| Visitenkarten im Wandel |
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| Dienstag, 5. Februar 2008 | ||||||
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Welche Telefonnummer ist wichtiger: Festnetz oder mobil?
Die eleganteste Visitenkarte, die ich je bekommene habe, stammte von Hermann Josef Abs, dem legendären Chef der Deutschen Bank. Damals war ich noch Jungredakteur bei einer Tageszeitung, und der Große Aufsichtsratsvorsitzende hielt einen Vortrag in der örtlichen Bankfiliale. Die Karte war ungefähr doppelt so groß wie jede andere, die ich je gesehen hatte, bestand aus gehämmertem Büttenpapier, und das einzige, was draufstand, war „Hermann Josef Abs“. Sonst nichts. Das heißt, Ungeschrieben stand da natürlich jede Menge drauf: „Junger Mann, wenn Sie mich erreichen wollen, wissen Sie ja, wo Sie suchen müssen“, zum Beispiel. Und „Rufen Sie mich bitte nicht an, es sei denn, ich schreibe Ihnen meine Nummer auf die Rückseite.“ Abs war ja als Meister der nonverbalen Kommunikation bekannt. Er hielt den Füllfederhalter ja auch für das wichtigste Werkzeug eines erfolgreichen Managers. Seitdem schaue ich hin und wieder etwas genauer hin, wenn ich eine Visitenkarte bekomme. Ich erinnere mich also noch ganz genau, wie Anfang der 90er Jahre die ersten Karten mit E-Mail-Adresse auftauchten. Das brachte dem Übergebenden in der Regel bewundernde Blicke ein: Mensch, was ist der Kerl doch modern - er ist ja schon online! Inzwischen haben die vielen Kommunikationsangebote ja kaum noch Platz auf einer kleinen Karte: E-Mail, Website, Instant Message, Skype-Kennung und was es sonst noch so alles gibt. Nur eines ist geblieben: An erster Stelle kommt immer die gute alte Telefonnummer. Aber auch das ändert sich. Neulich habe ich bei einer Podiumsdiskussion gleich zwei Visitenkarten bekommen, bei denen die Mobilnummer ganz oben stand. Das hat mich neugierig gemacht, und ich habe die beiden Herren gleich auf ihren Handys angerufen. Der erste, Robert Helgerth, ist Geschäftsleitungsmitglied bei Microsoft in Unterschleißheim, ein echtes Hitech-Unternehmen also. Ob er denn ein Trendsetter sei, fragte ich ich. Er lachte. “Wäre ich natürlich gerne, aber die Erklärung ist in Wirklichkeit denkbar einfach: Wer mich erreichen will, hat die besten Chancen über mein Mobile. Wenn das schief geht, werden die Voicemails automatisch über den Exchange Server auf mein E-Mail umdirigiert.“ Gleich eine SMS hinterher erhöhe übrigens die Wahrscheinlichkeit eines Rückrufs. Ob auf seiner Karte denn noch die Faxnummer stehe, fragte er mich. Er wusste es nämlich nicht. Schließlich bekomme man ja heutzutage kaum noch Faxe. „Nur noch, wenn es etwas zum Unterschreiben gibt.“ Das sei immer noch schneller und einfacher als die digitale Signatur. Der zweite Karten-Geber, Oliver Tuszik, ist Geschäftsführer der Firma Computacenter in Kerpen bei Düsseldorf, ein großer internationaler IT-Dienstleister. Er habe vor etwa einem Jahr „bewusst entschieden, die Reihenfolge der Nummern auf meiner Karte zu tauschen.“ Das würden in seinem Unternehmen jetzt fast alle machen, vor allem die Kollegen im Vertrieb: „Die wollen ja für ihre Kunden erreichbar sein.“ In seinem Fall sei die Erklärung ganz einfach: „Das Handy ist das einzige Telefon, bei dem ich noch selber abhebe.“ Wer seine Festnetznummer anrufe, bekomme stets seine Assistentin an den Apparat („eine sehr fähige Dame…“). Da er viel unterwegs sei, ruft sie ihn in dringenden Fällen auf dem Mobiltelefon an und bittet ihn, den Gesprächspartner zurückzurufen. Seine Visitenkarte gibt Tuszik deshalb auch nur noch an Leute aus, für die er erreichbar sein will. Im Übrigen bekomme er demnächst ganz neue Visitenkarten, da stünde dann seine neue IPT-Nummer drauf. „Das ist ein Internet-Telefon, mit dem ich auf der ganzen Welt unter einer einzigen Nummer erreichbar bin“, meinte er voller Vorfreude. Und was mit denjenigen sei, für die er nicht erreichbar sein will? „Die kriegen keine Karte“, sagte er. Vielleicht sollte er eine Lektion bei Hermann Josef Abs nehmen. Der Trend im Internet-Zeitalter geht zur Zweitkarte. Und da steht nur der Name drauf.
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| Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 28. Februar 2008 ) | ||||||
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