Archiv für die Kategorie ‘Global Economy’

Kapitalisten und andere Psychopaten

Samstag, 02. Juni 2012

Neulich schrieb der angesehene amerikanische Kommentator und Literaturkritiker William Deresiewicz  in den New York Times ein bitterböses Stück, das er „Capitalists and other psychopaths“ nannte. Seitdem wird er in den US-Medien wahlweise als Volksheld oder als linker Spinner dargestellt. Eines hat er aber erreicht: Eine erneute Verschärfung in der gesellschaftlichen Debatte über Gierkapitalismus und Wege zu mehr sozialer Gerechtigkeit. Da nicht jeder ein Abo der Times hat und vielleicht auch nicht ganz so fließend Englisch lesen kann, habe ich mir hier die Mühe (und das Vergnügen) gemacht, sein Stück ins Deutsche zu übersetzen.

In den Vereinigten Staaten wird seit einiger Zeit heftig über die Reichen diskutiert: Wer sie sind, welche Rolle sie wohl spielen und ob sie gut oder schlecht sind. (weiterlesen …)

Warum Inflation gut ist für Deutschland – und Europa

Samstag, 05. Mai 2012

Ham Sie mal 500 Milliarden Mark für mich?

Für alle, die nicht das Glück haben, Abonnent des besten Wirtschaftsmagazins der Welt, den „Economist“, zu sein und die sich immer noch Sorgen machen, wie man das Problem der stagnierenden Volkswirtschaften Südeuropas auf die Sprünge helfen kann, sei dieses Sakrileg ins Ohr geflüstert: „Wir brauchen Inflation in Deutschland!

Ich weiß, jetzt zucken zusammen alle in kollektiver Erinnerung an die Geschichten unserer Großväter über Geldscheine in Milliardenhöhe, mit denen man ein Brötchen kaufen konnte (oder die man lieber und profitabler als Heizmaterial verwendete). Aber es ist wirklich etwas dran: Die teutonische Urangst vor Inflation ist gerade dabei, die Europäische Union und die Eurozone auseinander zu reißen. Inflation ist nötig, damit sich die Europäische Einigung nicht nachträglich als Chimäre entpuppt.

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Vertrieb 3.0

Dienstag, 27. März 2012

Am Donnerstag darf ich auf dem DVVK sprechen, dem Deutschen Vertriebs- und Verkaufsleiter Kongress, der zum 35sten Mal stattfindet und als ein Stelldichein der Sales-Profis in Deutschland gilt. Ich freue mich sehr darauf, zumal mir das Thema, das mir gestellt worden ist, sehr am Herzen liegt, nämlich: Wie funktioniert Vertrieb im Zeitalter von Internet und Social Web?

Wir stehen nämlich heute am Übergang von einer analogen zu einer digitalen Wirtschaft. In ihr kommt es weniger auf unternehmerische Einzelleistung an als auf Vernetzung, auf Kommunikation, auf Dialog und Kollaboration. Darauf sind viele Unternehmer und Vertriebler nicht wirklich vorbereitet, auch heute noch, 20 Jahre nach dem Beginn der Internet-Revolution. (weiterlesen …)

Warten auf den „Sechsten Kondratjew“

Freitag, 02. März 2012

Der russische Ökonom Nikolai Kondratjew (1892-1938) entwickelte die Theorie der zyklischen Wirtschaftsentwicklung, die er „Langwelle-Theorie“ nannte. Demnach setzen immer wieder wichtige neue Schlüsseltechniken, die er „Baisi-Innovationen“ nannte, längere Wachstumsphasen in Gang, die von dieser Technik dominiert und geprägt wird. Als erste solche Phase in der Neuzeit identifizierte er  die Periode Frühmechanisierung, die er eng mit der Erfindung der Dampfmaschine verband und die etwas von 1780 bis 1850 dauerte. Ihm folgten die Periode der Eisenbahnen, die in etwa mit der deutschen Gründerzeit zusammenfiel (1840 bis 1890) und die Periode der Elektrotechnik und Schwermaschinen (ab 1890). Solche Langwellen, so behauptete Kondratjew, folgen im Abstand von ungefähr 50 Jahren und gehen zu Ende, wenn die betreffende Basis-Innovation nicht mehr genügend Schwung erzeugt, um alleine die Wirtschaft in Gang zu halten. (weiterlesen …)

