Mit ‘Amerikaner’ getaggte Artikel

Nein, wir Amerikaner spinnen nicht – oder jedenfalls nicht alle!

Samstag, 18. Februar 2012

Amerika ist politisch gespalten in zwei zutiefst verfeindete Lager, das ist nicht neu. Man muss ja nur einen Blick auf das Kandidatenfeld der konservativen Republikaner werfen, die im November den als liberal geltenden Barak Obama herausfordern wollen: der ehemalige Investmentbanker und Milliardär Mitt Romney liefert sich gerade ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Rick Santorum, dem übrig gebliebenen Hoffnungsträger der „Tea Party“-Bewegung, der zum Kreuzzug gegen die „Moocher“ („Schnorrer“) aufgerufen hat, zu denen er alle zählt, die staatliche Leistungen wie Arbeitslosengeld, Krankenversicherung oder Mutterschutz in Anspruch nehmen.

Von Deutschland aus könnte man den Eindruck gewinnen, dass ungefähr die Hälfte aller Amerikaner diese Ansicht teilt, denn die beiden Lager liegen schließlich in der Wählergunst fast gleichauf. Wenn das so ist, dann reflektieren Romney und Santorum tatsächlich die Meinung jedes zweiten Amerikaners. Und das bedeutet, wiederum aus deutscher Sicht, dass die Hälfte aller Amerikaner Spinner sind. Sie wollen Steuern für Superreiche senken, halten Abtreibung und Homoehen für Teufelswerk und die globale Erwärmung für ein Komplott von Wissenschaftlern, die sich an den Futtertöpfen der Fördergelder suhlen wollen. Klarer Fall für den Psychiater, oder?

Dieser Eindruck trügt, und Schuld daran ist das System der Vorwahlen, mit denen die Republikanische Partei gerade den Herausforderer zu küren versucht. Man könnte nämlich glauben, dass es sich bei dem komplizierten Verfahren um eine echte basisdemokratische Übung handelt, bei der das (Partei-)Volk um seine Meinung gefragt wird und am Ende derjenige herauskommt, der am besten die Werte und Positionen der meisten Mitglieder wiederspiegelt.

Das ist Unsinn!
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Was WikiLeaks über Amerika sagen würde

Montag, 20. Dezember 2010

Eigentlich wollte ich dieses Wochenende damit zubringen, meine jüngsten Eindrücke von Amerika, dem Land, in dem ich geboren wurde und dessen Bürger ich geblieben bin trotz mehr als 40 Jahre Aufenthalt in Deutschland, in Blogform aufzuarbeiten. Ich bin gestern nach vier Wochen, in denen meine Frau und ich in Boston gewohnt haben, zurückgekehrt und bin zutiefst verunsichert und enttäuscht von vielen Dingen, die man bei einem flüchtigen Besuch als Urlauber oder Geschäftsreisender sonst nicht richtig sieht, und das Blogschreiben ist für mich die beste Möglichkeit die es gibt, meine Gedanken zu ordnen und für mich selbst eine Perspektive zu eröffnen, die mir hilft, ein informiertes Urteil zu bilden.

Und dann schlug ich die Wochenendausgabe der „International Herald Tribune“ auf und merkte, dass ich mir die Mühe sparen kann. Denn Thomas Friedman, der brillante Kolumnist, Essayschreiber und Buchautor („The World Is Flat“) hat mir die Arbeit abgenommen. Unter der Überschrift „From WikiChina“ hat er schonungslos und treffsicher genau die Punkte aufgegriffen, die ich in meinem Kopf herumtrage, und er hat es auf eine sehr witzige Weise getan, indem er die jüngste Veröffentlichung hochgeheimer amerikanischer Diplomatenpost durch die Website WikiLeaks zum Anlass nahm, eine fiktive Depesche der chinesischen Botschaft in Washington verfasste und sich vorstellt, wie es wäre, wenn auch sie unverhofft an die Öffentlichkeit geraten würde.

