Die Milane von Delhi

Vor unserem Hotelfenster in Delhi findet eine atemberaubende Flugshow statt. Wir sind gerade ein paar Minuten in unserem Zimmer im sechsten Stock des Taj Mahal Hotels in Delhi, da deutet meine Frau aufgeregt aufs Fenster und ruft: „Da, ein Adler!“

Tatsächlich kurvt draußen ein riesiger Raubvogel herum mit braunem Gefieder und einem ziemlich gefährlich aussehenden Schnabel. Leicht wie ein Segelflugzeug schwebt er auf unsichtbaren Luftzwellen umher, bewegt ab und zu kurz die Flügel, um Höhe zu gewinnen und starrt dabei mit stieren Blick nach unten, ob es denn etwas zum Erhaschen gibt.

Der Tuktuk-Fahrer, der uns knatternd und rüttelnd vom Bazar von Old Delhi nach Hause bringt, korrigiert allerdings: „No eagle – kite! Kite!“ Google gibt später wie immer Auskunft: Kites sind Gleitaare, von denen es sogar ein paar Dutzend Arten auf der Welt gibt, zum Beispiel Milane oder Schwebeweihe.

Als ornithologisch Unbedarfter wusste ich vorher gar nicht, dass es sowas gibt. Und jetzt stehe ich eine halbe Stunde lang mit offenem Mund am Fenster und schaue zu, wie diese Riesenvögel – der größte von ihnen hat sicher eine Spannweite von anderthalb Metern! – direkt vor meiner Nase eine Flugschau der Superklasse aufführen. So nahe kommt man nicht einmal mit dem Fernglas an einen solchen Vogel ran.

Gerade vor drei Wochen haben wir uns auf Kreta fast die Hälse verrenkt beim Versuch, einem Seeadler-Pärchen zuzuschauen, das in luftiger Höhe über unseren Köpfen ihre majestätischen Runden drehte. Und jetzt sehen wir einen ähnlichen Vogel sozusagen in Nahaufnahme und in Augenhöhe, vielleicht fünf Meter vorm Hotelfenster.

Man muss Indien einfach lieben…

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