Archiv für die Kategorie ‘Das digitale Ich’

Einfach mal abschalten!

Donnerstag, 21. Februar 2013

Der Personalrat des Arbeitsministeriums in Berlin ist laut “Süddeutsche” sauer, weil bei den Mitarbeitern das Dienst-Handy aufhabendes und am Wochenende klingelt. Dabei wird Hausherrin Ursula von der Leyen nicht müde wird, den Menschen im Lande Kluge Ratschläge zu geben, nach dem Motto: Einfach mal abschalten. Das Handy, nämlich. dabei klappt das bei Firmen wie VW oder EON ja längst. Das heißt: Bei der Telekom hebt vorsichtshalber keiner mehr ab, auch tagsüber nicht. Jedenfalls nicht, wenn ich beim Kunden-Hotline anrufe. Aber diese Form der Sprachdienstverweigerung kennt man ja auch andernorts, bei der Telekom, Vodafon, eigentlich bei fast jedem großen Anbieter von Dingen, die oft kaputt gehen und wo man dringend mal mit jemandem reden müsste.

Um dem berüchtigten Beamten-Burnout vorzubeugen sollen jedenfalls nach Ansicht der Verdi-Betriebsgruppe im Arbeitsministerium schleunigst konkrete Vorschriften erlassen werden, die das Abschalten nach Feierabend zwingend vorschreiben.

Ich bin zwar kein Beamter, aber vom Burnout trotzdem akut bedroht.  (weiterlesen …)

Nur Beten hilft gegen BYOD

Mittwoch, 20. Februar 2013
Blind auf einem Auge

Blind auf einem Auge

Die ganzen Sorgen und Nöte eine leidgeprüften IT-Chefs lassen sich heute kurz und präzise in genau vier Buchstaben ausdrücken: BYOD! Das ist die Abkürzung für den englischsprachigen Begriff „Bring Your Own Device“, was auf Deutsch heißt: „Bring dein eigenes Gerät“. Eigentlich fehlt aber bei dem Kürzel das wichtigte, denn die Fortsetzung des Spruchs müßte lauten „…in die Firma“. Und genau da wird die Sache prekär. Denn wenn jeder sein eigenes Smartphone oder Tablett-PC zur Arbeit mitbringt, öffnet das Hackern, Industriespionen und sonstigen Bösewichten im wahrsten Sinne des ortes Tür und Tor. Denn Privatgeräte sind, anders als die vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Modelle, in aller Regel schlecht oder gar nicht gegen Schadsoftware geschützt. Und der IT-Chef hat auch keine Möglichkeit, den Kollegen Vorschriften zu machen, etwa darüber, welche Virenschutzsysteme zu verwenden oder wann Patches aufzuspielen sind. Schließlich sind die Geräte ja Privateigentum!

Firmenbesucher vergrößern nur das BYOD-Problem. Aber da kann man ja wenigstens bei der Einlasskontrolle etwas tun. Fragt sich nur, ob man das Richtige tut. Denn eines ist auch klar: Wenn man das Problem mit Hilfe fehlbarer Menschen beizukommen versucht, geht die Sache häufig schief. (weiterlesen …)

Mein Zeitungssterben

Donnerstag, 06. September 2012

Zeitungssterben by Tim Möller-Kaya

Ich hatte ja gehofft, dass ich es noch bis zum Ablaufdatum schaffe, ohne auf elektronisches Papier umsteigen zu müssen. Aber dann kam es alles ganz anders. Es fing damit an, dass ich mir so einen schicken kleinen Kindle von Amazon zugelegt habe, um auf Reisen nicht mehr diese wuchtigen Schmöker mitschleppen zu müssen. Jetzt trage ich eine ganze Bücherei in der Westentasche mit mir herum und lese im wahrsten Sinne des Wortes wo ich geh‘ und steh‘: In der Straßenbahn, beim Zahnarzt (im Behandlungsstuhl!), auf dem Zugklo. Ich lese sogar heimlich im Flieger während Takeoff und Landung. Man muss nur aufpassen, dass es die Stewardess nicht mitkriegt, aber die streiken ja sowieso…

Aber meine Tageszeitung, die sollte mir das Schicksal eigentlich schon aus der toten, klammen Hand reißen müssen. So hatte ich mir das jedenfalls gedacht. Ja, ich weiß: Den Zeitungshäusern weht der Wind hart ins Gesicht. Im Juni stellte die „Times-Picayune“ ihre Printausgabe ein und erscheint nur noch online, womit New Orleans die erste amerikanische Großstadt ohne eigene Tageszeitung wurde. Erst Katrina, dann das! Aber meine verbleibenden Jahre, so dachte ich, würde ich schon noch das schöne haptische Gefühlserlebnis des Blätterns in toten Bäumen mir bewahren können.