Statt selbst etwas zu schreiben, habe ich deshalb beschlossen, seinen Text ins Deutsche zu übersetzen und ohne Rücksprache mit ihm oder den Anwälten der „New York Times“, die vermutlich das Copyright an seinen Texten besitzen, hier als „befreites Dokument“ zu veröffentlichen. Ob ich deshalb, wie WikiLeaks-Gründer Julian Assange in den Untergrund abtauchen muss, wird sich zeigen…

Von: Botschaft der Volksrepublik China in Washington

An: Außenminsterium

GEHEIMSACHE

Thema: Amerika heute

Es läuft gut hier für China. Amerika ist weiterhin ein politisch zutiefst gespaltenes Land, was sicher hilfreich ist für uns und unsere Ziel, die USA als die mächtigste Volkswirtschaft und Nation der Welt zu überholen. Aber wir sind vor allem deshalb optimistisch, weil die Amerikaner wegen der falschen Dinge gespalten sind.

Es liegt hier etwas mutwillig Selbstzerstörerisches in der Luft, als hätte Amerika so viel Zeit und Geld wie es braucht, um sie mit politischer Kleinkrämerei zu vergeuden. Sie streiten über Dinge wie (wir haben das übrigens nicht frei erfunden) wie und wo ein Flughafen-Sicherheitsangestellter sie berühren darf.

Wir freuen uns, berichten zu können, dass sie über den jüngster Vertrag mit Russland über den Abbau atomarer Waffen. Die Republikaner scheinen so scharf darauf zu sein, Präsident Obama zu schwächen, dass sie bereit sind, einen Vertrag zu torpedieren, der womöglich dazu beigetragen hätte, die Beziehungen zwischen den USA und Russland in Fragen wie Iran zu verbessern. Und da alles, was Russland und Amerika dazu bringen würde, aufeinander zuzugehen, uns am Ende isolieren würde, sind wir Senator Jon Kyl aus Arizona dankbar dafür, dass er unsere Interessen denen Amerikas voran stellt und die Ratifizierung des Vertrags durch den US-Senat blockiert. Der Botschafter hat Senator Kyl und seine Frau zum Abendessen in Mr. Kao’s Chinese Restaurant eingeladen um ihn für seine Standhaftigkeit beim Beschützen von Amerikas (sprich: unserer) Interessen zu danken.

Amerikaner haben gerade das hinter sich, was sie eine „Wahl“ nennen. Soweit wir es verstanden haben geht es dabei darum, dass ein Kongressabgeordneter versucht, mehr Geld als der andere einzusammeln (von den Unternehmen, die sie eigentlich überwachen sollen) damit er im Fernsehen häufiger größere Lügen über den anderen Kerl erzählen kann bevor der der andere es mit ihm macht. Das hinterlässt bei uns ein Gefühl der Erleichterung. Es bedeutet, dass Amerika nichts Ernsthaftes unternehmen wird, um seine strukturellen Probleme zu lösen: ein aufgeblähtes Staatsdefizit, ein zunehmend schwächelndes Bildungssystem, eine zerbröselnde Infrastruktur und schwindende Immigration von neuen Talenten.

Der Botschafter reiste kürzlich mit dem, was die Amerikaner ein Schnellzug nennen – die „Acela“ – von Washington nach New York. Unsere Bullet Trains von Bejing nach Tianjin legen die gleiche Strecke in 90 Minuten zurück. Seiner brauchte drei Stunden – so stand es auch im Fahrplan! Unterwegs benützte der Botschafter sein Handy, um in seinem Botschaftsbüro anzurufen, und in einer Stunde brach die Verbindung zwölfmal zusammen. Wir möchten nochmals betonen, dass wir das alles nicht erfunden haben.

Wir haben hier in der Botschaft einen Witz: „Wenn dich jemand aus China anruft, klingt es so, als säße er nebenan. Und wenn dich einer von nebenan in Amerika anruft, klingt es, als riefe er aus China an!“ Diejenigen von uns, die in Chinas Botschaft in Zambia gearbeitet haben, berichten, dass der Mobilfunkdienst in Afrika besser funktioniert als in Amerika.

