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Burda bekommt das Sorgerecht für "Chip" - und das ist gut so Drucken
Freitag, 5. Oktober 2007
Es gibt Zweckehen und solche, die aus Leidenschaft geschlossen werden. Die Verbindung zwischen dem Würzburger Vogel-Verlag und der Münchner Burda-Gruppe war keines von beiden - sondern von Anfang an ein Fehlgriff. Dass die Beziehung nun beendet wurde, ist das Beste, was dem gemeinsamen Nachwuchs, der Computerzeitschrift "Chip", passieren konnte. Man darf nicht alles, was beim Scheidungstermin gesagt wird, auf die Goldwaage legen. Dr. Kurt Eckernkamp, der als Schwiegersohn von Verleger Ludwig Vogel die Würzburger Großdruckerei seit 1970 eher glücklos führt, wird mit der Aussage zitiert, die endgültige Übernahme der Chip-Anteile zu Burda sei schon beim Abschluß des Joint Venture im Jahre 2000 vereinbart worden. Nun, das sich sicher als eine Höflkichkeitslüge zu interpretieren, denn in Wahrheit wissen Insider, dass die Chemie von Anfang an nicht stimmte. Was sollte auch ein dynamisch Medienkonzern wie Burda mit einem ehemaligen Drucker wie Vogel gemeinsam haben - außer das Interesse daran, im nach wie vor verlegerisch reizvollen Segment der Computerpresse Fuß zu fassen?

Die Gelegenheit schien damals günstig: Chip war vor allem im Ausland auf Expansionskurs, angetrieben von einer schier überschäumenden Anzeigen-Konjunktur auf dem Höhepunkt des Dotcom-Wahns. Die Ernüchterung folgte noch vor dem Crash, als die Burda-Leute bei genauerem Hinsehen merkten, wie stümperhaft die alte Vogel-Truppe stellenweise ihre Auslandgeschäfte betrieben hatten. 50 Publikationen in 17 Ländern - solche Zahlen konnten sich sehen lassen. Anders als die tatsächlichen Geschäftszahlen, wie sich Vor allem in Fernost, aber auch in Südosteuropa ziemlich schnell zeigte. Das führte schnell zu gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen den beiden Partner, die die mit einem Anteilsverhältnis von 50:50 gegenseitig bald blockierten, sowie zu Verbitterung in der Arabellastrasse, wo ein Top-Manager von Burda von Zeugen mit den Worten zitiert wird: "Wir sind über den Tisch gezogen worden."

Der Ärger im Ausland überschattete jahrelang die nachweislichen Erfolge von Chip in der Heimat, wo die verbreitete Auflage laut IVW im zweiten Quartal 2007 bei 416.000 lag - und damit auf einem achtbaren zweiten Platz hinter dem schwächelnden Marktführer "ComputerBILD" (690.000). Zusamen mit seinen "Beibooten" wie "Chip Test & Kauf" schrieb das Flaggschiff dem vernehmen nach sattschwarze Zahlen.

Das Anzeigengeschäft aber blieb immer das Problem. Die alte Vogel-Truppe hatte offensichtlich keine Ahnung vom modernden Markenartikel-Geschäft, und so blieben dem gemeinsamen Objekt weitgehend nur die im Zugs des Internet-Crash stark geschrumpften Werbetöpfe der PC-Branche offen.

Das dürfte jetzt radikal anders werden. Mit einer freien Hand bei Chip werden die Profis von Burda mit Sicherheit im Markenbereich Gas geben. Damit einher wird wohl ein Facelifting gehen, wobei "Chip" immer weniger einem klassischen PC-Fachblatt und mehr einem modernen Publikumsmagazin ähneln wird, mit dem man sich im Hause Burda nun mal bestens auskennt. Ob ein Chefredakteur wie Thomas Pyzak, dem aus Burda-Sicht der Ruch anhaften dürfte, von der Vogel-Seite in die Kanzel gehievt worden zu sein, der geeignete Mann für eine solche radikale Kurskorrektur ist, wird im Hause Burda eher skeptisch kommentiert.

Klar ist jedenfalls, dass Chip in Zukunft bei Burda einen völlig anderen Stellenwert genießen wird als bisher, wo der gemeinsame Titel in dem Mediendaten der Burda-Gruppe kaum zu finden war. "Jetzt ist Chip der neue Star bei Burda", meinte ein Eingeweihter, "die geben jetzt richtig Gas." Ein solcher Auftrieb wird, davon sind Beobachter überzeugt, der gesamten an Verknöcherung leidenden PC-Zeitschriftenbranche gut tun.

Bleibt die Frage, was aus den Online-Ablegern von Chip wird. "Chip-Online" unter dem emsigen Chefredakteur Christian Riedel sowie der Handy-Portal "Xonio" stehen angeblich gut im Futter. Dennoch sei nicht, was eigentlich nahe liegt, daran gedacht, die beiden mit Burdas ebenfalls gut gehendem Internet-Auftritt "Focus-Online" zusammenzulegen. Jedenfalls behauptet Burda-Sprecher Nikolaus von Decken standhaft: "An dem gerücht ist nix dran!"

Auch das dürfte vermutlich auch so eine kleine Höflichkeitslüge sein. In Wirklichkeit dürften die Weichen n Sachen Sorgerecht auch hier schon längst gestellt sein.
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