Mit ‘Facebook’ getaggte Artikel

Maulkörbe im Cyberspace

Mittwoch, 21. November 2012

Einmal zu oft geliked

Im Internet kann jeder seine Meinung sagen, richtig? Falsch: In China kommste dafür in den Bau, in Russland ins Arbeitslager. Aber wenigstens in den demokratisch regierten Ländern, da stimmt es doch, richtig? Nochmal falsch: Da kann es sogar sein, dass man für Dinge, die man online sagt, bestraft wird, über die sich im richtigen Leben kein Mensch aufregen würde.

Nehmen wir doch mal Indien, das sich stolz als die „größte Demokratie der Welt“ bezeichnet. In Mumbai sind, wie die New York Times berichtet, zwei junge Frauen wegen eines Facebook-Eintrags von der Polizei abgeholt und eingelocht worden. Nein, sie haben nicht zum Sturz der Regierung aufgerufen oder Anleitungen zum Bombenbasteln veröffentlicht. Sie haben sich nur darüber echauffiert, dass in ihrer Heimatstadt Mumbai das ganze Geschäftsleben zum Erliegen gekommen ist, weil ein greiser Politiker namens Bal Thackeray verstorben war.

Das Blöde ist nur: Der Mann war Chef einer als politische Partei getarnten Schieberbande, die sich „Shiv Sena“ („Krieger Shivas“) nennen und die wie eine Art Mafia über Mumbai herrscht.  (weiterlesen …)

Facebook und andere Blasen

Mittwoch, 27. Juni 2012

Die älteren unter uns erinnern sich noch an die sagenhafte Zeit des ersten Internet-Booms. Das heißt: So lange ist es gar nicht her, dass die Dotcom-Blase platze. Damals, am 10. März 2000, erreichte der NASDAQ-Index in New York den Wert von 5132.52. Heute liegt er an einem richtig guten Tag schon mal bei 3.000. Sic transit gloria mundi!

Die Geschichte der Dotcom-Blase war geprägt von etwas, dass Wirtschaftswissenschaftler schon damals „irrational exuberance“ nannten, was sich am besten mit „unvernünftiger Überschwang“ ins Deutsche übertragen lässt. Das ist nicht wirklich neu: Immer wieder in der Börsengeschichte haben  sich die Menschen davon überzeugen lassen, dass die Gesetze der Schwerkraft aufgehoben sind. 1636 kostete eine einzige Tulpenzwiebel in Amsterdam 60 Gulden – so viel wie sonst ein ganzer Bauernhof. 1846 gingen Hunderttausende von Anleger pleite, als die große Eisenbahn-Blase platzte. Und reden wir lieber gar nicht erst vom „Schwarzen Freitag“ 1929, der die bisher größte Depression der modernen Wirtschaftsgeschichte auslöste.

Natürlich war deshalb die Schadenfreude groß, als das große Börsenfeuerwerk von Facebook sich jüngst als klassischer Rohrkrepierer herausstellte. (weiterlesen …)

Die ahnungslose Ilsa

Freitag, 08. Juni 2012

Die Schufa lässt erforschen, wie sie Informationen von Facebook und Co. Und schon schreit die Politik: „Unfair! Wo bleibt der Datenschutz?“

So ein Unsinn! Schufa & Co. leben davon, uns zu sagen, wer vertrauenswürdig ist und wer nicht. Sie klopfen uns dazu nach allen Seiten ab und analysieren, welches Risiko jemand eingeht, der mit uns Geschäfte macht.

Die Online-Persona ist ein Teil von uns. Ich bin ein bisschen stolz darauf, dass ich bei eBay in den letzten zwölf Monaten 100% positive Bewertungen von meinen Geschäftspartnern – Käufer wie Verkäufer – erhalten habe. Ich wäre froh, wenn meine Bank diesen Wert bei meiner Bonitätsprüfung berücksichtigen würde, denn sie lässt zumindest darauf schließen, dass ich vielleicht ein anständiger Mensch bin. Stinkstiefel bekommen in der Regel schlechte Noten bei eBay.

Wer jetzt verlangt wie Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner fordert, dass die Online-Persönlichkeit bei Schufa & Co. ausgeklammert werden soll, zählt zur gleichen Riege von Ahnungslosen wie Kurt Beck und Jürgen Rüttgers, die vor ein paar Jahren Sperrstunden im Internet verlangt haben: Schweinekram soll es nur noch nach 22 Uhr geben. Dass es irgendwo auf der Welt immer 22 Uhr ist, haben die nicht kapiert.

Social Flying

Freitag, 24. Februar 2012

Wer sagt, man kann sich seine Nachbarn nicht aussuchen

Fliegen ist schöner, aber nicht, wenn man wie ich neulich neben einer Quasselstrippe landet, die mir von Newark bis München sämtliche Einzelheiten ihres ziemlich kaputten Familienlebens einschließlich gewisser sexueller Neurosen ihres frisch in die Wüste entsandten langjährigen Lebensabschnittsbegleiters erzählen musste. Ich habe schließlich zur letzten letzten Waffe gegriffen, die einem im Gadget-Zeitalter verbleibt, um sich etwas Rückzugsraum zu verschaffen: Ich habe mir die Kopfhörer aufgesetzt und hatte endlich meine Ruhe!

In Zukunft werde ich mir überlegen, ob ich nicht von Lufthansa auf KLM umsteige. Die Käsköppe haben nämlich den endgültigen Social Media App erfunden: “Meet & Seat” erlaubt es mir, mich vorab per Facebook oder LinkedIn darüber zu informieren, wer bei meinem nächsten Flug alles mit an Bord ist und bei gegenseitigem Gefallen eine Art Platz-Partnerschaft zu beschließen. Umgekehrt kann ich vermutlich auch festlegen, neben wem ich auf gar keinen Fall sitzen möchte!

