Mit ‘E-Mail’ getaggte Artikel

Einfach mal abschalten!

Samstag, 25. Februar 2012

Träumen Sie nicht manchmal auch davon, den Smartphone einfach mal auszuschalten und in aller Ruhe den Feierabend zu genießen? Dazu fehlt mir, ehrlich gesagt, die nötige Selbstdisziplin. Ich freue mich höchstens auf den Jahresurlaub im unberührten Südwestkreta. Dort in der „Wilden Svakia“ gibt es nur draußen auf der Landzunge vor dem Hotel Handyempfang. Man muss also eine Viertelstunde laufen, und dazu bin ich dann meistens viel zu faul. Vielleicht sollte ich mich bei Volkswagen bewerben. Die haben das Problem souverän gelöst: 30 Minuten nach Arbeitsschluss wird der firmeninterne Blackberry-Server einfach abgeschaltet. Eine entsprechende Betriebsvereinbarung betrifft rund 1.200 Tarifmitarbeiter und ist mit dem Betriebsrat abgestimmt. Offenbar waren einige Chefs in Wolfsburg der Ansicht, dass ihre Untergebenen rund um die Uhr per Mail erreichbar zu sein hatten. Damit ist jetzt Schluss. Die Telefonfunktion des Blackberry ist allerdings davon nicht betroffen. Es bleibt dem Chef also unbenommen, abends beim Mitarbeiter durch zu klingeln und ihm Dampf zu machen. Doch dagegen gibt es ja ein bereit bewährtes Mittel: den Ausschaltknopf…

Digitale Robinsonade

Montag, 13. Februar 2012

Nichts stört so sehr im Internet-Zeitalter als einer, der seine Mails nicht beantwortet, und zwar zügig! Am besten innerhalb weniger Minuten, aber wenigsten noch am selben Tag. Wer das nicht tut, den mag man eigentlich nicht, und im Fall eines Online-Händlers ist das natürlich tödlich: Der Kunde ist sauer und auch schon weg; da hilft es nichts, wenn zwei, drei Tage später doch noch eine Antwort reinschneit wie die letzten Schneeflocken im Frühling, denn da bin ich mit meinen Gedanken schon woanders.

Im Privatleben ist das ein bisschen anders, aber auch nur ein bisschen. Es gibt Leute, die meinen, im Urlaub sei die Zeit aufhoben: Sie wollen sich schließlich erholen, und dazu gehört es für sie auch, während der schönsten Wochen des Jahres nicht ins elektronische Briefkastl zu schauen. Dass für uns andere das Leben aber weitergeht, können oder – wahrscheinlicher – wollen sie nicht zur Kenntnis nehmen.


So warten wir dann ungeduldig, dass die digitale Robinsonade zu Ende ist und derjenige wieder im Lande der Lebenden auftaucht, ausgeruht und voller Tatendrang. Wenn man sie gut genug mag, verzeiht man ihnen, aber insgeheim bleibt doch ein fader Geschmack zurück. Schließlich gibt es auch am Hindukusch oder auf Mauritius Internet-Anschluss, und die paar Minuten am Tag habe ich immer, dass ich ein digitales Lebenszeichen von mir geben kann. Es nicht zu tun, zeugt von Egoismus und Eigenbrötelei: unsoziales Verhalten, und das im Zeitalter von Social Media!
(weiterlesen …)

LDO, oder: Das Ende von E-Mail

Dienstag, 06. September 2011

Meine Tochter schreibt keine Mails mehr. „Oh Papa, E-Mail ist doch so 20stes Jahrhundert“, meinte sie neulich. Stattdessen benützt sie Facebook, um mit ihren vielen „Freunden“ – oder das, was sie für Freunde hält – zu kommunizieren. Als sie kürzlich mit ihrem Freund Schluss machte, tat sie das sozusagen coram publico auf ihrer Facebook-Seite, unter reger Zuschauerbeteiligung: Die einen waren dafür, den Typ in die Wüste zu schicken, die anderen rieten ihr, es nochmal mit ihm zu probieren. Die Debatte endete eins zu null für die Wüste.

In der kleinen Analystenfirma, an der ich beteiligt bin, tobt gerade auch ein Streit darüber, ob E-Mail noch zeitgemäß sei. Eine Fraktion (und es sind diesmal komischerweise die Älteren) ist dafür, für die interne Kommunikation auf ein so genanntes „Microblogging“ namens Yammer umzustellen, das wie Twitter funktioniert, nur dass der Benutzerkreis auf die eigenen Mitarbeiter beschränkt bleibt. Wir schreiben uns zu viele Mails, meinen die Yammer-Anhänger, da hat man keine Übersicht mehr. Die Gegner (die Jüngeren, wie gesagt) scheuen vor der totalen Transparenz zurück: Da könne ja jeder alles lesen, da könne man ja niemandem mehr etwas im Vertrauen sagen. Das Ende der Debatte steht noch aus.

