| Die Schirrmacher-Story, oder: Von der Irrelevanz des Bloggens |
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| Donnerstag, 4. März 2010 | |
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Wir Blogger müssen uns langsam echt die Frage stellen, ob wir relevant sind. Diese Frage drängte sich mir auf, als ich einen Beitrag von Florian Ranner auf dem von mir sehr geschätzten Blog "grenzposten.de " las, der sich mit meinem Zwist mit Frank ("mein Kopf kommt nicht mehr mit") Schirrmacher befasste, dem ich ja vorwerfe, in seinem diversen Büchern und Zeitschriften eine an nationalsozialistische Propaganda erinnernde Argumentationsweise zu verwenden. Notabene: Ich sage nicht, Schirrmacher sei ein Nazi. Ich sage nur, er verwendet die gleichen Techniken, die Nazi-Propagandamacher (und nicht nur die) in der Vergangenheit verwendet haben, nämlich: grobe Vereinfachung (Schwarzweiß-Malerei), fahrlässiger Umgang mit Fakten und Zitaten (wir Journalisten sagen dazu augenzwinkernde "Fakten schönen") und vor allem: Angstmacherei. Die in der Regel in der Ich- oder Wir-Form geschriebenen Bücher und Artikel Schirrmachers enthalten zahllose Beispiele dieser populistischen Emotionalisierung. Schirrmacher stellt den Menschen als machtlos der Maschine gegenüber:
Gerade durch diese Art der Emotionalisierung gelingt es Schirrmacher gemeinsam mit dem Leser, das Feindbild „Informationszeitalter“ zu zeichnen und den Leser auf „seine Linie“ zu bringen. Schuld sind die Algorithmen - und damit in extensio diejenigen, die diese Algroithmen schreiben oder schreiben lassen. Fertig ist das Feindbild: So schnell geht das. Feindbilder sind aber ein klassisches Mittel totalitärer Meinungsmanipulation und Propaganda. Der Historiker Wolfgang Benz, der das Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin leitet, und der auch Herausgeber der „Dachauer Hefte“ ist, schrieb in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 04.01.2010: „Bausteine des Feindbilds sind Verallgemeinerung und Reduktion von wirklichen oder vermeintlichen Sachverhalten auf Negativa. Gerüchte, Unterbewusstes, Hörensagen, literarische und volkstümliche Überlieferung erheben sich zu ‚Tatsachen’ – die jedoch nur vom Glauben leben.“ Besser kann man das „System Schirrmacher“ nicht beschreiben. Die Argumentationsmuster Angstmacherei/Emotionalisierung, Vereinfachung und Desinformation/Verwirrung ziehen sich auch durch die Veröffentlichungen Frank Schirrmachers wie ein roter Faden, zum Beispiel in „Methusalem-Komplott“ und „Minimum“.
Das alles ist doch eine Story! Meine Journalisten-Nase sagt mir: Eigentlich müssten die Medien auf Frank Schirrmacher längst einprügeln. Jedenfalls dann, wenn sie ihre Arbeit gemacht und die unhaltbaren Behauptungen und populistischen Angstmacher-Thesen dieses „Boulevardjournalisten unter den Philosophen“ (so Andrian Kreye in der „Süddeutschen“) auf eine Weise unter die Lupe genommen hätten, wie es ihrem Selbstverständnis als „Qualitätsjournalisten“ entspricht. Sie tun es nicht. „Wie kann das sein? Warum wurde daraus keine Story?“, fragt Florian Ranner mit Recht. Und weiter:
Richtige Fragen, auf die der Blogger keine echte Antwort findet. Nur so viel: „Vielleicht aber haben all die Kommunikationswissenschaftler den wichtigsten aller Nachrichtenfaktoren nicht berücksichtigt. Den Zufall. Ich für meinen Teil bin immer noch fassungslos, dass das keine Story geworden ist.“ Ich bin es auch, zumal die Richter am Landgericht Hamburg soeben ihre Entscheidung, mir einen Satz, mit dem ich den Vergleich Schirrmachers mit den Propagandamachern des schlimmsten Kapitals der deutschen Geschichte wage, zu verbieten, gerade bestätigt haben. Im Klartext: Schirrmacher hat gegen mich eine Einstweilige Verfügung erwirkt. Ich habe dagegen Einspruch erhoben, die gleichen Richter, die die EV erlassen haben, haben sich geweigert, diese zurück zu nehmen. Es wird also eine weitere völlig überflüssige Runde vor dem Oberlandesgericht Hamburg geben, ein paar Anwälte werden reicher werden, der Rechtsfindung und der geschichtlichen Aufarbeitung der Propagandamacherei wird vielleicht gedient, aber sonst niemandem. Und Frank Schirrmacher wird weiterhin Bücher schreiben, Kritiker desavouieren und Gegner bis an die Grenze des Rufmords verfolgen dürfen. Im deutschen Blätterwald wird Schweigen herrschen. Und auf diesen und ähnlichen Blog-Einträgen werden eine Handvoll Kommentare kommen. Oder, wie Florian Ranner sagt: „Das ist doch ein Hammer, oder? Aber der noch viel größere Hammer ist, dass es offensichtlich kein Hammer ist, denn die Story wurde keine.“ |
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| Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 4. März 2010 ) |
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