Denkmal für ein schönes Silvesterfest

Voelkerschlacht kleinDas letzte Mal, das ich am Völkerschlachtdenkmal stand, war Silvester 1989. Damals war ich Chef von „Reisemobil international“, und wir waren ausgeschwärmt, um die fuer uns Wessis absolut unbekannte DDR in Reportagen als neues Reiseland vorzustellen.

Gabi und ich suchten vergeblich nach einem Restaurant, das erstens offen und zweitens bereit war, uns an Silvester noch einen Tisch zu geben. Irgendwann landeten wir entmutigt am Denkmal auf dem Parkplatz und bereiteten uns darauf vor, einen tristen Abend mit mitgebrachtem Champagner zu feiern.

Auf eimal klopfte es. Draussen standen zwei hübsche junge Damen. Nee, Mädels, dachte ich mir, hier macht Ihr kein Geschäft. Sie wollten aber nur fragen, ob wir Lust hätten, mit ihnen und ihren Familien Silvester zu feiern. Hier draussen sei es doch so einsam…

Sie fuhren in ihrem Trabbi vor uns her in ein kleines Wohngebiet mit lauter Einfamilienhäusern, wo wir die Ehemänner kennenlernten. Einer war Arzt, der andere Professor, die beiden Damen waren Lehrerinnen. Sie hatten noch nie leibhaftige Wessis gesehen und waren genauso neugierig wie wir. Wir haben die ganzen Reisevorraete aus dem Wohnmobil reingeschleppt und eine wunderbare Silvesterparty gefeiert.

Heute schien die Sonne, als ich zum Denkmal rausjoggte. Aber der kalte Silvesterabend vor 25 Jahren ist mir trotzdem unvergesslich.

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Eine Antwort auf Denkmal für ein schönes Silvesterfest

  1. Helmut Weissenbach sagt:

    Diese Erlebnisse bereichern das Leben und solche gibt es überall. Man muß nur darauf zugehen. Ich bin mal bei einem Wochenendstop in Hawaii – auf dem Weg nach Tokyo – in Maui durch die Gegend gefahren und war im Verladehafen gelandet. Stieg aus zum Fotografieren. Da kam ein Arbeiter, ein alter Japan, auf mich zu und lud mich ein, auf einer der herumliegenden Holzpalletten Platz zu nehmen. Er lief in einen Schuppen und kam zurück mit einer Sixpack Budweiser, einer Henkelmann mit Lauch ähnlichem Kleingeschnittenen und einem armlangen Thunfisch. Mit seinem Taschenmesser schnitt er eine Scheibe nach der anderen ab und das war unser Mittagessen. Fisch roh, besser gings nicht. In seinem gebrechlichen Englisch erzählte er mir, dass er beim Angriff auf Pearl Harbour hier hängen geblieben ist und seit dem nicht mehr in seiner Heimat gewesen war. Ich mußte ihm alles erzählen, was ich in Japen bis her gesehen hatte und über das Leben in Japan. Seine Augen wurden nass und voller Sehnsucht. Ich flog noch am gleichen Abend weiter, da hin, wovon er jahrelang geträumt hatte. Momente, die man nicht vergisst.

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