(weiterlesen …)

Darf man per E-Mail trauern?

Mittwoch, 02. Januar 2008

Die Todesnachricht lag in meiner Mailbox, und ich habe darauf geantwortet. Hätte ich das tun dürfen?

Hartmut Dirks ist nicht alt geworden. Mit 53 Jahren ist er in einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Emden gestorben. Das hat mir seine Frau Alice heute per E-Mail-Rundschreiben an alle Freunde und Verwandte mitgeteilt.

Hartmut war über die Jahre mein Streit- und Saufkumpan, ein Schwätzer vor dem Herren, vor dem ich – selber kein übler Schwätzer – neidlos den Hut ziehen musste. Klar, dass so einer – wie ich – die Journalistenlaufbahn einschlagen musste. Sprüche von ihm wie “ohne ‘n Korn ist ‘n Bier ja so trocken” werden mich mein Leben lang begleiten.

Warum er gestorben ist, weiß ich nicht, nur dass es wohl “plötzlich und unerwartet”, aber auch “schmerzlos” gewesen sein muss, wie mir seine Witwe schrieb. Die erste Mail im Neuen Jahr, und dann so was.

Ich war jedenfalls ziemlich fassungslos, als ich frühmorgens, noch ein bisschen verkatert und im Morgenmantel am Computer saß und die Mail las. Und ich habe das getan, was ich normalerweise bei Mails, die mich interessieren oder berühren, tue: Ich habe sofort geantwortet. Das gehört sich so im Internet-Zeitalter. Menschen, die endlos lange brauchen, bis sie antworten (oder die gar nicht antworten) mag ich eigentlich nicht.

Doch dann sind mir plötzlich Zweifel gekommen. War das richtig? Ist E-Mail das richtige Medium, um so persönliche und intime Inhalte zu kommunizieren wie Beileid, Bestürzung, Trauer? Was bist du doch für ein grober Klotz, dass du glaubst, einer armen Witwe gegenüber deine Pflicht und Schuldigkeit getan zu haben, indem du mal eben auf “senden” drückst? Wie weit sind wir gekommen in dieser kalten Welt des Browsers und des Mailers?

Gut, ich kannte die Dame ja nicht. Hardy hat sie erst geheiratet, als wir uns schon ein bisschen aus den Augen verloren hatten. Unser Kontakt bestand über die Jahre nur aus spontanen, aber meist sehr langen Telefongesprächen, in denen es um Gott und die Welt, um alles von Computerspiele bis zur Gesundheitsreform, um berufliche Erfolge und Misserfolge, um Hardys spätes Zweitstudium und unsere mit dem Alter zunehmende Unfähigkeit ging, wie früher bis zum Morgengrauen Jever und Korn zu kippen und trotzdem am nächsten Morgen noch wie Tiere zu arbeiten.

Natürlich habe ich mir inzwischen eine Rationalisierung zu Recht gelegt, die mir hilft, meine tief sitzende Unlust zu rechtfertigen, eine wildfremde Witwe anzurufen und persönlich die üblichen Trostformeln zu sprechen. Immerhin hat sie mir ein Rundschreiben geschickt. Wie unpersönlich kann man werden? Und außerdem ist es halt so: Wir leben nun mal in der Welt, in der wir leben, und E-Mail ist für Menschen wie mich inzwischen sogar zu der absolut wichtigsten Kommunikationsform überhaupt geworden. Wenn ich schätzen müsste, würde ich sagen, dass die Verteilung bei mir in etwa so aussieht: Telefonieren 20 Prozent, F2F (also mit anderen Menschen von Angesicht zu Angesicht sprechen) 30 Prozent, E-Mail 50 Prozent.

Ein Beileidsbrief per E-Mail ist also absolut in Ordnung, weil zeitgemäß und zeitnah. Alice Dirks wird das genauso zur Kenntnis nehmen wie eine Karte oder ein paar gestammelte Worte von einem Unbekannten am Telefon. Ob es ihr mehr oder weniger weiterhilft als eine andere Form der Beileidsbezeugung, oder ob es ihr überhaupt hilft, weiß ich nicht.

Aber irgendwo ganz tief unten in meinem verborgenen Bewusstsein nagt noch immer so ein kleiner Zweifel. Vielleicht gibt es doch Dinge, die nicht in eine Mail gehören.

