Träumen Sie nicht manchmal auch davon, den Smartphone einfach mal auszuschalten und in aller Ruhe den Feierabend zu genießen? Dazu fehlt mir, ehrlich gesagt, die nötige Selbstdisziplin. Ich freue mich höchstens auf den Jahresurlaub im unberührten Südwestkreta. Dort in der „Wilden Svakia“ gibt es nur draußen auf der Landzunge vor dem Hotel Handyempfang. Man muss also eine Viertelstunde laufen, und dazu bin ich dann meistens viel zu faul. Vielleicht sollte ich mich bei Volkswagen bewerben. Die haben das Problem souverän gelöst: 30 Minuten nach Arbeitsschluss wird der firmeninterne Blackberry-Server einfach abgeschaltet. Eine entsprechende Betriebsvereinbarung betrifft rund 1.200 Tarifmitarbeiter und ist mit dem Betriebsrat abgestimmt. Offenbar waren einige Chefs in Wolfsburg der Ansicht, dass ihre Untergebenen rund um die Uhr per Mail erreichbar zu sein hatten. Damit ist jetzt Schluss. Die Telefonfunktion des Blackberry ist allerdings davon nicht betroffen. Es bleibt dem Chef also unbenommen, abends beim Mitarbeiter durch zu klingeln und ihm Dampf zu machen. Doch dagegen gibt es ja ein bereit bewährtes Mittel: den Ausschaltknopf…
Mit ‘Blackberry’ getaggte Artikel
Die Smartphone-Plage
Mittwoch, 13. Juli 2011Wer blickt denn da noch durch?
Die jüngste Abkürzung in der an Akronymen nicht gerade armen IT-Welt lautet: „BYOD“. Sie steht für „Bring Your Own Device” und beschreibt den aktuellen Trend zur Verwendung privat erworbener Mobilgeräte in der Firma. Nicht, dass BYOD wirklich neu wäre: Die Mitarbeiter haben schon immer ihre Handys zur Arbeit mitgebracht und oft auch für den Zugriff auf sensible geschäftliche Informationen und Anwendungen verwendet, teils mit der ausdrücklichen (oder zumindest stillschweigenden) Duldung der IT-Abteilung. Doch mit dem Siegeszug der iPhones, iPads, Tablets und all der anderen mobilen Endgeräte beginnen sich ITler richtig Sorgen zu machen, nach dem Motto: Die Geister die ich rief, ich wird sie nicht mehr los!
Natürlich verwenden viele Mitarbeiterschon seit Jahren beruflich ihre privaten Endgeräte, und zwar spätestens seitdem Laptops als vollwertigen Ersatz für stationäre Desktop-Computer gelten. Und genauso lange beschweren sich IT-Abteilungen darüber, dass sie in Gefahr sind, die Kontrolle zu verlieren. In Wirklichkeit haben sie sich als durchaus geschickt darin erwiesen, ihre IT-Umgebungen im Griff zu halten, trotz der vermeintlichen Anarchie der Endgeräte. Die Reaktionen reichen von einer Blockadehaltung, die jeden Zugriff mit privaten Geräten zu unterbinden sucht, bis hin zur zur einfachsten Lösung von allen: ignorieren…
Ach wie gut, dass niemand weiß…
Mittwoch, 08. September 2010Ich habe keinen Blackberry, und ich bin eher selten in den Vereinigten Emiraten, aber wenn ich dort hin müsste, hätte ich ein Problem. Die Behörden dort haben RIM, den Hersteller der digitalen Schwarzbeere, massiv unter Druck gesetzt, weil sie Zugang zu den verschlüsselten Daten wollen, die sich Blackberry-Besitzer regelmäßig zuschicken (der gesamte E-Mail-Verkehr der Geräte ist beispielsweise routinemäßig verschlüsselt). Sie wollen sehen, ob sich Terroristen gegenseitig Bombenpläne zuschicken oder sich zu Attentate verabreden, wogegen ich natürlich etwas habe. Aber ich habe noch mehr dagegen, dass man in meiner elektronischen Post herumspioniert oder mitloggt, was ich so im Internet mache.
Anonymität ist kein ganz unumstrittenes Thema in Internet-Kreisen. Die einen halten es für ein Menschenrecht, die anderen sagen: „Wer nichts zu verbergen hat, braucht das nicht.“ Aber wenn die Ereignisse am Persischen Golf ein Indikator sind, dann wächst gerade der Druck in vielen Staaten mit, weniger ausgeprägter demokratischer Kultur als wir, die Nase in die digitalen Angelegenheiten von Bürgern und Besuchern des Landes zu stecken. Indien hat sich auch schon bei RIM gemeldet. Und China betreibt bekanntlich schon seit Jahren die „Great Firewall“, hinter der nur Dinge im Internet zu sehen sind, die den Machthabern in Beijing in den Kram passen.
Das Ende der Unschuld
Mittwoch, 18. März 2009Das jüngste Opfer des Internet könnte das alte angelsächsische Rechtssystem werden. Und schuld ist unter anderen Twitter, der Blackberry und vor allem Google.
Vergangene Woche platzte in Florida ein großer Drogenprozess, weil ein Geschworener zugegeben hatte, Einzelheiten zu dem Fall im Internet recherchiert zu haben. Als der Bundesrichter, ein gewisser William J. Zloch, nachbohrte, stellte sich heraus, dass acht weitere Juroren ebenfalls die Beweislage online überprüft hatten. Da aber seit 1000 Jahren ehernes Gesetz ist, dass die Juroren nichts außer den ihnen im Gerichtssaal präsentierten Fakten und Beweisanträgen bei ihrer Urteilsbildung heranziehen dürfen, blieb Richter Zloch nichts anderes übrig, als die Geschworenen nach Hause zu schicken und einen neuen Prozesstermin anzuberaumen.
Wie John Schwartz von den “New York Times” berichtet ist das beileibe kein Einzelfall. Auch in der Heimat des “trial by jury” muss man sich inzwischen mit dem Problem herumschlage. Einer der Geschworenen in einem Vergewaltigungsprozess wurde überführt, seinen Blackberry für Internet-Recherchen verwendet zu haben, was zu einem Freispruch führte. Der oberste britische Strafrichter, Lord Igor Judge of Draycote , warnte kürzlich in einer Rede vor dem Oberhaus, dass Geschworenen zunehmend dazu neigen, “private Erkundigungen” übers Internet zu unternehmen, obwohl ihnen das vom Gericht explizit verboten werde.








