Mit ‘Banken’ getaggte Artikel

Dividenden im voraus? Bankchefs können das!

Freitag, 23. Dezember 2011

Wer hier oben steht, der hat es geschafft

Sind Bankenchefs dumm? Oder halten sie nur uns alle für dumm? Wie dämlich muss man sein um nicht zu kapieren, dass man in der Krise (und wir was wir gerade durchleben, ist keine Wirtschafts- oder gar eine Eurokrise, sondern eine lupenreine Bankenkrise) kürzer treten muss?

Fakt ist: Viele große und kleine Banken haben sich in Griechenland und anderswo kräftig verzockt. Das konnten sie tun, weil sie wussten: Wappen gewinnen sie, Zahl verliert der Steuerzahler. Schließlich steckt allen ja der Lehman-Schock noch in den Gliedern. Erinnern Sie sich? „Too big to fail“ und so. Der Staat  wird’s schon richten, denn noch eine Bankenpleite können wir uns ja gar nicht leisten, so die Mantra aus Berlin, Frankfurt und anderen Intelligenzhochburgen.

Immerhin haben die Politiker reagiert, wenn auch nur halbherzig und viel zu spät. Viele Banken und Versicherungen jetzt mehr eigenes Geld in Reserve halten, um mögliche Verluste in Zukunft selber abzudecken. Darüber klagen sie mit einer Lautstärke die klingt, als sei es das Ende der (Banken-)Welt, wie wir sie kennen. Was an sich ja nichts Schlechtes wäre. Nur nützen die Banker das jetzt als Ausrede dafür, die Arbeit einzustellen. Will heißen: Sie haben den Kreditvergabe mehr oder weniger eingestellt – was aber ihre eigentliche Daseinsberechtigung, auf jeden Fall aber ihre volkswirtschaftliche Kernaufgabe ist.
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Eine tragbare Lösung des Bankenproblems

Dienstag, 01. November 2011

So Sieger aus!

Der Amerikaner Thomas Friedman hat eine so herzerfrischende Art, es auf den Punkt zu bringen, egal worüber er schreibt. Sein Buch, “The World is Flat”, hat das Gespenst der Globalisierung auf handliche Haushaltsgröße reduziert, und in seinen Kolumnen für die “New York Times” heilt er mit leichter Hand die dringendsten Probleme der Gegenwart mit simplen, auf gesunden Menschenverstand gründenden Lösungen, die nur den einen kleinen Nachteil haben, dass sie keine Chance haben, jemals umgesetzt zu werden.

Nehmen Sie seinen jüngsten Beitrag über die moralische Sumpflandschaft, die sich heute “internationales Investmenetbanking” nennt und gegen die täglich mehr junge – und einige nicht mehr ganz so junge – Menschen an der Wall Street und anderswo auf die Barrikaden gehen. Friedmans absolut korrekte Analyse: Die Investmentbanker nicht nur, aber ganz besonders in den Vereinigten Staaten sind inzwischen so übermächtig und gleichzeitig so maßlos geworden, dass sie die Korruption auf unsere politischen Insultationen übertragen hat. Kein Abgeordneter in Amerika kann sich ernsthaft um Bankenreform bemühen, weil er von der Banker-Lobby sofort mundtot gemacht werden würde. Ein sanfter Hinweis an seinen Fraktionschef mit der leisen Drohung, die Parteispenden könnten aufhören zu sprudeln, und schon ist das Thema vom Tisch.

Friedman hat eine ganz einfache und elegante Idee sowie drei außerordentlich schlüssige und ernstgemeinte Vorschläge, mit denen man sich Banker ganz schnell auf Normalmaß zurückstutzen könnte:

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32 Millionen für die Online-Gauner

Mittwoch, 17. März 2010

Eines der bestgehütetsten Geheimnisse der Kreditkartenbranche wurde gestern Abend ganz nebenbei auf einer Informationsveranstaltung in München gelüftet. Monika Kummer, Abteilungsleiterin Risikomanagement bei der Bayern Card-Service GmbH (eine Tochter der Bayerischen Landesbank und der Bayerischen Sparkassen) bezifferte auf einem Infroabend für Journalisten den Schaden, den Kartenbetrüger Jahr für Jahr anrichten, auf zwischen 0,2 und 0,3 Prozent vom gesamten Kartenumsatz. Dieser betrug bei BCS 2009 rund 16 Milliarden Euro. Gauner haben also rund 32 Millionen Euro erbeutet – Peanuts, könnte man meinen, jedenfalls aus Sicht der Bankenwelt.

