Kaiserlicher Teegenuss

Der feinste – und der teuerste – Tee der Welt stammt vom Löwenberg in der chinesischen Provinz Hangzhou. Doch Achtung: Wer sich auf die Suche nach dem Tee des Kaisers macht, braucht Glück und Ausdauer. Oder vielleicht auch nur ein bisschen Hilfe.
Eine alte chinesische Legende berichtet davon, wie der große Kaiser Qianlong (1711-1799)einmal aus seiner verbotenen Stadt aufbrach, um den Hugong-Tempel von Hangzhou zu besuchen, das südlich von Shanghai in der Nähe des „Löwenbergs“ Shi Feng Shan liegt. Vor dem Tempel standen 18 Teebüsche, und von den Blättern ließ er sich eine Tasse Tee brühen, die ihm so gut schmeckte, dass er befahl, der Tee von diesen Büschen solle fortan als „Kaisertee“ ausschließlich für seinen Tisch reserviert sein.
Wer heute die alte Tempelanlage besucht, kann die gleichen 18 Teebüsche sehen, die schon im 18ten Jahrhundert den Sohn des Himmels begeistert haben. Jedes Jahr werden die sorgfältig geernteten und verarbeiteten Blätter dieser Büsche meistbietend versteigert, und ihr Preis pro Gramm übersteigt den von Gold um ein Vielfaches.Zum Glück gibt es rund um Hangzhou ausgedehnte Teeplantagen, sonst würde die Welt wahrscheinlich niemals in den Genuss von „Longjing-Tee“ gekommen sein, den berühmten und begehrten „Drachenbrunnen-Tee“, der heute die absolute Spitzenqualität für chinesischen Grüntee markiert.  Der Name leitet sich von einem Brunnen ab, dessen Wasser, so die Naturwissenschaftler, besonders schwer ist. Wenn Regen auf die Oberfläche fällt, bilden sich seltsame Schlieren, die Beobachter seit Jahrhunderten an das Schlängeln eines Drachenviehs erinnern, in China ein ganz besonderes Glückssymbol.

Wahrscheinlich ist die Tee-Tradition in Hangzhou sogar noch viel älter, denn angeblich haben buddhistische Mönche hier schon vor mehr als 1.200 Jahren den Anbau betrieben.  Heute gibt es weitere Anbaugebiete in Zhejian, Fujian und Yunnan, doch gelten diese Tees im Vergleich zum Ur-Longjing, die ausschließlich in der Nähe des Xi-Hu-Sees („Westsee“) stammen, als minderwertig. Die nur rund 168 Quadratkilometer große Kernregion des Longjing-Anbaus unterteilt sich zusätzlich in vier Unterregionen: „Löwe“ (Shi), „Drache“ (Long), „Wolke“ (Yun) und „Tiger“ (Hu), von denen der „Löwen-Tee“ als die absolute „Creme de la Creme“ gilt. Insgesamt produziert die Region jedes Jahr gerade mal 300 Tonnen Longjing; von der Löwen-Sorte sind es nur ein paar Kilogramm pro Jahr.

Longjin-Tee wird grundsätzlich von Hand gepflückt und in einem aufwändigen Prozess veredelt. Um den natürlichen Gärvorgang, die so genannte Fermentation, rechtzeitig zu stoppen, werden die geernteten Blätter gedämpft, bevor sie dann getrocknet und verpackt werden. Der Vorgang erzeugt die typische blasse, gelbgrüne Farbe der Longjing-Blätter sowie ein sanftes, reines Aroma, das sich wohltuend von dem kräftigen Geschmack des Tees abhebt.

Er gilt auch als besonders bekömmlich und gesund, denn der Tee enthält neben sehr viel Vitamin C und Aminosäuren vor allem große Mengen Katechin. Das sind Gerbsäuren, die dem Tee seinen typischen, etwas bitteren Geschmack geben. Katechine werden  positive gesundheitliche Wirkungen nachgesagt: Sie sollen antibakteriell, antioxidativ und antiviral wirken. In der traditionellen chinesischen Medizin werden dem Longking-Tee deshalb vorbeugende Wirung gegen Arteriosklerose, Herzinfarkt, Karies oder Krebs nachgesagt. Es gibt sogar Studien, die zu bestätigen scheinen, was in China ohnehin jeder weiß: Tee ist gesund, und Longjing-Tee ist der gesündeste von allen!

Dieser Beitrag wurde unter Essen & Trinken abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen