Mit ‘Amazon’ getaggte Artikel

Der Trend geht zum Zweitbuch

Freitag, 01. Juni 2012

Ich und mein ständiger Begleiter...

Ich habe neulich meinen jahrelangen Widerstand aufgegeben und einen Kindle gekauft, ein elektronisches Buch. Das heißt: Der Kindle ist eigentlich ein Lesegerät, mit dem man elektronische Bücher aus dem Internet herunterladen und unterwegs lesen kann. Auf dem taschenbuchgroßen Flachmann haben mehr Bücher Platz, als bei mir daheim im Bücherregal stehen, und das sind eine ganze Menge, denn ich bin zeitlebens Büchernarr gewesen. Die elektronischen Titel kaufe ich bei Amazon oder lade sie von Gratis-Websites wie Projekt Gutenberg herunter. Dort haben Hunderte von hilfreichen Menschen Bücher abgetippt und hochgeladen, die von Autoren stammen, die länger als 99 Jahre tot sind und deren Urheberrecht damit erloschen ist. Es gibt dort alles von „Robinson Crusoe“ bis Goethes „Faust“ in der Digitalausgabe. Die Macher von Projekt Gutenberg tun das, um die allgemeine Lesekultur zu fördern. Alle sollen alles lesen können, sagen sie.

Und ich lese inzwischen fast pausenlos. Nicht, dass ich nicht vorher schon eine Leseratte gewesen wäre. Als Kind habe ich mit Taschenlampe unter der Bettdecke gelesen, lange nachdem mir meine Mutter eigentlich „Licht aus!“ befohlen hatte. Aber jetzt? Mein Kindle ist so federleicht und passt so schön in die Jackentasche, dass ich buchstäblich überall lese, wo ich gehe, stehe und sitze.  Ich lese in der Straßenbahn, aber ich lese auch auf den Weg zur Straßenbahnhaltestelle (Achtung: Laternenpfahl!). Ich lese, während meine Frau im Laden Pullover anprobiert. Wenn wir verreisen, bitte ich meine Frau zu fahren, damit ich auf dem Beifahrersitz lesen kann. Ja, ich lese sogar auf der Toilette, jedenfalls so lange, bis meine Frau an die Tür klopft und mich daran erinnert, dass andere auch mal müssen.

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Auch Borders ist Geschichte

Freitag, 22. Juli 2011

Der Nächste, bitte!

Das Sterben der Buchläden, ein Dauerthema auf diesem Blog, hat das nächste prominente Opfer getroffen: Border, die USA-weite Ladenkette, in deren Filiale in New York ich gerade viele Stöberstunden verbracht habe, schließen am 31. Juli für immer die Pforten. “Wir haben hart gekämpft”, schrieb CEO Mike Edwards heute an die Kunden, “aber der Wind blies uns schon lange hart ins Gesicht.” Drei Faktoren zählt er auf, wovon eigentlich nur zwei logischerweise am Niedergang schuldig sein können: Veränderungen im Buchmarkt, die “eReader Revolution” und eine turbulente Wirtschaft. Warum ausgerechnet eBücher ein Nagel im Sarg der Buchläden sein soll, kann ich nicht nachvollziehen, denn wer in letzter Zeit bei Border war, der weiss, dass das Geschäft mit den elektronischen Titeln samt dazugehöriger Lesegeräte geradezu geboomt hat. Jedenfalls haben eBooks im vergangenen Mai bei Amazon die gedruckten Ausgaben in den Verkaufszahlen überholt, wie die New York Times berichteten.

Offenbar reichten die Punkte eins und drei aber, um Borders den Rest zu geben. Schade. Wo soll ich in Zukunft meine Regentage in New York oder San Francisco verbringen? Borders hatte nämlich nicht nur Bücher, sondern, was für den Digerati auf Reisen noch wichtiger ist, kostenlosen WLAN. Und der Kaffee ist auch nicht schlechter egwesen als bei Starbucks, der alternativen Oase für digitale Beduinen. Man konnte also in aller Ruhe bei Borders sitzen, Latte schlürfen und Bücher bestellen. Bei Amazon…

 

Sag mir wo die Buchläden sind, wo sind sie geblieben?

