Mit ‘Blogger’ getaggte Artikel

Der Journalist als Auslaufmodell

Dienstag, 22. Januar 2013

Der Mensch im Zeitalter von Vernetzung und digitaler Beschleunigung hat mehr Information zu Verfügung als je zuvor – zu viel, wie Kulturpessimisten vom Schlage eines Frank Schirrmacher behaupten. Das Bild einer riesigen Tsunamiwelle aus Bits und Bytes, die uns alle zu überfluten droht, ist zum gängigen Klischee geworden, das vor allem von denjenigen beschworen wird, die bisher selbst gewohnt waren, an den Schleusentoren zu stehen und zu regulieren, welche Informationen letztlich bis zum “Konsumenten” der Information gelangten. Mit Floskeln wie “Qualitätsjournalismus” oder “Sorgfaltspflicht” haben die Nachrichten-Jäger und -Sammler selbst, vor allem aber diejenigen, die sie bezahlt haben – die Bosse in den Verlagen, Medienhäusern und Fernsehsendern – die angeblich so wichtige Funktion der Vorselektion und Interpretation der Ereignisse durch für eigens dafür ausgebildete und deshalb angeblich besonders kompetente “Informations-Profis” besungen. Wie die delphischen Orakel von einst sollen ihrer Meinung nach nur Eingeweihte in der Lage sein, aus dem wirren Geflecht von Fakten die allein seligmachende Wahrheit zu extrahieren, die sie dann bedeutungsschwanger auf den Leitartikelseiten oder mit sonorer Stimme in den “Tagesthemen” dem ungebildeten Volk verkünden. (weiterlesen …)

Stinkende Neger bei Google

Samstag, 21. Januar 2012

Was sucht das denn hier?

Es ist schon mal ganz interessant, was so ein Statistik-Werkzeug alles über einen Blog aussagt. So weiß ich zum Beispiel, dass gestern genau 14 Leute auf meinen Erguss zum Thema “Wulff und das Geheimnis des Anrufbeantworters” geklickt haben. Einer hat sogar auf die Kopfzeile geklickt, die mein netter Herr Bolius, der die Website technisch betreut, eingebaut hat und in dem regelmäßig wechselnde Sprüche erscheinen, die mir irgendwann aufgefallen sind und die ich witzig fand. Es handelte sich um Mike Dickisons schönen Spruch: “Because the platypus both lays eggs and produces milk, it is one of the few animals that can make its own custard.”

Das Werkzeug erlaubt es mir aber auch zu sehen, über welche Suchbegriffe Leute zu meiner Website gelangt sind. Und heute bin ich regelrecht erschrocken. Da hatte einer offenbar nach “obama ist ein stinkender neger” gesucht und ist bei mir gelandet. Das hat mich hart getroffen, denn als Rassisten sehe ich mich nun ganz und gar nicht. War ich vielleicht betrunken, als ich das schrieb?

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Gilt das Presserecht auch für Blogger?

Montag, 20. Juni 2011

Die Frage, ob das Internet ein rechtsfreier Raum ist, ist eigentlich noch nicht abschließend beantwortet. Für Straf- und Zivilrecht lautet die Antwort: ja, aber nur, wenn beide Pqrteien ihren gewöhnmlichen Aufenthalt im gleichen Rechtsraum haben, also beispielsweise beide in Deutschland oder zumindest in Europa sitzen. Im Prinzip gelten sie weltweit, aber zwische Recht haben und Recht bekommen klafft bekanntlich ein tiefer Spalt. Wenn der Server auf den Camayan Islands steht, hat der Kaiser sein recht verloren. Und die US-Regierung tut sich augenscheinlich schwer, den WikiLeaks-Gründer Julian Assange zur Rechenschaft zu ziehen, so lange der sich in Großbritannien oder Schweden befindet.

