Gebrauchtes Internet

Paulus Neef ist ein echter Unternehmer – und ein echtes Stehaufmännchen. Nach massivem Ärger mit seinem Aufsichtsrat musste der Gründer von Pixelpark, der größten und lange Zeit auch erfolgreichsten Internet-Kreativagentur Deutschlands (Blaupunkt, Obi, ZDF) sein Vorstandsjob räumen, und alle dachten, er privatisiert erst mal ein paar Jahre. Genug Geld müsste er eigentlich trotz schwindsüchtigem Aktienkurs haben.

Statt dessen tauchte er in München gemeinsam mit dem seinem ehemaligen Hauptkonkurrenten, Ulrich Dietz von GFT in St. Georgen (Mercedes, Deutsche Post, Escada) auf und gab eine Pressekonferenz, auf der er die Gründung einer neuen eigenen Firma sowie eine zukünftige enge Kooperation mit GFT bekanntgab. „Ich war mein Leben lang selbständiger Unternehmer, und ich brauche das einfach“, sagt er. Merke: Erfolg hat nur, wer auch Nackenschläge einstecken kann.

GFT-Chef Dietz kam übrigens aus Stuttgart zur Pressekonferenz, wo er mit seinem Kunden Mercedes auf den Erfolg des gemeinsamen Projektes einer Gebrauchtwagen-Börse (gebrauchtfahrzeug.direktvertrieb.mercedes-benz.de) im Internet angestoßen hatte.

Ich war, ehrlich gesagt, ganz schön skeptisch, ob denn jemand wirklich per Internet ein Auto ordern würde, erst recht nicht eine relativ teuere schwäbische Nobelkarosse. Weit gefehlt: „Mercedes macht online inzwischen so viel Umsatz wie mit einer ihrer Niederlassungen“, behauptete Dietz.

Solche messbaren Erfolgsstories sind natürlich auch gut für sein Geschäft: „Wir sind gestärkt aus der Internet-Krise hervorgegangen, weil wir nicht nur Visionen verkauft haben, sondern Qualität und Kostenvorteile.“ Schwäbische Tugenden, von denen sich andere Internet-Dienstleister ruhig mal eine Scheibe abschneiden könne.

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