Doch dann kam der Umzug. (weiterlesen …)

Adieu, Minitel mon amour!

Freitag, 29. Juni 2012

Morgen muss sie sterben: Die Minitel-Seite von Ségolène Royal

Es war langsam, die Pixelgrafiken waren klobig und anfangs schwarzweiß, die Texte oft nur mit Mühe zu entziffern. Und dennoch haben wir es geliebt, das gute, alte Btx (vulgo: „Bildschirmtext“). Tausende von uns haben damit unsere ersten tapsenden Schritte im Cyberspace gemacht, Zehntausende verdanken ihm ihre ersten Erfahrungen mit Online-Datenbanken und vor allem mit dem Home Banking, das als die „Killer-Anwendung“ galt, mit dem Btx dereinst den Weg in Millionen von Haushalten finden sollte, wie mir damals Eric Danke sagte, der Mann, der bei der Telekom das System entwickelte und es damit sogar bis in den Vorstand des ehemaligen Staatsmonopolisten schaffte. Leider irrte er sich, denn Btx blieb bei uns immer ein Nischenprodukt, nur von Techies geliebt, bis es 1993 in den neuen Telekom-Dienst „Datex-J“ aufging und schließlich 2001 ganz abgeschaltet wurde, weil die ganze Welt nur noch im World Wide Webs surfen wollte.

Die ganze Welt? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Land hält bis heute dem „Dampf-Internet“ die Treue. Genauer gesagt: Bis morgen. Denn am Samstag um Mitternacht wird Minitel abgeschaltet, die französische Variante des Systems, das eigentlich „Videotex“ hieß (ja, ohne „t“; in der Schweiz gab es ein ganz anderes System namens „Videotext“ mit „t“, was nur zur allgemeinen Verwirrung in den Frühtagen der Onlinerei beitrug).

Im Gegensatz zu Deutschland, wo man seinen Btx-Terminal für teuer Geld kaufen musste, hat es Frankreich von Anfang an richtig gemacht und Millionen von den kleinen grauen Boxen an die Telefonkunden verschenkt. Und damit sie auch benützt wurde, haben sie aufgehört, Telefonbücher auf Papier zu drucken: Wer eine Nummer nachschlagen wollte, musste seinen Minitel anwerfen, was natürlich die Nutzerzahlen kräftig anhob.

Irgendwann, so nahm ich immer an, haben die Franzosen den Dienst wie die Deutschen einfach abgeschaltet – aber von wegen! Laut New York Times gibt es noch mehr als 400.000 französische Minitel-Besitzer, die ihre Geräte aktiv nutzen – darunter mindestens 2.500 Molkereibetriebe vor allem in der Bretagne. Für die ist das Ding sogar sehr wichtig, denn es gibt eine eingeführte Anwendung, mit deren Hilfe sie den Besamungsdienst alarmieren können, wenn die Kuh in Hitze ist.

Angeblich ist das Minitel schuld daran, dass sich Frankreich erheblich langsamer dem eigentlichen Internet geöffnet hat als die Nachbarländer oder Amerika, was ja auch klar ist: Für die meisten Menschen genügte das einfache kleine Gerät, um damit Zugfahrpläne abzurufen, Tickets zu kaufen, einen Tisch im Bistrot zu buchen und vor allem Mails zu versenden. Man hat sein Minitel mit den Jahren auch lieb gewonnen, denn Franzosen sind bekanntlich mehrheitlich ziemlich konservativ und hängen am Althergebrachten. Jedenfalls so lange, bis ihnen zwischendurch mal wieder die Hutschnur platzt und sie in einem eruptiven Revolutionssturm das Alte hinwegfegen und eine neue Ordnung etablieren. Nun, Samstagnacht wird es laut Wetterbericht zwar Unwetter geben in Gallien, aber das Ende des Minitel wird eher lautlos über die Bühne gehen – nur  ein leiser Schalterklick, und der kleine graue Kasten wird Geschichte sein.

Was uns der Computer sagen will

Freitag, 22. Juni 2012

Können Computer reden? Und wenn ja: Was haben sie uns zu sagen? Und ist das, was sie sagen, vom Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt? Diese scheinbar skurrile Frage bewegt im Moment die Gemüter in Amerika, nachdem Prof. Tim Wu von der Columbia-Universität sie in einem Meinungs(!)beitrag für die New York Times gestellt hat, die er überschrieb mit den Worten: “Free speech for computers?”

