Jeeves lebt!

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Dass ich das noch erleben durfte: Nach 40 Jahren feiert Jeeves, der Butler aller Butler, Auferstehung. Bertie Wooster kommt doch noch unter die Haube. Und alle Fans von PG Wodehouse (alias: Sir Pelham Grenville Wodehouse) können sich auf ein neues Landhaus-Abenteuer freuen zwischen Cocktailshakern und Gurkensandwichs, Rasentennis und Cricketfeld. Der gute alte Zweisitzer setzt sich wieder in Bewegung, und wir dürfen Wiedersehen feiern mit Tante Agatha, Harold „Stinker“ Pinker, Madeline Basset, Claude „Catsmeat“ Potter-Pirbright und vielen anderen unvergänglichen Figuren aus den insgesamt 11 bisherigen Jeeves-Romanen.

Nein, Wodehouse ist nicht von den Toten auferstanden und hat sich an die alte mechanische Schreibmaschine gesetzt. Und es ist auch kein unveröffentlichtes Manuskript beim Ausmisten seines Dachstuhls aufgetaucht. Statt dessen hat sich ein Brite namens Sebastian Faulks hingesetzt und versucht, das eigentlich Unmögliche möglich zu machen, nämlich ein Buch zu schreiben, das so genau den unverwechselbaren Tonfall des Meisters trifft, als wäre es wirklich ein Stück vom ihm.

Dass ist ihm so wunderbar gelungen, dass selbst die Nachfahren von Wodehouse dem Imitat ihren Segen gegeben und der Veröffentlichung zugestimmt haben. Wahrscheinlich weil sie sich gesagt haben, dass es auf der Welt inzwischen ja mindestens eine ganze Generation gibt, die nicht über Bounding Bertie gelacht haben, die nie mit Lord Emsworth durch den Park von Blanding Castle gewandert sind oder mit ihm einen ehrfurchtsvollen Blick auf das Preisschwein Empress of Blandings geworfen haben, die weder Ukridge, Psmith noch Mr. Mulliner kennen, auch nicht den unverwüstlichen Earl of Ickham (besser bekannt als Uncle Fred) oder den Oldest Member. All diesen Menschen, so werden sich die Erben gesagt haben, könnte man ja die mehr als 90 Romane und über 300 Kurzgeschichten aus dem Nachlaß on Opa Wodehouse verkaufen und ihnen damit etwas Sweetnes und Light in ihr Leben bringen.

Wenn Sie sich jetzt fragen: Von was brabbelt dieser Cole hier, dann sage ich Ihnen: In Ihrem Leben klafft ein riesiges Loch. Wer noch nie „The Mating Season“ oder „Right Ho, Jeeves“ gelesen hat, dem steht ein literarischer Festschmaus bevor. Machen Sie sich darauf gefasst, plötzlich mitten im Lesen laut loszuprusten über irgendeine irrwitzig komische Verwechslung oder Sprachgag, wie ihn bisher nur ein Wodehouse hinbekommen hat. „Jeeves and the Wedding Bells“ ist, wie alle echten Wodehouse-Romane, eine leichte Musikkomödie aus den 20ern, nur ohne Musik. Was klar wird wenn man weiß, dass Wodehouse eigentlich Broadway-Texter war und die Bücher sozusagen in den Probenpausen aus dem Ärmel geschüttelt hat.

Ja, ich weiß: Den als Hommage an PG Wodehouse gedachten Romanband gibt es nur auf Englisch (bei Arrow Books), und ob sich ein deutscher Verleger findet, der genügend Sinn für urbritischen Humor sowie die nötige Portion literarischen Wagemuts mitbringt, sich an einer deutschen Übersetzung eines Plagiats eines Autoren zu wagen, der seit 40 Jahren tot ist, mag man angesichts der Hasenfüssigkeit, die sich in den letzten Jahren in der deutschen Verlegerbranche ausgebreitet hat, eher bezweifeln. Es wäre aber Jammerschade. Und für uns, die wir Wodehouse ohnehin lieber im Original genießen, kann es im Grunde wurscht sein.

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