Online-Werbung mit Hindernissen

Wenn das Haus in München, in dem ich wohne, repräsentativ wäre für den Rest von Deutschland, dann arbeiten 37,5 Prozent aller Bundesbürger mit und in dem Internet. Das junge Paar im zweiten Stock betreibt eine gutgehende Werbeagentur, die sich auf Online-Auftritte spezialisiert. Und vor kurzem sah ich im Schaufenster einer Buchhandlung den Roman „Cyberrom@nzen“ („Internet, Beziehungskisten und Cybersex“) von Roswiotha Casimir und Roger Harrisson. „Kommt dir doch bekannt vor“, sagte ich mir – und schaute beim Heimkommen auf die Klingelschilder. Tatsächlich: Frau Casimir und Mr. Harrisson wohnen bei mir im ersten OG. Kleine Online-Welt, nicht wahr …

Werbung im Internet ist im übrigen gar nicht so einfach. Bei Printmedien kann man wenigstens nach der verkauften Auflage, beim Fernsehen nach der Zuschauerquote fragen. Aber wie mißt man Werbewirkung im Cyberspace? Nun, die perfekten Deutschen wollen es der Welt vormachen. Diverse Organisationen, darunter der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) und der Deutsche Multimedia-Verband (DMMV), haben sich auf ein System geeinigt. „Das Meßkriterium sind Besuche“, sagte mir Holger Busch vom VDZ. Damit ist die zusammenhängende Nutzung eines Internet-Angebots innerhalb eines festgelgten Zeitraums gemeint. Die IVW, der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträger, soll die Software von Verlagen und Online-Anbietern zertifizieren, damit man in Zukunft vergleichbare Ergebnisse bekommt. Merke: Im Internet kehrt langsam der Geschäftsalltag ein.

Das meint auch Ralf Schwöbel aus Frankfurt: Der wiefe Immobilienmakler hat ein Online-Magazin rund um den Immobilienmarkt aufgezogen und mit elektronischen Kleinanzeigen aus ganz Deutschland gefüllt. Macht ja auch Sinn: Statt sich durch die unsortierten Spalten der Tageszeitungen zu quälen kann der Interessent per Stichwortsuche wie in einer Datenbank nach dem künftigen Zuhause forschen. Das haben auch die Zeitungen inzwischen spitz bekommen: Die „Frankfurter Rundschau“ lehnte es ab, Anzeigen von Schwöbels Firma „Immobilien24“ anzunehmen, „weil die Interessen unseres Hauses berührt sind.“

Überhaupt die armen Zeitungsleute: Von allen Seiten will man ihnen ans Leder. Gebrauchtwagen gefällig? BMW hat jetzt auf seiner nagelneuen Webseite (http://www.bmw.de) auch eine Liste mit Angeboten. Das Inserat ist sogar kostenlos. Wie wollen die Verlage da noch mithalten? In vielen Branchen werden dank der Online- Medien die Karten neu gemischt.

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