Mit ‘eBay’ getaggte Artikel

Die ahnungslose Ilsa

Freitag, 08. Juni 2012

Die Schufa lässt erforschen, wie sie Informationen von Facebook und Co. Und schon schreit die Politik: „Unfair! Wo bleibt der Datenschutz?“

So ein Unsinn! Schufa & Co. leben davon, uns zu sagen, wer vertrauenswürdig ist und wer nicht. Sie klopfen uns dazu nach allen Seiten ab und analysieren, welches Risiko jemand eingeht, der mit uns Geschäfte macht.

Die Online-Persona ist ein Teil von uns. Ich bin ein bisschen stolz darauf, dass ich bei eBay in den letzten zwölf Monaten 100% positive Bewertungen von meinen Geschäftspartnern – Käufer wie Verkäufer – erhalten habe. Ich wäre froh, wenn meine Bank diesen Wert bei meiner Bonitätsprüfung berücksichtigen würde, denn sie lässt zumindest darauf schließen, dass ich vielleicht ein anständiger Mensch bin. Stinkstiefel bekommen in der Regel schlechte Noten bei eBay.

Wer jetzt verlangt wie Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner fordert, dass die Online-Persönlichkeit bei Schufa & Co. ausgeklammert werden soll, zählt zur gleichen Riege von Ahnungslosen wie Kurt Beck und Jürgen Rüttgers, die vor ein paar Jahren Sperrstunden im Internet verlangt haben: Schweinekram soll es nur noch nach 22 Uhr geben. Dass es irgendwo auf der Welt immer 22 Uhr ist, haben die nicht kapiert.

Sykpes grosse Preisfrage

Montag, 07. September 2009

Für zwei Milliarden Dollar muss eine alte Frau lange stricken. Und selbst unbedarfte Beobachter des Verkaufs von Skype durch eBay haben sich verwundert gefragt: Wieso ist Skype noch so viel wert? Dass sich die ehemalige eBay-Chefin Meg Whitman 2005 von den Skype-Gründers Janus Friis und Niklas Zennstrom über den Tisch ziehen ließ, als sie ihnen 3,1 Milliarden für den Internet-Telefondienst gab, wusste außer ihr eigentlich jeder. Und dass die vier Jahre, in denen eBay eine Chance nach der anderen verpasste, den Sprach-Dienst sinnvoll ins eigene Geschäftsmodell zu integrieren, auch nicht gerade wertsteigernd waren, ergibt sich bei einigem Nachdenken fast von selbst.

Frau Whitman hat sich denn auch innerhalb von kürzester Zeit mit den beiden Skype-Buben überworfen, die nach zwei Jahren den Bettel hinwarfen und sich ihrem nächsten Projekt, joost.com, zuwandten (BTW: Was ist eigentlich daraus geworden – man hört so gar nichts…).

Wie sehr sich Whitman hat düpieren lassen, wurde allerdings ernst mit der Zeit klar. Die schlauen Nordlichter hatten ihr nämlich offenbar verschwiegen, dass die Basistechnologie von Skype eigentlich gar nicht Skype gehört, sondern einem anderen Unternehmen der beiden namens JoltID. Friis und Zennstrom hatten ja schon einmal für Furore in der Branche gesorgt mit Kaaza, einer Musik-Tauschbörse, die so lange als “Piratensender” von der internationalen Musikindustrie, bis die beiden die Lust verloren und die Firma verscherbelten. Vorher haben sie aber die Patente für den Kaaza-Code in JoltID ausgelagert. Und dort blieben sie, auch als das Finnen-Duo Skype ins Leben riefen, das in seinem Kern auf der alten Kaaza-Technologie basiert. So lange die beiden selber Eigentümer von beiden Firmen waren, fiel das niemandem weiter auf, in den ersten beiden Jahren der anfangs harmonischen eBay-Ehe auch nicht. Aber als der Hausfrieden zerbrach und die beiden weg waren, ging der Streit los. Ergebnis: Inzwischen ist in London ein Rechtsverfahren anhängig, das aller Voraussicht nach 2010 zur Verhandlung kommen wird. Und wenn die Sache dumm läuft, kann Skype danach den Laden zumachen. So, wie sich die Beteiligten ineinander verhakt haben, ist wohl kaum von einer gütlichen Einigung auszugehen.

