R2-D2s böser Bruder

„R2 ist ein guter Droide“ (Anakin Solo über R2-D2)

„R2 ist ein guter Droide“
(Anakin Solo über R2-D2)

R2-D2 (sprich: err-zwo deh-zwo), oft auch nur R2 genannt, war ein Astromechdroide der R2-Serie. Wie uns die Autoren von Jedipedia freundlicherweise erinnern war er gemeinsam mit seinem Partner C-3PO einer der Stars von Star Wars und als solcher in zahlreiche bedeutende Ereignisse der galaktischen Geschichte von den letzten Tagen der Alten Republik bis zur Zeit der Galaktischen Allianz involviert.

R2-D2 war, wie der Jedi-Ritter Anakin Solo, der Enkel von Anakin Skywalker, einmal sagte, ein „guter Droide“. Ich weiß nicht, ob man dereinst das gleiche sagen wird über K5, das neue Geisteskind von Santana Li und Stacy Dean Stephens, die Gründer von Knightscope, einem Silicon-Valley-Startup, wo man heute Nachmittag einen „autonomen Datensammler“ vorstellen will, der die Nachtwächter dieser Welt überflüssig machen könnte.

K5 sieht seinem Vetter R2 verdammt ähnlich, aber das ist eigentlich nur Zufall. Wahrscheinlich waren die Designer von Star Wars einfach ihrer Zeit voraus, denn tatsächlich ist ein kleiner, runder Roboter, der aussieht wie ein Papierkorb auf Rädern, ideal geeignet, um Wachdienst zu schieben, beispielsweise in einer Fabrikanlage. Und dafür ist er auch gedacht: Er soll unermüdlich Tag und Nacht durch die Räume wandern, und zwar selbstgesteuert, so ähnlich wie der Staubsauger-Roboter RBC 003, das fleißige elektronische Lieschen von Hoover, den meine Frau so gerne zu Weihnachten hätte.

K5 saugt keinen Staub, sondern schaut sich um mit Hilfe seiner Videokamera, ob da nicht irgendein Bösewicht heimlich sein Unwesen treibt. Wenn ja, alarmiert R2 den menschlichen Kollegen vom Wachdienst. Oder vielleicht ruft er gleich bei der Polizei an, weil es nämlich gar keinen menschlichen Kollegen mehr gibt. Bei einem Mindestlohn von acht Euro fuffzig werden sich die meisten Firmen den nicht mehr leisten können. K5 arbeitet ja schließlich für lau und kostet nur ein bisschen Strom, und der kommt ja bekanntlich aus der Steckdose.

Eigentlich spricht also nichts gegen K52, vorausgesetzt man ist nicht gerade Nachtwächter. Warum also sagen Datenschützer wie Marc Rotenberg vom Electronic Privacy and Information Center in Washington, K5 sei der „böse Bruder von R2“?

Nun, das ist er nicht, aber das könnte er werden, wenn wahr wird, was Li und Stephens sich noch so alles für K5 ausgedacht haben. Er soll nämlich eines Tages nicht nur Gauner auf frischer Tat ertappen – er soll sie schon vorher unschädlich machen.

Wenn Sie, wie ich, den Film „Minority Report“ mit Tom Cruise gesehen haben, dann wissen sie, wie das geht. Man muss mittels Präkognition Leute, die vorhaben, ein Verbrechen zu begehen, ausspionieren und dingfest machen, ehe sie die Gelegenheit haben, Böses zu tun. Im Film sind dazu Menschen mit speziellen hellseherischen Fähigkeiten nötig, aber K2 wird dazu Big Data benützen: Der Roboter soll eines nicht allzu fernen Tages per Internet mit einer riesigen Datenbank verbunden werden, wo die Identität von Passanten, die K2 bei seinem Rundgang per Videokamera aufgenommen hat, mittels Gesichtserkennungs-Software festgestellt und mit den Visagen bekannter Verbrecher verglichen werden soll. K5 wird auch alle Autokennzeichen aufnehmen, an denen er vorbei kommt. Stellen Sie sich einfach eine Verkehrsüberwachungskamera auf Rädern vor, dann wissen Sie ungefähr, was uns da bevorsteht.

Herr Li sieht das alles natürlich sehr entkrampft. „Wir wollen nicht an ‚RoboCop‘ oder ‚Terminator‘ denken sondern lieber eine eine Mischung aus ‚Batman‘, ‚Minority Report‘ und R2-D2“, sagte er der New York Times. Und wenn sich jemand dennoch Sorgen um den Datenschutz macht, dann werde man einfach alle Daten, die von K2 gesammelt und ausgewertet werden, auf der Firmen-Website publik machen. Nach dem Motto: Wenn alle wissen, was K5 weiß, dann ist die Welt wieder in Ordnung. Und vor allem frei von Verbrechen, denn niemand würde so dämlich sein, irgendwo einzubrechen, wenn er weiß, dass ihm alle dabei zuschauen können.

In seinem Buch „The Circle“ lässt der Autor Dave Eggers weltweit Millionen von kleinen Videokameras installieren, um zu einem ähnlichen Effekt zu gelangen. Im Buch geht das böse aus, aber vielleicht ist das im richtigen Leben ja anders. Eher so wie in Star Wars, vielleicht…

 

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