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Mittwoch, 26. Mai 2010 |
Niemand, der S-21 besucht hat, wird die Gesichter vergessen. Sie verfolgen einen mit ihren Blicken, die voll sind von Vorwurf, von Hoffnung, von Verzweiflung. Ein junger Mann tut das, was man so tut, wenn man fotografiert wird – er versucht ein Lächeln, aber sie will ihm irgendwie nicht gelingen. Aus seinen Augen spricht die Angst.
Kaum ein Kambodschagast kommt um einen Besuch der „Killing Fields“ herum, wo zwei, vielleicht auch drei Millionen Menschen mit Hacken erschlagen, erschossen oder einfach nur dem Hungertod überlassen wurden, der zweitgrößte moderne Völkermord nach dem Holocaust. Es gibt sie überall, mit dem Taxi ist das nächste Todesfeld keine halbe Stunde von den Luxushotels am Mekong in der Mitte von Phnom Penh entfernt.
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Montag, 24. Mai 2010 |
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Kek Galabru ist eine schmale, elegante Frau und einer etwas flachen Nase, von der sie ihre Abstammung von den Mongolen Dschingis Khans ableitet, die im 13ten Jahrhundert bis nach Kambodscha vorgedrungen sind. Von ihnen habe sie wohl auch ihr Kämpferherz geerbt, meint sie lächelnd. Denn Kek ist eine echte Kämpfernatur, auch wenn es bei ihr beim Boxen vermutlich nicht einmal für die Federgewichtsklasse reichen würde. Ich könnte jedenfalls ihren Unterarm mühelos mit Daumen und Zeigefinger umspannen. Wenn Kek bei uns nicht so bekannt ist wie ihre burmesische Kollegin Aung San Suu Kyi, dann vielleicht deshalb, weil man sie in Kambodscha noch frei herumlaufen lässt. Der Staat ist dringend auf das Wohlwollen der internationalen Gebergemeinschaft angewiesen. Bis zu 50% des Bruttosozialprodukts des Landes stammen, so wird gemunkelt, aus Spendentöpfen fremder Regierungen und Hilfsorganisationen. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber das ist nicht weiter verwunderlich in einem Land, das laut offizieller Statistik nur 3,7% Arbeitslosigkeit hat, in dem aber Menschen unweit der Hauptstadt Phnom Penh verhungert in ihren Hütten aufgefunden werden. „Die echte Zahl dürfte wohl eher bei über 50 Prozent liegen“, sagte mir ein junger Deutscher, der an einem Hilfsprojekt im Hinterland arbeitet.
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Sonntag, 9. Mai 2010 |
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Ich habe die Zukunft gesehen – und sie kann mir gestohlen bleiben. Genauer: Ich hatte vor zwei Tagen auf der European Identity Conference zum ersten Mal ein Apple iPad in der Hand, und ich bleibe bei meiner bereits auf czyslansky.net geäußerten ersten Meinung (siehe “Newton lässt grüßen“): Der iPad ist überflüssig! Schlimmer noch: Er ist ein Rückschritt. Überflüssig, weil ich schon ein iPhone habe, und mehr kann der iPad auch nicht. Dafür ist er groß und klobig (die elegant abgerundeten Ecken sind nur eine optische Täuschung). Er ist genauso langsam wie mein iPhone, die digitale Touchscreen-Tastatur ist für einen mit Wurstfingern wie ich genauso schlecht zu benützen, und nach wie vor fehlt die wichtigste Taste von allen, nämlich “delete”, also eine Möglichkeit, an den Anfang eines Wortes zu gehen und den ersten Buchstaben zu löschen. Das ist eine alte Apple-Krankheit (auf den Notebooks aus Cupertino gibt es den Knopf auch nicht), was nur von der mangelhaften Lernfähigkeit der Appleianer zeugt. Wie sie es schaffen, diese arrogante Borniertheit als Genialität zu verkaufen, ist mir ein Rätsel.
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Mein Telefon gehorcht aufs Wort! |
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Donnerstag, 29. April 2010 |
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Drücken Sie die Haustürklingel mit dem Zeigefinger? Dann sind Sie über 30. Junge Menschen verwenden dafür mehrheitlich den Daumen. Das behauptet jedenfalls die Designerin Alice Rawsthorn. Ihr zufolge wachsen junge Menschen mit Gameboys und Smartphones auf, die alle eine Art Mäuseklavier-Tastatur besitzen, die man am besten mit dem Daumen bedient. Und zeigt wiederum: Der Mensch passt sich immer mehr der Technik an, notgedrungen. Wie es anders geht, zeigt die kleine US-Firma Vlingo . Sie hat ein kleines Stück Software, neudeutsch „App“ genannt, für den Apple iPhone geschaffen. Ich kann jetzt meinem Telefon Befehle geben, zum Beispiel: „Call Gabi!“ Dann ruft er, wie von Geisterhand gesteuert, die Nummer meiner Frau an. Ich kann ihm sogar komplizierte Befehle geben, wie zum Beispiel: „Mail Michael. Subject: Heute Abend. Message: Let’s meet for dinner“. Leider versteht das Programm bislang nur englischsprachige Befehle, aber immerhin: Es klappt, und das sogar auf Anhieb.
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Donnerstag, 22. April 2010 |
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Mag ja sein, dass ich einfach zu viel Zeit habe. Oder es steckt in mir ein Bauer, der endlich raus will. "Cole" soll ja vom lateinischen "Agricola" kommen. Jedenfalls bin ich ein leidenschaftler Fan von FarmVille geworden, ein Online-Spiel, bei dem man seine virtuelle Scholle beackern und sein Obst und Gemüse gegen elektronische Münzen eintauschen kann. Das Spiel ist aber auch eine Übung in Social Networking, denn man kann seinen Nachbarn helfen, indem man bei ihnen die Krähen verscheucht und ihre Felder düngt, ihnen kleine Geschenke schickt oder ihnen beim Bau von Scheunen und Häusern hilft. Wenn man sein digitales Feld gepflügt hat, muss man entscheiden, was man dort anbauen will. Und die Macher von FarmVille haben sich viel Mühe gemacht, mehr als zwei Dutzend verschiedene Feldfrüchte online zu stellen, jeweils mit unterschiedlicher Wachstumsdauer (zwischen 2 Stunden und 4 Tage). Jede davon hat einen anderen Preis und wirft auch einen anderen Ertrag ab. Aber die Zahlen scheinen ziemlich willkürlich gewählt zu sein.
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