E-Mail vor dem Aus

Freitag, 02. Juli 2004

Ich mache mir langsam richtige Sorgen um die Zukunft von E-Mail. Der Grund ist natürlich Spam, also die Flut von unverlangten und unerwünschten Werbe-Mails, die nach einer neuen Gartner-Studie inzwischen mehr als die Hälfte aller elektronischer Postsendungen im Internet ausmachen.

Mir geht es aber nicht einmal so sehr darum, dass ich mich ärgere, wenn ich morgens erst mals ein halbes Hundert Angebote für Viagra, Penisverlängerung oder Pornosites löschen muss. Viel schlimmer ist, dass ich mich nicht mehr darauf verlassen kann, dass meine Post beim Empäfnger ankommt, beziehungsweise dass ich alle wichtigen Sendungen erhalte, die an mich gerichtet sind.

Wie viele andere nehme ich inzwischen einen externen Anti-Spam-Dienst in Anspruch, der meine Mail sozusagen vorsortiert, offensichtliche Spams löscht und nur die „Guten“ durchlässt. Große Firmen haben längst selbst solche Spam-Filter installiert – aber er garantiert, dass sie nicht zu scharf eingestellt sind?

Jedenfalls häufen sich bei mir die Fälle, in denen wichtige Post irgendwo im Cyberspace auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Damit sinkt für mich aber der Wert des Internet als Kommunikationsmedium. Wir müssen aufpassen, dass wir in Sachen Spam nicht überreagieren – und damit das Kind mit dem Bade ausschütten.

Was darf in einer E-Mail stehen – und was nicht?

Samstag, 11. November 1995

In einer offenen Gesellschaft – und das Internet ist mit das Offenste, was man sich vorstellen kann – dürfen Sie natürlich in Ihre E-Mails schreiben, was Sie wollen. Ob das aber unbedingt weise wäre, ist zweifelhaft. Gerade die Offenheit des Net kann sich als Nachteil auswirken, wenn es darum geht, über Dinge zu kommunizieren, die nicht jeder wissen soll.

In der Beschreibung des Header haben wir gesagt, dass eine E-Mail auf dem Weg zum Empfänger durchaus eine Reihe von Zwischenstationen durchlaufen kann. In jedem dieser Rechner ist es theoretisch möglich, dass ein Fehler auftritt und Ihre Mail an jemanden ganz anderen geleitet wird. Computer sind alles andere als unfehlbar. Außerdem sind manche E-Mail-Adressen in Wirklichkeit Mailing Lists, die eingehende Nachrichten sofort an alle Mitglieder der Liste weiterleiten.

Von der Möglichkeit, dass ein böse meinender Mensch Ihre Mail absichtlich abfangen und lesen könnte, wollen wir gar nicht reden. Es ist auch eher unwahrscheinlich, wenn man an die ungeheuren Mengen an Mails denkt, die täglich kreuz und quer durchs Internet reisen. Wie soll ein Hacker wissen, welche Mails für ihn interessant sind und welche nicht?

Die größte Gefahr für die Privatsphäre geht deshalb auch nicht von irgendwelchen anonymen  „Cyber-Strauchdiebenben“ aus, sondern von neugierigen Kollegen oder Familienmitgliedern, die sich in Ihrer Abwesenheit Zugang zu Ihrem Computer verschaffen und in Ihrer elektronischen Post stöbern. Es empfiehlt sich daher immer, von Zeit zu Zeit alte Post mit vertraulichem Inhalt von der Festplatte zu löschen. Machen Sie sich notfalls eine Papierkopie und schließen Sie sie in den Schrank (oder Tresor) – das ist bestimmt  am sichersten.

Noch besser ist es, die eiserne Regel der elektronischen Post zu beachten, nämlich: Schicken Sie nichts per E-Mail, was Sie nicht auch per Fax (oder als Postkarte!) versenden würden. Das gilt für Geschäftsgeheimnisse ebenso wie für Intimes aus Ihrem Privatleben.

Ansonsten gibt es kaum etwas, das nicht per E-Mail schneller und effizienter kommuniziert werden kann als per Brief. Dennoch gibt es, wie bei jedem Medium, Stärken und Schwächen, und es lohnt sich, sich darüber im Klaren zu sein, wozu E-Mail gut ist – und wozu nicht.

