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Bitte Ruhe über den Wolken! Drucken
Freitag, 18. Januar 2008
Ich schreibe diese Zeilen im Flieger, Lufthansa von München nach Frankfurt. Meine Nebensitzer lesen Zeitung, einer macht ein Nickerchen. Es ist wunderbar ruhig, und das Schönste: keiner telefoniert! In diesem Punkt ist der Verkehrsflieger die letzte wirkliche Oase der Stille. Keiner brüllt ins Handy, als ob er einen Kollegen auf einem weitentfernten Berggipfel etwas zurufen wollte. Ich muss mir nicht die Sorgen und Nöte pubertierender Pennäler anhören, nicht die Krankengeschichte von Patienten, die Geschäftsgeheimnisse großer Konzerne oder den Steuerstatus von Mandanten großer Wirtschaftsprüfungsfirmen. Also das, was man heutzutage unterwegs routinemäßig anhören muss – ob man will oder nicht.

In Deutschland wird viel über Big Brother und gläserne Verbraucher, über Telefonüberwachung und Online-Abhören geredet. Was für ein Witz! Ein ordentlicher Industriespion (oder ein Steuerfahnder) braucht doch nur ein gutes Tonbandgerät und eine Fahrtkarte für den ICE.

Oder demnächst vielleicht ein Ticket für die Lufthansa? Immerhin hört man von einigen US-Linien, dass sie demnächst das Handy-Verbot im Flug aufheben wollen. Dabei kann ich mich noch gut daran erinnern, wie vor einigen Jahren noch Airline-Fachleute und Linienpiloten auf Tagungen zum Thema Mobiltelefon mit sonorer Stimme vor den schrecklichen Folgen warnten, wenn lauter kleine Funksender plötzlich die sensible Bordelektronik und in der Folge das Flugzeug selbst womöglich zum Absturz bringen könnten. Und wir alle haben ihnen geglaubt. Noch heute zucke ich zusammen, wenn es plötzlich vom Nachbarsitz oder aus der Gepäckablage über mir bimmelt, weil irgendeiner vergessen hat, sein Telefon auszuschalten.

Dabei hat mir schon damals ein führender Mobilfunk-Entwickler einleuchtend erklärt, warum solche Schreckszenarien reine Hirngespinste seien. Angesichts der minimalen Sendeleistung eines normalen Handys seien Störungen der Bordanlagen völlig ausgeschlossen. Was mich aber noch mehr überzeugt hat war die Tatsache, dass man über die Jahre niemals von ernsthaften wissenschaftlichen Untersuchungen zum Gefahrenpotenzial von Mobiltelefonen für die zivile Luftfahrt gelesen hat. Dabei wäre ja Gefahr im Verzuge: Immerhin hat heutzutage fast jeder Passagier so ein Teufelsding in der Tasche. Das Schweigen der Fachleute sprach für mich Bände.

Woran also liegt es, wenn die Handys heute noch im Flieger schweigen? Ich wollte es mal wissen und habe deshalb Michael Lamberty von der Lufthansa-Pressestelle in Frankfurt angerufen. Nein, sagte er, die Lufthansa wird auch in Zukunft das Telefonieren an Bord verbieten. Allerdings aus ganz anderen Gründen als bisher: Man befürchte keine technischen, sondern zwischenmenschliche Störungen…

Konkret verriet mit Lamberty, dass die Kranichlinie eine Umfrage bei ausgesuchten Vielfliegern der First und Business Class gestartet hätten, und das Ergebnis sei sonnenklar gewesen: Wir wollen unsere Ruhe haben! Die Stimme der Honoratoren und Senatoren hat Gewicht bei Lufthansa. Immerhin lebt die Linie von denen, die ihre Tickets voll bezahlen, und das auch noch besonders häufig.

So wird es wohl doch nicht zu Schlägereien kommen zwischen Managern, die unbedingt in voller Orkanlautstärke telefonieren wollen und solche, die nach einem anstrengenden Tag den letzten Ort der Ruhe genießen wollen, den uns unser hektischer Zivilisationsbetrieb gelassen hat, nämlich den Sitz im Flieger. Der Entschluss gelte übrigens auch dann, wenn Konkurrenzlinien wie angekündigt in Zukunft das Telefonieren frei geben. „Das lassen wir anderen gerne den Vortritt, so Lamberty.

Ich finde das gut so – und noch ein Grund, Lufthansa zu fliegen.
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