Nun wird ja in Amerika die Meinungsfreiheit eine ganze Nummer höher aufgehängt als in Deutschland, wo man im Zweifelsfall lieber seine Ruhe hat und jeden, der sich mit einer womöglich abweichenden Meinung zu Wort meldet, am liebsten den Staatsorganen übergibt. Dafür sind sie ja da, nämlich um den Staat zu organisieren. Meine Vorfahren sind vor 500 Jahren aus “Old Europe” ausgewandert, weil ihnen das Recht der freien Rede wichtiger war als Gut und Geld. Wir haben der Meinungsfreiheit deshalb auch in unserer Verfassung als “First Amendment” gleich an erste Stelle gesetzt, vor solchen Dingen wie dem Recht, Waffen zu tragen, sich friedlich zu versammeln oder dem Verbot der Sklaverei.

Dass uns der Computer etwas zu sagen hat, ist unbezweifelbar: Google sagt uns laufend, was wir wissen wollen (und vieles, was wir nicht wissen wollen), Facebook sagt uns, wer unsere Freunde sind, und Microsoft Word sagt uns, wie wir (Recht-)schreiben sollen. Der Dialogkanal zwischen Mensch und Computer ist also weit geöffnet. Bleibt die Frage: Darf der das? Und genießt das, was uns der Computer sagt, den gleichen Rechtsschutz wie die Meinung von, sagen wir mal, nur um ein willkürliches Beispiel zu wählen, Julian Assange?

Angestoßen wurde die Diskussion von der Rechtsabteilung von Google, die nämlich der Ansicht ist, dass Computer-Code – also das, was ein Programmierer “geschrieben” hat – wie jeder andere von einem Menschen geschriebene Text nicht nur vom Urheberrecht, sondern auch vom Recht aus Ausdrucks- und Meinungsfreiheit gedeckt sei. Das ist für Google insofern wichtig, weil sie damit aus dem Schneider ist, wenn jemand beispielsweise (was immer wieder vorkommt) dagegen klagt, dass ihre Homepage bei Google schlecht abschneidet. Der berühmte “Google-Algorithmus”, der darüber entscheidet, wer wo auf in den Suchergebnissen landet, ist also ein vom Computer geäußerte – oder zumindest wiedergegebene – Meinung, und die ist vor solchen Bagatellklagen geschützt – basta! (weiterlesen …)

Jetzt bin ich eine Marke!

Donnerstag, 26. April 2012

Das ich das noch erleben durfte!

Wenn mein Freund Fritz besonders zufrieden ist mit sich und der Welt, dann entfährt ihm manchmal dieser Spruch: „Sie werden eines Tages Straßen und Plätze nach uns benennen!“  Er ist so nett, mich bei solchen Gelegenheiten mit in sein rosiges Bild der Zukunft einzubeziehen, und ich stelle mir deshalb tatsächlich manchmal vor wie es wäre, wenn es, sagen wir mal, in München-Haidhausen eines Tages einen „Tim-Cole-Platz“ geben würde. Na ja, vielleicht täte es auch ein “Cole-Weg”. Der könnte zum Beispiel vom Isarshochufer hinunter führen in den Herzogpark und hinüber in den Englischen Garten, wo ich meine tägliche Joggingrunde laufe.

Das Problem mit solchen Ehrenbezeugungen ist aber leider, dass sie in aller Regel nur posthum erfolgen. Ich würde also nicht selber durch eine „Cole-Straße“ schlendern können: Meine Nachfahren müssten das für mich tun. Und so hält sich meine Begeisterung über derartige Zukunftsaussichten, anders als bei Freund Fritz, doch meist in recht enge Grenzen.

Das Gleiche gilt auch für Gedenkmarken, mit denen die Post manchmal mehr oder weniger verdiente Menschen ehrt: Auch sie kann der Ausgezeichnete ja nicht selber auf einen Brief kleben und ins Postkasterl werfen. Dazu muss er erst die letzte große Lebensleistung vollbringen, nämlich möglichst würdevoll zu sterben. Wenn ich ein gläubiger Mensch wäre, könnte ich mich ja wenigstens mit der Vorstellung trösten, ich säße eines Tages wie weiland Aloisius auf meiner Wolke und würde hinunterschauen und sehen, wie mich Leute von hinten belecken. Das heißt, man muss ja heutzutage die Marke nicht mehr befeuchten, damit sie haftet: Sie sind ja selbstklebend. Aber Sie wissen schon, was ich meine. (weiterlesen …)

Die nette Frau Friedrich und der Pranger

Montag, 23. April 2012

Frau Richterin im Höhenflug (Foto: A. Friedrich/T. Cole )

Ariane Friedrich ist eine hübsche junge Frau. Sie hat blondes, modisch kurzgeschnittenes Haar und eine reizvolle schlanke Figur. Die braucht man als Hochspringerin, was Ariane Friedrich recht erfolgreich tut. Schließlich gewann sie unter anderem auch mal die Bronzemedaille bei der WM 2009 in Berlin.