Jürgen will nicht mehr

Donnerstag, 23. Februar 2012

Das musste mal gesagt werden. Und mein Freund und Skatbruder Jürgen Seitz vom Bayerischen Fernsehen hat dafür genau die richtigen Worte gefunden, als er am Rosenmontag in den “Tagesthemen” den Kommentar zur Griechenland-Krise sprach.

Was die Politik da an Rettungsschirme aufspannt, erinnerten ihn an einen “naiven Faschingsscherz”: Sie glauben, mit der Geldpumpe und brutalen Sparauflagen die Wirtschaft des Landes in die Neuzeit befördern zu können. Dabei seien in Griechenland die Lohnstückkosten in den letzten Monaten sogar noch weiter gestiegen, weil – so Jürgen – “ein wenig produktives Beamtenheer und rabiate Gewerkschaften nicht umsteuern wollen – und können.” Nicht einmal griechisches Olivenöl sei da am Ende noch exportfähig.

Nein, ohne Euro-Austritt sei Griechenland nicht mehr zu retten, wenn Europa nicht zu einer Transferunion verkommen wolle, in der schwache Länder sich von den reichen dauernd refinanzieren lassen. Wenn Griechenland, warum dann nicht Portugal und Irland?

Und dann hob er zum großen Finale an: “Der Internationale Währungsfond will, so wird gemunkelt, dafür nicht mehr haften. Ich auch nicht. Und Sie?”

Das hat ihn jetzt einen Platz in der “Gewinner des Tages”-Spalte bei Deutschlands auflagenstärksten Tageszeitung eingebracht – weil man in der Hamburger Redaktion offenbar glaubt, dass Jürgens in Wahrheit Volkes Stimme sei. Und da könnten sie ausnahmsweise auch mal Recht haben.

Aus der amerikanische Traum

Mittwoch, 04. Januar 2012

Kein Land für Träumer

Fragen Sie den Durchschnittsdeutschen nach Amerika, und es fällt unweigerlich der stereotypische Satz: „Land der unbegrenztem Möglichkeiten“. In diese Mantra eingeschlossen ist der so genannte „amerikanische Traum“ der verfassungsmäßig garantierten Chancengleichheit sowie dem etwas schwammig formulierten Recht, “nach Glück zu streben”, die zusammen zu einer ungehemmten Aufwärtsmobilität führt. Die Alte Welt, so die konventionelle Weisheit, ist mit ihren betonartig abgebundenen Kasten und Klassen festgefahren, wer seinen Traum von Erfolg und Wohlstand schnell verwirklichen will, muss nur das Schiff (oder heute das Flugzeug) in die Neue besteigen, dann wird alles gut.

Wie die meisten Traumgespinste erweist sich auch das amerikanische nun als Trugschluss. Amerikaner sind nicht aufwärtsmobiler als Europäer – im Gegenteil! Eine zum Jahresende veröffentlichte Studie vom Wirtschaftstatistiker Markus Jantti von der finnischen Abo Akademi University kommt zu dem Ergebnis, dass in Armut geborene Amerikaner erheblich weniger Chancen als vergleichbare Europäer haben, nach oben zu kommen. Laut Jantti bleiben 42% der amerikanischen Männer, die ins untere Einkommensfünftel hinein geboren werden, dort ihr Leben lang stecken. Zum Vergleich: In Dänemark sind es nur 25%, im angeblich so klassenbewussten Großbritannien nur 30%.

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Dividenden im voraus? Bankchefs können das!

