Archiv für die Kategorie ‘Internet & Co.’

So weit – und doch so nah

Donnerstag, 16. April 2015

death of distanceManche Voraussagen aus den Frühtagen des Internet wirken heute seltsam blauäugig. Eine davon ist diese: „Durch das Internet spielt Distanz keine Rolle mehr.“

Es ist auch nicht das erste Mal gewesen, dass sowas behauptet wird. Ende des 19ten Jahrhunderts waren es die Eisenbahnen, die angeblich die räumliche Entfernung zusammenschrumpfen lassen sollten: Menschen und Waren ließen sich ja fortan in kürzester Zeit überall hin transportieren, also spiele sie für künftige Geschäftsmodelle keine besondere Rolle mehr.

Mehr als hundert Jahre später wetterte 1997 die britische Journalistin Frances Cairncross vom Wirtschaftsmagazin The Economist gegen die „Tyrannei der Geografie“ . In ihrem Buch „The Death of Distance“ prophezeite sie, dass elektronische Kommunikationsmedien wie das Internet Staatsgrenzen verschwinden lassen würden. Die Menschen würden sich bald nur noch dort niederlassen, wo ihnen das Wetter am besten gefällt. Der freie Fluss von Waren und Dienstleistungen rund um den Globus würde zu weltweitem Wohlstand und einer gerechten Resourcenverteilung führen.

Nun, es sind seitdem fast 20 Jahre vergangen, und wir stecken immer noch fest im Griff der Geografie. Entfernung spielt nach wie vor eine Schlüsselrolle im Wirtschaftsleben. Ja, es stimmt, dass digitale Produkte dank allgegenwärtigem Internet und immer smarteren werdenden Mobilgeräten theoretisch verzögerungsfrei ausgeliefert und verwendet werden können. Aber bis eine Dose Bier oder eine Rolle Klopapier zum Kunden findet ist immer noch eine ausgeklügeltes, hochkompliziertes und kostenintensives System nötig, das wir als die moderne Logistik bezeichnen, nämlich die Planung, Steuerung, Durchführung und Kontrolle von Material.- und Informationsflüsse. (mehr …)

Geld gegen Gesundheitsdaten – ein gutes Geschäft?

Mittwoch, 08. April 2015
Fitbit

Diese Daten sind bares Geld wert

Wer regelmäßig Sport treibt und auf seine Ernährung achtet, bezahlt weniger Versicherungsprämien. Klingt wie ein gutes Geschäft? Ist es auch. Jedenfalls glaubt das die John Hanock Lebensversicherungsgesellschaft in den USA. Sie bieten ihren Versicherungskunden ein Geschäftsmodell an, das im Wesentlichen auf ein Tauschgeschäft hinausläuft: Gib uns deine Gesundheitsdaten und wir geben dir dafür Geld.

Die Versicherung, eine Tochter des kanadischen Manulife Financial, stattet ihre Kunden auf Wunsch mit einem so genannten Fitbit Monitor, ein Armbandgerät mit GPS und WLAN-Funktion, das Aktivitäten, Training, Ernährung, Gewicht und Schlaf aufzeichnet und in einer Logdatei speichert. Solche Geräte werden seit Jahren von Fitnessfans verwendet, die damit Training, Ernährung und andere vitale Funktionen überwachen.

Die Hancock-Versicherung erhält bei dem Deal Zugriff auf die Logdateien ihrer Kunden und kann beispielsweise sehen, wann und wie lange der Kunde im Fitnessstudio war, wo er gejoggt ist und wie er geschlafen hat. Es misst laufend die Herzfrequenz und das Blutvolumen sowie die Zahl der Schritte, die der Träger tagsüber aus eigener Kraft zurückgelegt und wie viele Kalorien er verbrannt hat. (mehr …)

Was sind Facebook-Freunde wert?

Donnerstag, 02. April 2015
Gut zu wissen, dass man Freudne hat!

Gut zu wissen, dass man solche Freunde hat!

Sind Facebook-Freunde wirklich Freunde? Das ist eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird, teils von älteren Zuhörern meiner Vorträge, aus deren Stimme Skepsis klingt, oder Eltern von Kindern und Jugendlichen, die nicht glauben wollen, dass ihre Kids tatsächlich von einer virtuellen Freundschaftsbeziehung ähnlich profitieren können wir aus einer realen. „Das sind ja keine richtigen Freunde“, ist so ein Satz, den ich immer wieder zu hören bekomme – und der mich nachdenklich macht.

