Archiv für die Kategorie ‘Internet & Co.’

6 zu 1 für den iPad

Sonntag, 05. Mai 2013
Versuchen Sie das mal mit einem PC!

Versuchen Sie das mal mit einem PC!

 

Als Apple 2010 seinen legendären iPad auf den Markt brachte und damit eine Gattung von intelligenten Endgeräten erschuf, die wir inzwischen „Tablet PC“ nennen, habe ich hier auf Czsylansky einen als „Vergleichstest“ getarnten satirischen Beitrag verfasst, in dem ich die relativen Vorzüge eines iPad mit denen eines Serviertabletts verglich. Natürlich war am Ende das Tablett der Sieger, und zwar deutlich: „5:1 für das Tablett“ lautete die Überschrift.

Wie schnell aus Satire Ernst werden kann! Wir sind ja letztes Jahr nach Österreich in den schönen Lungau gezogen, wo wir im Alten Forsthaus von St. Michael eine Idylle entdeckt haben, um die man uns mit Recht beneidet. Nur ein Problem gibt es: die langen Wege. Um von der Küche auf die Gartenterasse zu gelangen, muss man durch den Windfang (der bei uns „Thomas-Mann-Zimmer“ heißt, weil es uns an das Davos aus „Felix Krull“ erinnert), dann eine Treppe hinunter in den Garten und schließlich ums Haus gehen. Heute morgen nach dem Frühstück räumte meine Frau das Geschirr auf den Serviertablett und ging ins Haus. Ich blieb noch auf eine Tasse Tee sitzen. Als ich reingehen wollte, musste ich erstens die Tasse, zweitens die Zuckerdose, drittens die Milchkanne und viertens den iPad abräumen. Da ich nur zwei Hände habe, bedeutet das zweimal Gehen. Bis mir die Erleuchtung kam und ich das Zeugs einfach auf den digitalen Flachmann stellte.

Ich muss also im Nachhinein das Ergebnis meines Vergleichstests korrigieren: Er hätte 6:1 für den iPad lauten müssen – denn der Apple-Flachmann kann ja alles, was ein richtiges Tablett kann, und noch ein bisschen mehr (im Internet surfen, Mails ziehen, etc.).

Ob Steve Jobs daran gedacht hat, als er den iPad ersann? Zuzutrauen wär’s ihm ja…

Die Hi-Speed-Lüge

Freitag, 12. April 2013

Wo sind meine Bits geblieben?

Jetzt ist amtlich: Internet-Nutzer werden Tag für Tag von ihren Providern belogen und betrogen. Die Bundesnetzagentur hat in dem bislang größten Test von so genannten „Hi-Speed“ Internet-Anschlüssen festgestellt, dass nur jeder fünfte Kunde tatsächlich die versprochene Übertragungsleistung, für die er bezahlt, auch abrufen kann. Knapp 69,2 % der Nutzererreichten 50% der vermarkteten Datenübertragungsrate oder mehr.

Eigentlich sollte uns das nicht überraschen. Unsere Provider sagen uns beim Vertragsabschluß, jedenfalls wenn wir nachfragen, dass wir unsere Anschlüsse in der Regel mit anderen teilen müssen. Nein, sie sagen uns nicht, mit wie vielen wir teilen müssen. Aber man merkt es schon: Morgens, wenn alle mit der Kaffeetasse am Rechner sitzen und Mail ziehen oder sich einen Nachrichtenüberblick verschaffen wollen, ist „das Internet“ oft quälend langsam, abends zwischen 19 und 22 Uhr meist noch langsamer. Wenn wir wirklich schnell surfen wollen, dann müssen wir uns den Wecker stellen, am besten auf 3 Uhr morgens oder so. Das lutscht es meistens. Wir älteren Netznutzer sind da klar im Vorteil: Die senile Bettflucht treibt uns oft zu nachtschlafender Zeit an den Computer, wenn Ihr Jungen noch mit dem Sandmännchen unterwegs seid. (weiterlesen …)

Schnelle Truppe

Samstag, 06. April 2013
Ganz schön eng hier!

Ganz schön eng hier!

ITler leben in einer äußerst schnelllebigen Branche. Das hat schon Gordon Moore erkannt, der legendäre Mitbegründer von Intel, der 1965 das nach ihm benannte Gesetz formulierte, wonach sich die Komplexität von integrierten Schaltkreisen alle 18 Monate verdoppelt. Die Chips werden zwar schneller, aber offenbar nicht billiger, was irgendwie unlogisch ist.