Die große Preisfrage lautet nun: Haben Netscape-Gründer Marc Andreessen und seine Mitstreiter von Index Ventures, Silver Lake Partners und der kanadische Pensionsfond, keine Zeitungen gelesen? Dass es im Falle einer Verurteilung von Skype ans Eingemachte gehen wird, stand längst zumindest in obskuren Branchendiensten und Blogs. Gut, Andreessen ist kein ganz armer Mann: Seine Venture Capital-Firma verwaltet 300 Millionen Dollar, da ist sein persönlicher Anteil am Skype-Deal in Höhe von 50 Millionen vielleicht noch zu verkraften. Aber wie ist es mit den kanadischen Rentnern und den anderen Anlegern?

Und so wird jetzt kräftig spekuliert. Wissen Andreessen & Co. vielleicht etwas, das wir nicht wissen? Zum Beispiel, dass Friis und Zennstrom ihr Einlenken bereits signalisiert haben? Da ist es interessant zu erfahren, dass Michelangelo Volpi, ein ehemaliger Cisco-Manager, seit kurzem im Verwaltungsrat von Index Ventures sitzt. Liest man in seiner Biographie weiter, erfährt man, dass er auch schon im Aufsichtsrat von Skype saß. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Allem Anschein aus den vergangenen Krisenmonaten zum Trotz sind Investmentbanker in der Regel keine Zocker. Und so können wir getrost davon ausgehen, dass die Anleger, die sich mit zwei Milliarden Scheinchen an Skype beteiligt haben, gewusst haben, was sie taten. Ob es wirklich so ist, werden wir anderen erst wissen, wenn es so weit ist.

Schweigen spricht Bände

Dienstag, 15. April 2008

Witzig, was sich Leute alles einfallen lassen, um eine schlechte eBay-Note abzuwehren.

Shakespeare wusste schon Bescheid: Im dritten Akt von “Othello” lässt er Iago einen denkwürdigen (und deshalb auch vielzitierten) Satz sagen: “Wer mir meinen guten Namen nimmt, beraubt mich eines Schatzes, der ihn nicht reicher und mich in der Tat arm macht.”

Das ist auch der Grund, weshalb die meisten eBay-Händler geradezu panische Angst haben vor einer schlechten Bewertung – er hängt ihnen nämlich lange nach und mindert seine Chancen auf geschäftlichen Erfolg. Und auch als Kunde lässt man sich ungern eine schlechte Note reinwürgen, denn wer weiß, wo das eines Tages wieder auftaucht? Von einigen Online-Kreditbörsen ist bekannt, dass sie das eBay-Profil potenzieller Gläubiger in ihre Bonitätsprüfung einfließen lassen. Guter Ruf ist also bares Geld wert – nicht nur, aber ganz besonders im Internet.

Es ist im übrigen sehr schwer, eine als ungerecht empfundene schlechte Bewertung wieder löschen zu lassen. Eigentlich geht das nur im gegenseitigen Einvernehmen. Und das könnte ein neuer Trick zu sein von Händlern, die ihre Weste wieder weiß waschen wollen.

Dass Händler gerne Kunden, die sie schlecht benoten, sozusagen als “Retourkutsche” durch Abwertung abstrafen, ist bekannt. eBay hat deshalb seine Spielregeln geändert und wird Händlern in Zukunft nur noch erlauben, positive Bewertungen ihrer Kunden abzugeben – oder eben auch gar keine. Schweigen ist in diesem Fall zwar nicht Gold, spricht aber Bände.

Bevor es allerdings so weit ist, habe ich am eigenen Leib erleben müssen, wie hilflos man gegen Rufschädigung im größten Online-Auktionsportal ist. Folgender Fall: Ein Händler aus Egelsbach schickte mir zwei falsche Tonerkartuschen. Kann passieren, aber was die Sache besonders ärgerlich machte war, dass er sich vorher sogar noch per E-Mail bei mir erkundigte, für welchen Drucker der Toner sei. Besonders dämlich, also, aber auch das kein wirklicher Grund zur Aufregung. Nur als er mich per eBay-Nachricht aufforderte, ihn zu bewerten, sah ich nicht ein, dass ich besondere Zufriedenheit vorheucheln sollte, also habe ich auf “neutral” geklickt. Alles andere wäre ja gelogen gewesen, denn der Service war ja wirklich mies, nur nicht so mies, dass ich ihm eine volle Breitseite, sprich ein “negativ” hätte reindonnern müssen.

Aus allen Wolken fiel ich allerdings ein paar Tage später, als ich zufällig bei eBay reinschaute und bei meinen Bewertungen plötzlich ein dickes rotes Ei und folgenden Kommentar des besagten Händler vorfand: “VORSICHT !!! Verkauft leere Ware als NEU & VOLL ! Ebay informiert ! NOTE 6- !!!”