Was ist denn überhaupt eine „richtige“ Freundschaft? Ist es so eine wie zwischen Heinz Rühmann, Willy Fritsch und Oskar Karlweis in „Die drei von der Tankstelle“ („…ein Freund, ein guter Freund, das ist das schönste was es gibt auf der Welt.“) Oder sind es Mitglieder einer gemeinsamen Organisation, so wie meine „Lions-Freunde“ oder die „Gesellschaft der Freunde Czyslanskys“, mit denen ich seit vielen Jahren gemeinsam blogge?

Wie immer, wenn man heutzutage unsicher ist, fragt man Wikipedia, und die Antwort lautet dort: „Freundschaft ist ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander, das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet.“

Nun, die meisten meiner Facebook-Freunde sind sehr sympathische Menschen. Wenn sie es nicht wären, dann hätte ich sie auch gar nicht eingeladen oder hätte nicht auf ihre Anfrage reagiert. Ja, ich schaue mir jeden an, der sich bei mir meldet und mir seine Freundschaft anbietet. Und wenn ich auf seiner Facebookseite etwas sehe, das mich stutzig macht – zum Beispiel eine politische oder weltanschauliche Gesinnung, die ich eher ablehne, oder eine sexuelle Präferenz, die mich nicht anmacht – dann klick ich ihn oder sie einfach weg. (mehr …)

Germanwings: Mit elektronischer Patientenakte wäre das nicht passiert

Sonntag, 29. März 2015

Krankenakte Lubitz

Der furchtbare Fall des Fluges Germanwings 4U9525 birgt Lehren, die weit über den Flugverkehr hinaus wirken. Eine davon ist die unsinnige Angst der Menschen besonders in Deutschland vor der digitalen Gesundheitsakte.

Hätte es diese heute schon gegeben, wäre mit ziemlicher Sicherheit aufgefallen, dass der Pilot Andreas Lubitz offenbar von mehreren Ärzten parallel untersucht und behandelt worden ist, ohne dass sie selbst, die zuständigen Aufsichtsbehörden oder sein Arbeitgeber etwas davon gewusst haben. Das soll die digitale Patientenakte im Grunde verhindern, allerdings nicht aus Sicherheits- sondern aus Kostengründen: Dieser „Ärzte-Tourismus“ ist sehr weit verbreitet und kostet die Krankenkasse jedes Jahr Milliarden. Da gehen alte Mütterchen jeden Tag zu einem anderen Arzt, oft auch nur, weil sie einsam sind und ihnen die netten Herren Doktors zuhören. Und es werden für weitere Milliarden Medikamente mehrfach verschrieben und oft genug später weggeworfen.

Zu einer vernünftigen Reform des Gesundheitswesens müsste also eine elektronische Patientenakte zwangsläufig dazu gehören. Wäre da nicht die fast schon paranoide Angst vor dem Datenverlust. Wobei niemand so richtig sagen kann, wer ein Interesse daran hätte, die Krankendaten von Oma Müller zu klauen. Manchmal hört man auf Sicherheitskonferenzen von ansonsten recht vernunftbegabten Rednern ein dumpfes Gemurmel über Arbeitgeber, die angeblich gerne an die Daten ran wollen, um kranke oder auch nur unliebsame Mitarbeiter loszuwerden, aber Belege kann natürlich keiner dafür nennen. Aber das Argument ist vortrefflich geeignet, um jeden Fortschritt in der Medizintechnik auszubremsen. (mehr …)

CeBIT 1995: Handy-Attrappen heiß begehrt!

Sonntag, 15. März 2015

20 years of bloggingOb ein neues Produkt ankommt oder nicht, merkt manauf Messen daran, ob es hŠufig geklaut wird. So gesehen war der Mini-Handy von Nokia auf der diesjährigen CebIT in Hannover der absolute Messeschlager. Bei Nokia war man offenbar darauf gefaßt und hat im Publikumsbereich nur Attrappen ausgestellt, von denen bis Messeschluß denn auch zehn Stück fehlten. Was zu folgender wunderschönen Geschichte führte, die mir Helmut Rudolph vom Telekom-Servicepartner PC-Plus erzählte.