Im Hauptberuf ist Ariane Friedrich Polizeikommissarin mit abgeschlossenem Studium an der Verwaltungsfachhochschule Hessen. Sie ist also offenbar ebenso klug wie schön. Für den einen oder anderen jungen Mann mag sie sogar die Traumfrau sein. Jedenfalls bekommt sie viel Fanpost auf ihre Facebookseite. Und in einer dieser Nachrichten stand neulich dieser Satz:

„Willst du mal einen schönen Schwanz sehen, gerade geduscht und frisch rasiert?“

Das ist offenbar nicht das erste Mal, dass die schöne Ariane solchen Schweinkram bekommt, aber dieses Mal ist ihr der Geduldsfaden gerissen. Sie setzte sich hin und tippte eine Nachricht auf Facebook, die neben dem anzüglichen Satz auch Namen und Wohnort des Absenders enthielt.

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Suchet, so werdet Ihr finden (VIII)

Samstag, 10. März 2012

Kann mir jemand sagen, wer (oder was) ein “tamer kulmac” ist? Und warum jemand ausgerechnet bei mir danach sucht?

Tödlicher Knochen

Mittwoch, 01. Februar 2012

Das waren noch Zeiten!

Mein erstes Mobiltelefon war ein Motorola 3200, auch liebevoll der „Motorola-Kochen“ genannt. Er maß vom Fuß bis zur Spitze seiner langen Gummiantenne stolze 33 Zentimeter, ungefähr so hoch wie ein Maßkrug, und er war so stabil, dass es gerüchteweise hieß, man könne damit notfalls auch Zeltheringe einschlagen. Das war auch gut so, denn beim Versuch, ihn in meine Manteltasche zu stecken, fiel er mir mehrmals aus Hüfthöhe auf das Pflaster, funktionierte danach aber immer noch einwandfrei.

Das war so ungefähr 1992, also kurz nach der Freischaltung des “D-Netz” in D-Land, und seitdem ist das Mobiltelefon mein ständiger Begleiter. Wenn es also stimmt, was die Strahlungsgegner sagen, müsste ich inzwischen einen Tumor vom Kaliber eines Hokaidokürbis am Ohr haben, was aber nicht der Fall ist. Der Grund ist klar: Handystrahlen verursachen keinen Krebs. Das ist keine Frage des Glaubens, sondern der Physik: Zur Veränderung menschlicher DNA sind hochfrequente Gamma- oder Röntgenstrahlen nötig, und Handys funken nun mal ganz am anderen Ende des Frequenzspektrums, wo die Wellen viel zu schwach sind.

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Hilfe: IBM kann meine Gedanken lesen!

Mittwoch, 21. Dezember 2011

So sieht die Zukunft aus. Oder auch nicht…

Alles Jahre wieder, kurz vor Weihnachten, legen die Forscher von IBM ihre „5 in 5 List“ vor – eine Aufzählung von fünf technologischen Trends, die unsere Welt auf den Kopf stellen werden, und zwar innerhalb der nächsten fünf Jahren. 2006 sagten sie voraus, dass unsere Smartphones in fünf Jahren in der Lage sein werden, Gehirnwellen zu lesen: Denke dir eine Nummer, und schon wählt das Ding und stellt dich durch. Sie haben das 3D-Internet vorausgesagt und eine Neuauflage von Doug Adams  „Babelfisch“, der das gesprochene von einer Sprache in eine andere in Echtzeit übersetzen kann. Nun, wir schreiben heuer das Jahr des Heils 2011, also müsste das ja jetzt eigentlich alles längst hier sein. Vielleicht ist es da – aber ich sehe leider nichts davon, also bin ich dazu geneigt, die IBM-Liste cum grano salis zu nehmen, wie wir alten Lateiner sagen.

Trotzdem ist die Versuchung für einen techie wir mich übergroß, sich doch mit der neuesten Ausgabe von „5 in 5“ zu beschäftigen, und wenn auch nur, um die Absurdität mancher der dort gemachten Vorhersagen zu illuminieren. Aber andererseits hatte der legendäre Philosoph und Baseballspieler Yogi Berra von den „Yankees“ recht als er sagte: „Es ist immer schwer, Prognosen zu machen, vor allem wenn es dabei um die Zukunft geht.“ Also, Ärmel hoch und durch:

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