Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Tim Cole ist doch nicht umsonst gestorben

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Kandidaten für die Todeszelle: Tim Calvin Cole (links), Tim Brian Cole (rechts)
Die Todesstrafe wurde in der Bundesrepublik mit der Einführung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 offiziell abgeschafft. Allerdings richteten die Alliierten bis 1951 noch 284 Ex-Nazis im so genannten Kriegsverbrechergefängnis in Landshut hin, und auch in der DDR bestand sie noch bis 1987 fort. Inzwischen gilt sie als ein Relikt der Barbarei, und gerade hier in Deutschland deutet man mit entrüstetem Zeigefinger auf Amerika, wo sie in 34 Bundesstaaten nach wie vor im Gesetzbuch steht.

Ich selbst teile diese Ansicht, fühle mich aber auch in besonderer Weise betroffen, denn gleich zwei meiner Namensvetter sind nur knapp der staatlichen Blutrache entkommen.

Der erste, Tim Calvin Cole, saß 22 Jahre lang in einer Todeszelle in Texas, weil er einen Mann mit einer Hundeleine erwürgt hatte. Das Oberste Bundesgericht wandelte die Strafe in Lebenslänglich um.

Der Fall von Tim Brian Cole, ein schwarzer Student an der Texas Tech University, schrieb sogar amerikanische Rechtsgeschichte. 1985 sollte er wegen Vergewaltigung an einer Weißen zum Tode verurteilt werden, kam aber schließlich mit 25 Jahren Zuchthaus davon. In Wahrheit war er unschuldig: 1995 legte der wahre Täter ein Geständnis ab. Tim Cole nützte das nichts: Er starb 1999 im Gefängnis an einem unbehandelten Asthmaanfall.

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Gilt das Presserecht auch für Blogger?

Montag, 20. Juni 2011

Die Frage, ob das Internet ein rechtsfreier Raum ist, ist eigentlich noch nicht abschließend beantwortet. Für Straf- und Zivilrecht lautet die Antwort: ja, aber nur, wenn beide Pqrteien ihren gewöhnmlichen Aufenthalt im gleichen Rechtsraum haben, also beispielsweise beide in Deutschland oder zumindest in Europa sitzen. Im Prinzip gelten sie weltweit, aber zwische Recht haben und Recht bekommen klafft bekanntlich ein tiefer Spalt. Wenn der Server auf den Camayan Islands steht, hat der Kaiser sein recht verloren. Und die US-Regierung tut sich augenscheinlich schwer, den WikiLeaks-Gründer Julian Assange zur Rechenschaft zu ziehen, so lange der sich in Großbritannien oder Schweden befindet.

Gerade WIkiLeaks zeigt aber, dass zumindest im medialen Bereich sehr wohl noch ein rechtsfreier Raum existiert, oder zumindest eine rechtliche Grauzone. Es ist nämlich nicht ganz klar, ob WikiLeaks eigentlich eine journalistische Publikation ist, also eine Art Online-Magazin. Ich würde sagen ja, zumal sich die Mitarbeiter von WIkiLeaks ja spätestens mit dem “Redigieren” der Videoclips über die Tötung unschuldiger Zivilisten in Bagdad nicht mehr behaupten können, ihre Website leite nur Dinge ungefiltert weiter. Assange arbeitet auch mit Journalisten vom “Spiegel”, von der “New York Times” und dem britischen “Guardian” zusammen, ist also strenggenommen ein journalistischer Mitarbeiter. Er selbst bezeichnet das, was er tut, als “wissenschaftlichen Journalismus.”

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“Wired Words” – oder: wie schreibt man eigentlich „E-Mail“?

Donnerstag, 02. Juni 2011

Vor ein paar Jahren schenkte mir meine liebe Frau ein Mousepad, auf der ein paar Mäuse in der Küche Brot backen. Einer von ihnen zieht aus einer Schublade, die mit weißem Pulver gefüllt ist, einen Zettel, auf dem ein Text zu sehen ist. Ein anderer ruft per Sprechblase erstaunt: „Hey – da ist Post in unserer Mehlbox!“

Die Schreibweise von Wörtern, die Dinge beischreiben, die erst das Internet unserem Sprachschatz zugefügt hat, hat sich schon immer etwas schwieriger gestaltet. Heißt es korrekt „E-Mail“, „Email“ oder am Ende gar „eMail“? Google, sonst um keine Antwort verlegen, hilft in dieser Frage nicht wirklich weiter. Fragt man nach Vorkommen der jeweiligen Schreibweise auf Websites in deutscher Sprache nach, kommt ein eher erstaunliches Ergebnis heraus: „Email“ und „eMail“ liegen beide gleichauf an der Spitze mit jeweils mehr als 206 Mio. Treffern. „E-Mail“ folgt abgeschlagen auf Platz drei mit 173 Mio. Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass „Mehlbox“ nur 20.100 mal gefunden wird, wobei die althergebrachte Verwendung des Begriffs („Schädlinge im Haushalt – Gewusel in der Mehlbox“) die Statistik auch noch verfälscht.