Da ja nicht ich, sondern er etwas verkauft hatte, war das natürlich bodenlos. Aber bevor ich mich so richtig aufregen konnte, kam eine Standard-Nachricht des Herren, der sich entschuldigte: Er habe die Bewertung “versehentlich” abgegeben, und er bot mir eine einvernehmliche Rücknahme an, was ich natürlich sofort per Mausklick getan habe.

Nur: Dadurch wurde auch meine “neutrale” Bewertung bei ihm gelöscht. Und nun frage ich mich, ob er das vielleicht genau so beabsichtigt hat. Denn damit ist auch sein Bewertungskonto wieder sauber.

Wenn ja, dann war es ein zwar billiger, aber ziemlich genialer Trick. Zum Glück funktioniert er nur noch kurze Zeit, denn dann tritt besagte Regeländerung bei eBay in Kraft, die das verhindert.

Allerdings: Gelöscht ist nicht gelöscht, eine Erfahrung, die schon so mancher Unbedarfte im Internet machen musste (siehe meinen Blog-Eintrag: “Die Online-Geister, die ich rief”. So auch hier: Das Negativurteil fließt zwar nicht mehr in meine Gesamtnote ein. Die liegt weiterhin bei 100 Prozent (89 positive, keine negative Bewertung). Aber wer sich die Mühe macht, durch mein Reputations-Konto zu scrollen, entdeckt den Eintrag immer noch, nur mit dem Vermerk: “Bewertung wurde zurückgenommen: Käufer und Verkäufer haben sich darauf geeinigt, die Bewertung für diesen Artikel zurückzunehmen.”

Darauf kann sich nun jeder seinen eigenen Reim machen. Besonders positiv klingt es jedenfalls nicht, schon eher danach, als hätten sich da zwei Krähen darauf verständigt, sich gegenseitig nicht das Auge auszuhacken. Aber auch da war Shakespeare schon vor mir da: In “King Lear” lässt er Cordelia klagen: “Wer Fehler schminkt, wird einst mit Spott verlacht…”

EBay kehrt zurück zu seinen Wurzeln

Samstag, 23. September 2006

eBay hat sich mit der Zeit ganz schön verändert. Zwischen den Auktionen tauchen immer häufiger Angebote zum Festpreis auf. „Sofort-Kauf“ nennt sich das. Anfangs gab es eine Handvoll davon, heute findet man in manchen Produktkategorien überhaupt nur noch „Sofort-Kauf“-Offerten.

Es hat natürlich niemand etwas dagegen, wenn ein Profi-Händler Neuware bei eBay verkauft – im Gegenteil. Aber wer dem Kunden in einem Auktionshaus feste Preise vorschreiben will, hat meines Erachtens nicht verstanden, worum es geht –nämlich um den Reiz des Bietens und Überbotenwerdens. Kurz gesagt: ums Erlebnis. Das haben die Verantwortlichen bei eBay offenbar auch erkannt.

Jedenfalls hat man jetzt neben dem klassischen Auktionshaus einen reinen Marktplatz namens „eBay Express“ eingeführt. „Hier sollen ausschließlich gewerbliche Anbieter Neuware zum Festpreis verkaufen“, sagte mir Patrick Boos, der als Senior Director die Marktplatz-Entwicklung leitet.. Und auch im klassischen Auktions-Teil von eBay sollen Angebote von so genannten „eBay Shops“, also von Profi-Händlern, nur dann in den Suchlisten auftauchen, wenn nicht ausreichend Auktion verfügbar sind. eBay bleibt also seinen Wurzeln treu – und das finde ich gut so.

Think global, buy local

Donnerstag, 01. Dezember 2005

Drei, zwei, eins – meins! Bei eBay fand ich neulich genau das, was ich suchte: ein Doppelbett aus Holz mit vier Schubläden auf Rollen, um den ungenützten Platz unter dem Bett als Stauraum nutzen zu können. Ich saß also pünktlich um 19:30 am Computer und gab im richtigen Augenblick das richtige Gebot ab. Prompt kam die Bestätigung: “Sie haben den Artikel erworben.”

Als ich aber den Verkäufer per E-Mail fragte, wo ich das Bett abholen könne, gab es eine Riesenüberraschung: Der Besitzer wohnt keine 200 Meter von mir entfernt im Münchner Stadtteil Haidhausen. Ich ging also kurz rüber, bezahlte das Bett gleich bar und holte es zu Fuß mit einem Leiterwagen ab. Soviel zum Thema globales Netzwerk! Aber schlafen tue ich seitdem besser denn je…