Aber die Amerikaner kriegen davon nichts mit. Sie reisen selten ins Ausland, und sie merken deshalb nicht, wie weit sie zurückgefallen sind. Deshalb finden wir es hier in der Botschaft witzig, wenn die Amerikaner darüber streiten, wie „außergewöhnlich“ sie sind. Nochmal: Das ist nicht alles erfunden! Auf der Vorderseite der Washington Post stand am Montag ein Artikel, in dem es hieß, die Republikaner Sarah Palin und Mike Huckabee würden Obama dafür verdammen, dass er die „Außergewöhnlichkeit Amerikas“ in Frage stelle. Die Amerikaner haben aufgehört, daran zu arbeiten, außergewöhnlich zu sein, und reden lieber darüber, wie außergewöhnlich sie sind. Sie scheinen nicht zu verstehen, dass man sich nicht selbst für „außergewöhnlich“ erklären kann – nur andere können einem dieses Adjektiv verleihen.

In der Außenpolitik können wir nicht erkennen, wie Obama die US-Streitkräfte aus Afghanistan  befreien könnte. Er weiß, dass die Republikaner ihn einen Weichling nennen werden, wenn er es tut. Also werden die Amerikaner weiterhin jeden Tag 190 Millionen Dollar dort versenken. Das bedeutet, dass Amerika die militärischen Mittel fehlen werden, um uns irgendwo anders Paroli zu bieten, besonders in Nordkorea, wo unsere geistesgestörten Freunde nach wie vor alle sechs Monate Amerika erneut an der Nase herumführen, bis den Amerikanern nichts übrig bleibt, als zu uns zu kommen und darum zu betteln, die Sache abzukühlen. Bis die Amerikaner es aus Afghanistan herausgeschafft haben, werden die Afghanen sie sicher so sehr hassen, dass es den chinesischen Minenfirmen, die heute schon dort tätig sind, ein Leichtes sein sollte, die restlichen seltenen Bodenschätze Afghanistans aufzukaufen.

Die meisten Republikaner, die gerade ins Abgeordnetenhaus gewählt worden sind, glauben nicht, was ihre Wissenschaftler ihnen über die von Menschen verursachte Klimaveränderung sagen. Amerikanische Politiker sind Rechtsanwälte (nicht Ingenieure oder Wissenschaftler wie unsere Politiker ), und sie werden weiterhin verrückte Dinge über die Wissenschaft erzählen, und keiner wird ihnen widersprechen. Das ist gut so. Es bedeutet, dass sie niemals ein Gesetz unterstützen werden, das die Innovation in saubere Energieformen unterstützt – etwas, das im Mittelpunkt unseres jüngsten Fünfjahresplans steht. Und das stellt sicher, dass unsere Bemühungen, die Vorsprung bei Windkraft, Solartechnik, Atomenergie und elektrischen Autos von den Amerikanern gefährdet ist.

Schließlich weisen wir darauf hin, dass derzeit eine Rekordzahl amerikanischer Studenten dabei ist, Chinesisch zu lernen. Das sichert uns einen stetigen Nachschub an billigen Arbeitskräften, die unsere Sprache sprechen. Wir können derweil unsere 2,3 Billionen an Dollarreserven dazu verwenden, in aller Ruhe die Fabriken der USA aufzukaufen. Unterm Strich lässt sich sagen, dass die Dinge in Amerika derzeit sehr gut laufen für China.

Was für ein Glück, dass die Amerikaner unsere Diplomatenpost nicht lesen können.

Dem ist wohl nichts hinzu zu fügen.

Der Toyota-Komplott

Donnerstag, 15. Juli 2010

Jetzt ist amtlich, was Autoexperten schon seit Jahren gewusst haben: Nicht irgendwelche verrutschten Bodenmatten oder falsch konstruierte Gaspedale sind Schuld an der unheimlichen Pannenserie, sondern die Fahrer selbst! Sie sind schlicht und ergreifend aufs Gas gestiegen statt auf die Bremse. Das hat eine Untersuchung der US-Regierung jetzt ergeben.

