| Grüner geht nimmer |
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| Freitag, 31. Oktober 2008 | |
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Die Modefarbe der Saison in der Computerbranche ist grün. Das geht inzwischen so weit, dass man glauben möchte, es gäbe für die Hersteller und Händlervon gar kein anderes Thema als „Green IT“. Vor etwa einem Jahr ist die Computerbranche kollektiv überrascht worden von einer erstaunlichen Erkenntnis: Computer verbrauchen Strom! Wer hätte das gedacht? Sie verbrauchen sogar sehr viel Strom. Ein durchschnittlicher PC verursacht Stromkosten von fast 200 Euro im Jahr, wie das Fachblatt „Chip“ errechnet hat. Ein Server mit supermoderner „Blade“-Techniologie wird so heiß wie eine Herdplatte und muss deshalb mühsam abgekühlt werden, damit er nicht in Rauch aufgeht. Überhaupt geben Rechenzentren heute mindestens genauso viel Geld für Kühlsysteme aus wie für den Betriebsstrom der dort aufgestellten Rechner. Laut Gartner hat die IT inzwischen die zivile Luftfahrt als drittgrößter Verursacher von Klimagasen wie CO2 abgelöst. Und alle, alle sind ganz erstaunt. Wer könnte schon in dem still vor sich hin surrenden PC unterm Schreibtisch einen Klimakiller vermuten? Aber heute ist das natürlich ganz anders. Es grünt so grün in der Computerbranche, dass es kaum noch zum Aushalten ist. Auf der letzten CeBIT war Green IT das Thema Nummer eins. Ich bin mal auf 2009 gespannt – ob man überhaupt noch über etwas anderes reden wird? In Großbritannien fand gerade die erste Fachmesse ausschließlich zu diesem Thema statt, die „Green IT UK“. Vielleicht sollte man nächstes Jahr in Hannover das Messegelände vorsichtshalber grün anstreichen. Aber was passiert denn wirklich? Ich habe eine absolut nichtrepräsentative Umfrage gemacht unter einigen Freunden und Kollegen, und das Ergebnis ist: nichts! Fünf der sechs Befragten lassen ihre PCs, Drucker und Faxgeräte Tag und Nacht laufen. „Ich habe mal gehört, dem Computer tut es nicht gut, wenn man ihn ausschaltet. Die Festplatte kriegt irgendwie einen Schlag“, sagte Helmut, ein PR-Mann. Michael lässt sein Laptop daheim die ganze Nacht über laufen, weil er da die besten Ideen hat; wenn er nicht schlafen kann, steht er auf, geht ins Arbeitszimmer und schreibt sie auf. „Wenn ich erst den Rechner hochfahren müsste, wäre alles wieder weg“, meint er. Na ja, im Alter lässt das Kurzzeitgedächtnis bekanntlich nach… Nur mein Freund Fritz, ein echter Schwabe durch und durch, geht abends in seinem Laden durch die Räume und schaut nach, ob alle ihre Kisten brav ausgeschaltet haben oder nicht. „Ich puste doch nicht Geld zum Schornstein raus“, sagt er. Mit Umweltschutz hat das bei ihm nichts zu tun sondern mit Geiz. Wenn Sie mich fragen ist das auch bei allen anderen so, die jetzt auf den grünen IT-Zug aufspringen. Denn komischerweise musste Erdöl erst auf 100 Dollar pro Barrel steigen, bevor die Computerindustrie endlich aufwachte und etwas tat. Das heißt: Besonders viel hat sie ja nicht getan, abgesehen von der Ankündigung von energiearmen Chips und leistungsfähigeren Batterien. Dafür haben sie den Schwarzen Peter gleich weitergereicht an den User. Die sollten umweltbewußter handeln und die Computer abends ausschalten, am besten gleich mit Hilfe von schaltbaren Steckerleisten, damit auch gleich die ganzen Zusatzgeräte mit vom Netz genommen werden. Der einzige Hersteller, der das Problem wirklich an der Wurzel gepackt hat, ist der Laptophersteller Quanta aus Taiwan. Der hat für das Entwicklungshilfeprojekt „One Laptop per Child“ des MIT-Gurus Nicholas Negroponte einen schicken kleinen Computer mit Handkurbel entwickelt, so wie früher Fords T-Modell. Eine Minute Kurbeln erzeugt angeblich Strom für 30 Minuten. Und das Schönste ist: Die Kiste ist wirklich durch und durch grün – das Gehäuse besteht nämlich aus grünlichem Plastik... |
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