Die schwäbische Hausfrau würde sich schämen

Do spannt der Ranzen aber ned!

Do spannt der Ranzen aber ned!

Wer jahrelang in Schwaben gewohnt hat, der weiß, wie lecker Maultaschen schmecken können, und so zieht ein Lokal mit einem solchen Namen den Hauptstadtbesucher natürlich magisch an, zumal wenn man abends durch die windigen Strassen von Berlin-Mitte streift und richtig Hunger hat.

Nun, den kann man hier zwar loswerden, aber anders, als man es sich vielleicht vorgestellt hat. Der rechte Schwabe ißt ja gerne gut und viel. „Lieber zviel gessa als zwenig getrunka“, lautet ja nicht umsonst das Landesmotto. Doch leider haben die schwäbischen Wirtsleut‘ an der Spree offenbar den zu DDR-Zeiten eingeführten Begriff der „Sättigungsbeilage“ übernommen und zum Geschäftsprinzip erhoben.

Die Portion gebratene Maultaschen mit Ei bestand jedenfalls aus einer einzigen, in dünne Scheiben geschnittenen Maultasche, in eine vertrocknete Rüheikruste eingebacken, die irgendwie schräg an einen Berg von Kartoffel-, Kraut- und Ackersalat gelehnt war. Hätte man die ganze Beilage gegessen, wäre man in der Tat satt geworden, aber von dem bissle Maultäschle hätt‘ ma hächsten no meh‘ Hunger griegt.

Jeder rechte schwäbische Hausfrau würde sich schämen, ihren Gästen sowas vorzusetzen. Bei ihr muss der Ranzen bekanntlich hinterher spannen. Der Berlin-Besucher muss leider weiterziehen und woanders eine Currywurst einlegen, damit er satt wird.

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