| Quelle: Die IT war nicht schuld |
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| Freitag, 23. Oktober 2009 | ||||||
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Nicht nur der Erfolg, auch eine Pleite hat meist viele Väter.
Seit dem spektakulären Zusammenbruchs von Quelle, dem ältesten klassischen Versandunternehmen in Deutschland, ist die Legendenbildung in vollem Gange. Es gibt eine Reihe mehr oder weniger abenteuerlicher Erklärungsversuche, darunter auch diese: Schuld war die Unternehmens-IT! Durch eine offenbar gezielte Reihe von Indiskretionen aus der Konzernspitze wurde in einigen Medien der Eindruck erweckt, Fehlsichtigkeit und falsche Investitionsschwerpunkte hätten dazu geführt, dass die IT völlig überlastet und deshalb unfähig gewesen wäre, ihre eigentliche Aufgabe zu erfüllen, die Kernprozesse des Unternehmens richtig zu unterstützen. Obwohl die Online-Nachfrage auch bei Quelle nach der Jahrtausendwende sprunghaft anwuchs, habe sich die IT weiterhin hauptsächlich auf den gedruckten Katalog und die dahinter liegenden Prozesse wie Einkauf, Lagerhaltung, Rechnungswesen, Marketing und natürlich auf die eigentliche Versandlogistik konzentriert, und zwar zu Lasten der Online-Partner, die man zwar sehr schnell habe einbinden können, deren Bedürfnisse aber vom Rechnungswesen und Warenwirtschaft nie wirklich befriedigend erfüllt worden seien. Außerdem sei die IT mit dem Ein- und Ausbuchen einer angeblich immer höhere Zahl von Retouren überfordert gewesen. Gerade Online-Kunden, so die Legende, hätten oft blind drauflos bestellt und das meiste einfach wieder zurück geschickt, was die überlastete IT zu teuren Zwischenschritte gezwungen und die Handhabung von Retouren unrentabel gemacht habe. „Alles Quatsch!“, sagt Patrick Palombo. Der smarte Deutsch-Franzose hat bereits Mitte der 80er Jahren als Direktor Neue Medien bei Quelle die Weichen in Richtung Zukunft gestellt und später als Geschäftsführer Multichannel von Obi@Otto, einer Tochter des Quelle-Wettbewerbers Otto Versand, die Entwicklung bei seinem ehemaligen Arbeitgeber aufmerksam verfolgt. Palombo, der heute in Düsseldorf die Beratungsgesellschaft Handels-, eCommerce- Consulting & Interimsmanagement führt, ist sich sogar sicher: „Quelle hat als erster überhaupt erkannt, wohin die Reise im Internet-Zeitalter geht und entsprechende Weichen gestellt.“ Die IT habe es verstanden, die neuen digitalen Verkaufsstellen eng mit den so genannten Legacy-Systemen des Stammgeschäfts zu verknüpfen. „Ab dem Moment, wo der Kunde auf den Knopf geklickt und seine Bestellung abgeschickt hat, war alles komplett miteinander verknüpft, da lief alles reibungslos.“ Und auch die Mär von den heiklen Online-Verbrauchern, die häufiger die Ware zurückschicken, hält Palombo schlicht für „bullshit!“ In Wirklichkeit liege die Retourenquote der Online-Käufer, die sich gerade durch das Internet vor dem Kauf Transparenz verschaffen, gerade bei Textilien gleich auf oder sogar niedriger als bei den klassischen Katalogkunden. „Bei Quelle ist vieles falsch gemacht worden, aber gerade in der IT eben nicht!“, davon ist Palombo überzeugt. Wenn es überhaupt eine Verbindung gibt zwischen Fehlern in der IT und dem Niedergang des Fürther Traditionsunternehmens, dann sei dies der fehlsichtigen Managemententscheidung des Teams um die wechselnden Quelle-Chefs festzumachen, die Unternehmens-IT im Jahr 2000,auf dem Höhepunkt des Dotcom-Booms, in ein eigenes Unternehmen, die Itellium Systems & Services GmbH, auszugliedern und als eigenständiges Profit-Center weiter zu führen. Ein Jahr zuvor war Quelle mit Karstadt fusioniert. Damit folgte Quelle zwar dem Beispiel vieler Großkonzerne wie die Deutsche Telekom, Daimler oder Siemens, die zu diesem Zeitpunkt allerdings alle schon wieder dabei waren, die IT wieder in ihre Unternehmen einzugliedern. Das Problem war nämlich, dass Quelle nach der Ausgliederung bei den ehemaligen Kollegen von Itellium nur noch ein Kunde unter vielen war und gezwungen, sich mit Änderungswünschen oder Entwicklungsaufträgen in die Warteschlange der anderen einzureihen. Tatsächlich führte die Entfernung vom Kerngeschäft mit der Zeit zu Staus in der IT-Erneuerung, die sicher nicht die Ursache, wohl aber ein Faktor beim Niedergang des Stammhauses war. Im Übrigen wurde auch die Itellium vom Sog des sinkenden Großdampfers erfasst: Am 1. September 2009 musste Geschäftsführer Dr. Jörg Rösner auch für Itellium den Insolvenzantrag stellen, rund 650 ITler sitzen seither auf der Straße – „völlig unverdient“, wie Patrick Palombo meint, „denn die haben ihren Job ja eigentlich richtig gemacht. Wenn einer nach Ursachen für die Quelle-Pleite sucht, dann muss er woanders nachschauen – zum Beispiel in den Chefetagen, nicht nur bei Quelle, sondern bei Primondo und Arcandor, da dies ein Konzernbeschluss war.“
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