Eigentlich müsste ich heute den Computer, den ich vor zehn Jahren gekauft habe und der mir wahrscheinlich auch heute noch gute Dienste leisten würde, heute geschenkt bekommen, aber so funktioniert das nicht. Stattdessen werden die Programme immer dicker und die Datenmengen, die mein Computer verarbeiten muss, immer größer, so dass ich ungefähr alle 18 Monate gezwungen bin, mir einen neuen Rechner zuzulegen, der natürlich auch immer gleich teuer ist. So bleiben wenigstens die Verdienstmargen der Hersteller gleich, egal was der alte Moore dazu sagt.

Einmal allerdings hat es so ausgesehen, als ob dieser Teufelskreis durchbrochen werden würde nämlich als 2008 mit dem Asus EeePC 700 der erste so genannt „Netbook“ auf den Markt kam. (weiterlesen …)

Wo bleibt meine goldene CeBIT-Nadel?

Dienstag, 05. März 2013
Damenwahl

Damenwahl

 

Es ist wie Weihnachten: Die CeBIT kommt immer so plötzlich, Ich habe nachgerechnet – es ist meine 29ste. Was witzig ist, denn die CeBIT findet ja erst seit 1986 statt, heuer also seit 27 Jahren. Aber ich war schon zwei Jahre früher dort.

Streng genommen gibt es die CeBIT  nämlich schon seit 1970, als die legendäre Riesen-Halle 1 eingeweiht wurde, die den namen “Centrum für Büro- und Informationstechnik” erhielt. Übrigens hätte sie fast “CeBOT” geheißen, denn als zweiter Kandidat ar der Name “Centrum für Büro- und Organisationstechnik” im Rennen, und wurde nur knapp geschlagen. (weiterlesen …)

Einfach mal abschalten!

Donnerstag, 21. Februar 2013

Der Personalrat des Arbeitsministeriums in Berlin ist laut “Süddeutsche” sauer, weil bei den Mitarbeitern das Dienst-Handy aufhabendes und am Wochenende klingelt. Dabei wird Hausherrin Ursula von der Leyen nicht müde wird, den Menschen im Lande Kluge Ratschläge zu geben, nach dem Motto: Einfach mal abschalten. Das Handy, nämlich. dabei klappt das bei Firmen wie VW oder EON ja längst. Das heißt: Bei der Telekom hebt vorsichtshalber keiner mehr ab, auch tagsüber nicht. Jedenfalls nicht, wenn ich beim Kunden-Hotline anrufe. Aber diese Form der Sprachdienstverweigerung kennt man ja auch andernorts, bei der Telekom, Vodafon, eigentlich bei fast jedem großen Anbieter von Dingen, die oft kaputt gehen und wo man dringend mal mit jemandem reden müsste.

Um dem berüchtigten Beamten-Burnout vorzubeugen sollen jedenfalls nach Ansicht der Verdi-Betriebsgruppe im Arbeitsministerium schleunigst konkrete Vorschriften erlassen werden, die das Abschalten nach Feierabend zwingend vorschreiben.

Ich bin zwar kein Beamter, aber vom Burnout trotzdem akut bedroht.  (weiterlesen …)

Das Wehklagen ist so alt wie Windows

Mittwoch, 23. Januar 2013

Wie war er stolz, der gute Billy, als er damals im November 1983, 28 Jahre jung und immer noch pickelgesichtig, vor die in New York versammelte Weltpresse trat und den Start von „Windows 1.0“ verkündete. Statt wie bisher lange Befehlstexte (z.B. (Systemanfrage) $p (Pfad), $g (Pfeil >), $t (Zeit), $d (Datum), $h (Backspace), $_) direkt in die Kommandozeile hinter dem blinkenden „C:“ einzutippen, genügte jetzt ein Mausklick, um eine Datei zu öffnen oder zu kopieren, Verzeichnisse anzulegen, DOS-Programme oder einen Druckauftrag zu starten, beziehungsweise mit dem Systemprogramm „Terminal“ und einem Nullmodem-Kabel mit anderen Computern zu kommunizieren!

