Mit ‘Datenschutz’ getaggte Artikel

Wie uns Google vom Internet aussperren will

Mittwoch, 16. November 2011

Wo bin ich? Einfach Google fragen!

Wenn Tom Cruise in dem Film „Minority Report“ durch die Straßen läuft, tauchen in den Schaufenstern laufend Werbebotschaften auf, die an ihn ganz persönlich adressiert sind. So schön es wäre zu wissen, dass mein Käseladen am Eck meinen Lieblings-Stilton wieder rein bekommen hat, so fröstelt es mich dennoch bei dem Gedanken, irgendjemand (ein Ladenbesitzer, der Bundesnachrichtendienst, etc.) könnte theoretisch jederzeit wissen, wo ich mich gerade aufhalte.

In der Praxis finde ich Location-based Services dagegen ganz toll. Ich benutze sie ja ständig, um meinen Freunden über Foursquare zu sagen, in welchem Lokal ich gerade zu Mittag esse oder welches Museum in New York ich gerade besuche. Ich dachte allerdings bisher immer, dass dazu GPS-Empfang nötig sei, was in der Regel nur draußen funktioniert und auch da nicht immer. Was mir nicht klar war (und ich werde von manchen Leuten ja als „Internet-Experte“ bezeichnet) ist, dass „Minority Report“ ja längst Wirklichkeit ist, und zwar Dank Google.

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Pulchinellas Geheimnis

Donnerstag, 30. Juni 2011

Ach wie gut, dass niemand (angeblich) weiß…

Enrico Mordelli ist ein witziger Mann. Ein sehr gescheiter noch dazu: Als in Italien lebender Psycholanalyst und Informatiker kennt er das Seelenleben der Menschen genau wie das der Computer. Neulich hielt er in München einen Vortrag mit dem schönen Titel: „Geheimnisse und ihre Bedeutung im Zeitalter von Wikileaks“, in dem er über die neue Transparenz des Internet und die Folgen für unsere Gesellschaft sprach, was angesichts der vielen Schlagzeilen über Datenschwund und Identitätsdiebstahl gerade in letzter Zeit (Sony, Facebook, und so weiter) besonders aktuell ist. Mir hat in diesen Tagen die Russenmafia meine komplette Homepage gekapert und umgeleitet, was mir ziemlich viel Ärger und Aufwand eingehandelt hat, also habe ich aufmerksam zugehört.

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WikiLeaks und das Ende der Privatheit

Dienstag, 30. November 2010

Ich könnt mich derzeit kugeln vor Lachen über die Kommentare der Fernsehsender und Tageszeitungen zum Thema WikiLeaks. Die eine Hälfte glaubt, mit entsprechenden Gesetzen ließe sich das Leck stopfen, die anderen murmeln moralinsauer daher über Vertrauensverlust und Geheimnisverrat.

Kapiert hat offenbar keiner, was hier vorgeht: Es ist das Ende der Privatheit! Eigentlich ist das schon lange klar: In einer total vernetzten Welt gibt es keine Geheimnisse mehr. Ein Herrschaftssystem, das auf Geheimniskrämerei aufbaut, ist zum Tode verurteilt! „Information wants to be free“, haben die Urväter der Internet-Revolution gerufen. Man hat sie falsch verstanden. „Free“ heißt zwar auch „umsonst“ – es heißt aber auch „frei“.

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Der Computer und ich

Mittwoch, 11. Juni 2008

Der Computer ist ein „ausgelagerter Teil des Körpers“, sagt Verfassungsrichter Winfried Hassemer. Fragt sich nur: welcher?

Richter haben oft den Ruf, etwas altmodisch und realitätsfern zu sein. Jedenfalls gelten sie nicht gerade als technologische Trendsetter. Zu unrecht, wie sich herausstellt: In Wirklichkeit sind sie ihrer Zeit sogar voraus. Winfried Hassemer, zum Beispiel, der bisherige Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, der heute in einem Interview der „Süddeutschen“ zum Thema Datenschutz und Schutz der Privatsphäre sagte: „Der Computer ist bei vielen ein ausgelagerter Teil des Körpers.“

Nun ist es zwar richtig, dass die amerikanische Lebensmittelüberwachungsbehörde schon 2004 die implantierte digitale Patientenakte „VeriChip“ freigegeben hat. Es handelt sich um einen so genannten RFID-Chip, der mittels eines kleinen Scanners durch die Haut hindurch ausgelesen werden kann. Das ist sehr hilfreich, wenn man etwa nach einem Autounfall bewusstlos daliegt und die Frage des Notarztes nach Blutgruppe, etwaige Medikamentenunverträglichkeiten oder den Namen der Krankenkasse nicht beantworten kann. Leider sind die Daten auch für Hacker relativ einfach zugänglich, was den Markterfolg des Systems selbst im Technik-Traumland Amerika etwas gebremst hat.

