Ich blogge, also bin ich

Coleblog_Statistik

Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast. So heißt es jedenfalls. Die Statistik meines Blogs wird von WordPress erstellt, und ich neige dazu, ihr trotzdem zu glauben, auch wenn ich nichts daran habe drehen können.

Mir fallen gleich zwei Phänomene auf. Erstens der sehr schöne Zuwachs der letzten Jahre. Zwischen 2014 und 2015 ist die Zahl der Besucher von knapp 18.000 auf 23.668 angestiegen, also um fast 30 Prozent. Die Zahl der aufgerufenen Seiten ist sogar noch stärker gestiegen, nämlich um 38 Prozent von 28.975 auf 40.019. Das sind übern Daumen so 2.000 Leser pro Monat. Okay, BILD oder Stern ist das nicht, aber es gibt sehr angesehene wissenschaftliche Journale, die mit einer solchen Auflage gut leben können. Außerdem sage ich mir: Es kommt nicht darauf an, möglichst viele zu erreichen, sondern die Richtigen!

Am Interessantesten finde ich aber die deutliche Verschiebung der Lesedauer über Zeit. 2012  haben sich nur 1.053 Besucher auf meine Homepage verirrt, aber sie haben im Durchschnitt 28,6 Seiten aufgerufen. Die Trendwende kam 2013, wo zwar deutlich mehr (14.530) Menschen zur Seite gelangt sind, aber jeder von ihnen hat im Schnitt nur 1,61 Seiten aufgerufen! Inzwischen schauen sich die Besucher durchschnittlich 1,69 Seiten an, die Frequenz bleib also in den letzten Jahren konstant.

Viele Fragen ergeben sich daraus: Haben die Blogbesucher sich früher mehr Zeit gelassen, sich ausführlich reinzulesen? Ist das alles die Folge der digitalen Beschleunigung, die dem Menschen weniger Zeit lässt zum genüßlichen Verweilen? Oder haben sich die Beiträge, die ich geschrieben habe, vielleicht verändert? Sind sie schneller konsumierbar, leichter geschrieben, vielleicht weniger unterhaltsam, aber dafür informativer? Oder wissen die Leute inzwischen, was sie bei mir zu erwarten haben?

Bloggen ist brotlose Kunst, heißt es immer wieder. Und tatsächlich kann ich mir für diese Zahlen gar nichts kaufen. Wenn ab und zu ein potenzieller Auftraggeber vorbeibrowst, der mich später als Keynote Speaker bucht, dann war’s das auch schon. Ich schreibe aber weiter, denn ich lebe seit 20 Jahren nach dem Motto: „Ich blogge, also bin ich.“ Ich habe Spaß daran, und als altgedienter Journalist liegt mir das Schreiben eben im Blut.

Ich würde vermutlich weiterbloggen, wenn gar keiner lesen würde. Dann wäre der Blog zurückgekehrt zu seinem Ursprung als „Online-Tagebuch“. Das muss ich aber zum Glück nicht. Allen treuen Lesern vielen Dank. Und allen, die nur kurz reingeschaut haben: Sie sind hier jederzeit herzlich willkommen!

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