Und wie enttäuscht war Billy Boy, als die gesamte Fachpresse seine wunderbare neue Erfindung, an der er und seine Jungs drei Jahre lang gearbeitet hatten, in der Luft zerrissen. Leider war es nur dann möglich, wirklich sinnvoll ´mit Windows zu arbeiten, wenn man neben dem PC auch noch über Maus, Festplatte, Erweiterungsspeicher und Farbgrafikkarte verfügte. Die hatte damals kaum einer, und die Anschaffung war sündteuer. Das Ding lag also wie Blei im Regal, während alle (Computer-)Welt weiterhin fröhlich mit MS-DOS arbeitete. (weiterlesen …)

Der Rekord-Kicker, der vom Football keine Ahnung hat

Freitag, 04. Januar 2013

Havard Rugland war fad. Der Norweger kickte früher als Stürmer in einer Lokalmannschaft, die sich mangels sportlicher Erfolge irgendwann auflöste. Dann sah Havard ein Video vom Super Bowl, der “Weltmeisterschaft” im American Football. Und ihm fiel auf, dass immer wieder so ein vergleichsweise schlacksiger Typ aufs Feld kam und den Ball tatsächlich mit dem Fuß traf, nämlich beim Anstoß und bei den so genannten “Field Goals”, die es nach einem Touchdown dazu gibt, wenn der Spieler den Ball aus etwa 40 Metern Entfernung zwischen die Torstangen tritt.

Havard hat einen ziemlichen Bumms, und er hat es deshalb auch mal mit diesem komischen länglichen Ball versucht, der früher aus Schweinsleder genäht wurde und deshalb “Pigskin” heisst. Und siehe da, es war für ihn relativ leicht, den Trick nachzumachen. Er hat den Ball deshalb etwas weiter weg gestellt, zuerst 50, dann 60 Meter. Und auch da ging der Ball auffallend häufig ins Ziel. Er schaute bei Google nach und entdeckte zu seinem Erstaunen, dass der Rekord in der amerikanischen Profiliga bei nur 63 yards liegt, also umgerechnet 57,6072 Metern. “Das ist ja easy”, meinte er. Und fing zum Spaß an, allerlei Trick-Kicks auszupronieren. Zum Beispiel aus 40 Metern in ein Basketballkorb. Oder direkt in die Arme eines Freundes, der im offenen Schiebedach eines fahrenden Autos stand.

Das alles hat er, ebenfalls nur so zum Spaß, per Video festgehalten und auf YouTube gestellt. Und dort haben es inzwischen mehr als 500.000 Leute angeschaut – darunter auch Trainer von Profimannschaften in den USA. Bei den New York Jets hat er bereits ein Probetraining absolviert. Obwohl er vorher noch nie in seinem Leben bei einem “richtigen” Fußballspiel (jedenfalls nach amerikanischer Lesart) dabei war, geweige denn mitspielen durfte.

Warten wir ab: Vielleicht ist Havard beim nächsten Super Bowl selbst dabei – und zwar auf dem Spielfeld.

Abschied vom Nomadentum

Mittwoch, 02. Januar 2013

Im „Nomad Café“ in Oakland sitzen vorwiegend Studenten mit Blackberrys oder iPods, Laptops oder MacBooks herum und nutzen das Wireless LAN, um sich für die Vorlesungen vorzubereiten, um E-Mails zu ziehen, sich mit Freunden zu verabreden oder einfach nur die Zeit tot zu schlagen. Wenn sie mit Kreditkarte bezahlen, steht am Monatsende laufend das Wort „Nomad“ auf der Abrechnung.

Als Christopher Waters das Nomad Café 2003 eröffnete waren Wi-Fi “Hotspots” etwas ganz Neues. Sein Lokal sollte ein „Wasserloch für Techno-Beduine“ sein. Eine interessante Wortwahl: Beduine sind Stammesangehörige, Mitglieder einer eng verflochtenen Sozialgemeinschaft. Waters hat das offenbar gewusst, denn er hat seinen nomadisierenden Gästen nicht nur Internet-Anschluss geboten, sondern eine Art Oase, ein Ort, an dem sich die Wege kreuzen, ein Orientierungspunkt in der Wüste ebenso wie in der Bay Area.

Das Wort „Urban Nomadism“ wird schon lange in Zusammenhang mit der Veränderung moderner Kommunikationsgewohnheiten verwendet. In den 60ern and 70ern verwendete der Medienwissenschaftler Herbert Marshall McLuhan das Wort um eine Zukunft zu beschreiben, in der Menschen rastlos von einem Ort zum anderen wandern, ihre ganzen Habseligkeiten stets bei sich führend, ein Leben auf den Straßen und Highways, eine Welt, in der niemand mehr ein Zuhause besitzt.