Dass allerdings umgekehrt Körperteile in den PC ausgelagert werden, zählte bislang eher zum Stoff für Science Fiction-Romane. Eigentlich schade, denn ich hätte ein paar Körperteile, die ich ganz gerne auslagern würde. Fangen wir mal bei der Leber an, die zumindest bei mir gut und gerne etwas Computerunterstützung vertragen könnte. Meine Nieren funktionieren noch ganz gut, aber da gibt es ja zum Glück schon die Möglichkeit, sich an ein Dialysegerät zu hängen, der auch nichts anderes ist als eine computergesteuerte Filteranlage.

Wie wäre es mit dem Bewegungsapparat? Ich träume schon lange von einem Gerät, das mir die Mühe des Fitnesstrainings abnimmt, etwa durch gezielte Stimulation von Muskelgruppen. Der Waschbrettbauch als Download, Fettverbrennung per Stapelverarbeitung, Bizeps per Mausklick – das wäre eine feine Sache!

Was die erogenen Zonen angeht, so hat die Computerrevolutiion dort längst begonnen. „Cyberdildonics“ nennt sich eine Unterdisziplin der Informationstechnologie, bei der es um die computerisierte Fernsteuerung des Lustempfindens mittels Sensoren und Stimulatoren an besonders empfindlichen Körperstellen, wird seit Jahren in gewissen Kreisen mit wachsender Begeisterung praktiziert. Ich kann mich noch gut an eine Cybersex-Messe in Frankfurt erinnern, auf der sich in Latex gehüllte und mit Drähten gespickte Paare fernliebten. Für Sadomacho-Freunde gab es damals schon die Variante mit spitzen Nadeln, um sich gegenseitig mittels Tastaturbefehle am Po (oder sonst wo) zu pieksen.

Ich denke nur fröstelnd an diesen Messebesuch zurück. Aber wenn wir schon beim Erinnerungsvermögen sind: Wie toll wäre es, wenn wir Teile unseres Denkapparats auslagern könnten. In meiner aktuellen Lebensphase beginnt bekanntlich das Langzeitgedächtnis an nachzulassen. Wie schön wäre es, wenn wir in regelmäßigen Abständen einfach eine Backup-Kopie machen könnten! Fehlt dann nur noch der Stirnschlitz für die Memorycard, und schon wissen wir wieder, wann Mama Geburtstag hat und wann es wieder Zeit wird, Blumen für die Gattin zum Hochzeitstag zu bestellen. Am besten jeden Morgen das Gehirn mit Outlook synchronisieren!

Auch in der täglichen Kommunikation wäre der Nutzen von Auslagerung immens. Dann könnten die Computer nämlich meine E-Mails gleich für mich lesen und dann auch noch beantworten! Der Ausdruck „Maschinenkommunikation“ bekommt dadurch eine völlig neue Qualität…

Ich hoffe, Herr Hassemer und das hohe Gericht werden mir diese despektierlichen Zeilen verzeihen, zumal er und seine Kollegen durch ihre kürzliche Entscheidung zugunsten eines Rechts auf eine unversehrte Festplatte – das so genannte Computer-Grundrecht – in meinen Augen höchste Anerkennung verdient haben. Und wer weiß, vielleicht ist seine Vision von der Vereinigung von Mensch und Maschine auch gar nicht so weit entfernt. Der Amerikaner Ray Kurzweil geht ja davon aus, dass es mit Hilfe der Nanotechnik in absehbarer Zeit möglich sein wird, menschliche Gehirnzellen zu bauen und damit Menschen nachzurüsten. Man wird sie, so sagt er, sogar vorprogrammieren können. Was, Sie können noch kein Französisch? Macht nichts: Langenscheidt & Co. werden’s schon richten. Und es tut überhaupt nicht weh!