Eine Mitarbeiterin am Telekom-Stand in der Halle 16 führte einem Messegast ihren Nokia vor. Der war ganz begeistert, steckte das Ding in die Jackentasche, nahme es wieder raus, gab es zurück und ging weiter. Danach tat es nicht mehr, was die Dame auf einen leeren Akku zurückführte. Als es allerdings auch nach längerem aufladen immer noch nicht funktionieren wollte, wurde sie mißtrauisch, öffnete die Rückseite – und merkte, daß sie einem Trickbetrüger aufgesessen war. Der Kerl hatte ihren Original-Handy in beim Griff in seine Jackentasche gegen ein Dummy ausgetauscht, das er offenbar zuvor auf dem Nokia-Stand gestohlen hatte.

*

Die connect.-Redakteure stehen bei Vorstand und Pressestelle der Telekom im Ruf, immer nur zu kritisieren. Deshalb an dieser Stelle mal ein ausdrückliches Lob: Die D-Netz-Versorgung auf der CeBIT war spitze! Wilhelm Stückemann, Chef der Netztechnik bei DeTeMobil, war auch ganz stolz auf sein Jungs. Die haben die D1-Infrastruktur im Vermittlungsbereich Hannover, wo derzeit an einem normalen Wochentag rund 19.000 D1-Kunden eingeloggt sind, mit modernen Lichtwellenleitern und neuer Sytemsoftware so aufgerüstet, daß am CeBIT-Donnerstag (wo besonders viele Geschäftsleute zur Messe kommen) mehr als 28.000 Teilnehmer mobil telefonieren konnten, ohne daß das Netz in die Knie ging.

“Die Technik hat es verkraftet”, freute sich Stückemann, wobei ein bißchen Erleichterung in seiner Stimme mitschwang. Insider erinnern sich nämlich mit Schrecken daran, wie beide D-Netze auf derletztjährigen Funkausstellung unter dem Ansturm der angereisten Handybesitzer zusammengebrochen waren.

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Rein Couperus von Philips Communication Systems erzählte mir vom CeBIT-Restaurantbesuch mit einer Gruppe von leicht chaotischen Entwicklungsingenieuren, die alle direkt aus Eindhoven gekommen waren und die ihre Koffer deshalb in den Autos gelassen hatten. Abends wollte man im Konvoi zu dem Lokal fahren, verlor sich aber im Feierabendstau aus den Augen. Plötzlich klingelte es. Couperus hielt an und machte den Kofferraum auf. Das Klingelgeräusch kam aus der Reisetasche. Er machte sie auf, fand dort ein Handy, hob ab – und hatte den Besizer an der Strippe, der im anderen Auto saß und aufgeregt nach dem Namen der Kneipe fragte. Die hatte er ebenso vergessen wie sein Gepäck …


Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 15. März 1995 im Cole-Blog

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Die Cloud-Begeisterung hält sich nach wie vor in Grenzen

Freitag, 06. März 2015
Je größer, desto Cloud!

Je größer, desto Cloud!

Sind die deutschen Cloud-Muffel? Der Ruf eilt ihnen ja voraus. Aber stimmt das denn auch? Dieser Frage wollte der IT-Branchenverband BITKOM am Vorabend der CeBIT auf den Grund gehen und gab gemeinsam mit den Analysten von KPMG eine Umfrage in Auftrag, zu der über 400 Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern befragt wurden. Und es sieht, so viel vorab, nach einer Trendwende aus.

Überwog in den drei Vorjahren, wo es eine ähnliche Befragung gab, noch die Skepsis, sind heuer erstmals mehr Befürworter als Ablehner zu verzeichnen. 40 Prozent geben an, dem Thema „generell positiv“ gegenüber zu stehen. Skeptisch bleibt nur noch ein Drittel. Vor zwei Jahren war es umgekehrt. Allerdings nutzen nur 44 Prozent tatsächlich schon Cloud-Dienste – 58 Prozent lehnen das Thema weiterhin ab oder befinden sich noch in der Planungsphase. Wobei es vor allem die kleineren Unternehmen sind, die die Statistik nach unten drücken: 70 Prozent der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sind schon in der Cloud unterwegs; bei Firmen bis 100 Mitarbeitern sind es nur 41 Prozent.