In den 80ern verwendete der französische Ökonom Jacques Attali, ein Berater François Mitterrands, den Ausdruck, um eine Zukunft zu beschreiben, in der eine reiche und entwurzelte Elite ewig im Jetset-Tempo um den Globus hetzt auf der Suche nach Spaß oder Chancen, und in der die arme und ebenso entwurzelte Arbeiterschaft stets auf Jobsuche umher irrt.

In den 90ern schrieben Tsugio Makimoto und David Manners das erste Buch, das den Begriff „digital Nomad“ im Titel trug. Ihnen ging es darum, die Auswirkungen der sich abzeichnenden Vielzahl von unterschiedlichen „gadgets“ und Geräten aufzuzeigen, mit denen die Menschen in Zukunft kommunizieren würden. Der Computer, so ihre Voraussage, werde auf die Größe eines Taschenrechner schrumpfen, die Menschen würden „always online“ sein und überall wo sie gerade gehen und stehen surfen, mailen, chatten und natürlich auch telefonieren.

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Das Ende der Arbeit

Samstag, 22. Dezember 2012

Amerika hat im Vergleich zu Deutschland ein echtes Jobproblem: Die Arbeitslosigkeit liegt beharrlich um die acht Prozent, und alle fragen sich, wann der Jobmotor endlich anspringen und das große Land auf Kurs in Richtung Vollbeschäftigung bringen wird.

Die Antwort ist: Wahrscheinlich nie. Denn im Land der unbegrenzten Möglichkeiten hat sich still und leise ein Trend etabliert, der eines Tages wahrscheinlich auch unser Land erfassen wird: Die so genannte „Agent Economy“.

In einer solchen Agentenwirtschaft ist jeder sein eigener Arbeitgeber. Junge Startups wollen sich nicht mit teuren Angestellten belasten und beschäftigen deshalb lieber Leute auf Zeit oder gegen Honorar für ganz bestimmte Aufgaben. Und die jungen Leute, die solche Arbeit machen, finden das auch ganz gut, denn es gibt ihnen die Freiheit, ihre Arbeitszeit selbst einzuteilen oder nebenbei an der Gründung einer eigenen kleinen Firma zu basteln. Denn in Amerika ist der Gründergeist wieder mit Hochdruck unterwegs – anders als bei uns, wo die Zahl der Firmenneugründungen seit Jahren rückläufig ist. Das gilt vor allem für Kleinunternehmen, wo  laut Statistischem Bundesamt die Zahl der Neugründungen im ersten Halbjahr 2012 um 14,2 Prozent zurückging.

Ich denke, da muss sich in Deutschland noch was drehen, denn sonst verlieren wir womöglich den Anschluss an die Zukunft der Arbeit, vor allem aber der Wissensarbeit. (weiterlesen …)

Die Entdeckung der Langsamkeit

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Der Politik in Deutschland geht alles viel zu schnell, und sie will deshalb die Bremse ziehen beim so genannten „Superfast Trading“. Und weil die Eurokraten in Brüssel zu langsam sind, will die Bundesregierung Gas geben und ganz schnell dafür sorgen, dass der Hochfrequenzhandel von der deutschen Börsenaufsicht besser überwacht wird.

Zur Erinnerung: Mit Hilfe von Hochfrequenzhandelssystemen können Aktien heute binnen Sekundenbruchteile gekauft und verkauft werden, um minimale Kursdifferenzen zu nutzen. An der Wall Street in Amerika klinken sich findige Händler gegen Geld direkt in den Datenstrom ein zwischen den Computersystemen, mit denen die Kurse errechnet werden, und den Bildschirmen im Börsensaal, an denen sie dargestellt werden. Das sind nur ein paar Nanosekunden,  aber das genügt, jedenfalls wenn man selbst superschnelle Handelscomputer besitzt.

In Amerika würde man „Flash Trading“, wie es drüben heißt, am liebsten ganz verbieten, weil es für viele eine Form des illegalen Insider-Handels ist. In Deutschland glaubt man aber offenbar, dass die Börsenaufsicht schnell genug ist, um das Ganze zu überwachen. Finde ich irgendwie putzig, den Gedanken, aber Gott möge ihnen ihren kindlichen Glauben ruhig noch eine Weile erhalten. (weiterlesen …)