Freitag, 23. Dezember 2011

Wer hier oben steht, der hat es geschafft

Sind Bankenchefs dumm? Oder halten sie nur uns alle für dumm? Wie dämlich muss man sein um nicht zu kapieren, dass man in der Krise (und wir was wir gerade durchleben, ist keine Wirtschafts- oder gar eine Eurokrise, sondern eine lupenreine Bankenkrise) kürzer treten muss?

Fakt ist: Viele große und kleine Banken haben sich in Griechenland und anderswo kräftig verzockt. Das konnten sie tun, weil sie wussten: Wappen gewinnen sie, Zahl verliert der Steuerzahler. Schließlich steckt allen ja der Lehman-Schock noch in den Gliedern. Erinnern Sie sich? „Too big to fail“ und so. Der Staat  wird’s schon richten, denn noch eine Bankenpleite können wir uns ja gar nicht leisten, so die Mantra aus Berlin, Frankfurt und anderen Intelligenzhochburgen.

Immerhin haben die Politiker reagiert, wenn auch nur halbherzig und viel zu spät. Viele Banken und Versicherungen jetzt mehr eigenes Geld in Reserve halten, um mögliche Verluste in Zukunft selber abzudecken. Darüber klagen sie mit einer Lautstärke die klingt, als sei es das Ende der (Banken-)Welt, wie wir sie kennen. Was an sich ja nichts Schlechtes wäre. Nur nützen die Banker das jetzt als Ausrede dafür, die Arbeit einzustellen. Will heißen: Sie haben den Kreditvergabe mehr oder weniger eingestellt – was aber ihre eigentliche Daseinsberechtigung, auf jeden Fall aber ihre volkswirtschaftliche Kernaufgabe ist.
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Wie der Euro wirklich entstand

Montag, 05. Dezember 2011

So, das mit dem Euro hätten wir erledigt. Sollen wir sie jetzt wieder reinbitten?

Alles Gerede und Geschreibe über eine angebliche „Krise des Euro“ sei leichtfertiges Geschwätz von Medien, von Journalisten und von Politikern, sagte Altkanzler Helmut Schmidt auf dem SPD-Parteitag in Berlin. Nun, im Alter wird man vergesslich (ich weiß, wovon ich rede – und Schmidt steckt ansonsten denktechnisch jeden anderen Politiker, den ich kenne, in den Sack!). Und so hat er es leider verabsäumt, die schlimmsten Missetäter zu benennen: die Spekulanten.

Dass Wirtschaftsjournalisten in der Regel nichts von Wirtschaft, und Politiker nichts von Wirtschaftspolitik verstehen, ist ja der Normalzustand. Aber die Zocker wissen ganz genau, was sie tun: Indem sie ein europäisches Land nach dem anderen gegeneinander ausspielen, mal hier den Zinsdruck in die Höhe treiben, mal dort, lassen sie in der Tat eine Krise entstehen, und zwar eine Krise in den Köpfen von Bürgern und Bankern, die beide auch nicht so recht durchblicken. Schließlich lesen sie ja beide Zeitung und schauen Nachrichten, und was sie dort zu hören bekommen, ist eine journalistische Reflexreaktion: Bete einfach die Horrormeldung nach, die am besten hilft, die Auflage oder die Einschaltquote in die Höhe zu treiben.

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Why is the Check Still in the Mail?

Mittwoch, 09. November 2011

It never ceases to amaze me how a nation with such an utterly archaic, technically obsolete banking system like America’s can assume such an inflated sense of its own importance in world affairs.

I was reminded of this once more while empathizing with those poor Wall Street executives who face drastic cutbacks on the annual compensation. “Banker’s bonuses likely to fall 20 to 30%”, the headline reads in today’s International Herald Tribune, which goes on to describe the desolation and panic of those second-tier traders and brokers for whom the year-end bonus usually represents the bulk of their take-home pay.

The sentence that really struck me, though, was this one: “”Employees are typically informed of their bonuses in January or February, with checks going out shortly afterward.”

Huh?

I am still trying to remember the last time I saw a check, much less wrote or received one. Checks are almost as archaic as wampum. Dog’s teeth or cowrie shells, anyone?

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Drachmo statt Euro – das ist die Lösung!