Gerade WIkiLeaks zeigt aber, dass zumindest im medialen Bereich sehr wohl noch ein rechtsfreier Raum existiert, oder zumindest eine rechtliche Grauzone. Es ist nämlich nicht ganz klar, ob WikiLeaks eigentlich eine journalistische Publikation ist, also eine Art Online-Magazin. Ich würde sagen ja, zumal sich die Mitarbeiter von WIkiLeaks ja spätestens mit dem “Redigieren” der Videoclips über die Tötung unschuldiger Zivilisten in Bagdad nicht mehr behaupten können, ihre Website leite nur Dinge ungefiltert weiter. Assange arbeitet auch mit Journalisten vom “Spiegel”, von der “New York Times” und dem britischen “Guardian” zusammen, ist also strenggenommen ein journalistischer Mitarbeiter. Er selbst bezeichnet das, was er tut, als “wissenschaftlichen Journalismus.”

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Verdrängen verboten

Donnerstag, 12. August 2010

Traue bekanntlich keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Oder zumindest selbst ausgelegt. Diese alte Weisheit fiel mir wieder ein bei der Lektüre der ARD/ZDF-Onlinestudie 2010, deren Ergebnis HR-Intendant Helmut Reitze, stellvertretender Vorsitzender der ARD/ZDF-Medienkommission, so zusammenfasste: „Sie zeigt, dass es keinen Verdrängungswettbewerb zwischen Fernsehen und Hörfunk einerseits und Internet andererseits gibt.“

Das ist erstens nur die halbe Wahrheit: Während die Fernsehnutzung, ausgedrückt in durchschnittlicher Nutzungsdauer pro Woche in Stunden, in den letzten 10 Jahren um 20 Prozent zuleget hat, hat das gute alte Dampfradio 10 Prozent verloren. Wer hier wen substituiert hat, bleibt offen.

Zweitens hat das Internet im gleichen Zeitraum um satte 453 Prozent zugelegt. Inzwischen verbringt der Durchschnittsdeutsche jede Woche sage und schreibe 77 Stunden vor dem Bildschirm. Wie es weitergehen wird, ist klar: Bleibt es bei diesen oder ähnlichen Wachstumsraten, dann werden wir alle in zehn Jahren rund um die Uhr vor dem PC (oder was auch immer für ein Gerät wir bis dahin verwenden, um online zu gehen) hocken. Für Fernsehen und Radio wird da gar keine Zeit mehr bleiben.

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Für wen schreiben wir?

Freitag, 19. März 2010

Blogs sind Worte im Wind, ziellos in die endlose Freiheit des Netzes entlassene Gedankenfetzen, von der wir hoffen, dass sie wie Brieftauben irgendwann und irgendwie zum Empfänger gelangen. Doch wie groß ist die Chance? Etwa eins zu drei, wenn man der jüngsten Studie der Initiative D21 und TNS-Infratest glauben darf. Demnach sind bislang nur 26 Prozent der Deutschen “in der digitalen Alltagswelt angekommen”, wie es in der einschlägigen Pressemitteilung heißt. 30 Prozent zählen sich zu den “Gelegenheitsnutzern”. Und die bei weitem größte Gruppe – 35 Prozent – haben mit Internet & Co. überhaupt nichts am Hut. Sie bezeichnen die Studienschreiber als “digitale Außenseiter”.

Ist das eine gute oder eine schlechte Nachricht? Kommt wohl auf den Standpunkt an. Das ist so wie die Sache mit den Optimisten und den Pessimisten: Der Optimist sieht beim Schweizer Käse den Käse, der Pessimist die Löcher. Die gute Nachricht lautet doch: Wir Blogger können mit 56 Prozent der Deutschen erreichen, allerdings nur mit etwas Glück und viel Rückenwind. Ein Drittel von ihnen sind – auch wieder eine Frage des Standpunkts – ausgeschlossen oder wehren sich erfolgreich gegen die digitale Aufdringlichkeit.