Toyota nützt die späte Erkenntnis  jetzt leider nicht mehr viel, Der erlittene Imageschaden ist nämlich kaum wieder gut zu machen, was sich unter anderem daran zeigt, dass der Ausdruck „to do a Toyota“ inzwischen in die amerikanische Umgangssprache eingegangen ist um zu beschreiben, dass jemand Mist gebaut hat. Und das einem Autobauer, der jahrzehntelang sich mühevoll einen Ruf aufgebaut hat dafür, die sichersten und bestgebauten Autos der Welt zu produzieren.

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Politik 2.0: Von Barak lernen

Sonntag, 27. Juli 2008

Zwei Zeitungsberichte haben mich heute beschäftigt, obwohl sie scheinbar nichts miteinander zu tun haben.

Unter der Headline “Volksparteien im freien Fall” untersucht die Online-Ausgabe der Welt die nicht nur für Genossen fatale Tatsache, dass die CDU erstmals die SPD in der Mitgliederzahl überholt hat.  Genau genommen haben die Schwarzen nur weniger Mitglieder verloren als die Roten, aber das Ergebnis ist dennoch äußerst symbolträchtig.

Die andere stammt von der guten, alten Papierausgabe des “Economist” und trägt die Überschrift “Unhappy America“. Es geht darin um die gegenwärtig spürbare Niedergeschlagenheit der Amerikaner, denen das Blatt eine tiefe kollektive Depression attestiert angesichts von Bankenkrise, geplatzter Immobilienblase, explodierenden Benzinpreisen und einer politischen Führung, für die das Wort “gescheitert” noch als Schönfärberei durchgehen könnte. Bushs Umfragewerte nennt der Economist “sub-Nixonian”. Das sagt eigentlich alles.

Ein Satz im Leitartikel des, für mich jedenfalls, besten Wirtschaftsjournals der Welt, schafft die Verbindung. Und lässt nachdenken über die Zukunft des politischen Systems in Deutschland. Hier das Zitat:

“Genau wie es der amerikanische Kapitalismus Firmen erlaubt, schnell zu sterben oder gegründet zu werden, so reagiert das politische System schnell. Europäische Führer steigen langsam auf durch die Parteienhierarchien; in Amerika können inspirierende Unbekannte dank des Vorwahlsystems plötzlich aus dem Nichts heraus ins Rampenlicht der Öffentlichkeit treten.”

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Wie heißen die Amerikaner wirklich?

Freitag, 06. Juli 2007

Ich dachte immer, ich sei Amerikaner. Aber heute weiß ich nicht mehr so recht. Vielleicht bin ich auch Usano.

Normalerweise leitet sich die Bezeichnung für einen Bewohner von dem Namen des Landes ab, dessen Staatsbürger er ist. Jemand aus Deutschland ist ein Deutscher, einer aus Frankreich ist ein Franzose. Bei den Bürgern Großbritanniens ist es etwas schwieriger, da er ja zwei Seelen, ach, in seiner Brust herumträgt: Er ist wahlweise Brite und/oder Engländer, Schotte, oder Waliser.

Ich selbst bin, wie etwa 290 Millionen andere, Bürger eines Landes, das sich offiziell “United States of America” nennt. Bislang hielt ich mich deshalb für einen “Amerikaner”, was in Deutschland gelegentlich zu lustigen Wortspielen führt, in denen es um ein meist etwa handtellergroßes, stumpf-kegelförmiges Gebäckstück aus Weizenmehl mit Zucker- oder Schokoladenguss. Der Name Amerikaner ist eine Vereinfachung des ursprünglichen Namens „Ammoniumhydrogencarbonatikaner“, später auch „Ammoniakaner“, den das Gebäck aufgrund des verwendeten ammoniumhaltigen Backpulvers Ammonium-Hydrogencarbonat (Hirschhornsalz) trug. Danke übrigens an Wikipedia für diese Definition.

Aber jetzt mal ernsthaft: Für einen Amerikaner ist es ganz klar, dass nur jemand aus Nordamerika, genauer aus den Vereinigten Staaten von Amerika”, wirklich ein Amerikaner ist. Dass es viele Millionen Menschen anderer Nationalität gibt, die ebenfalls in Amerika leben, übersehen sie dabei geflissentlich. Jemand aus Kanada ist für einen Amerikaner kein Amerikaner, sondern ein Kanadier, obwohl er genauso auf dem nordamerikanischen Kontinent zu Hause ist wie er. Und ab dem Rio Grande heißen für ihn alle Einwohner “Latinos”, obwohl ihre Heimat Mittel- oder Südamerika ist.

