| Voltaire würde Jyllands-Posten lesen |
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| Sonntag, 4. Februar 2007 | ||||||
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Sind die Mohammed-Cartoons in Jyllands-Posten ein mutiger Aufschrei gegen Fundamentalismus und Terror, ein Angriff auf die religiöse Toleranz oder einfach nur geschmacklos? Und bin ich bald ganz alleine?
Nachdem so ziemlich jeder eine Meinung dazu von sich gegeben hat, muss ich es wohl auch tun. Umso mehr, als ich langsam das Gefühl habe, zu einer laufend kleiner werdenen Minderheit derjenigen zu gehören, die für die Veröffentlichung sind. Geben jetzt wirklich alle vor dem Fundamentalismus klein bei? Kaum flimmern Bilder protestierender Kufiyaträger in Gaza, Djakarta und Islamabad über den Bildschirm, zerfließen die Leitartikler vor Mitgefühl. Jyllands-Posten habe schließlich ihre "religiösen Gefühle" verletzt, da ist es offenbar verständlich, wenn man mit Todesdrohungen und der bewaffneten Besetzung von EU-Büros reagiert. Es gibt, so lernen wir, ein "Toleranzgebot", das offenbar höher wiegt als das Recht auf freie Meinungsäußerung. Oder man versucht es über die Geschmacksschiene. "Meinungsfreiheit ist das eine, Blödsinn von sich zu geben das andere", blogt so ein Möchtegern-Muslimversteher auf Mediachat. Und alle nicken elektronisch. Wo, bitte, sind wir hier? Wozu haben Tausende gelitten und sich umbringen lassen, um wenigstens in ein paar westlichen Ländern das Recht auf freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit zu erkämpfen? Ein Recht, dass auch bei uns immer noch an einem seidenen Faden hängt und deshalb eigentlich Tag und Nacht verteidigt werden muss. Statt dessen rümpfen Journalisten die Nase über jene Blätter wie die "Welt" und "France Soir", die den Mut gehabt haben, aus Solidarität mit Jyllands-Posten die Karikaturen nachzudrucken. Die großtantenhafte "Times" in London entblödet sich nicht, den Nachdruckern allen Ernstes "Exhibitionismus" zu unterstellen. Meine Meinung dazu ist ganz klar: Die "Times" unterstützt aktiv den fundamentalistischen Terror. Das gilt für jeden Journalisten, der jetzt den dänischen Kollegen in den Rücken fällt - sei's aus falsch verstandenem Mitgefühl oder weil er meint, sein ästhetisches Empfinden sei gestört. Es ist ein Skandal, wenn ich ein mulmiges Gefühl haben muss, wenn ich hier ein Link auf die Originalseite mit den Cartoons setze. Weil ich mir nicht sicher sein kann, dass man mich im Zweifelsfall unterstützen wird, wenn mich ein Irrer abknallt und sich dann auf eine Religion beruft, obwohl die in Wirklichkeit die vielleicht toleranteste von allen Weltreligionen ist und ihm absolut und unmissverständlich verbietet, so etwas zu tun. Aber vor mir hat es einer viel besser zu sagen verstanden. Deshalb lasse ich den guten, alten Voltaire hier nochmal zu Wort kommen: "Ich verabscheue, was Sie sagen, aber ich werde Ihr Recht, es zu sagen, mit meinem Leben verteidigen."
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| Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 28. Februar 2008 ) | ||||||
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