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Kartenbetrug für Banken keine Peanuts Drucken
Dienstag, 16. März 2010
Eines der bestgehütetsten Geheimnisse der Kreditkartenbranche wurde gestern Abend ganz nebenbei auf einer Informationsveranstaltung in München gelüftet. Monika Kummer, Abteilungsleiterin Risikomanagement bei der Bayern Card-Service GmbH (eine Tochter der Bayerischen Landesbank und der Bayerischen Sparkassen) bezifferte auf einem Infroabend für Journalisten den Schaden, den Kartenbetrüger Jahr für Jahr anrichten, auf zwischen 0,2 und 0,3 Prozent vom gesamten Kartenumsatz. Dieser betrug bei BCS 2009 rund 16 Milliarden Euro. Gauner haben also rund 32 Millionen Euro erbeutet - Peanuts., könnte man meinen, jedenfalls aus Sicht der Bankenwelt.

Weit gefehlt! Die Banken verbuchen ja nur einen kleinen Teil des großen Umsatzkuchens als Provision, nämlich etwa 1,2 Prozent. Den Rest der Provisionen (zwischen 3 und 6 Prozent, je nach Kartengesellschaft und Vertragsmodell des Händlers) kassieren so gennannte Acquirer, die direkt mit dem Händler und später mit den Banken abrechnen. Im Klartext heißt das: Mindestens ein Fünftel ihres Provisionsumsatzes verlieren Banken und Sparkassen durch Kartenbetrug! Erdnüsse sehen anders aus.

 
Und als wäre das noch nicht schlimm genug, stehen die Banken unter massivem Druck der Europäischen Union, ihre Bankgebühren bei grenzüberschreitenden Kartenzahlungen, die so genannten "Interchange Fees", drastisch abzusenken. Bereits im Dezember 2007 hatte die EU-Kommission millionenschwere Gebühren von Mastercard gekippt und den Konzern unter Androhung eines Bußgeldes zur Vorlage eines neuen Gebührenmodells verdonnert. Im März 2008 war Visa an der Reihe: Die Kommission eröffnete gegen sie eine Kartelluntersuchung, an deren Ende ein saftige Bußgeld hätte stehen können.

Im April 2009 senkte schließlich Mastercard ihr Interbankenentgelt bis zur abschließenden Klärung des Streits durch den Europäischen Gerichtshof. Im Gegenzug verzichtete die Kommission einstweilen darauf, ein Verfahren gegen die Kreditkartenfirma zu eröffnen. Es dürfte jedoch klar sein, dass die Banken hier weitere Einbußen werden hinnehmen müssen. Sagen wir ein Prozent? Dann aber legen sie nach Abzug der Betrugsverluste sogar drauf beim Kartengeschäft.

Die Kreditkarte sei in Deutschland "immer noch ein Produkt der Zukunft", sagte gestern Abend Günther Tittel, Direktor des Sparkassenverbands Bayern. Schuld daran ist neben der Doppelgleisigkeit des deutschen Systems - Bankleute sprechen von der "Zweikarten-Strategie", also Girocard und Kreditkarte von ein und derselben Bank - auch die Angst der Kunden vor angeblichen oder tatsächlichen Sicherheitslücken. Dass die meisten Horrormeldungen aus den USA stammen, wird geflissentlich übersehen, ebenso wie die Tatsache, dass Deutschland den Vereinigten Staaten ausnahmesweise weit voiraus ist. Hierzulande ist die Umstellung vom altmodischen Magnetstreifen, den Hacker heute im Handumdrehen auslesen können, auf moderne Chiptechnik weitgehen vollzogen. Nur die alten Kartenlesegeräte sind noch ein Problem, da sie nach wie vor die auf dem Magnet gespeicherten Informationen verwenden. In den USA sind Chipkarten ddagegen so gut wie unbekannt.

Wenn die Banken und Sparkassen allerdings kein Mittel finden, um auch bei uns den Abfluß ihrer Gewinne durch Kartenbetrug zu stoppen, wird ein Massenmarkt für Kreditkarten in Deutschland wohl noch eine Weile Zukunftsmusik bleiben.Dagegen haben Firmen wie BCS allerdings noch ein paar Pfeile im Köcher.

So erzählte Monika Kummer ganz und gar unbekümmert, dass ihre Organisation an einem System arbeite, das jeden Kartenbesitzer automatisch per SMS benachrichten wird, sobald er eine Zahlung in einer bestimmten Höhe getätigt haben soll. "Wenn es nicht stimmt, kann er sofort Einspruch einlegen", sagte sie. Auf ein konkretes Einführungsdatum wollte sie sich allerdings noch nicht festlegen lassen.

Noch weiter geht ein Vorschlag der BCS, Zahlungen aus Risikoländern für einzelne Kunden ganz zu sperren, und zwar auf der Grundlage des índividuellen Zahlungsverhaltens. Der Kartenbesitzer soll selbst festlegen können, aus welchen Ländern die Kartengesellschaft Zahlungen akzeptieren soll und aus wlechen nicht. Wenn er nie im Leben vorhat, Kasachstan zu besuchen, dann können Belastungen, die aus diesem Land stammen ja eigentlich nur von Borat oder einem seiner Spießgesellen verursacht worden sind...

Angesichts der drohenden Kostenlawine durch steigenden Kartenbetrug wird klar, warum die Banken und Sparkassen diesem Thema einen so hohen Stellenwert einräumen. Wer macht schon gerne Geschäfte, bei denen er drauflegen muss?

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Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 17. März 2010 )
 
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