Computer lügen nie

Mein Freund Franz-Peter ist heute 60 geworden. Ich habe ihm gratuliert, aber er war ganz erstaunt. Er dachte, er wäre 59 geworden. Ich konnte ihm jedoch den Beweis präsentieren in Form einer E-Mail, die mir des Internet-Portal „Xing.com“ vor ein paar Tagen geschickt hat. Wir sind beide Mitglied bei Xing, und ich bekomme eine Menge solcher „Geburtstagserinnerung“ mit den namen von Leuten, die ich eigentlich gar nicht lkenne, mit denen ich aber über Xing „vernetzt“ bin. Ab und zu ist auch ein vertrauer Name darunter, und in diesem Fall habe ich deshalb ganz, ganz genau hingeschaut, und da steht klar und deutlich: „Franz-Peter Strohbücker, F.P.S!-Redaktionsbüro, 17.09.1950, Alter: wird 60“.

Da ein Computer bekanntlich niemals lügt, muss Xing also Recht haben und Franz-Peter muss sich irren. Ich gebe zu, dass es schwer ist, den kindlichen Glauben an die Unfehlbarkeit des Elektronenrechner aufrecht zu erhalten angesichts des offensichtlichen Rechenfehlers: Wenn einer im Jahr 1950 geboren ist, und wir schreiben heuer das Jahr 2009, dann sind 2009 minus 1950 nach Adam Riese 59, nicht 60.

Eine Erklärung wäre, dass der Computer von Xing so schlau ist, dass er in die Zukunft blicken und voraussagen kann, was beispielsweise in einem Jahr sein wird. Denn dann würde es ja stimmen: „Wird 60“ bedeutet, Franz-Peter schafft es wirklich! Er wird nicht ein zweites Mal von einem vertrotttelten Autofahrer, der bei Rot über die Ampel fährt, gerammt, nur diesmal noch heftiger. Er wird nicht an der Schweinegrippe verenden oder über das Ausscheiden des VfB aus der Champions League so verzweifelt sein, dass er sich vom Stuttgarter Fernsehturm stürzt.

Aber halt, es gibt ja noch eine andere denkbare Erklärung. Wie war es doch damals zur Jahrtausendwende? Da haben doch jede Menge sehr ernsthafte Menschen glatt bestritten, dass wir im Jahr 2000 überhaupt das zweite Millenium feiern. „Ein Jahr zu früh!“,behaupteten sie. Wenn Christus im Jahre Null zur welt kam, dann wären erst 2001 die zweiten Tausend voll.

Nun, es sind dennoch am 1.1.2000 die Knallkörper und die Sektkorken geflogen wie nie, und die Computer sind auch nicht abgestürzt, allen Unkenrufen bezüglich des „W2K Bug“ zum Trotz. Aber vielleicht wurde der Computer von Xing ja von einem Anhänger der „Mellenium plus eins“-Schule der Zeitrechnung programmiert. Denn es stimmt natürlich: Strenggenommen war der Tag, an dem Franz-Peter zur Welt kam, sein erster – strenggenommen sogar sein einziger – Geburtstag. Seitdem feiern wir ja nur die Wiederkehr dieses freudigen Ereignissen. Und Xing feiert mit. Aber eben ganz, ganz ganau – so wie die Computer eben sind.

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