Piloten und andere Menschen

Montag, 30. Mai 2011

Der Pilot von Airfrance Flug 447, der am 1 Juni 2009 über dem Atlantik abstürzte und alle 216 Passengiere und 12 Besatzungsmitglieder mit in den Tod riss ist, hat nach allem, was wir nach Auswertung des Flugschreiber wissen, so ziemlich den dämlicsten Anfängerfehler gemacht, den es gibt: Er hat, als die Geschwindigkeitsanzeige ausfiel, am Steuerknüppel gezogen und damit das Flugzeug nach oben gezogen. Am Ende ragte die Nase mit 40 Grad in die Luft. Folge: Die Strömung am Flügel ist abgerissen, die Maschine ist über einen der beiden Flügel abgeschmiert und ist in einen Zustand geraten, den Flieger „Trudeln“ nennen. Als der Flieger nach 11.000 Metern Sturzflug auf der Wasseroberfläche, die bei dieser Geschwindigkeit in etwa die Konsistenz von Beton hat, aufschlug, hatte er den Knüppel immer noch krampfhaft nach hhinten gezogen.

Ich bin kein Linienpilot, aber ich war Sichtflugpilot, durfte also kleine Sportmaschinen vom Typ Cessna oder Piper bei schönem Wetter zum Kaffeetrinken irgendwo hin steuern. Und ich erinnere mich an die Warnungen meiner Ausbilder, bitteschön niemals, aber auch wirklich niemals in eine Wolke zu geraten, weil ich nach ungefähr 45 Sekunden tot wäre. Nicht, weil die Maschine gleich abstürzen würde, sondern weil ich ohne Sichtbezug zum Horizont und ohne eine Ahnung, wie man die Angaben der Fluginstrumente richtig deuten muss, spätestens zu diesem Zeitpunkt ein für allemal die Kontrolle über das Flugzeug verlieren würde. Entsprechende Untersuchungen im Flugsimulator hätten das ein ums andere Mal bewiesen. Nur, wer im Instrumentenflug ausgebildet sei, könne sowas wagen.

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Die Raucherpolizei geht um

Dienstag, 06. November 2007

10 Streifenwagen, 30 Beamte – der Versuch, vor dem Bayerischen Landtag Lebensart zu demonstrieren, löste Grossalarm aus!

Montag, 12 Uhr vor dem Maximilianeum in München: 40 Damen und Herren, die meisten gesetzeren Alters, auffallend viele Krawattenträger darunter, treffen sich unter freiem Himmel, um gemeinsam Cigarren zu rauchen und Lebensart zu Demonstrieren. Nach 10 Minuten erscheint eine junge Polizistin, die offenbar im Landtag Wache schiebt, und bittet uns, den Bereich vor dem Landtag zu verlassen. Wohin wir denn gehen könnten, um unser Recht als freie Bügrer auszuüben. “gehen Sie auf die andere Strassenseite”, meint sie lapidar.

Weitere zehn Minuten später: Der erste Streifenwagen taucht auf. Ein Uniformierter will wissen, was hier vorgeht. Ob wir nicht wüssten, dass Demos vor dem Landtag verboten seien. Keine Demo, sagen einige Teilnehmer, nur ein friedliches Treffen. Dassdiese Woche das schärfste Antiraucher-Gesetz Deutschlands verabschiedet werden soll, der auch keine Ausnahmeregelung mehr für abgeschlossene Raucherräume in Gaststätten und Bars enthält, mag Zufall sein. Der BEamte geht kopfschüttelnd zurück zu seinem Einsatzfahrzeug und fordert Verstärkung an.

Nach  einer halben Stunde haben sich insgesamt 10 Polizeiwagen und etwa 30 Beamte eingefunden. Das Bayerische Fernsehen filmt. “Keine Bilder”, meint ein beamter barsch. Das Team filmt weiter.

Plötzlich schwärmen die Polizisten anch allen Seiten aus, statt der Dienstpistole zücken sie Kugelschreiber. “Alle Anwesenden werden aufgenommen, es erfolgt Anzeige  wegen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz.” Auf den Einwand, wir seien keine Versammlung, werden wir belehrt: “Mehr als drei Personen sind eine Versammlung. Und außerdem befinden Sie sich innerhalb der Bannmeile.”

Frage: Wo beginnt eigentlich die Bannmeile. Die Beamtenwerden unsicher. “Auf der Isarbrücke”, meint einer. “Nee, am anderen Ufer”, sagt der andere. Er hat am Ende recht – doch dazu muss erst der Einsatzleiter befragt werden.

Nach einer Stunde ziehen die Raucher ins nahegelegene Hofbräukeller. Dort dürfen sie wenigsten rauchen – vorerst noch. Wenn nicht in letzter Minute noch ein Wunder geschieht und die Landtagsabgeordneten ein Einsehen haben. Fortsetzung folgt.