In der nächsten Ausbaustufe soll Meet & Seat dem Vernehmen nach zu einer Art basisdemokratischen Abstimmplattform ausgebaut werden. Dann können wir Businessreisende endlich gemeinsam beschließen, dass die Familie mit Schreikindern nach ganz hinten umgesetzt wird. (weiterlesen …)

Facebook und die Suche nach der verlorenen Zeit

Freitag, 03. Februar 2012

Der neue Look von Facebook

Rechtzeitig zum Börsenstart hat Facebook eines der größten Veränderungen der letzten Jahre vorgenommen. Sie heisst “Timeline” – und es hat schon mächtig Ärger deswegen gegeben. Das behauptet jedenfalls die MacWelt, der zufolge sich die Gemeinde in zwei feindliche Lager gespaltet hat.

Die einen finden es toll, dass Facebook alles, was ich je gepostet habe, chronologisch ordnet und als etwas wirres Potpourrie von Bilder, Texten und Querverweisen anordnet, und die anderen – na ja, eben nicht. Sie fühlen sich nämlich gegenihren Willen ausspioniert. Wobei sich mir die Frage aufdrängt: Warum sind sie dann überhaupt auf facebook, wenn nicht, um sich nach Leibeskräften zu outen? (weiterlesen …)

Pinklen und Posten

Mittwoch, 25. Januar 2012

Jetzt hab’ ich’s auch verstanden!

LDO, oder: Das Ende von E-Mail

Dienstag, 06. September 2011

Meine Tochter schreibt keine Mails mehr. „Oh Papa, E-Mail ist doch so 20stes Jahrhundert“, meinte sie neulich. Stattdessen benützt sie Facebook, um mit ihren vielen „Freunden“ – oder das, was sie für Freunde hält – zu kommunizieren. Als sie kürzlich mit ihrem Freund Schluss machte, tat sie das sozusagen coram publico auf ihrer Facebook-Seite, unter reger Zuschauerbeteiligung: Die einen waren dafür, den Typ in die Wüste zu schicken, die anderen rieten ihr, es nochmal mit ihm zu probieren. Die Debatte endete eins zu null für die Wüste.

In der kleinen Analystenfirma, an der ich beteiligt bin, tobt gerade auch ein Streit darüber, ob E-Mail noch zeitgemäß sei. Eine Fraktion (und es sind diesmal komischerweise die Älteren) ist dafür, für die interne Kommunikation auf ein so genanntes „Microblogging“ namens Yammer umzustellen, das wie Twitter funktioniert, nur dass der Benutzerkreis auf die eigenen Mitarbeiter beschränkt bleibt. Wir schreiben uns zu viele Mails, meinen die Yammer-Anhänger, da hat man keine Übersicht mehr. Die Gegner (die Jüngeren, wie gesagt) scheuen vor der totalen Transparenz zurück: Da könne ja jeder alles lesen, da könne man ja niemandem mehr etwas im Vertrauen sagen. Das Ende der Debatte steht noch aus.

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Facebook Friends on Google+

Donnerstag, 07. Juli 2011

Friendly guy:

Guess who’s the most popular person on Google+, the hot new social network brought to you by our favorite search engine operators? Mark Zuckerberg, that’s who. And don’t tell me you don’t know who he is – the contraversial founder of arch-rival Facebook and the star of a vastly overrated Hollywood movie (yes, I’ve seen it, and it sucks!) (weiterlesen …)

Nehmt Deutschland vom Netz!

Sonntag, 03. Juli 2011

Ein Gespenst geht um in Deutschland. Unheimliche Nachrichten werden mit Hilfe eines konspirativen Kommunikationssystems an der Staatsgewalt vorbei ausgetaucht, am Ende rotten sich dann erst hunderte, dann tausende, inzwischen sogar schon zehntausende wildaussehender, gewaltbereiter Gestalten auf mehr oder weniger öffentlichen Plätzen zusammen und bedrohen berauscht und pöbelnd die Öffentliche Ordnung. Wer gebietet diesem gesetzlosen Umtrieb endlich ein Ende? (weiterlesen …)

Twitter als Unterrichtsfach?

Freitag, 24. Juni 2011

Wie lang ist lang genug? Goethes „Faust“ kommt in der Dünndruckausgabe auf 646 Seiten. Der dickste (9cm) Einzelband in meinem Regal, „Das neue Naturheilverfahren“ von F.E. Bilz aus dem Jahr 1894, bringt 1916 Seiten. Wer bietet mehr?

Am anderen Ende der Skala steht heute Twitter, das dem nach Verbreitung Gierenden nur 140 Zeichen Platz lässt. Irgendwo dazwischen liegt Facebook, wo die Länge eines „personal status message“ neulich von 160 auf 420 Zeichen herausgesetzt wurde.

Junge Menschen wachsen in dieser Welt der Kurznachrichten auf, aber in der Schule ist offenbar eher Masse als Klasse gefragt. Über Google kam ich auf ein Diskussionsforum namens „Freundeskreis netter Leute mit schlauen Kids – Anlaufstelle für Leute mit Hochbegabten Ableger“, wo unter anderem die Frage gestellt wurde: „Wie lang muss ein Schulaufsatz sein?“ Ein bis zwei Seiten, so der Tenor der meisten Antworten, es dürfen aber auch drei oder mehr sein. DIN-A4-Seiten, versteht sich.

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