| Chianti si, libro no! |
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| Mittwoch, 13. Januar 2010 | ||||||
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Frank Heumann ist ein netter Mensch. Ein belesener noch dazu. Ein Weinkenner par excellence. Und demnächst vielleicht auch arbeitslos. Das ist jammerschade für ihn, aber noch mehr für die Menschen in München, die gerne vor dem Alltag in die kleine Gasse neben dem Alten Rathaus geflüchtet sind, wo in einem verwinkelten Ladengeschäft die Zeit still gestanden zu sein schien. “Dichtung & Wahrheit” heißt die Mischung aus Buchladen und Weinhandlung. Noch, jedenfalls. Der literarische Ableger des großen “Kaufhaus Beck am Rathauseck” war eine ganz eigene Welt. Wo sonst konnte man einen Chianti Classico “Riserva Rancia” von Felsina kosten, dazu Grissini mit Parmaschinken genießen und im neuesten Bestseller schmökern? Seit 1993 existiert dieses “Kultur-Kleinod”, wie die “Süddeutsche” heute schreibt. Ab Juli ist es damit leider aus, womit dem Thema “Buchladen-Sterben” (siehe Czyslansky: “Wo sind die Buchläden geblieben?“) ein neues, schmerzhaftes Kapitel hinzugefüht wird. Das Buchgeschäft rentiere sich leider nicht mehr, der Laden soll als reine Weinhandlung fortgeführt werden, sagte Beck-Vorstand Dieter Münch, dem das alles “ein Stück weh” tue, aber man könne nicht “Themen, die einem näher sind, weiter streicheln”, obwohl sie nur Miese machen.
Bei “Dichtung & Wahrheit” haben denkwürdige Autorenlesungen stattgefunden, zum Beispiel Jan Weiler (”Maria, ihm schmeckt’s nicht”), Friedrich Ani (die “Tabor Süden”-Krimis), Carl Weissner (die Bukowski-Briefsammlung “Schreie vom Balkon”), Robert Hültner (“Das schlafende Grab”), Bernhard Jaumann (“Hörsturz”) oder María Cecilia Barbetta (”Änderungsschneiderei Los Milagros”).Auch ich muss ein ganz persönliches Faible für “Dichtung & Wahrheit” gestehen, seitdem mein erstes “ernsthafte” Buch, “Erfolgsfaktor Internet”, 1999 bei Econ erschienen, in den engen Altstadträumen sozusagen das erste Licht der Welt erblickte. Mein langjähriger Kollege Günter Ogger (”Nieten in Nadelstreifen”) hielt damals die Laudatio, es war brechend voll, Frank Heumann schenkte Felsina aus und keiner fühlte sich digital überfordert. Klar, das Internet steckte damals ja auch noch in den Kinderschuehen. Eigentlich hatte ich vor, im März mein neues Buch, “Unternehmen 2020 - das Internet war erst der Anfang”, wieder bei Dichtung & Wahrheit zu präsentieren. Ob daraus noch etwas wird? Ob es dann noch so wäre wie damals - oder ob es nur Grabesstimmung gäbe? Vielleicht sollte man es doch lieber bei den Erinnerungen belassen.
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| Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 20. Januar 2010 ) | ||||||
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