut wenn ich daran denke, dass auch ein Polizist oder Staatsschützer am Monitor sitzen und meine Bewegungen verfolgen kann.

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Once a Disaster, Always a Disaster

Mittwoch, 09. November 2011

I went to see the sneak preview of “Anonymous”, the new movie by Roland Emmerich, whom the critics have always dismissed as a rather lowbrow producer of admittedly spectacular disaster movies. As a rule, he is strong on visual effects and weak on storyline, but hey: who cares as long as the good guys win and the aliens are vanquished in the end.

Presumably, Emmerich wanted to prove his critics wrong by making a movie about Shakespeare. Unfortunately, all he succeeded in doing was to prove how right they are.

“Anonymous” is an insipid, at times even boring hodgepodge of faux literary history, royal incest, oedipal conflict, and behind-the-scenes power struggles by men in wigs and petticoat breeches.

As a spectator, the only things that kept me awake were the occasional swordfights and the short dramatic climax, during which the Earl of Essex and his men are trapped in a courtyard with soldiers firing down on them like shooting fish in a barrel.

Unhappily, even this isn’t original. In fact the entire scene is lifted straight from Eliza Kazan’s 1952 production of John Steinbeck’s “Viva Zapata!”.

If you ask me, “Anonymous” is a true movie disaster. But then again, I guess that’s what you can expect from a director of disaster movies.

Gespaltene Indianerseelen

Mittwoch, 09. November 2011

Hugh!

John Yellow Bird Steel, Präsident und damit Oberhäuptlinhg des Stammes der Ogala Sioux, hat gesprochen.

Die Sioux glauben, dass die Erde von einem zweigeteilten Geist beseelt ist, quasi die Indianer-Version von Ying und Yang. Diese beiden Seelen wohnen, ach, in jeder Brust, aber ganz besonders in Schwulen, Lesbierinnen, Bisexuellen und Transsexuellen. Dafür werden solche Menschen häufig von den Gemeinschaften, in denen sie leben, verachtet und verfolgt, was sie oft in den Freitod treibe.

Da sie aber nichts anderes tun, als es ihnen ihre zweigeteilte Natur gebietet, sei das ein tiefes Unrecht, das abgestellt gehört. Wie? Ganz einfach: Die vorhandenen oder geplanten Antidiskriminierungsgesetze in den USA, in denen es heute vor allem um Hautfarbe, Religionszugehörigkeit und Abstammung geht, sollten um den Zusatz “sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität” ergänzt werden.

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A Second Chance to Run

Sonntag, 30. Oktober 2011

Since I know that some of you are concerned about the condition of my health, I guess a short update is called for. So here we go:

I have been a long-distance runner for many years, and while I may not be very fast (my best Marathon time was 4:14) running is very much a central part of my life.  I routinely wear a heart monitor to check my progress, and in June the device started to show absurdly high hearth rates of 200 or more beats per minute. Of course, a 61 year-old heart simply can’t beat that fast, especially not for over half an hour and more, so there had to be some other explanation.

In fact it turned out that I suffer from auricular or atrial fibrillation, which doctors often jokingly refer to as “sick sinus syndrome”. This happens when the heart gets confused by signals originating in the major blood vessels leading to the two upper chambers (atria) of the heart. As I now know, about 2 to 3 million people in Germany alone suffer from this condition, which causes shortness of breath and a feeling of restriction (“belt around your chest”), both of which you don’t really want if you are running 42 kilometers (26 miles).

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Tim Cole ist doch nicht umsonst gestorben

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Kandidaten für die Todeszelle: Tim Calvin Cole (links), Tim Brian Cole (rechts)
Die Todesstrafe wurde in der Bundesrepublik mit der Einführung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 offiziell abgeschafft. Allerdings richteten die Alliierten bis 1951 noch 284 Ex-Nazis im so genannten Kriegsverbrechergefängnis in Landshut hin, und auch in der DDR bestand sie noch bis 1987 fort. Inzwischen gilt sie als ein Relikt der Barbarei, und gerade hier in Deutschland deutet man mit entrüstetem Zeigefinger auf Amerika, wo sie in 34 Bundesstaaten nach wie vor im Gesetzbuch steht.

