| Mein einziger Zeuge |
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| Sonntag, 7. März 2010 | ||||||
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Ich war letzte Woche in Hamburg beim Landgericht. Eigentlich hätte ich mir die Reise sparen können, denn ich habe diese Runde 0:1 verloren. Es hat sich aber trotzdem gelohnt, denn ich habe dadurch Rolf Schälike kennengelernt. Nochmal kurz zum Prozess: Es ging um eine Einstweiligen Verfügung, die Frank Schirrmacher gegen mich erwirkt hat wegen eines Zitates, das u.a. auf czyslansky.net erschien und in dem ich behauptet habe, seine in seinen Büchern und Artikeln verwendeten Methoden erinnerten mich an die großer Propagandamacher der deutschen Geschichte und insbesondere an die Instrumentalisierung der Juden während der Machtergreifung 1933. Schirrmacher fühlt sich dadurch von mir geschmäht, ich hätte ihn damit sittlich auf eine Stufe mit den Antisemiten gestellt, und die Richter der Pressekammer des Landgerichts sehen das auch so. Mein Anwalt. Prof. Gero Himmelsbach von der Kanzlei Romatka & Collegen in München will erst noch die Urteilsbegründung abwarten, und dann entscheiden wir, ob wir vors Oberlandesgericht ziehen. Aber das ist jetzt nicht so wichtig. Wichtig war der unscheinbare Mann mit den schütteren grauen Haaren und dem grauen Anzug, der als Zuhörer in der Ecke saß und fleißig mitschrieb. Ich habe ihn nicht weiter beachtet, mich interessierte viel mehr das Reporterteam der BILD-Zeitung, die mit Fotografen angereist waren. Der Tipp sei "aus Berlin" gekommen, sagten sie mir. Dass Schirrmacher und BILD-Chef Kai Dieckman dicke Freunde sind, ist bekannt. Ein Schelm, wer böses dabei denkt... Jedenfalls habe ich Rolf Schälike glatt übersehen, und darüber ärgere ich mich sehr. Denn Schädike ist der Erfinder von "buskeismus.de", ein Blog, das sich mit der unter Juristen bekannten Tendenz gewisser Hamburger Richter auseinandersetzt, im Zweifel gegen die Meinungsfreiheit zu urteilen. Der Name leitet sich ab vom Vorsitzenden Richter Andreas Buske, und die Kammer nennt Schälike seit Jahren die "Zensurkammer". Das wusste ich - ich wusste nur nicht, wie Rolf Schälike aussieht, was angesichts seiner vermutlich bewusst gepflegten Unscheinbarkeit vielleicht verzeihlich ist. Umso erstaunter war ich, als gestern unter einem Beitrag, den ich auf meiner privaten Homepage, www.cole.de, geschrieben hatte, auf einmal ein kleiner Kommentar auftauchte, unter dem der Name "Rolf Schälike" stand. Ich habe ihm sofort eine Mail geschrieben, und bekam tags darauf eine ellenlange Antwort, die hier ganz wiederzugeben den Rahmen sprengen würde, aus der ich aber gerne folgendes zitieren will:
Angehängt war ein Artikel aus der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" von 28. Juni 2009, in dem es unter der Überschrift "Der einzige Zeuge" um den Menschen Rolf Schälike ging und um seine Mission. Er sei der "Kammergeist", schreibt Autor Birger Menke, und beschreibt die "regelrechte Furcht von Anwälten, ins Visier von Schälike zu geraten". O-Ton FAS:
Auch mein Fall ist also jetzt zumindest "pseudoöffentlich" (hier der Link zu seinem Gerichtsprotokoll). Er habe das getan, weil "es nicht einfach ist, den gewöhnlichen Faschismus konkret mit Namensnnennung und Denk- sowie Verhaltensweisen in Deutschland zu thematisieren", schreibt Schälike. "Damit ist für mich das Ganze mit dem Faschsmus- und Nazivergleich ein sehr politisches Thema. Die wissensachaftlichen und publizistischen Untersuchungen geraten an die Grenzen politischer Interessen (Manipulation und Wählerstimmen). Na ja..." Herr Schädike hat mich gebeten, ihm die Einstweilige Verfügung zu schicken, die das Hamburger Landgericht gegen mich erwirkt hat. Er möchte es veröffentlichen, denn das darf er. Rolf Schälike sei der "Michael Kohlhas der deutschen Juristerei", sein Einsatz "so bewundernswert wie sein aufklärerisches Motiv", schrieb die FAS. Wolf Biermann, für den sich der junge Rolf Schälike - aufmüpfiger Sohn strammer DDR-Kommunisten und selbst kurzzeitig bis zu seinem Rausschmiß SED-Mitglied - nannte ihn 2001, als man ihm den Georg-Büchner-Preis verlieh, in seiner Dankesrede einen "Schluck Wahrheit in den Wüsten der Lüge". Ob Herr Schirrmacher, der als Journalist selbst die "Zensurkammer" gegen einen Berufskollegen wie mich angerufen hat, das auch so sehen würde, wage ich zu bezweifeln. Aber er arbeitet ja für eine andere Zeitung. Die erscheint nur unter der Woche. Am Sonntag darf bei der Frankfurter Allgemeinen dann die Wahrheit raus... Aber eigentlich müßte ich ja Schirrmacher dankbar sein, denn durch ihn habe ich wenigstens einen flüchtigen Blick auf Rolf Schälike werfen dürfen.
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| Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 7. März 2010 ) | ||||||
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