Archiv für die Kategorie ‘Internet & Co.’

Informationelle Selbstbestimmung, aber bitte richtig!

Donnerstag, 07. August 2014

Wem gehören eigentlich meine Daten? Ganz sicher nicht dem NSA. Aber wie ist es mit den vielen Firmen, die sich anschicken, im Zeitalter von „Big Data“ möglichst viele Informationen über mich und meine Kaufgewohnheiten zu sammeln, um sie meistbietend an die werbetreibende Wirtschaft zu verhökern? Viele in Deutschland sind beunruhigt von der grassierenden Sammelwut der Datenindustrie. Dabei sagt uns aber doch der Hausverstand: Firmen wollen nur unser Bestes – und davon so viel wie möglich. Firmen machen mit uns Geschäfte, und wenn sie unsere Daten gegen uns missbrauchen würden, dann wären wir als Kunden ganz schnell weg. Das Ergebnis ist ein autonomes, also ein selbstregulierendes Datenschutzsystem, das dafür sorgt, dass unsere Informationen zumindest von Wirtschaftsunternehmen wahrscheinlich nur in unserem Sinne eingesetzt werden. Marktwirtschaft wäre demnach also eigentlich der beste Garant für Datenschutz!

Ganz anders verhält es sich natürlich mit dem NSA und anderen so genannten Staatsschutzorganen. Bei denen weiß niemand, was mit seinen Daten passiert, aber wir ahnen, dass es nichts Gutes sein wird. Kann sein, dass wir eines Tages nicht mehr ins Flugzeug steigen dürfen, weil wir auf irgendeiner Liste stehen, ohne dass wir wissen, wie wir da draufgekommen sind oder wir wir uns wieder aus der Liste löschen lassen können. Schlimmstenfalls könnte eines Tages das mobile Einsatzkommando vor unserer Tür stehen und in Putativnotwehr losballern. „Oh, tut uns leid, Sie waren wohl der Falsche…“ (mehr …)

Watching out for Light Bulbs

Montag, 04. August 2014

A-Speakers

I recently sat down and did a short interview with Christine Gjelstrup of A-Speakers, a Danish agency with which I have recently begun cooperating. This is the result:

  • What made you interested in the field of technology?

I’ve always been a techie, but I am also very interested in business and economics, so I guess my role in life is to act as a moderator or even a translator between those two worlds, since generally speaking businesspeople don’t understand techies and vice versa. I feel that technology is becoming increasingly crucial to the business success of enterprises; in fact, pull the plug on all those servers and gadgets and your average business today will simply collapse. On the other hand, engineers and software developers need to better understand what the business side really needs and to create solutions that are easy to understand and use and that really create value for the company. Naturally, the internet and digitalization are the key factors here, and in fact they have changed and will continue to change the way companies do business. Managers need to realize this and try to anticipate how digital transformation will impact their own business models, as well as using technology to reach out to digitally empowered customers (Who are very different from your old “analog” customer).

  • How do you work with clients to prepare your keynotes?

I try to understand what the client needs. Since some customers aren’t really sure themselves, this can involve a rather intense discovery process. I hate “canned” speeches, so I prefer to interact with clients in order to create a unique keynote; one that will give the audience the right takeaway. (mehr …)

Amazon und das Ende der Warteschleife

Sonntag, 03. August 2014
Kindle Kundendienst

Eine Nummer unter diesem Anschluss!

Ärgern Sie sich auch über die telefonischen Warteschlangen und die Zeit, die Sie damit vergeuden, Dosenmusik zu laschen und immer wieder von einer mechanischen Stimme gesagt zu bekommen, dass der nächste freie Mitarbeiter ganz bestimmt für Sie da sein wird? Irgendwann. Oder vielleicht auch nicht. Vielleicht legt der Kollege Telefoncomputer auch einfach nach einer Weile auf, und Sie sitzen da und fluchen, während aus dem Hörer das Besetztzeichen tutet.

Deutschland, deine Hotlines! Es ist ein Trauerspiel, das da Tag für Tag aufgeführt wird. Da „verhungern“ Kunden in der Warteschleife, warnen Verbände wie die Verbraucherzentrale NRW vor „Hotline-Abzocke“ bei kostenpflichten Servicenummern. Der Deutsche Bundestag musste sich mehrfach mit diesem Thema herumschlagen, zuletzt im Herbst 2011, als man dort das neue Telekommunikationsgesetz (TKG) beschloss, dass wenigstens ersten 120 Sekunden in der Eingangswarteschleife grundsätzlich kostenlos sein müssen. (mehr …)

Cloud-Urteil könnte Microsoft-Chef ins Kittchen bringen

Freitag, 01. August 2014
Ich bin der Boss - holt mich hier raus!