Dienstag, 01. November 2011

Fast kein Unterschied, oder?

Die Entscheidung des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Andrea Papandreou, eine Volksabstimmung über die Annahme des Rettungspakets der EU entscheiden zu lassen, hat alle entsetzt: Politiker, Banker, Börsianer. Was ist, wenn die Griechen nein sagen? Und was machen wir am nächsten Montag mit den bereits beschlossenen acht Milliarden Kredithilfen? Wenn die nicht fließen, ist Griechenland am Dienstag pleite.

Was dann passiert weiß keiner, aber zwei Dinge sind klar:

  1.  Griechenland darf nicht aus der Eurozone ausgeschlossen werden oder austreten, weilFast kein Unterschied, oder?

    Die Entscheidung des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Andrea Papandreou, eine Volksabstimmung über die Annahme des Rettungspakets der EU abstimmen zu lassen, hat alle entsetzt: Politiker, Banker, Börsianer. Was ist, wenn die Griechen nein sagen? Und was machen wir am nächsten Montag mit den bereits beschlossenen acht Milliarden Kredithilfen? Wenn die nicht fließen, ist Griechenland am Dienstag pleite.

    Was dann passiert weiß keiner, aber zwei Dinge sind klar:

    1.  Griechenland darf nicht aus der Eurozone ausgeschlossen werden oder austreten, weil sonst die ganze Konstruktion uns um die Ohren fliegt.
    2. Griechenland muss unbedingt aus der Eurozone rausgeschmissen werden oder freiwillig austreten, weil uns sonst die ganze Konstruktion um die Ohren fliegt.

    Der Grieche Epimenides, ein Kreter, hat das klassische Dilemma aufgestellt, das so lautet: „Ein Kreter sagt, alle Kreter lügen.“ Durch Kreisargumentation und jede Menge Semantik lässt sich mit diesem Satz beweisen, dass Kreter sowohl lügen als auch die Wahrheit sagen.  Was wir brauchen, ist genau sowas, auf den Euro übertragen.

    Ich habe auch schon die Antwort, und ich bin zuversichtlich, dass mir dafür im Eilverfahren der Wirtschaftsnobelpreis verliehen wird. Mindestens.

    Das geht so: Griechenland tritt aus der Eurozone aus und führt eine neue Währung ein, die „DRACHMO“ heißt, griechisch „ΔΡΑΧΜΟ“. Er sieht genauso aus wie der Euro, ist aber weniger wert. Wie viel weniger, darüber wird noch zu verhandeln sein. Schließlich muss Griechenland ja jetzt erst mal seinen geordneten Staatsbankrott hinter sich bringen, dann werden wir sehen. Jedenfalls garantieren die Euro-Staaten diesen Wechselkurs, den sie allerdings immer wieder neu verhandeln können. Das charmante ist: Sie können das in aller Ruhe tun, ohne den Euro selbst zu destabilisieren.

    Aus der Größe und Güte meines Herzens verzichte ich auf jede monetäre Entlohung für meine geniale Idee. Wenn mich allerdings Herr Papandreo gerne einladen möchte, wüßte ich schon, wo ich gerne Urlaub machen würde: auf Kreta…

    sonst die ganze Konstruktion uns um die Ohren fliegt.

  2. Griechenland muss unbedingt aus der Eurozone rausgeschmissen werden oder freiwillig austreten, weil uns sonst die ganze Konstruktion um die Ohren fliegt.

Auf den Griechen Epimenides, ein Kreter, geht das klassische Paradoxon zurück: „Ein Kreter sagt, alle Kreter lügen.“ Durch Kreisargumentation und jede Menge Semantik lässt sich mit diesem Satz beweisen, dass Kreter sowohl lügen als auch die Wahrheit sagen.  Was wir brauchen, ist genau sowas, auf den Euro übertragen.

Ich habe auch schon die Antwort, und ich bin zuversichtlich, dass mir dafür im Eilverfahren der Wirtschaftsnobelpreis verliehen wird. Mindestens.

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