Weit gefehlt! Die Banken verbuchen ja nur einen kleinen Teil des großen Umsatzkuchens als Provision, nämlich etwa 1,2 Prozent. Den Rest der Provisionen (zwischen 3 und 6 Prozent, je nach Kartengesellschaft und Verztragsmodell des Händlers) kassieren so gennannte Acquirer, die direkt mit dem Händler abrechnen und später mit den Banken abrechnen. Im Klartext heißt das: Mindestens ein Fünftel ihres Provisionsumsatzes verlieren Banken und Sparkassen durch Kartenbetrug! Ernüsse sehen anders aus.

Als wäre das noch nicht schlimm genug, stehen die Banken unter massivem Druck der Europäischen Union, ihre Bankgebühren bei grenzüberschreitenden Kartenzahlungen, die so genannten “Interchange Fees”, drastisch abzusenken. Bereits im Dezember 2007 hatte die EU-Kommission millionenschwere Gebühren von Mastercard gekippt und den Konzern unter Androhung eines Bußgeldes zur Vorlage eines neuen Gebührenmodells verdonnert. Im März 2008 war Visa an der Reihe: Die Kommission eröffnete gegen sie eine Kartelluntersuchung, an deren Ende ein saftige Bußgeld hätte stehen können.

Im April 2009 senkte schließlich Mastercard ihr Interbankenentgelt bis zur abschließenden Klärung des Streits durch den Europäischen Gerichtshof. Im Gegenzug verzichtete die Kommission einstweilen darauf, ein Verfahren gegen die Kreditkartenfirma zu eröffnen. Es dürfte jedoch klar sein, dass die Banken hier weitere Einbußen werden hinnehmen müssen. Sagen wir ein Prozent? Dann aber legen sie nach Abzug der Betrugsverluste sogar drauf beim Kartengeschäft.

Die Kreditkarte sei in Deutschland “immer noch ein Produkt der Zukunft”, sagte gestern Abend Günther Tittel, Direktor des Sparkassenverbands Bayern. Schuld daran ist neben der Doppelgleisigkeit des deutschen Systems – Bankleute sprechen von der “Zweikarten-Strategie”, also Girocard und Kreditkarte von ein und derselben Bank – auch die Angst der Kunden vor angeblichen oder tatsächlichen Sicherheitslücken. Dass die meisten Horrormeldungen aus den USA stammen, wird geflissentlich übersehen, ebenso wie die Tatsache, dass Deutschland den Vereinigten Staaten ausnahmesweise weit voiraus ist. Hierzulande ist die Umstellung vom altmodischen Magnetstreifen, den Hacker heute im Handumdrehen auslesen können, auf moderne Chiptechnik weitgehen vollzogen. Nur die alten Kartenlesegeräte sind noch ein Problem, da sie nach wie vor die auf dem Magnet gespeicherten Informationen verwenden. In den USA sind Chipkarten ddagegen so gut wie unbekannt.

Wenn die Banken und Sparkassen allerdings kein Mittel finden, um auch bei uns den Abfluß ihrer Gewinne durch Kartenbetrug zu stoppen, wird ein Massenmarkt für Kreditkarten in Deutschland wohl noch eine Weile Zukunftsmusik bleiben. Dagegen haben Firmen wie BCS allerdings noch ein paar Pfeile im Köcher.

So erzählte Monika Kummer ganz und gar unbekümmert, dass ihre Organisation an einem System arbeite, das jeden Kartenbesitzer automatisch per SMS benachrichten wird, sobald er eine Zahlung in einer bestimmten Höhe getätigt haben soll. “Wenn es nicht stimmt, kann er sofort Einspruch einlegen”, sagte sie. Auf ein konkretes Einführungsdatum wollte sie sich allerdings noch nicht festlegen lassen.

Noch weiter geht ein Vorschlag der BCS, Zahlungen aus Risikoländern für einzelne Kunden ganz zu sperren, und zwar auf der Grundlage des índividuellen Zahlungsverhaltens. Der Kartenbesitzer soll selbst festlegen können, aus welchen Ländern die Kartengesellschaft Zahlungen akzeptieren soll und aus wlechen nicht. Wenn er nie im Leben vorhat, Kasachstan zu besuchen, dann können Belastungen, die aus diesem Land stammen ja eigentlich nur von Borat oder einem seiner Spießgesellen verursacht worden sind…

Angesichts der drohenden Kostenlawine durch steigenden Kartenbetrug wird klar, warum die Banken und Sparkassen diesem Thema einen so hohen Stellenwert einräumen. Wer macht schon gerne Geschäfte, bei denen er drauflegen muss?