Ich bin der Boss – holt mich hier raus!

Wer dachte, er sei in Europa sicher vor den Datenschnüfflern aus USA, für den gab es ein böses Erwachen, als die Snowdon-Papiere und damit das Ausmaß der digitalen Bespitzelung der Welt durch den amerikanischen Geheimdienst NSA heraus kamen. Eine Branche bekam das vor allem zu spüren, nämlich die Anbieter von Cloud-Computing. Da es sich hierbei fast ausnahmslos um US-Firmen wie Amazon, Google und Microsoft handelt, munkelten die Auguren schon von einem drohenden Umsatzeinbruch, weil die Kunden diesseits des Atlantik zunehmend ungern ihre Datenschätze Unternehmen in einem Land an vertrauen würden, in dem sozusagen Polen offen sei. Keine Angst, erwiderten die Cloud-Konzerne, zumindest in Europa sind Eure Daten sicher, denn in der EU gilt ein anderes, strengeres Datenschutzrecht, und das verbiete es jedem Betreiber, personenbezogene Informationen ohne Zustimmung des Betroffenen außer Landes zu schaffen. Sobald solche Daten das physikalische Territorium der Europäischen Union verlassen, macht sich der Provider strafbar. Und da es bekanntlich so etwas wie Vorstands- oder Geschäftsführerhaftung gibt, steht in einem solchen Fall theoretisch der Chef des Konzerns mit einem Bein in einem (europäischen) Kittchen.

Wenn ich also Satya Nadella wäre, der Steve Balmer gerade als Microsoft-Chef abgelöst hat, wäre ich ziemlich unruhig. Muss der weltgrößte Softwarekonzern womöglich demnächst auf seinen Boss verzichten, weil der auf seiner nächsten Europareise am Frankfurter Flughafen festgenommen wird? Könnte durchaus sein, und wenn, dann hat ihn ein amerikanischer Bundesrichter dorthin gebracht.

Gestern entschied der Federal Magistrate Court in New York laut New York Times nämlich, dass Microsoft Informationen über einen seiner Kunden, die im Rechenzentrum der Firma in Dublin gespeichert sind, den US-Ermittlern aushändigen müssen, die in einem Kriminalfall (es geht angeblich um Drogen, aber niemand weiß etwas Genaueres) ermitteln.

Microsoft wehrt sich – noch – heftig gegen das Ansinnen, weil es doch nicht sein kann, dass amerikanisches Datenrecht in Europa gültig sei. Aber was, wenn der amerikanische Richter Ernst macht und Microsoft mit hohen Strafen belegt – oder den guten Satya vielleicht in ein New Yorker Gefängnis steckt? Man weiß ja, dass man in den USA noch ganz anders mit Vorständen umgeht, die sich was zuschulden haben kommen lassen: Die wandern tatsächlich in den Bau, im Gegensetz zu Europa, wo man es meistens mit einem Schlag auf den Handrücken und einer kleinen Geldstrafe bewenden lässt. Wenn Sie mir nicht glauben, fragen Sie nur Klaus Zumwinkel. Der mußte nach seiner Verurteilung wegen Steuerbetrugs zwar seinen Bundesverdienstkreuz zurückgeben, aber das war so ziemlich alles. (mehr …)

Foursquare und der angekündigte Tod

Donnerstag, 24. Juli 2014
Bald ausgesummt?

Bald ausgesummt?

Das Social Web ist voll von Tausenden von mehr oder weniger sinnvollen Diensten, aber mein erklärter Liebling war seit Jahren Foursquare, eine App fürs Smartphones, mit dem man „einchecken“ und damit seinen Freunden und Followern signalisieren konnte, wo es sich lohnt zu essen, zu wohnen oder sich umzusehen. Man bekam für jedes Checkin Punkte und Abzeichen, so genannte „Badges“, und wurde, wenn man nur oft genug eine Lokalität empfohlen hatte, irgendwann einmal „Mayor“, was einem ein gewissen Status gerade bei Restaurantbesitzern verlieh.

Tja, sic transit gloria mundi, kann ich nur sagen. Foursquare hat sich von seinem alten Geschäftsmodell verabschiedet und will in Zukunft nur noch ein geolokaler Empfehlungsportal sein. Da mein Smartphone immer weiß, wo ich gerade bin (egal ob es gerade ausgeschaltet ist oder nicht), können smarte Werber diese Information nutzen, um mich mit Angeboten aus der nächsten Umgebung zu ködern.

„Zumüllen“ wäre vielleicht ein passenderes Wort. (mehr …)

Facebook und die Gedankenfreiheit

Freitag, 04. Juli 2014
So, glaubt Ihr wirklich?