Ich selbst teile diese Ansicht, fühle mich aber auch in besonderer Weise betroffen, denn gleich zwei meiner Namensvetter sind nur knapp der staatlichen Blutrache entkommen.

Der erste, Tim Calvin Cole, saß 22 Jahre lang in einer Todeszelle in Texas, weil er einen Mann mit einer Hundeleine erwürgt hatte. Das Oberste Bundesgericht wandelte die Strafe in Lebenslänglich um.

Der Fall von Tim Brian Cole, ein schwarzer Student an der Texas Tech University, schrieb sogar amerikanische Rechtsgeschichte. 1985 sollte er wegen Vergewaltigung an einer Weißen zum Tode verurteilt werden, kam aber schließlich mit 25 Jahren Zuchthaus davon. In Wahrheit war er unschuldig: 1995 legte der wahre Täter ein Geständnis ab. Tim Cole nützte das nichts: Er starb 1999 im Gefängnis an einem unbehandelten Asthmaanfall.

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Gilt das Presserecht auch für Blogger?

Montag, 20. Juni 2011

Die Frage, ob das Internet ein rechtsfreier Raum ist, ist eigentlich noch nicht abschließend beantwortet. Für Straf- und Zivilrecht lautet die Antwort: ja, aber nur, wenn beide Pqrteien ihren gewöhnmlichen Aufenthalt im gleichen Rechtsraum haben, also beispielsweise beide in Deutschland oder zumindest in Europa sitzen. Im Prinzip gelten sie weltweit, aber zwische Recht haben und Recht bekommen klafft bekanntlich ein tiefer Spalt. Wenn der Server auf den Camayan Islands steht, hat der Kaiser sein recht verloren. Und die US-Regierung tut sich augenscheinlich schwer, den WikiLeaks-Gründer Julian Assange zur Rechenschaft zu ziehen, so lange der sich in Großbritannien oder Schweden befindet.

Gerade WIkiLeaks zeigt aber, dass zumindest im medialen Bereich sehr wohl noch ein rechtsfreier Raum existiert, oder zumindest eine rechtliche Grauzone. Es ist nämlich nicht ganz klar, ob WikiLeaks eigentlich eine journalistische Publikation ist, also eine Art Online-Magazin. Ich würde sagen ja, zumal sich die Mitarbeiter von WIkiLeaks ja spätestens mit dem “Redigieren” der Videoclips über die Tötung unschuldiger Zivilisten in Bagdad nicht mehr behaupten können, ihre Website leite nur Dinge ungefiltert weiter. Assange arbeitet auch mit Journalisten vom “Spiegel”, von der “New York Times” und dem britischen “Guardian” zusammen, ist also strenggenommen ein journalistischer Mitarbeiter. Er selbst bezeichnet das, was er tut, als “wissenschaftlichen Journalismus.”

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“Wired Words” – oder: wie schreibt man eigentlich „E-Mail“?

Donnerstag, 02. Juni 2011

Vor ein paar Jahren schenkte mir meine liebe Frau ein Mousepad, auf der ein paar Mäuse in der Küche Brot backen. Einer von ihnen zieht aus einer Schublade, die mit weißem Pulver gefüllt ist, einen Zettel, auf dem ein Text zu sehen ist. Ein anderer ruft per Sprechblase erstaunt: „Hey – da ist Post in unserer Mehlbox!“

Die Schreibweise von Wörtern, die Dinge beischreiben, die erst das Internet unserem Sprachschatz zugefügt hat, hat sich schon immer etwas schwieriger gestaltet. Heißt es korrekt „E-Mail“, „Email“ oder am Ende gar „eMail“? Google, sonst um keine Antwort verlegen, hilft in dieser Frage nicht wirklich weiter. Fragt man nach Vorkommen der jeweiligen Schreibweise auf Websites in deutscher Sprache nach, kommt ein eher erstaunliches Ergebnis heraus: „Email“ und „eMail“ liegen beide gleichauf an der Spitze mit jeweils mehr als 206 Mio. Treffern. „E-Mail“ folgt abgeschlagen auf Platz drei mit 173 Mio. Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass „Mehlbox“ nur 20.100 mal gefunden wird, wobei die althergebrachte Verwendung des Begriffs („Schädlinge im Haushalt – Gewusel in der Mehlbox“) die Statistik auch noch verfälscht.