Wir haben das Menschenmaß verloren

Montag, 27. April 2009

Sagen Sie’s nicht weiter, aber die „Göwikaz“ (größte Weltwirtschaftskrise aller Zeiten) ist vorbei. Zwei Drittel der 42 größten Aktienbörsen der Welt haben in den letzten sechs Wochen zugelegt, und zwar um mehr als 20 Prozent. Mein Freund Fritz strahlt wieder, wenn er mir von seinen jüngsten Wertpapierkäufen erzählt. In China zeigen die Indikatoren wieder nach oben, sogar der amerikanische Immobilienmarkt – dort, wo alles anfing – weist deutliche Anzeichen einer Wiederbelebung auf. Und laut Ifo-Index hat sich  die Stimmung in den Chefetagen im April überraschend kräftig aufgehellt: Es ist wieder Optimismus angesagt.

Das hat sich natürlich noch nicht bis zu den meisten deutschen Wirtschaftsjournalisten herumgesprochen, die ihren Lesern immer noch tägliche Horrorszenarien zum Frühstück auftischen. Nun, ich habe die Ahnungslosigkeit, mit der die Kollegen das Internet zunächst nach Leibeskräften aufgeblasen und kurz darauf als Quell allen Übels verteufelt haben, hautnah miterlebt und ich weiß: Wenn ein Wirtschaftsjournalist etwas von Wirtschaft verstünde, dann wäre er kein Wirtschaftsjournalist, sondern ein reicher Mann auf Mallorca. Womit sie übrigens große Ähnlichkeit aufweisen mit den Anlagenberatern. Und lassen Sie mich gar nicht erst über Wirtschaftspolitiker anfangen…

Das Geschäft von Wirtschaftsjournalisten besteht darin, die Erwartungen ihrer Leser zu befriedigen, also schreiben sie das, was die lesen wollen. Alle sind gut drauf? Die Börse kracht? Dann schreiben sie darüber, wie kinderleicht es ist, sich eine goldene Nase zu verdienen. Einfach blind mit dem Finger auf die letzte Kursliste tippen und das getroffene Papier als Geheimtipp in den Himmel loben. Kann ja nix schiefgehen. Und wenn alle plötzlich verunsichert und ängstlich sind, dann her mit den Hiobsbotschaften. Die sind ohnehin leichter zu formulieren als positive Nachrichten, wie jeder Theaterrezensent und Musikkritiker weiß.

Echte Profis wie der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman (der das Platzen der Immobilienblase schon vor fünf Jahren korrekt vorausgesagt und beschrieben hat) geben schon wieder Entwarnung, ebenso wie der IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard, den FTD heute mit den Worten zitiert: “Ich bin ziemlich überzeugt, dass wir eine Depression verhindert haben.“ Ja, er hat das gleich wieder eingeschränkt („…wir dürfen uns selbst nichts vormachen: Wir stecken immer noch in Schwierigkeiten”).

In seiner Titelgeschichte zeichnet der „Economist“ diese Woche ein hintersinniges Bild: Eine Schar von heringartigen Kleinfischen schwimmt auf eine hell strahlende Lichtquelle in der Tiefsee zu, das mittels einer Art Antenne verbunden ist mit dem Kopf eines riesigen Raubfisches mit klaffendem Maul, aus dem eine nadelscharfe Zahnreihe ragt. Headline: „Die Weltwirtschaft und die Gefahren des Optimismus“. Im Editorial gewarnt die nicht nur meiner Meinung nach beste Wirtschaftszeitung der Welt, vorzeitig das Ende der Krise auszurufen. Denn erstens kann man dadurch extreme Enttäuschung bei den Menschen auslösen, was aber nicht so schlimm wäre wie die andere Gefahr, nämlich dass wir nichts daraus lernen.

Das System ist krank, das ist im vergangenen Krisenwinter sonnenklar geworden. Das Finanzsystem ist aus dem Ruder gelaufen, die Reichen haben das Prinzip „Gier ist geil!“ zum Handlungsmaßstab erklärt, die Aufsichtsinstrumente haben sich – im Gegensatz zum Titelhelden des „Economist“ – als zahnlos erwiesen, die politische Führung hat versagt. Es wäre an der Zeit, aufzuräumen, und die Gelegenheit wäre günstig, denn der Machtelite ist der Hahnenkamm gestutzt worden, ihre Widerstandskraft gegen Reformen und gesellschaftliche Neuorientierung und Rückbesinnung vorübergehen geschwächt.