…aber Facebook kann sie erraten!

Also doch: Orwell hatte Recht! Sein Albtraum von der „Gedankenkontrolle“ ist Wirklichkeit geworden, die bösen Macher von Facebook sind dabei, unsere Gehirne umzuprogrammieren. Google kontrolliert, was wir denken dürfen. O tempora, o mores!

Der Skandal um manipulierte News-Feeds im Rahmen eines sozialpsychologischen Experiments auf Facebook (die so genannte “Emotional Contagion Study“) haben den Kulturpessimisten reichlich neue Nahrung gegeben. Schade, dass Frank Schirrmacher das nicht mehr erleben durfte!

Aber worum geht es hier eigentlich? Wie jetzt herausgekommen ist haben sich die Wissenschaftler  Jeffrey Hancock and Jamie Guillory von der angesehenen   Cornell University zusammengetan um zu prüfen, ob das Lesen von negative Meldungen Einfluss auf das seelische Befinden von Menschen hat, also ob wir traurig werden, weil wir traurige Nachrichten vorgesetzt bekommen und umgekehrt, ob sich unsere Laune durch die Lektüre guter Nachrichten heben lässt. Dazu wurden die dargestellten Meldungen in den Timelines von rund 700.000 der 1,3 Milliarden Facebook-Nutzern manipuliert, und zwar ohne deren Wissen. Danach analysierten die Forscher die Posts der Betroffenen mit Hilfe von Software, die in der Lage sein soll, aus deren Wortwahl beim Schreiben Rückschlüsse auf ihre Stimmungslage zu ziehen.

 

Ich muss zugeben: Meine erste spontane Reaktion, als ich das las, war: Wow: eine Software, die lesen kann! Nicht nur lesen, sondern verstehen, wie mir beim Schreiben zumute war. Wie geil ist das? Aber mit der Reaktion war ich wohl ziemlich alleine auf weiter Flur, zumindest diesseits des Atlantiks. (mehr …)

Ein Schwimmring für die Datenflut

Sonntag, 22. Juni 2014
Das ist wahre Größe!

Das ist wahre Größe!

Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein Kulturpessimist über die Datenflut schwadroniert, in der die Menschen einzeln oder kollektiv zu ertrinken drohen. Big Data ist unser Verderben! Der Kopf, so der jüngst verstorbene FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, kommt nicht mehr mit. Unsere Hirne bilden sich zurück, bis wir, so der Boulevard-Neurologe Manfred Spitzer, den Zustand der „Digitalen Demenz“ erreicht haben.

In Wahrheit scheint die Menschheit in einer Flut von Bedenkenträgern zu versinken. Jeder und sein Bruder ist offenbar bemüht, noch’n Buch zu schreiben, in dem der baldige Untergang der christlich-abendländischen Kultur aufgrund digitaler Überlastung aller Beteiligten vorausgesagt wird. Da tut es richtig gut, zur Abwechslung ein Buch zu lesen, bei dem der Schreiber – in diesem Fall der amerikanische Statistiker Nathan Yau – verstanden hat, dass es einen Unterschied gibt zwischen Daten und Information, und dass es vor allem darum geht, die angeborene Fähigkeit des Menschen, komplexe Strukturen in einfache Bestandteile zu zerlegen und darin Muster zu erkennen, durch die intelligente Aufbereitung der immer größer werdenden Datenmengen zu unterstützen.

Es geht bei ihm um Datenvisualisierung, eine ebenso wichtige wie anspruchsvolle wissenschaftlich-publizistische Disziplin, die laut Yau viel mehr ist als nur die hübsche Aufbereitung von Zahlen. Richtig verstanden, meint er, gehe es darum, eine Abstraktion der realen Welt zu schaffen und damit Daten in Geschichten umzuwandeln. Ein Datensatz ist für ihn eine Momentaufnahme, die etwas einfängt, das sich bewegt und verändert. Eine gute Visualisierung wandelt Daten in Übersichten um und setzt somit den Prozess in Gang, mit dem der Mensch auf einzigartige Weise imstande ist, Daten in Wissen zu verwandeln. (mehr …)

Die Zukunft des Handels: Point & Click & Buy

Donnerstag, 19. Juni 2014
Gekauft wie gesehen! (Foto: The Verge)

Darf’s vielleicht ein bisschen mehr sein? (Foto: The Verge)

Man muss es dem alten Fuchs Jeff Bezos lassen: Er und seine Firma Amazon verstehen es immer wieder, dem etablierten Einzelhandel den Nachtschlaf zu rauben. Nicht nur den Buchhändlern: Die haben seit Jahren kein Auge mehr zu gemacht, wenn sie in an Amazon denken in der Nacht. Aber Jeff und seine Leute haben ja kein Geheimnis daraus gemacht, dass sie nicht damit zufrieden sein würden, den größten Buchladen der Welt zu erbauen: Sie wollen der größte Händler der Welt sein – Punkt! Und diesem Ziel sind sie jetzt einen großen Schritt näher gekommen mit dem „Fire Phone“, das neue Mobiltelefon von Amazon, von dem Jeff selbst zugibt, dass Telefonieren so ziemlich das langweiligste ist, was man damit tun kann.