Wenn ich so darüber nachdenke, kommt mir das alles reichlich unverschämt vor. Nicht, dass es mich wundert: Wir Amerikaner tragen schließlich jedes Jahr eine Weltmeisterschaft aus in einer populären Sportart (Baseball), an der ausschließlich Mannschaften aus den USA teilnehmen. Aber wenn ich ein Kanadier, ein Mexikaner, Peruaner, Brasilianer oder Kubaner wäre, dann würde es mich ganz schön wurmen zu sehen, wie ein einziges Land den Namen zweier kompletten Kontinente an sich reißt und daraus seine nationale Identität zimmert.

Fast noch interessanter ist aber, dass die ganze Welt das offenbar in Ordnung findet. In Deutschland stört sich keiner daran, die US-Bewohner als Amerikaner zu bezeichnen. Und nur sehr gelegentlich verwenden die Medien die einschränkende Formulierung “Vereinigte Staaten von Nordamerika”, um das Land und seine Bewohner wenigstens von den Staaten des Südkontinents abzugrenzen. Die Kanadier können ja sehen, wo sie bleiben.

In Frankreich ist jetzt wenigstens ein kleiner Streit über diesen Sprachgebrauch entbrannt. Martine Rousseau und Oliver Houdart, zwei Redakteure der Online-Ausgabe der Tageszeitung “Le Monde”, haben in ihrem Sprach-Blog die Frage gestellt, warum der gemeine Franzose nach wie vor dem “les Américains” (großgeschrieben) spricht, wenn sie einen US-Bürger meinen, aber nicht von “les américains” (kleingeschrieben), wenn sie alle Bewohner der beiden Kontinente bezeichnen wollen.

Die beiden wollten keine große politische Diskussion vom Zaum brechen, sondern lediglich eine zwar weitverbreitete, aber unpräzise Sprachgewohnheit geißeln. Wenn sich die Bezeichnung eines Staatsbürgers von dem Staatsnamen ableitet, schreiben sie, dann müsste ein Bewohner der “Ètats-Unis”, wie die Vereinigten Staaten auf Französisch heißen, doch eigentlich “Ètats-Unien” heißen.

Die Reaktion der verehrten Leserschaft hat die beiden Autoren ziemlich überrascht. Sie wurden nämlich von Zuschriften überschwemmt, in denen sie der antiamerikanischen Hetzpropaganda bezichtigt wurden. Selbst gemäßigtere Leser fanden die Bezeichnung “Ètats-Unien” unappetitlich, unmusikalisch, snobistisch, sarkastisch oder schlicht unschön. Dass die althergebrachte Bezeichnung “Américain” unpräzise sei, scheint niemanden zu stören. “Obwohl wir uns freuen würden, als die Erfinder eines neuen linguistischen Mandats zu gelten, müssen wir feststellen, dass Américain offenbar eine historische Legitimation besitzt, während États-Unien als Herausforderer eine lexikalische Lücke schließt – ja, eigentlich ergänzen sie sich, und wir sollten sie kohabitieren lassen.”

Im übrigen haben mehrere Leser von “Le Monde” eine einfache und sinnfällige Lösung des Problems vorgeschlagen: Man könnte die Bürger der USA ja “Usanos” nennen. Sie leiten das Wort übrigens aus dem Griechischen ab (was wiederum allerdings die Griechen und einige Altphilologen bei uns verwirren dürfte, denn die Initialen “U”, “S” und “A” heißen “Ypsilon, “Sigma” und “Alpha” auf Griechisch).

Ich bin mir nicht sicher, ob ich damit glücklich werden könnte, mich in Zukunft als Usano bezeichnen zu lassen. Irgendwie klingt das wie der Bewohner eines bislang noch unentdeckten Planeten. Aber vielleicht ist es ja gerade deshalb besonders passend.