Aber nicht mehr lange. Laut “New York Times” von heute haben die sechs größten Banken Amerikas im ersten Quartal dieses Jahres  zusammen 36 Milliarden Dollar an Rücklagen gebildet, um ihren Angestellten die ihnen angeblich wegen der plötzlichen Frühjahrsgewinne zustehenden Gehälter und Boni bezahlen zu können. Aufs Jahr hochgerechnet würden die Banker 2009 fast so viel verdienen wie im Rekordjahr 2007. Sie hat so tätige Reue und stille Einkehr aus?

Das Problem ist: Wir wissen eigentlich gar nicht, was wir wollen. Es fehlt eine Blaupause, ein Modell dafür, wie diese Gesellschaft nach der Krise aussehen soll, ein konsensfähiger Kompromiss zwischen Raubrittermentalität und Ehrbarem Kaufmann, ein ethisch-moralischer Kompass, an dem sich Bosse und kleine Gehaltsempfänger gleichermaßen orientieren können und das die ins Rutschen gekommene soziale Stabilität – ja, Gesine Schwann warnt mit Recht! – noch rechtzeitig so weit verfestigt, dass die sozialistischen Utop- und Populisten nicht die nächste Bundestagswahl gewinnt. Sie wollen eine Krise erleben? Dann lassen Sie mal den Oskar ran!

Beim Blättern in der „Süddeutschen“ bin ich heute morgen an völlig unvermuteter Stelle über die mögliche Lösung gestolpert, nämlich in der Beilage „Mobiles Leben.“ Dort, wo es sonst um flotte Flitzer und schnittige Rennjachten geht. Dort hat der Kölner Designprofessor Paolo Tumminelli das hohe Lied des Fiat Panda gesungen und beklagt, dass diejenigen, die heute Automobile entwerfen, sich in einem schleichenden Abstraktionsprozess immer mehr von dem zeitlosen Richtschnur der Menschenmaßlehre entfernt haben. Nein, Leonardo hat keine Autos gezeichnet, aber er hatte ein Gefühl für Proportionen, frei nach Andrea Palladio: „Das Auge misst, die Sinne erfahren, der Intellekt freut sich.“

„Das rechte Maß verloren“, lautete die Headline, und sie bezog sich eigentlich auf die Autoindustrie. In Wirklichkeit hat der Schreiber die augenblickliche Situation unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft auf den Punkt gebracht. Wir alle haben das rechte Maß verloren, sei es in der Frage der Managergehälter, sei es in dem ausufernden Anspruchsdenken des Normalbürgers, sei es in unserer „Nach mir die Sintflut“-Einstellung zur Umwelt. Wir müssen alle möglichen Messlatten kritisch in Augenschein zu nehmen und notfalls wieder auf das natürliche Menschenmaß zurück zu stutzen. Die Krise mag schon wieder vorbei sein, die sich aus ihr sich ergebende Chance nicht – noch nicht.

Wie Banken an (und in) der Zukunft arbeiten

Mittwoch, 09. April 2008

Haben Banken eine Zukunft? Diese Frage, so ketzerisch sie klingen mag, gehört an den Anfang eines Diskurses, bei dem es um mögliche Zukunftsstrategien dieser Branche geht. Und dies nicht erst, seit sich Banken im Allgemeinen mit der weitgehend selbstverschuldeten Subprime-Krise wieder mal ins Schussfeld der öffentlichen Kritik manövriert haben.

Kein Zweifel: Banken haben gerade eine schlechte Presse. Das Vertrauen ist erschüttert – auch das Vertrauen der Banker selbst.

Das Internet hat auch in anderen Branchen Existenzängste ausgelöst: Musikindustrie, Filmstudios, Reisebüros, Zeitungsverlage und Fernsehsender stellen sich zum Teil seit Jahren intern und extern die Frage nach der eigenen langfristigen Überlebensfähigkeit. Sie alle sind von zum Teil katastrophaler Kunden- und Ertragserosion gekennzeichnet beziehungsweise müssen sich oft verzweifelt (und erfolglos) bemühen, überkommene Geschäftsmodelle vor den Folgen neuer Technologien, vor der weltweiten Vernetzung, vor neuartigen direkten Kommunikations- und Transaktionskanälen, vor branchenfremder Konkurrenz, vor verändertem Konsumverhalten und vor neuen Erwartungshaltungen seitens der Kunden zu schützen. Meistens handelt es sich erkennbar um Rückzugsgefechte, womöglich um ein letztes verzweifeltes Aufbäumen.

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