Der Fire Phone besitzt nämlich ein Feature namens „Firefly“, das jeden Einzelhändler vor Neid erblassen lassen muss: Mache mit der eingebauten Kamera ein Bild eines Produkts – sagen wir mal eine Dose Nutella, eine Packung Kinderwindeln, eine DVD oder die neueste Spiegelreflexkamera von Sony – und drücke dann auf einen Knopf. Das Telefon sagt dir sofort, was es kann, was es kostet und fragt dich, ob du es gleich bestellen willst. Der Smartphone wird auf diese Weise zum verlängerten Ladentresen von Amazon, so nach dem Motto: „Point & click & buy“.

Ich finde das einfach genial. Vor allem gibt es dem Begriff „Kundenbindung“ eine völlig neue Dimension: Amazon fesselt seine Kunden sozusagen digital und drahtlos an sich, denn natürlich sieht man auf seinem Fire Phone nur Sachen, die Amazon im Angebot hat. (mehr …)

An Algorithm that Forgets

Freitag, 23. Mai 2014
googledrops

(c) bigbackground.com

The verdict of the highest European Court of Justice against Google in the dispute over the “right to be forgotten” is a scandal, no doubt about it! The Chief Justices obviously failed to really see the size and scope of the apple cart they have upset here. At least in theory anyone in Europe can now order Google to delete online information that mentions them, on the grounds that they feel disturbed. It doesn’t matter whether the claim is justified, or if indeed any legal rights have been violated or any ethical boundaries have been crossed. It suffices to say, “I want out!”

Again in theory Google will have to carefully consider in each individual case. To do this, Google will need to hire an army of rather intelligent and therefore rather high-paid employees to research each background and reach millions of complicated decisions on whether or not a delete request is justified by the provisions or the spirit of existing laws, by the vague rules of “netiquette” or just by pure common sense. And what if they decline a request? The applicant will presumable be able to take recourse to the courts in his or her country and try and force Google to comply.

So what is Google going to do? At the end of the day, they are a for-profit company, and the costs they are facing here are potentially huge. So of course Google will take the path of least resistance and just simply delete anything anybody asks them to delete. Presumably, this will be an automated process, so essentially this means we can all just delete anything we want at any time. And where, pray tell, does that leave the simple, unvarnished truth? Can we simply rewrite history as we see fit?

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Ein Algorithus für das Vergessen

Mittwoch, 21. Mai 2014
Das war doch noch was...

Das war doch noch was…

Das Urteil des höchsten europäischen Gerichts, des EuGH, gegen Google im Streit um das Recht aus Vergessen ist ein Skandal, kein Zweifel. Die Oberrichter haben ganz offensichtlich nicht zu Ende gedacht, was sie da angezettelt haben, denn jetzt kann ja – nicht nur – theoretisch jedermann bei Google den Antrag stellen, Fundstellen zu löschen, die irgendwie mit ihm zu tun haben. Dabei ist es ganz egal, ob dieser Antrag in irgendeiner Form berechtigt ist, also ob tatsächlich irgendein Persönlichkeitsrecht verletzt wird. Es genügt zu sagen: „Ich will das nicht“.

Wieder theoretisch wird Google in jedem einzelnen Fall prüfen, ob dieser Wunsch nach Löschen einer Information gerechtfertigt ist oder nicht. Google müsste dazu eine Heerschar von Prüfern anheuern, die jeden Tag nichts anderes tun, als Millionen von Anträgen anzuschauen, die Hintergründe (mit Hilfe der eigenen Suchmaschine) zu recherchieren und anschließend zu entscheiden: Löschen oder Nichtlöschen. Und wenn nicht? Dann kann der Löschungswütige ja – ebenfalls theoretisch – die Gerichte anrufen und versuchen, Google zu zwingen, es doch zu tun.

Was wird Google, das ja am Ende des Tages ein gewinnorientiertes Unternehmen ist, stattdessen tun? Klar: Sie werden einfach jedem Löschungsantrag entsprechen, und zwar ungeprüft! Alles andere wäre wirtschaftlicher Wahnsinn. Und wo, bitteschön, bleibt da die Wahrheit? Darf einfach jeder nach Gutdünken die Geschichte umschreiben? (mehr …)