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Internet auf der Waage Drucken
Dienstag, 23. Februar 2010
Seit vielen Jahren erzähle ich in meinen Vorträgen die Geschichte vom Internet-Kühlschrank und der Personenwaage. Ich mag die Geschichte so sehr, dass ich sie sogar an den Anfang meines neuen Buchs („Unternehmen 2020 – das Internet war erst der Anfang“) gestellt habe, das im März im Verlag Carl Hanser erscheint. Die Geschichte stammt nicht von mir, sondern von Vinton Cerf, dem Miterfinder des TCP/IP-Protokolls und damit einer der geistigen Väter des Internets. Er hat sie mir mal auf der CeBIT erzählt, um seine These zu illustrieren, nämlich dass Vernetzung zwangsläufig zu Veränderung führt.

„Stell dir einen Internet-Kühlschrank vor“, sagte er mir und strich sich über seinen weißen, etwas altväterlichen Ziegenbart. „Du kannst den Kühlschrank so programmieren, dass er erkennt, ob etwas fehlt, und er kann’s übers Internet beim Supermarkt bestellen. Wenn der Laden einen Lieferservice hat, könnte man es dir theoretisch tagsüber in den Kühlschrank stellen, und wenn du abends heimkommst ist alles da, was du haben willst.“ Dann lud er mich ein, mir eine Personenwaage vorzustellen, die ebenfalls über einen Internet-Anschluss verfügt. „Aber was ist, wenn sich die beiden sich in Verbindung setzen und sich über dich austauschen? Was glaubst du, was passiert? Keine Ahnung, vielleicht findest du irgendwann nur noch Diätkost im Kühlschrank, oder du kriegst die Kühlschranktür ein paar Tage nicht mehr auf, bis du abgenommen hast. Auf jeden Fall wird es nicht mehr so sein wie früher.“

Jeder, der aufmerksam verfolgt hat, was sich in den letzten zehn bis 15 Jahren alles geändert hat, seitdem das Internet ein Teil unseres Geschäftsalltags geworden ist, kann sehr gut nachvollziehen, was Cerf damit meinte. Überall, wo vernetzte Systeme in den Unternehmen arbeiten, ist tatsächlich kaum etwas so wie früher. Kleine und mittlere Firmen können Handelswaren oder Halbfertigteile „just in time“ bestellen und sparen sich die ganzen Lagerkosten – etwas, das sich früher nur ganz große Konzerne, zum Beispiel die Automobilhersteller, leisten konnten. Geschäftsbriefe, Mahnungen, Rechnungen oder Amtsbescheide  erreichen in Sekundenschnelle den Empfänger statt wie früher tagelang in der Post rumzuhängen. Der Personalchef schaut sich potenzielle Bewerber online an, Marketingchefs schreiben Blogs oder Twittern auf Teufel komm‘ raus, Außendienstmitarbeiter schauen beim Kundengespräch per Laptop direkt in der Warenwirtschaft nach und tragen die Bestellungen ihrer Kunden selbst ins Bestellsystem ein. Und der Konsument erst! Er kauft per Mausklick in E-Shops, tauscht seine Erfahrungen über Produkte und Hersteller inOnline-Communities mit anderen aus und lässt die Anbieter immer mehr nach seiner der Pfeife tanzen.

In alledem hatte Vinton Cerf ja Recht, denn er ist ein weiser und vorausschauender Mann. Nur in einem hat er sich geirrt: Die Badezimmerwaage mit Internetanschluss gab es nicht. Damals jedenfalls noch nicht. Aber selbst s hat sich geändert: Neulich brachte die kleine französische Firma WiThings für 129 Euro eine Personenwaage auf den Markt, die sich drahtlos mit dem Internet verbinden lässt. Der formschöne Flachmann schickt dann einen ganzen Wust an Daten an den Computer seines Besitzers: Nicht nur Gewicht, sondern auch Dinge wie „Body Mass Index“ sowie Angaben über Körperfett und „fettfreie Masse“ (was das auch immer sein mag; klingt irgendwie unappetitlich…). Für Menschen, die Apples „iPhone“ in der Tasche herumtragen, gibt es sogar eine eigene „App“, die ganz persönliche Tipps zum Abnehmen gibt. Die Waage kann sogar twittern! Auf Wunsch schickt es eine Kurznachricht an alle Freunde und Bekannte, sobald sein  Eigentümer abgenommen hat.

Ich finde das natürlich toll – auch wenn es für mich bedeutet, dass ich mir für meine Vorträge eine neue Geschichte ausdenken muss. Aber so ist das nun mal: Das Internet verändert eben wirklich alles…

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Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 23. Februar 2010 )
 
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