Archiv für die Kategorie ‘Das Leben an sich’

Pathos auf der Piste

Montag, 06. Februar 2012

Pathos („Leiden“, rsp. „Leidenschaft“ gehört, wie schon der alte Aristoteles wusste, neben Ethos („Authorität“, „Glaubwürdigkeit“) und Logos („Rede“, „Aussagegehalt“) zu den drei Kardinaltugenden des Rhetorikers. Selten sind sie in ein und derselben Person gleichmäßig verteilt. Hitler riss die Massen mit seiner vorgelebten (vorgeschwindelten?) Leidenschaft von den Stühlen des Reichsparteitags, Rainer Barzel dürfte wohl etwas zu viel Logos abbekommen haben – jedenfalls hieß es von ihm damals, er brauche jedes Mal nach 50.000 Wörtern einen Ölwechsel. Für mich verkörpert Helmut Schmidt den Idealtypus des Charakterdarstellers, denn dass er uns natürlich auch etwas vormacht mit seiner staatsmännischen Abgelöstheit von den Niederungen des Alltags ist doch klar – er ist natürlich ein ganz schlauer, alter Fuchs. Trotzdem gibt es niemanden in der politischen Arena, dem ich lieber zuhöre.

Die Kunst der Rhetorik hat ihre Höhen und Tiefen erlebt im Laufe ihrer Geschichte. Plato hielt sie für üble Scharlatanerie (er warf sie mit der Poesie in einen Topf und hielt sie für das Gegenteil von Philosophie). Die Sophisten übten sich in der Kunst der Überredung, unabhängig vom Wahrheitsgehalt des Gesagten: wahr ist, was ich mein Publikum glauben machen kann. Vermutlich dreht er sich heute jedes Mal wie ein Kinderkreisel im Grab, wenn Frau Merkel und Herr Sarkozy vor die Kameras treten und die jüngste Lösung der Euro-Krise verkünden.

Cicero führte die Rhetorik zu ihrer wohl höchsten Blüte, hinterließ Standardwerke wie „Rhetorica ad Herennium“ (falls er sie wirklich selbst geschrieben hat, was zweifelhaft ist) und beschrieb den Idealtypus des universalgebildeten Redners, den später Petrarchus wieder ausgrub und damit den Startschuss gab für die  Renaissance in Europa.

Ich weiß das alles so genau, weil ich gestern sehr viel Zeit hatte beim Lauf über 10 Kilometer verschneite niederbayerische Pampa, also habe ich mir die entsprechende Folge von „In Our Time“ auf den iPad geladen, die wunderbare Sendereihe von Melvyn Bragg im vierten Radioprogramm des BBC, in dem er mit Wissenschaftlern, Forschern und anderen Experten über Themen der Philosophie, der Kultur- und der Weltgeschichte diskutiert, und das in der süffisanten, wohlgeformten Sprache eines Briten, der bereits als Gymnasiast die Kunst von Rede und Gegenrede eingebläut bekommt. Ein solcher Podcast dauert eine Stunde, und genauso lange war ich unterwegs auf den eisigen Straßen und Feldwegen Niederbayerns, und die Zeit verging im Fluge, während Bragg mit seinen Studiogästen Angie Hobbs, Thomas Healy und Ceri Sullivan durch die Jahrhunderte schlenderte und das Auf und Ab der Rhetorik bis tief in die Neuzeit hinein Revue passieren ließ. (weiterlesen …)

Suchet, so werdet Ihr finden (4)

Freitag, 03. Februar 2012

Es stimmt schon: Wir sollten mehr Scheiße fressen – 500 Millionen Fliegen können sich nicht irren (aber wieso sucht einer ausgerechnet auf meinem Blog danach?)

Aber ich will Wulffs Job doch gar nicht!

Freitag, 03. Februar 2012

Schreck in der Morgenstunde: Ich soll Bundespräsident und damit Nachfolger von Herrn Wulff werden. So jedenfalls mein Freund Franz-Peter Strohbücker, Geschäftsführer des Verbands der Motorjournalisten e.V. (VDM), der zur Zeit mit dem “Fifth-Wheeler” ein Jahr lang durch Amerika reist. Das hat er mir gestern per E-Mail mitgeteilt. Also, entweder ist er Hellseher, oder er hat etwas falsches zu Abend gegessen. Ich bekomme davon jedenfalls immer Albträume. Hier die Mail:

Hallo Tim,

lange nichts von Dir gehört. aber Du bist ja auch ein vielbeschäftigter Mann; zumindest, wenn ich meinem gestrigen Traum glaube, der so kurios war, dass ich ihn Dir nicht vorenthalten möchte:

Wulff ist endlich zurückgetreten und eine hochrangige Findungskommission zur Nachfolge hat festgelegt, der künftige Bundespräsident solle besser im Volk verankert sein und daher auch Migrationshintergrund haben. Türkisch-, griechisch- oder slawisch-stämmig war den Damen und Herren dann aber doch etwas zu exotisch und so verfällt man auf die glänzende Idee, einen Halbamerikaner zu nominieren und kommt auf: Tim Cole. Du nimmst  (in meinem Traum) die Würde/Bürde auf Dich und ziehst als von der Bundesversammlung gewählter Präsident ins Schloss Bellevue ein. Eine Deiner ersten Amtshandlungen ist ein „Bürgernachmittag“ zu dem Du alle möglichen Leute aus Deinem „Leben“ einlädst. So kommt‘s, dass Harald Kuppek, Hans-Günther Beer und Franz-Peter Strohbücker in Deinem Amtssitz erscheinen, wo Du uns jovial eine Privataudienz gewährst. Und als Du da hinter Deinem mächtigen, eichenen Schreibtisch residierend, in der einen Hand eine gute Zigarre, in der anderen ein Glas Whiskey anhebst: „Ich, als Präsident aller Deutschen…“ muss ich derart lachen, dass ich davon aufgewacht bin.

Schade eigentlich, ich hätte schon gerne gewusst wie’s weitergeht – aber auch so hatte ich ein höchst vergnügliches Frühstück mit Susanne, der ich die Geschichte natürlich sofort erzählt habe.

Suchet, so werdet Ihr finden (3)

Freitag, 27. Januar 2012

Wieso “Aufmerksamkeitsverlust”? Habe ich da was verpasst?

Suchet, so werdet Ihr finden (2)

Donnerstag, 26. Januar 2012

Neueste Suchbegriffe, die Besucher auf meine Homepage geführt haben. Besonders schön finde ich “kirche als kneipe”: Prost Gemeinde – der Pfarrer säuft.

What Friendship Means

Donnerstag, 26. Januar 2012

Friends will give you a boost (kudos to BzzFeed)

Todesstrafe für Handyklingeln

Mittwoch, 25. Januar 2012

Es ist der endgültige Albtraum. Und das nicht nur für den Betroffenen, aber man stelle sich vor: Beim Konzert des New York Philharmonic Orchestra geht auf einmal dein Handy los. Auch noch dieser fruchtbare Marimba-Klingelton von Nokia, den die ganze Welt mit Inbrunst hassen gelernt hat, und das mit voller Lautstärke.

Was machst du? Ganz klar: Du bleibst regungslos sitzen und betest, betest dass der Anrufer doch bitte, bitte gleich auflegen möge und niemand mitbekommt, das du es bist, der vergessen hat, vor dem Konzert den roten Ausschaltknopf zu drücken. Aber leider ist der andere hartnäckig, und so klingelt es und klingelt, während der Dirigent vor dir die sanften, spirituellen Klangwolken von Mahlers 9ter abrupt zum Schweigen bringt, sich zu dir umdreht und in einer Stimme, die bis in die letzte Reihe des Avery Fisher Hall zu hören ist, dich fragt ob es das jetzt endlich war?

Du sitzt da auf deinem Tausend Dollar-Sitz in der Reihe eins und hörst, wie um dich herum sonst eher wertkonservative Konzertgänger wütend brüllen; „Schmeißt den Kerl raus!“, und „Tausend Dollar Geldstrafe!“ Der Blogger Max Kinchen, der ein paar Reihen weiter oben saß, schrieb später: „Sie wollten Blut sehen.“ Wenn man sie in diesem Moment befragt hätte, wette ich, dass eine Mehrheit der Konzertbesucher für die Einführung der Todesstrafe beim Nichtabschalten des Handys im Konzertsaal gestimmt hätten.

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In Berlin wird was frei

Sonntag, 08. Januar 2012

Wurde aber auch Zeit…

Wulff und das Geheimnis des Anrufbeantworters

Dienstag, 03. Januar 2012

So etwas Irres sei ihm in seiner ganzen Laufbahn nicht begegnet, meinte der ehemalige Spiegel-Chef Stefan Aust, als man ihm von Christian Wulffs Anruf beim BILD-Chefredakteur Kai Diekmann erzählte. Dass der Bundespräsident persönlich den Chefredakteur einer der einflussreichsten Zeitungen in Deutschland von einer Auslandsreise anrufe und ihm drohe, dass mache einen ja wirklich fassungslos.

Tatsächlich ist es kaum zu glauben, dass ein so erfahrener Politiker wie Wulff einen derartigen Anfängerfehler macht (Aust spricht vom „politischen Selbstmordkommando“). Die Lösung ist ganz einfach: Es war gar nicht Wulff, der da bei Diekmann aufs Band sprach, sondern ein ganz anderer.

Aber wer dann? (weiterlesen …)

Das war’s!

Dienstag, 20. Dezember 2011

Beste Grüße an Onlinewahn.de!