Mom’s Fourth of July

Als meine Mutter 2003 freiwillig aus dem Leben schied, habe ich versucht, ihr im Internet ein Denkmal zu setzen. Meine HTML-Kenntnisse waren begrenzt, und das Ergebnis ist deshalb reichlich primitiv geworden. Aber da sie heute 90 Jahre alt geworden wäre, habe ich die Seite wieder ausgegraben und stelle sie hier als Link zur Verfügung.

Um den Geburtstag meiner Mutter rankt sich eine nette kleine Geschichte, die sie immer wieder gerne erzählt hat. Sie hatte in den letzten Kriegsmonaten meinen Vater, einen amerikanischen Luftwaffenoffizier, im bereits besetzten Schwetzingen kennengelernt, wo er – ein Militärpfarrer – ausgerechnet die Moschee im Schwetzinger Schloßgarten in eine Kirche für US-Soldaten umfunktioniert hatte (aber das ist eine andere Geschichte). 1947 durfte sie als eine der allerersten „German Frauleins“ ausreisen und heiratete ihn in Oklahoma City.

1949 sollte sie die US-Staatsbürgerschaft bekommen, musste sich dazu aber einer Prüfung unterziehen. Dazu musste sie vor einem leibhaftigen Bundesrichter erscheinen, eine respekteinflössende Figur in schwarzer Robe, der hinter einem hohen Richtertisch thronte. Er stellte ihr eine Reihe von Fragen zur US-Geschichte und schließlich dann diese: „Was feiern wir am 4ten Juli?“ Worauf Mütterchen wahrheitsgemäß sagte: „Meinen Geburtstag!“

Der Richter zog die Stirn in Falten und schaute dann in seine Akten. Ohne seinen Gesichtsausdruck zu verändern, schob er die nächste Frage nach: „Und was feiern wir am 25sten Dezember?“ Woraufhin Mütterchen etwas verwirrt antwortete: „Weihnachten?“

„Nein“, sprach das hohe Gericht – „meinen Geburtstag!“ Und Mütterchen war ab dem Moment Amerikanerin…

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