Das Internet des Denkens

Quelle: QZ-online, Hanser-Verlag. © Horváth & Partners

Robotergestützte Prozessautomatisierung (RPA) eröffnet ganz neue Wege für die herkömmliche Arbeit mit Angestellten. Gemeinsam mit IoT bahnt sich gerade eine Revolution in der Datenerfassung und -kontrolle an. Es wird langsam Zeit, umzudenken.

Wie ein RPA-Anbieter auf seiner Website bemerkt: „Als Automatisierungsplattform ist Roboterprozessautomatisierung der Schlüssel, der die ungeahnten Möglichkeiten des Internet der Dinge erst erschließt und möglich macht.“ Zu den Funktionen, für die es einen Link oder ein Repository bereitstellen könnte, gehören die Verwaltung von Benachrichtigungen und markierter Ereignisse sowie die automatische Weiterleitung großer Datenmengen.  Investitionen in RPA könnten, anders ausgedrückt, das Potenzial von IoT mächtig fördern, weil sie Daten zugänglicher – und damit wertvoller – machen.

Die Automatisierung ist nicht mehr nur auf die Produktion beschränkt. PricewaterhouseCoopers (PwC) schätzt, dass durch die weitere Automatisierung von Arbeitsabläufen in der Herstellung, einschließlich der dazugehörigen Verwaltungsaufgaben, Einsparungen in Milliardenhöhe möglich werden. Und es geht wirklich nicht darum, Jobs wegzunehmen, sondern vielmehr darum, den Einzelnen in die Lage zu versetzen, seinen Job besser und effizierter zu machen. Durch die Verbindung mit der Informationsfülle des IoT können Verantwortliche (beispielsweise in der Produktion oder im Handel) intelligentere Entscheidungen treffen.

IoT holt sich seine Daten von überall. Da RPA in der Lage ist, den Wert diese Daten zu erhöhen und sie leichter verwertbar zu machen, stehen wir heute an der Schwelle zu etwas ganz Neuem, das wir an dieser Stelle als das „Internet des Denkens“ bezeichnen wollen.

Die Automatisierung von Unternehmensprozessen hat in den letzten Jahren riesige Fortschritte gemacht, Betriebskosten gesenkt und Einsatz von Betriebskapital im profitablere Bahnen lenken können. Wir stehen allerdings hier noch ganz am Anfang, und viele Aufgaben, die sich bestens für die robotergestützte Prozessoptimierung eignen würde, werden nach wie vor mit Hilfe veralteter, aber vertrauter Technologien abgearbeitet.

So erfordert die Einstellung eines neuen Mitarbeiters in den meisten Betrieben, vor allem in größeren, die gleichzeitige Eingabe und Bereitstellung von Daten in mehreren Systemen. Wenn diese nicht miteinander kommunizieren können, müssen die gleichen Daten an mehreren Stellen notfalls per Hand eingegeben werden. Und da überall, wo Menschen arbeiten, Fehler gemacht werden, entstehen vermeidbare Kosten und Störungen in den Betriebsabläufen.

Aber selbst manuelle Systeme sind auf Regeln aufgebaut, auch wenn nur in den Köpfen der betroffenen Mitarbeiter festgehalten und nicht formell dokumentiert sind. Genau da setzt die  robotergestützte Prozessautomatisierung an.  Und lassen Sie sich nicht durch das Wort „Roboter“ verwirren. Es geht nicht um einen komplizierten, mehr oder weniger menschenähnlichen Automaten, der beispielsweise in der Kreditorenbuchhaltung an einem Schreibtisch geparkt ist und Belege scannt. RPA-Anbieter möchten Unternehmen stattdessen Software-Tools zur Verfügung stellen, die diese manuellen, regelbasierten Aufgaben automatisieren können. Am Ende des Tages entstehen so Werkzeuge, die im Jargon der Branche „Robo-Bots“ genannt werden: virtuelle Roboter, die einen bestimmten Prozess automatisch übernehmen und dabei häufig Hand in Hand mit bestehenden Systemen zur Automatisierung von Geschäftsprozessen arbeiten.

Diese Bots arbeiten mit künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen, um selbständig die Art der Aufgabe und der Daten schnell erfassen und Arbeiten, die zuvor von Menschen erledigt wurden wurden, nachzuahmen.  Im bereits erwähnten Beispiel der Einstellung eines neuen Mitarbeiters könnte ein intelligentes RPA-System die einzelnen damit verbundenen Arbeitsschritte schnell aufzeichnen, anaylsieren und die erkannte Logik in seine eigenen Aktivitäten einbetten, um die Daten schneller als bisher zwischen den betroffenen Systemen auszutauschen – schnell und ohne Tippfehler, die bekanntlich das Markenzeichen von Menschen sind.

Das maschinelle Lernen in RPA kann den Prozess beschleunigen, indem es fundierte Vermutungen über die Bedeutung bestimmter Felder in Papier- oder elektronischen Dokumenten anstellt.  Bots können auch einfach nur dem menschlichen Kollegen über die Schulter schauen und beobachten, wie er oder sie eine Aufgabe ausführt. Ein Bot, der einen Menschen beobachtet, der sich gerade Debitorenbelege ansieht, könnte beispielsweise feststellen, dass Werte über einem bestimmten Niveau in Rechnungen eines bestimmten Alters den Menschen zu einer bestimmten Aktion veranlassen – vielleicht die Kennzeichnung des Kontos für einen Anruf eines Menschen.  Natürlich können Bots, genau wie ein menschlicher Assistent, von Zeit zu Zeit Hilfe oder Korrekturen benötigen, bis sie bei der Ausführung einer Aufgabe die menschliche Genauigkeit erreichen oder überschreiten. An diesem Punkt beginnt sich die Investition auszuzahlen, denn der Mensch wird von einer lästigen Routinearbeit befreit und kann seine Zeit sinnvoller für wichtigere Aufgaben verwenden als nur die Eingabe von Daten und das Treffen von simplen Entscheidungen!

Dieser Beitrag wurde unter Business Intelligence, Künstliche Intelligenz, Predictive Analysis, Smart Industry abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.