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Bye bye Blogger

Donnerstag, 04. Februar 2010

Bloggen ist inzwischen das Uncoolste, was man im Internet machen kann. Das behauptet jedenfalls Nick Carr, der Mann, dem wie die legendäre Frage verdanken: „Does IT matter?“ Er beruft sich auf eine Studie von Pew Internet, wonach die Zahl der Jugendlichen Blogger seit 2006 dramatisch abgestürzt ist. Damals gaben 28 Prozent der Teenager und jungen Erwachsenen noch an, Blogs zu schreiben. Heute sind es nur noch 14 Prozent. Sie kommentieren auch die Blogs von anderen viel seltener als früher. Vor vier Jahren hinterließen noch 76 Prozent der jüngeren Internet-Nutzer Anmerkungen unter dem, was andere online abgesondert haben. Heute sind es nur noch 52 Prozent.

Nicht, dass die Kids dem Internet den Rücken kehren würden – im Gegenteil! 73 Prozent der amerikanischen Teens geben an, regelmäßig in sozialen Netzwerken unterwegs zu sein. Im November 2006 waren es nur 55 Prozent. Aber die Beliebtheit bestimmter Features von Facebook & Co. hat sich verändert. Und sie sind offenbar auch unkommunikativer geworden.

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Brauchen wir ein Gesetz gegen Unlautere Blogger?

Mittwoch, 12. August 2009

Blogger investieren viel Zeit und Gehirnschmalz in ihre Online-Tagebücher, und man fragt sich manchmal warum. Ich blogge jedenfalls seit vielen Jahren und habe noch nie einen Pfenning – Verzeihung, einen Cent – dafür bekommen. Und so geht es fast allen Bloggern, die ich kenne.

Gut: Robert Basic hat es geschafft, seinen Blog „basicthinking“ für knapp 47.000 Euro über eBay zu versteigern. Und hier und dort sieht man ein einsames Werbebanner auf einer Blogsite. Aber reich werden tut keiner davon.

Das könnte auch daran liegen, dass die Werbefinanzierung von Blogs anders funktioniert als in anderen Medien, unauffälliger, vielleicht sogar heimlich. Der Blogger steckt nämlich in einem Zwiespalt: Lässt er Werbung zu, leidet seine Glaubwürdigkeit. Er hat das gleiche Problem wie ein guter Journalist, dessen Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit sozusagen sein Markenzeichen sind. Lässt er sich auf irgendwelche Schweinedeals ein, dann ist sein Ruf ganz schnell ruiniert und damit sein Wert für denjenigen, der ihn bezahlt.

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Shakespeare würde bloggen

Dienstag, 29. April 2008

Was uns Blog heißt, wie es auch hieße, würde lieblich durften.

Würde er noch leben, wäre Shakespeare heute sicher auch ein “Blogger”. Was die interessante Frage aufwirft: Was ist überhaupt ein Blog?

Nun, dass sich der Begriff aus der Verkürzung von “Web Log” ableitet, kann ich ja bei Wikipedia nachschlagen. Aber ist ein Blog deswegen auch ein Logbuch? Das hat für mich so was Nautisches. In einem Logbuch trage ich Dinge ein, die geschehen sind, und zwar in der Reihenfolge, in der sie geschehen sind, damit ich hinterher nachschlagen kann oder mich im Fall, dass ich mit meinem Schiff versehentlich gegen ein Riff fahre, rechtfertigen kann. “Hohes Seegericht, ich habe alles getan, was ein Seemann tun kann. Schauen Sie nur in mein Loggbuch!”.

Eine Zeitlang habe ich in meinen Vorträgen den Begriff des “Online-Tagebuchs” verwendet, um meinen Zuhörern zu beschreiben, was ein Blog ist. Aber das hat wiederum etwas Jungmädchenhaftes, so wie ein Poesiealbum. Echte Kerle essen keine Quiche. Sie haben auch keinen Blog!

Neulich sprach ich mit meinem Kollegen Ulrich (“Pfaffi”) Pfaffenberger von EditorNetwork, wie ich ein alter Journalisten-Hase, und er erzählte, dass er schon vor Jahren einen Blog gehabt habe, und zwar lange, bevor es das Wort überhaupt gab. Er war bei einem Verlag in Augsburg beschäftigt, die hatten eine Website, und da hat er einmal pro Woche einen Text über irgendein aktuelles Thema verfasst, das er seine “Online-Kolumne” nannte.

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