| Rettet die Bäume - lest E-Bücher! |
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| Mittwoch, 25. November 2009 | |
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Was gibt es Schöneres als unter einem Baum zu liegen und genüßlich in einem elektronischen Buch zu blättern? Bäume sind schön, sie spenden Schatten und erneuern unsere Luft. Man kann auch Papier aus ihnen machen und sie bedrucken, und davon lebt beispielsweise die Buchbranche seit Jahrhunderten. Doch da findet gerade ein Umdenken statt: Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse waren elektronische Bücher der große Renner. Kaum ein Stand auf dem kein „eBook“ angepriesen wurde, allerorten sah man die entsprechenden Lesegeräte, die tatsächlich aussehen wie etwas groß geratene Taschenbücher und die Namen tragen wie „Kindle“, was ich unglücklich finde, weil es auf Englisch so viel bedeutet wie „anzünden“, was wieder ein bisschen nach Bücherverbrennen klingt, was sehr unerfreulich wäre. Ich habe so ein Ding natürlich auch mal in die Hand genommen und darin geblättert. Das heißt: Ich habe mit dem Daumen auf einen Knopf gedrückt und gewartet, bis das Gerät die nächste Seite aus seinem elektronischen Gedächtnis aufgerufen und dargestellt hatte. Manchmal hakte das Dinge, und ich habe vor lauter Ungeduld nochmal gedrückt, aber da war ich dann schon eine Seite zu weit und musste zurückblättern. Das passiert mir bei richtigen Büchern manchmal auch, aber aus irgendwelchen Gründen störte es mich bei dem E-Buch ganz gewaltig. Das geht aber nicht nur mir so. Stephan Fink, ein ausgefuchster, aber sehr sympathischer PR-Mann, hat kürzlich auf Twitter seinem Ärger auf weniger als 140 Zeichen Luft gemacht, indem er schrieb: „Ich lese Zeitungen quer. Das geht mit dem #Kindle GAR NICHT,weil der VIEL langsamer blättert, als ich querlese.“ Ich vermute aber, dass es hier um mehr geht als nur um eine etwas langsam arbeitende Maschine. Wir lesen digitale Texte vermutlich ganz anders als gedruckte, nämlich gezielt: Google aufrufen, Suchbegriff eingeben, die relevante Seite anklicken, und sofort bin ich mittendrin in einem Thema. Wie anders ist doch beispielsweise Zeitungslesen: Da schlage ich eine Breitseite auf und lasse den Blick über eine Art Smörgåsbord an Informationsangeboten streifen. Die Headlines rufen gierig: „Lies mich, lies mich!“ Ich verweile kurz, lese einen Vorspann, springe weiter und bleibe vielleicht an einem Bildtext hängen. Ein Wissenschaftler würde wahrscheinlich von „nichtlinearem Leseverhalten“ sprechen, aber ich bin nun mal ein nichtlinearer Mensch, und ich fühle mich ganz wohl dabei. Mein Freund Ossi Urchs, der Medienphilosoph auf Offenbach, hat dafür den Begriff „Browser-Modus“ erfunden, in den er umschaltet, wenn er einen gedruckten Text liest. Das ist eigentlich witzig, denn wenn er im Internet liest, verwendet er ja wie wir alle einen Browser. Er glaubt übrigens, dass die Sitzhaltung eine Menge mit dem unterschiedlichen Leseverhalten online und offline zu tun hat: Am Computer sitzt man aufrecht und ist ganz konzentriert, beim Bücherlesen ist man meist entspannt und lehnt sich zurück. Das verändert seiner Meinung nach auch die Art, wie wir das Gelesene aufnehmen. „Mit dem Inhalt eines guten Buches gehe ich gern auf eine Reise, lasse mich von ihm faszinieren und zu eigenen Gedankenspielen verführen“, sagt Ossi. Digitale Texte liest er, wenn er etwas ganz Bestimmtes sucht: „Ich scanne sozusagen am Bildschirm die Seite nach Schlüsselwörtern ab.“ Nun, ich kann mich ja auch mit meinem eBook zurücklehnen, aber trotzdem will mein Geist dabei bis jetzt noch nicht richtig verreisen. Vielleicht sollte ich mich damit mal unter einen Baum setzen, den Wind durch die Blätter rauschen hören und mich an dem Gedanken freuen, dass ich damit wenigstens einen von ihnen vor der Papiermühle gerettet habe. |
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