E-Mail steht in unmittelbarerer Konkurrenz zur Briefpost auf der einen Seite, zum Telefon und Telefax auf der an-deren. Das Telefon ist zweifellos noch schneller – aber Sie verschwenden häufig sehr viel Zeit damit, Ihr Gegenüber endlich an die Strippe zu bekommen. Die Amerikaner haben dafür den schönen Ausdruck „telephone tag“ geprägt  – telefonisches Fangenspielen. Angeblich gehen dem Bruttosozialprodukt einer Industrienation jährlich Milliarden durch diese verschwendete Zeit am Telefon verloren. Für Routinekommunikation wie Terminabsprachen und  -bestätigungen, Weiterleiten von Vorschlägen und Kalkulationen, Auftragserteilung und so weiter ist E-Mail das ideale Medium, denn die Nachricht erreicht den Empfänger erstens dann, wenn er sich im Büro befindet, und zweitens gerade aufnahmefähig ist. Gegenüber konventioneller Schneckenpost ist E-Mail in Sachen Schnelligkeit voraus.

Das setzt allerdings voraus, dass Ihr Gegenüber regelmäßig in seinen elektronischen Briefkasten schaut. Sonst kann Ihre Mail durchaus tagelang liegenbleiben und die Kommunikation hat ihren Sinn verfehlt. Jeder, der E-Mail benützt, sollte sich deshalb angewöhnen, mindestens einmal am Tag – besser noch alle paar Stunden – nach-zuschauen, ob Post für ihn da ist.

Die Briefpost hat Vorteile, wenn es um Beweiskraft geht. Ein Lieferant könnte behaupten, eine Bestellung per E-Mail nicht bekommen zu haben. Ähnliches gilt für das Versenden von Rechnungen per E-Mail. Vollends untauglich wird das elektronische Medium dann, wenn es um Unterschriften geht. Hier liegt die Sache etwa so wie beim Fax, dem deutsche Gerichte auch nur sehr zögernd den Status von Rechtsgültigkeit einräumen. Es ist nicht einfach – und in manchen Fällen sogar unmöglich – festzustellen, woher eine Mail wirklich kommt. Auch E-Mail-Adressen lassen sich fälschen (”spoofing” nennt man das in der Fachsprache). Das gleiche gilt natürlich auch für herkömmliche Schriftstücke (im Zeitalter von DTP ist es ein Kinderspiel, Briefbögen zu duplizieren), aber insgesamt tut sich ein Gauner mit Papierdokumenten schwerer.

Ein Riesenvorteil von E-Mail ist die Möglichkeit, gleichzeitig mit Gruppen von Teilnehmern zu kommunizieren. E-Mail ist also das ideale Medium für Rundschreiben. Das Telefon erlaubt zwar auch Konferenzschaltungen, aber sie sind kompliziert und können nur eine begrenzte Anzahl von Menschen einschließen. Die Bundespost bemüht sich seit Jahren, die Kosten für Rundschreiben per Briefpost so zu verteuern, dass alle mit der Zeit ohnehin gezwungen sein werden, sich ans Internet anzuschließen. Und selbst die Rundsendefunktion des Fax ist hier die deutlich schlechtere Alternative, weil jeder Teilnehmer einzeln angewählt werden muss, was Zeit und Geld kostet (es sei denn, Sie arbeiten mit einem professionellen Faxversender zusammen, was aber auch teuer kommt). Per E-Mail lässt sich ein Rundschreiben an viele Dutzend Menschen mit einem einzigen Knopfdruck erledigen.

In einem Punkt ist das Internet gegenüber den beiden anderen Medien ohnehin unschlagbar, nämlich mit seiner Fähigkeit, kodierte Daten im Binärformat zu übertragen. Dem Internet ist es nämlich egal, ob Ihr ”Brief” aus Text, einer Tabellenkalkulation, einer Datenbank oder einem digitalisierten Bild besteht. Diese werden einfach als sogenannte  „Attachments“ (Anlagen) an die E-Mail angehängt und mit übertragen. Der Empfänger kann sie gleich weiterbearbeiten und in computerlesbarer Form abspeichern. Und das alles sehr viel schneller und zu einem Bruchteil der Kosten von Diskettenversand.

Wenn Sie unbedingt vertrauliche Informationen per Internet verschicken wollen, bieten die meisten Hersteller von Internet-Software inzwischen sogenannte „Encryption Protocols“ an. Die Mail wird vom Absender kodiert und als unleserliche Folge von Computerzeichen versandt. Der Empfänger muss mit dem gleichen Programm ausgestattet sein, das es ihm erlaubt, die Nachricht wieder zurück zu verwandeln. Standards für solche Verschlüsselungsverfahren fehlen bisher ganz. Also muss man sich mit jedem einzelnen Teilnehmer absprechen, bevor man sich mit ihm per „sichere mail“ austauschen kann, was die Einsatzmöglichkeit in der Praxis wesentlich einschränkt.

(aus: “Internet-Praxis – der Wegweiser für das größte Datennetz der Welt)