Cloud ist aber nicht gleich Cloud. Fachleute unterscheiden bekanntlich mindestens drei Arten von Wolken-IT: Private, Public und Hybrid, also eine Mischung von beiden. Deutsche Unternehmen trauen sich noch nicht hinaus in die offene Cloud-Welt: 39 Prozent ziehen es vor, hinter der häuslichen Firewall zu bleiben und behaupten, Cloud-Anwendungen nur im firmeninternen Netzwerk zu nutzen. (mehr …)

Leistungsschutzrecht: Chronik eines angekündigten Todes

Mittwoch, 04. März 2015
Die Geister, die sie riefen

Die Geister, die sie riefen

Ich finde Kommentare schrecklich, die mit den Worten beginnen: „Ich hab’s ja gleich gesagt!“ Deshalb fange ich diesen Kommentar mit den Worten an: „Sebastian hat’s ja gleich gesagt!“

Sebastian, das ist mein Czyslansky-Freund Sebastian von Bomhard. Auch „SvB“ genannt“, Chef des Internet-Providers Spacenet in München und wie ich ein echtes Internet-Urgestein. Er hat das alles von Anfang an erlebt, hat das Auf und Ab der Dotcom-Blase heil überstanden, weil er das hat, was man hier in Österreich den „Hausverstand“ nennt, und seine Firma nicht auf Pump finanzierte. Er kennt sich also sowohl in der Technik wie im Wirtschaftsleben aus, und er hat schon im Juni 2012 in einer Mini-Serie über die „Mythen des Urheberrechts“ geschrieben: „Dass das Leistungsschutzrecht in der vorliegenden Form weder gerechtfertigt noch unschädlich ist, wissen wir inzwischen. Nicht nur Bürgerrechtler, Piraten, Juristen und andere Internetaktivisten warnen vor den äußerst unschönen Nebenwirkungen eines solchen Gesetzes, das, sollte es denn kommen, das Internet verändern würde.“

Seine Worte verhallten damals (fast) ungehört.

Aber wie klingen diese: „In Deutschland hat die Einführung des Leistungsschutzrechtes dazu geführt, dass den Nutzern von Suchmaschinen die Suchergebnisse nicht mehr im gewohnten Umfang zur Verfügung gestellt werden. Das Leistungsschutzrecht führt zu einer Reduzierung der Meinungs- und Informationsvielfalt.“

Oder diese: „Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger hat erwartungsgemäß zu einem ganz erheblichen Maß an Rechtsunsicherheit geführt.“

Diese Worte stammen von der BITKOM, dem Bundesverband der deutschen IT-Wirtschaft. Sie stehen in einer kleinen Broschüre mit dem Titel Leistungsschutzrecht für Presseverleger – eine Bestandsaufnahme, die dieser Tage veröffentlicht wurde und in der an die Kritik erinnert wird, die seinerzeit bei der Verabschiedung des Leistungsschutzrechts durch den Deutschen Bundestag geäußert wurde – nicht nur von SvB. „Unter anderem wurde im damaligen Gesetzgebungsprozess und auch nach der Verabschiedung kritisiert, dass das Leistungsschutzrecht in dieser Form weder rechtlich noch ökonomisch zu rechtfertigen sei und zu erheblichen Kollateralschäden führen werde.“ (mehr …)

Digital transformation and the future of intelligence

Montag, 02. März 2015

digital transformationVinton Cerf, one of the inventors of TCP/IP, is fond of talking about what he calls “network intelligence”. By that he means the makeover of IT landscapes triggered by digital networks and leading to rapid and fundamental changes in technology.

Computer experts often refer to this process as “Digital Transformation”, and there is no reason to believe that it will only have an effect in technology. In fact, digital transformation is going on as we speak in humans who are the users and beneficiaries of this digital technology. We ourselves are changing the way we communicate, enjoy ourselves, do business and organize society. How’s that for “digital transformation”?

