| Frauen Statt Inder! |
| Dienstag, 10. November 2009 | ||||||
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Deutschland hat nicht nur zu wenig IT-Fachkräfte – es hat auch noch die falschen!
Wenigstens ein Gutes hat die gerade von BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer vorgelegte Neuauflage der Studie „Der Arbeitsmarkt für IT-Experten“: Die Branche ist gut über die Krise gekommen. Dieser Schluss drängt sich jedenfalls auf angesichts von nach wie vor rund 20.000 unbesetzter Stellen bei Softwarefirmen und Anwenderunternehmen im Lande, 7.000 innerhalb der ITK-Branche selbst und 13.000 bei Anwenderunternehmen aus Handel, Produktion usw.. Das sind zwar deutlich weniger als noch vor einem Jahr, als die Zahl der offenen Stellen bei 43.000 lag. Aber es sind immer noch viel zu viele! Wobei es zwischen Anbietern und Abnehmern von IT-Leistungen durchaus deutliche Unterschiede im Suchprofil gibt: Während in der Branche selbst vor allem Softwareentwickler (61 Prozent der befragten Unternehmen haben mindestens eine offene Stelle) und Datenbankadministratoren (45%) fehlen, sind es bei den Anwendern eher Leute mit Praxiserfahrung, allen voran PT-Projektmanager (47%) und Fachleute für Benutzerservice (19%) und IT-Sicherheit (18%). Ein weiteres Indiz dafür, dass Unis und Fachhochschulen die falschen Absolventen produzieren, ist auch die Zahl der Unternehmen, die in die nachträgliche Qualifikation ihrer bestehenden IT-Fachkräfte investieren (müssen), nämlich 90%! Fast ein Fünftel der befragten Firmen gibt an, im kommenden Jahr sogar mehr Geld als bisher für die Weiterbildung ihres IT-Personals eingeplant zu haben. Und wer ist schuld? Scheer hat sehr schön beschrieben, wie sich die Vertreter der an der Bildunsgkette Beteiligten jeweils dem nächstfrüheren Glied die Schuld zuschieben: Kindergärten beklagen, dass die Eltern ihren Kindern nicht beibringen, still zu sitzen; die Hauptschulen schimpfen über die Kindergärten, die nicht genug Zeit in die vorschulische Ausbildung investieren; die Gymnasien finden, dass die Schulen die Kids schlecht vorbereiten und die Unis fordern eine Reform der Gymnasialstufe. Den letzten – die Firmen, denen die ITler fehlen – beißen natürlich die Hunde. Dass im Land der Dichter und Denker in den Schulen in Sachen Computerausstattung und IT-Kompetenz der Lehrer Zustände herrschen wie in manchen Drittweltländern ist ja seit Jahren bekannt, ohne dass sich spürbar etwas verbessert hätte. Großspurig angekündigte Initiativen von Politik und Wirtschaft verlaufen nach wie vor weitgehend im Sande. „Irgendwie hat man das Gefühl, die haben aufgegeben“, sagte mir BITKOM-Pressesprecher Maurice Schahd, als ich nach der Pressekonferenz mit ihm sprach. Nach wie vor besuchen mehr als 50% der deutschen Schüler nie Informatikunterricht, entweder aus mangelndem Interesse oder weil das Fach bei ihnen gar nicht erst angeboten wird. Der BITKOM hat aus der Studie eine Reihe von Forderungen abgeleitet, die sich alle schön und gut anhören. So soll der Anteil der so genannten MINT-Fächer (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften (Biologie, Chemie, Physik) und Technik) auf mindestens ein Drittel der Unterrichtsstunden zu erhöhen. Viel Vergnügen damit, zumal die Richtlinienkompetenz im Zuge der Föderalismusreform ja komplett flöten gegangen ist. Es geht halt nichts über deutsche Kleinstaaterei! Die größte Katastrophe von allen ist aber der Frauenanteil im den IT-Berufen – und es wird immer schlimmer! Im Jahr 2008 waren nur 9% der 40.862 IT-Azubis weiblich. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 lag der Anteil der Mädchen noch bei 10,6 Prozent und im Jahr 2001 sogar bei 14,2 Prozent! Das ist besonders schade, weil der Männerüberschuss in der IT durchaus auch zu Lasten der Qualität geht. Frauen schreiben nämlich den besseren Code, wie mir eine äußerst erfolgreiche Programmierin vor Jahren schon mal im Vertrauen sagte. Sie meinte, das läge daran, dass Frauen sind besser als Männer in der Lage sind, intuitiv und pragmatisch mit dem Computer umzugehen. Mädchen lernen stricken – Buben nicht. Dabei sind sich Stricken und Programmieren viel ähnlicher, als man glaubt: Beide Tätigkeiten erfordern konzentrierte, methodische und hochgenaue Arbeitsweisen („90 Prozent Repetition, 10% Kreativität“). „Männer sind halt furchtbare Schlamper, und ich habe die meiste Zeit damit verbracht, ihren Code zu korrigieren“, sagte die Dame. Dabei wären IT-Berufe eigentlich für Frauen wie geschaffen! In den IT-Berufen werden Frauen wegen des Fachkräftemangels besser bezahlt, und sie haben auch bessere Aufstiegschancen als in jedem anderen Wirtschaftszweig. Und ihre Arbeitsgeber sind meistens eher bereit, flexible Regelungen von Arbeitszeit und Arbeitsplatz zu akzeptieren, zumal sich dank Internet und Telearbeit gerade in Computerberufen Beruf und Familie für Frauen viel besser unter einen Hut bringen lassen. Ich würde noch ein drittes Argument für mehr Frauen in IT-Berufen anfügen: Frauen denken vernetzt, Männer linear! In der modernen Abreitswelt sind nicht mehr einseitig ausgebildete Fachleute gefragt, sondern Mitarbeiter, die vernetzt denken können. Und solche Leute können wir nicht einfach aus Indien importieren, wie das Fiasko mit den „Red/Green Cards“ der Regierung Schröder gezeigt hat. Der Wirtschaftsstandort Deutschland braucht Menschen, die über mehr verfügen als technische Kenntnis, nämlich Kommunikations- und Integrationsfähigkeiten, Verständnis für die Unternehmenskultur, Empathie, Weitblick – kurz: Intelligenz, Emotion und Geist. Die Gleichung lautet: IQ + EQ + SQ (spiritual quotient). Irgendein Witzbold hat mal das Motto ausgegeben: „Inder statt Kinder!“ Blödsinn. Richtig muss es heißen: „Frauen statt Inder!“ Sonst sind wir wirklich bald selber nur noch Dritte Welt…
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