Montag, 17. Januar 2011

Pete Seegers Lied “Where have all the flowers gone” hat meine Generation geprägt, und selbst Udo Lindenberg habe ich verziehen, als er es eindeutschte. Es schwang so viel Melancholie mit in dem Refrain, wehmütige Erinnerung an etwas, das uns einmal viel bedeutet hat und das wir selbst aus Dummheit und Unachtsamkeit vernichtet haben. Deshalb habe ich besonders genau gehört, als mein Freund Gunter Dueck, IBM-Obertechnologe und Besteller-Autor („Aufbrechen!: Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen“) neulich in einem Vortrag das Ende des stationären Buchhandels verkündete.

Nicht, dass Dueck ein radikaler Bilderstürmer wäre. Im Gegenteil: Auch er erinnert sich wehmütig zurück an die Zeit, als es noch richtige Buchläden gab, in denen man stöbern konnte oder auch mal einen halben Tag sitzen und ungestört lesen. Ich habe auch solche Erinnerungen, zum Beispiel an Scribners an der Fifth Avenue in New York, dem früheren Sitz des Verlegergiganten, der Ernest Hemmingway und Scott Fitzgerald herausbrachte und das inzwischen ein Beneton “Superstore” beherbergt. Oder Borders im Turm II des World Trade Center, wo man in bequemen Ledersessel saß und beim Hochblicken auf den Friedhof von Trinity Church blickte. Heute klafft da natürlich ein riesiges Loch.

Es gibt sie natürlich noch, die schönen Buchläden. Shakespeare & Company in Paris, zum Beispiel, das zum Glück noch immer aussieht wie ein besonders rumpeliger Dachboden und in dem sich die Bücher sogar hinter der schmalen Holzstiege ins Obergeschoß türmen. Der schönste Buchladen der Welt ist natürlich Lello & Irmao in Porto, ein Jugendstiltraum, dessen einziger Nachteil ist, dass die Bücher dort meist in Portugiesisch geschrieben sind und ich sie nicht lesen kann.

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Amazon: Des einen Freud ist des anderen Leid

Freitag, 10. Mai 2002

Amazon hat es wieder geschafft, mich als Kunden richtig zu begeistern. Seit einiger Zeit kann man beim größten Online-Buchhändler der Welt nicht nur neue Bücher kaufen, sondern sie nach dem Lesen auch wieder verkaufen.

Ich habe es kürzlich mit dem neuen Grisham („Der Richter“) so gemacht: Die deutsche Ausgabe kostete mich 24 Euro. Nun ist Grisham zwar spannend, aber einmal gelesen langt, also bot ich das Band eine Woche später bei Amazon an – und hatte schon nach einer Stunde einen Käufer, der bereit war, 15 Euro plus Porto zu bezahlen. Gut: Es wäre billiger gewesen, in die Leihbibliothek zu gehen, aber 15 Euro haben und 15 Euro nicht haben sind bekanntlich 30, oder so ähnlich.

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Nicht alle freuen sich übrigens über den neuen Amazon-Service. Der amerikanische Autorenverband Author’s Guild hat sich kürzlich in einer Presseerklärung über das neue Online-Angebot beschwert und behauptet, „Amazon fügt der Verlagsbranche großen Schaden zu!“ Angeblich leiden die Autoren, weil ihnen die Honorare entgehen und die Verlage, weil die Profite sinken.

Mag sein – aber den Kunden freut’s. Und der ist nun mal König, erst recht im Internet.

Und es geht doch: Bücher im Internet verkaufen!

Mittwoch, 10. November 1999

Es gehört eine gewisse Größe dazu, öffentlich hinzustehen und einen Fehler zuzugeben. Frank Wössner, Chef der Bertelsmann Buch AG, ist so einer: „Vor vier Jahren habe ich nicht geglaubt, daß man in absehbarer Zeit Bücher über das Internet würde verkaufen können“, sagte er auf einem Wirtschaftstag in Ingolstadt vor 2000 mittelständischen Unternehmern, „aber ich habe mich geirrt“. Der rotzfreche Senkrechtstarter Amazon.com habe dem großen Bertelsmann-Konzern (und dem Rest der Buchbranche) vorgemacht wie es geht. Nun müssen sich die Etablierten mächtig anstrengen, um im Internet-Buchgeschäft wenigstens dranzubleiben. Aber wer die Entschlossenheit in Wössners Stimme gehört hat, der ahnte: Hat sich das Schlachtschiff Bertelsmann erst mal auf den neuen Kurs bringen lassen, wird es schwer zu stoppen sein.