Digitalization and networking may actually spawn the development of a new, superior form of human intelligence, which we will henceforth call communicative intelligence. The collective IQ of a network community, we believe, is greater than the total sum of the IQs of each of its members. In fact it is entirely possible that this collective IQ will behave according to the network effect first postulated by John Metcalf n 1993 which states that the benefit of networks will grow exponentially to the number of users.

Communicative intelligence will shape the way markets behave, according to the Cluetrain Manifesto, the unofficial bible of online marketers published in 1991 by Rick Levine and his colleagues Doc Searls and David Weinberger. The book consists of a collection of 95 theses that describe how the relationship between vendors and customers will evolve as the Internet and the “New Economy” cause tectonic shifts in the balance between the two. (mehr …)

Deutschland digital? Nicht mit uns!

Donnerstag, 26. Februar 2015
Und um neun seid Ihr im Büro - sonst knallt's!

Und um neun seid Ihr alle am Schreibtisch – sonst knallt’s!

Das Internet verändert alles – nur nicht die deutsche Bürolandschaft. Arbeitgeber, aber auch viele Arbeitnehmer erweisen sich hierzulande als völlig beratungsresistent wenn es um die Neugestaltung der Arbeitsorganisation geht. Das ist jedenfalls das Fazit, das ich nach der Lektüre der neuen BITKOM-Studie zum Thema „Digitalisierung der Arbeitswelt“ ziehe. Home Office? Aber ohne mich! Flexible Beschäftigungsmodelle und Einbinden von Freien? Lieber nicht! Videokonferenz? Was iss‘n das?

Deutschland, ein einig Volk von Bürohengste. BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf, im Nebenjob Chef der Steuerberatergenossenschaft DATEV, war jedenfalls hörbar ernüchtert, als er heute die Studienergebnisse in einer Online-Pressekonferenz vorstellen musste. Wobei ihn offenbar die Tatsache besonders fuchste, dass nur 8 Prozent der befragten Firmen auf Videokonferenzen als Alternative zum Präsenztreffen setzt. Er war sich aber wenigstens der feinen Ironie bewusst , dass ihm die zugeschalteten Journalisten nur per Telefon lauschen konnten. Immerhin liefen seine Charts parallel im Internet. „Irgendwann sind wir auch soweit“, seufzte er zwischendurch.

Viel erschütternder waren die Zahlen, die er präsentieren musste. 75 Prozent der Firmen in Deutschland verlangen von ihren Mitarbeitern, dass sie während der Dienstzeit anwesend zu sein haben. Weitere 17 Prozent erlauben immerhin zwischen einem Drittel und der Hälfte ihrer Leute, zwischendurch auch mal woanders zu arbeiten. 73 Prozent sind überzeugt, dass der klassische Büroarbeitsplatz mit Präsenzpflicht auch in Zukunft das Modell der Wahl bleiben wird. Nur ein Drittel glaubt, dass das Home Office künftig an Bedeutung gewinnen wird. Bei 64 Prozent ist es schlicht „nicht vorgesehen.“ (mehr …)

Qualitätsjournalist – ein Hundeleben!

Montag, 23. Februar 2015
Ein Hundeleben ist das!

Ein Hundeleben ist das!

Ich bin eigentlich kein typischer taz-Leser, aber manchmal verirre ich mich mal auf die Website und genieße den rotzfrechen Stil und die eklektische Themenauswahl der Berliner Kollegen. So auch heute, wo mich die Headline „Bald in der ganzen Stadt: Leinenzwang“ unwiderstehlich anzog.

Ich fand dort einen pointiert geschriebenen und außerordentlich respektlosen Beitrag über die ausufernde Verbotswut Berliner Politiker, der plötzlich eine unerwartete Wende nahm und in eine schwarzhumorige Tirade gegen Hundebesitzer umschwenkte („…versuchen Sie mal, mit Leuten zu reden, die ihren kalbsgroßen Köter „Prinzessin“ nennen) und in der Forderung gipfelte: „Macht aus dem Leinenzwang ein landesweites Hundeverbot, bitte.“

Alles recht unterhaltsam und lustig, wenn auch vermutlich nicht ganz so ernst gemeint, wie es klingt. Außerdem war der Beitrag angenehm kurz – gerade mal drei Absätze lang – und flüssig geschrieben. Hut ab, lieber Kollegin Marlene Gürgen! (mehr …)